Ansprache von Papst Johannes Paul II. an den Rat der Evangelischen Kirche [1980]

Vom 15. bis 19. November 1980 besuchte Seine Heiligkeit Papst Johannes Paul II. die Bundesrepublik Deutschland. Auf Einladung von Bundespräsident Karl Carstens hat der Papst seinen pastoralen Besuch mit einem offiziellen in Bonn verbunden. Am 15. November gab der Bundespräsident einen Empfang zu Ehren Seiner Heiligkeit auf Schloß Augustusburg in Brühl bei Bonn. Dort führte Papst Johannes Paul II. auch ein Gespräch mit Bundeskanzler Helmut Schmidt. Gleichzeitig traf Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher mit Kardinal-Staatssekretär Casaroli zusammen. Im Anschluß an den offiziellen Teil begab sich der Papst auf den Bonner Münsterplatz, um dort eine Ansprache zu halten. Ferner bestand der pastorale Teil aus Besuchen in Köln, Osnabrück, Mainz, Fulda, Altötting und München. In allen diesen Städten hielt Papst Johannes Paul II. die Heilige Messe. Eigentlicher Anlaß seines Aufenthaltes in der Bundesrepublik war der 700. Todestag von Albertus Magnus (1193-1280), dessen Grab der Papst in Köln besuchte. Bundespräsident Karl Carstens und Papst Johannes Paul II. auf Schloß Augustusburg in Brühl.

Bundespräsident Karl Carstens und Papst Johannes Paul II. auf Schloß Augustusburg in Brühl.

Mainz, 17. November 1980

Sehr geehrter Herr Ratsvorsitzender,
verehrte Mitglieder des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland,
liebe Mitchristen!

„Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!“. Mit diesem Worten des Völkerapostels grüße ich Sie und alle, die Sie vertreten. Von Herzen danke ich allen, die diese Begegnung im Lande, in dem die Reformation ihren Anfang nahm, ermöglicht haben.

Besonderen Dank schulde ich Ihnen, Herr Ratsvorsitzender, für Ihr hilfreiches Wort, das uns die Dimension dieser Stunde und noch mehr die unserer christlichen Sendung vergegenwärtigt hat. Im Wissen um diese Gegebenheiten dürfen wir – wie einst Paulus – hoffen, daß wir „miteinander Zuspruch empfangen“.

Unser Zusammensein in dieser Morgenstunde ist für mich ein tiefgründiges Symbol, so daß ich mit den Worten eines alten Hymnus sprechen möchte: „Das Morgenrot steigt höher schon, wie Morgenrot geh’ Er uns auf; in seinem Vater ganz der Sohn und ganz der Vater in dem Wort“. Daß Christus in unserer Mitte und in diesem Lande als das Licht des Lebens und der Wahrheit leuchten möge, ist unser gemeinsamer Wunsch.

Ich erinnere mich in dieser Stunde daran, daß Martin Luther 1510-11 als Pilger, aber auch als Suchender und Fragender zu den Gräbern der Apostelfürsten in Rom kam. Heute komme ich zu Ihnen, zu geistlichen Erben Martin Luthers; ich komme als Pilger. Ich komme, um mit dieser Begegnung in einer gewandelten Welt ein Zeichen der Verbundenheit in den zentralen Geheimnissen unseres Glaubens zu setzen.

Vieles drängt sich bei unserer brüderlichen Begegnung auf, viel mehr als wir in der knappen Zeit und mit unseren begrenzten Kräften zu sagen vermögen. Lassen Sie mich zu Beginn unseres Gespräches vorab zum Ausdruck bringen, was mich besonders bewegt. Ich tue es im Anschluß an das Zeugnis des Römerbriefes, jener Schrift, die für Martin Luther schlechterdings entscheidend war. „Diese Epistel ist das rechte Hauptstück des Neuen Testaments und das allerlauterste Evangelium“, schreibt er 1522.

In der Schule des Völkerapostels kann uns bewußt werden, daß wir alle der Umkehr bedürfen. Es gibt kein christliches Leben ohne Buße. „Es gibt keinen echten Ökumenismus ohne innere Bekehrung“. „Wir wollen uns nicht gegenseitig richten“. Wir wollen aber einander unsere Schuld eingestehen. Auch hinsichtlich der Gnade der Einheit gilt: „Alle haben gesündigt“. Das müssen wir in allem Ernst sehen und sagen und unsere Konsequenzen daraus ziehen. Wichtiger ist, daß wir immer tiefer erkennen, welche Konsequenzen der Herr aus dem menschlichen Versagen zieht. Paulus bringt das auf den Nenner: „Wo die Sünde mächtig wurde, ist die Gnade übergroß geworden“.

Gott hört nicht auf, „sich aller zu erbarmen“. Er schenkt seinen Sohn, er schenkt sich, er schenkt Verzeihung, Rechtfertigung, Gnade, ewiges Leben. Miteinander dürfen wir dies bekennen.
Sie wissen, daß Jahrzehnte meines Lebens von Erfahrungen mit den Herausforderungen des Christentums durch Atheismus und Unglauben geprägt worden sind. Um so deutlicher steht mir vor Augen, was unser gemeinsames Bekenntnis zu Jesus Christus, seinem Wort und Werk in dieser Welt bedeutet und wie wir durch das Gebot der Stunde zur Überwindung unserer noch kirchentrennenden Unterschiede und zum Zeugnis von unserer wachsenden Einheit gedrängt werden.

Jesus Christus ist unser aller Heil. Er ist der eine Mittler. „Ihn hat Gott dazu bestimmt, Sühne zu leisten mit seinem Blut, Sühne, wirksam durch Glauben“. Durch ihn haben wir „Frieden mit Gott“ und untereinander. Kraft des Heiligen Geistes werden wir seine Geschwister, wahrhaft und wesentlich Kinder Gottes. „Sind wir alle Kinder, dann auch Erben; wir sind Erben Gottes und sind Miterben Christi“.

Daß wir dieses miteinander glauben und bekennen, ist bei der Besinnung auf die Confessio Augustana und in zahlreichen Kontakten neu bewußt geworden. Die deutschen Bischöfe haben in ihrem Hirtenwort „Dein Reich komme“ (20.1.1980) davon Zeugnis gegeben. Sie haben den katholischen Gläubigen gesagt: ”Freuen wir uns, daß wir nicht nur einen Teilkonsens in einigen Wahrheiten entdecken können, sondern eine Übereinstimmung in zentralen Grundwahrheiten. Das läßt uns die Einheit auch in den Bereichen unseres Glaubens und Lebens erhoffen, in denen wir bis zur Stunde noch getrennt sind“.

Alle Dankbarkeit für das uns Verbleibende und uns Verbindende darf uns nicht blind machen für das, was immer noch trennend zwischen uns steht. Wir müssen es möglichst miteinander ins Auge fassen, nicht um Gräben zu vertiefen, sondern um sie zu überbrücken. Wir dürfen es nicht bei der Feststellung belassen: „Also sind und bleiben wir ewiglich geschieden und wider einander“.

Miteinander sind wir gerufen, im Dialog der Wahrheit und der Liebe die volle Einheit im Glauben anzustreben. Erst die volle Einheit gibt uns die Möglichkeit, uns eines Sinnes und eines Glaubens an dem einen Tisch des Herrn zu versammeln. Um was es bei diesem Bemühen vor allem geht, können wir uns von Luthers Römerbriefvorlesungen 1516-1517 sagen lassen. Er lehrt, daß der „Glaube an Christum, durch den wir gerechtfertigt werden, nicht allein darinnen besteht, daß man an Christus oder genauer an die Person Christi, sondern an das glaubt, was Christi ist“. „Wir müssen an ihn glauben und an das, was sein ist“. Auf die Frage: „Was ist denn dies?“ verweist Luther auf die Kirche und ihre authentische Verkündigung. Wenn es bei den Dingen, die zwischen uns stehen, lediglich um die „von Menschen eingesetzten kirchlichen Ordnungen“ ginge, könnten, müßten die Schwierigkeiten alsbald ausgeräumt sein. Nach katholischer Überzeugung betrifft der Dissens das, „was Christi ist“, „was sein ist“; seine Kirche und ihre Sendung, ihre Botschaft und ihre Sakramente sowie die Ämter, die in den Dienst von Wort und Sakrament gestellt sind. Der seit dem Konzil geführte Dialog hat uns diesbezüglich ein gutes Stück weitergeführt. Gerade in Deutschland ist mancher wichtige Schritt getan worden. Das kann uns zuversichtlich machen angesichts der noch unbewältigten Probleme.

Wir müssen im Gespräch und Kontakt bleiben. Die Fragen, die wir miteinander anzusprechen haben, fordern ihrer Natur nach noch eine umfassendere Behandlung, als sie hier und heute möglich ist. Ich hoffe, daß wir gemeinsam Wege finden, unser Gespräch fortzusetzen. Gewiß werden die deutschen Bischöfe und die Mitarbeiter des Sekretariates für die Einheit der Christen dabei mithelfen.

Wir dürfen nichts unversucht lassen. Wir müssen tun, was eint. Wir schulden es Gott und der Welt.

„Laßt uns nach dem streben, was dem Frieden und dem Aufbau dient!“. Jeder von uns muß sich mit Paulus sagen: „Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde“. Wir sind gerufen, Zeugen des Evangeliums, Zeugen Christi zu sein. Seiner Botschaft entspricht, daß wir gemeinsam Zeugnis geben. Lassen Sie mich wiederholen, was ich am 25. Juni dieses Jahres anläßlich des Confessio-Augustana-Jubiläums gesagt habe: „Der Wille Christi und die Zeichen der Zeit drängen uns zu einem gemeinsamen Zeugnis in wachsender Fülle der Wahrheit und Liebe“.

Groß und schwer sind die Aufgaben, die vor uns liegen. Wären wir allein auf unsere Kraft angewiesen, müßten wir verzweifeln. Gott sei Dank hilft „der Geist unserer Schwachheit auf“. Im Vertrauen auf ihn können wir unser Gespräch fortsetzen, können wir die Taten angehen, die von uns gefordert sind. Lassen Sie uns mit dem wichtigsten Gespräch, mit der notwendigsten Tat beginnen, lassen Sie uns beten! Angesichts der unfaßbaren Gnade Gottes beten wir mit dem Völkerapostel:

„O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unergründlich sind seine Entscheidungen, wie unerforschlich seine Wege! Denn wer hat die Gedanken des Herrn erkannt?

Oder wer ist sein Ratgeber gewesen? Wer hat ihm etwas gegeben, so daß Gott ihm etwas zurückgeben müßte? Denn aus ihm und durch ihn und auf ihn hin ist die ganze Schöpfung. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen“.

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Quelle

Zum Bild: Vom 15. bis 19. November 1980 besuchte Seine Heiligkeit Papst Johannes Paul II. die Bundesrepublik Deutschland. Auf Einladung von Bundespräsident Karl Carstens hat der Papst seinen pastoralen Besuch mit einem offiziellen in Bonn verbunden. Am 15. November gab der Bundespräsident einen Empfang zu Ehren Seiner Heiligkeit auf Schloß Augustusburg in Brühl bei Bonn. Dort führte Papst Johannes Paul II. auch ein Gespräch mit Bundeskanzler Helmut Schmidt. Gleichzeitig traf Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher mit Kardinal-Staatssekretär Casaroli zusammen. Im Anschluß an den offiziellen Teil begab sich der Papst auf den Bonner Münsterplatz, um dort eine Ansprache zu halten. Ferner bestand der pastorale Teil aus Besuchen in Köln, Osnabrück, Mainz, Fulda, Altötting und München. In allen diesen Städten hielt Papst Johannes Paul II. die Heilige Messe. Eigentlicher Anlaß seines Aufenthaltes in der Bundesrepublik war der 700. Todestag von Albertus Magnus (1193-1280), dessen Grab der Papst in Köln besuchte. Bundespräsident Karl Carstens und Papst Johannes Paul II. auf Schloß Augustusburg in Brühl.

7 Kommentare zu “Ansprache von Papst Johannes Paul II. an den Rat der Evangelischen Kirche [1980]

  1. Johannes Paul II., Mainz, 17. November 1980: „Heute komme ich zu Ihnen, zu geistlichen Erben Martin Luthers; ich komme als Pilger.“

    Aber noch scheußlicher war die an diesem Tag geäußerte Häresie und Apostasie, daß der Alte Bund fortbestehe und daß die Christus ablehnenden Juden innerhalb seiner Kirche seien.

    Johannes Paul II. gegenüber Vertretern der jüdischen Gemeinde, Mainz, 17. November 1980: „Die erste Dimension dieses Dialogs, nämlich die Begegnung zwischen dem Gottesvolk des von Gott nie gekündigten Alten Bundes und dem des Neuen Bundes, ist zugleich ein Dialog innerhalb unserer Kirche
    http://w2.vatican.va/content/john-paul-ii/de/speeches/1980/november/documents/hf_jp_ii_spe_19801117_ebrei-magonza.html

  2. @Ci-devant 15. Oktober 2016 um 10:55
    „Aber noch scheußlicher war die an diesem Tag geäußerte Häresie und Apostasie…“

    Am scheußlichsten war die „Heiligsprechung“ dieses Apostaten.

    Hat Johannes Paul II. seine Inspirationen von Satan bezogen? Diese Frage ist nicht unbedeutend. Denn das einzige, was er nicht direkt zugab war, das was Luther zugegeben hat: „Ich beziehe meine Inspirationen von Satan!“ Das hat er wortwörtlich gesagt. Die Inspirationen von Johannes Paul II. kommen aus derselben Quelle, nur heutzutage zitiert man Quellen offenbar nicht so gern.

    Verheerend war seine Haltung in Glaubensfragen, seine „humanistische Allerlösung“, wie sie in Assisi 1986 zum ersten Mal vor der Welt zelebriert wurde. Insbesondere in bezug auf das erste Gebot: „Höre Israel. Ich bin der Herr, dein Gott! Du sollst keine falschen Götter neben mir haben!“ –

    Dieses elementare Gebot wurde beim Religionstreffen in Assisi 1986 öffentlich aufs fürchterlichste übertreten. Durch diese Manifestation wurde eindeutig gesagt: Seht, es gibt viele Wege zu Gott. Die Kirche hat endlich aufgehört darauf zu bestehen, sie sei der einzige Weg zum Vater.

    Deswegen bleibt die Strafe nicht aus. Und Rom wird am wenigsten verschont bleiben.
    Schwester Lucia von Fatima sagte zu Pater Fuentes: „Glauben Sie mir, der Herr wird die Welt sehr bald strafen. Stellen Sie sich die größte Züchtigung vor.“

    Diese falschen Religionsgemeinschaften durften teilweise ihren Götzendienst sogar in katholischen Kirchen durchführen. Diese Assisi-Treffen sind ein fürchterlicher Verstoß gegen das erste Gebot Gottes, ja gegen Gott selbst.

    Für Wojtyla bedeutete Fatima nichts! Was sagt dieser Ketzer doch:
    „… Auch haben die Privatoffenbarungen keinen Nutzen, was die Frömmigkeit der Gläubigen betrifft. Sie gelten nicht für Theologen, und noch weniger können sie behaupten, das Verhalten des Papstes zu diktieren“

  3. @Alexius,

    dass Luther ein furchtbarer Irrlehrer war ist nichts Neues.
    Aber dass er selbst zugegeben haben soll
    er habe seine Inspirationen direkt vom
    Fürsten der Finsternis erhalten hat mich
    doch schwer erschüttert !
    In welcher Biografie wird das beschrieben ?

  4. Die Aussage stammt von Kirchenrechtler DDr. Hesse bei seinem Frage-Antwort-Vortrag „Was Sie schon immer fragen wollten“ am 24.4.2001 in Hattersheim.

    Fragesteller: „Worin besteht die Würde des Menschen nach katholischer Lehre? Oft begnügt man sich mit der Feststellung, daß er das Abbild bzw. das Ebenbild Gottes sei. Aber was heißt denn eigentlich Abbild bzw. Ebenbild und von welcher Art ist die Würde, die dadurch begründet wird.“

    DDr. Hesse: „Die Antwort gibt Hochw. Pater Gaudron ganz großartig in dem herzlich empfohlenen katholischen Katechismus der Kirchenkrise, erhältlich bei der Bruderschaft St. Pius X.
    Das Dekret über die Religionsfreiheit begründet die Religionsfreiheit mit der Würde der menschlichen Person. Pater Gaudron zitiert das Konzil und sagt hier völlig richtig: Dies ist eine Verwechslung der wurzelhaften Würde des Menschen mit der vollendeten Menschenwürde. Die wurzelhafte Würde des Menschen besteht darin, daß er eine Geist-Seele hat und daher mit Verstand und freiem Willen begabt ist.

    Ich (Hesse) füge ein: was das Tier ja nicht ist. Da kann Johannes Paul II. noch so oft sagen, daß der Hund und die Katze eine Seele haben, das mag vielleicht in Krakau so sein, aber hier ist es nicht so. „Sie [die wurzelhafte Würde] besteht auch darin, daß der Mensch von Gott zu einem übernatürlichen Ziel, nämlich der Anschauung Gottes, berufen ist…

    Diese Würde muß aber dadurch entfaltet und vollendet werden, daß der Mensch in seinem Denken und Handeln dem Guten anhängt und nach seiner Verwirklichung strebt. Tut er dies nicht, sondern mißbraucht er seine Freiheit zum Bösen, verliert er auch seine Würde. Erzbischof Lefebvre schreibt daher: Doch soweit als der Mensch dem Irrtum anhängt oder sich an das Böse bindet, verliert er seine vollendete Würde oder erreicht sie nicht. Ein Mörder hat also nicht dieselbe Menschenwürde wie ein Heiliger. In diesem Leben verliert der Mensch seine wurzelhafte Würde zwar nie, da auch der schlimmste Verbrecher sich noch bekehren und sein Leben ändern kann, aber die Verdammten in der Hölle haben ihre Würde vollständig verloren.

    Fragesteller: „Ging die Menschenwürde durch den Sündenfall völlig verloren oder nur in gewisser Hinsicht?
    Läßt sich das folgern aufgrund der Stelle in der hl. Messe ‚Gott du hast den Menschen in seiner Würde wunderbar erschaffen und noch wunderbarer erneuert‘, scheint mir keine Entscheidung darüber möglich zu sein, da sie auch mit einem Verlust der Würde nur in gewisser Hinsicht verträglich ist.

    Dr. Hesse: „Das ist jetzt eine vom Fragesteller unterlassene Unterscheidung, eine Unterscheidung die auch Johannes Paul II. noch nie in seinem Leben eingeleuchtet ist. Die Unterscheidung zwischen dem „Imago Dei“, dem Bild Gottes und der „Similitudo Dei“, der Ähnlichkeit Gottes. Hierzu ist es sehr wertvoll, sich die Dekrete des Konzils von Trient zu besorgen, die sowieso studierenswert sind, nämlich über die Rechtfertigung, genau das wo der Herr Dr. Luther angefangen hat, seinen theologischen Keil in die Kirche treiben zu wollen.
    Der Mensch, Adam und Eva, sind geschaffen worden als Ebenbild Gottes in der Ähnlichkeit Gottes: Similitudo Dei. Adam und Eva hatten von Anbeginn ihrer Schöpfung die heiligmachende Gnade. Adam und Eva haben mit dem Sündenfall die heiligmachende Gnade verlierend, die Ähnlichkeit Gottes verloren, die Similitudo Dei.
    Die Menschenwürde ging also durch den Sündenfall nicht völlig verloren. Das Imago Dei, das Abbild Gottes, ist erhalten geblieben.

    Und das ist das Wesen der Erbsünde, daß seit damals kein einziger Mensch, außer der Gottesmutter, jemals wieder in das Similitudo Dei, in der Ähnlichkeit Gottes, auf die Welt gekommen ist, sondern immer nur als Imago Dei, als Abbild Gottes.

    Das große Dekret der Rechtfertigung des Konzils von Trient unterstreicht die Tatsache, daß die Taufe eben deswegen heilsnotwendig ist, weil das Abbild Gottes niemals vor Gott treten kann, wenn es nicht die Gottähnlichkeit hat. Folglich darf ich wieder einmal unseren verehrten Pius X. zitieren, der gesagt hat: ‚Die einzige Menschenwürde liegt in seinem Christsein.‘ Das heißt, die Menschenwürde hat wirklich nur derjenige, der im Stand der heiligmachenden Gnade ist..

    Und Papst Johannes Paul II. hat wieder einmal die uns mittlerweile schon fast vertraut gewordene Unverschämtheit, ein Bibelzitat völlig zu mißbrauchen. Aber wirklich auf die unverschämteste, auf eine Art und Weise zu mißbrauchen, wo jeder Mittelschullehrer sofort ein Nichtgenügend stempeln würde. Er sagt nämlich in „Redemptor hominis“, seiner ersten Enzyklika, seiner sog. Antrittsenzyklika, ein himmelschreiend blödsinniges Dokument, und häretisch und blasphemisch, sagt er:

    ‚…denn es ist ja jeder Mensch erschaffen im Ebenbild und der Ähnlichkeit Gottes.‘ Jetzt plötzlich ist es jeder Mensch. Und er zitiert das Buch Genesis wo steht: ‚Dann wurde der Mensch erschaffen als Abbild und in der Ähnlichkeit Gottes‘, also Adam und Eva vor dem Sündenfall. Und Johannes Paul II., der wahrscheinlich glaubt, daß die Hölle leer ist, wie Hans Urs von Balthasar es ja gelehrt hat mit seiner Adrienne von Speyr, nimmt dieses Zitat aus Genesis, das den Zustand des Menschen vor der Erbsünde beschreibt, um es auf alle Menschen auszudehnen, d.h. die Hölle ist leer.
    Denn wenn jeder Mensch von Beginn an in der Ähnlichkeit Gottes ist, dann ist die Taufe auch unnötig, was eine grauenvolle Häresie wäre.

    Die Frage ist also gerade in der heutigen Zeit von großer Wichtigkeit, da ja Johannes Paulus II. alles was Luther je getan und gesagt hat, ziemlich in den Schatten stellt.
    Das einzige, was er noch nicht direkt zugegeben hat, falls er das zugeben kann ist das was Luther zugegeben hat. Luther hat ganz offen gesagt: ‚Ja ich beziehe meine Inspirationen vom Satan!‘ Das hat er wortwörtlich gesagt. Die Inspirationen von Johannes Paul II. kommen aus derselben Quelle, nur heutzutage zitiert man Quellen nicht offenbar so gern oder er hat wieder einmal in seiner Gründlichkeit die Quelle nicht nachgeschlagen.“

  5. @ Alexius,

    herzlichen Dank für diese Erklärung.
    Jetzt ist auch mir klar, warum die meisten protestantischen Gruppierungen
    die Verehrung unserer allerseligsten Mutter MARIA ablehnen.

    In diesem Zusammenhang ist es unglaublich, dass die Deutsche Bischofskonferenz in ihrer sog. Arbeitshilfe Nr. 284 den Erzhäretiker
    Luther als „Zeuge des Evangeliums, Lehrer im Glauben und Rufer zur
    geistigen Erneuerung“ gewissermaßen als „Kirchenlehrer“ hochstilisiert.
    Das ist doch eine satanische Verblendung dieser „Kirchenfürsten“, diesen
    Selbstmörder welcher unermessliches Leid über die einzig wahre Kirche
    unseres Herrn und die Welt gebracht hat, so zu loben.
    Man kann für diese Bischöfe nur noch beten, damit ihnen der Herr einst
    ein gnädiger Richter sein wird.

  6. Mit dem gnädigen Gericht wird es hapern, denn wir haben es mit der Sünde wider den Heiligen Geist zu tun, die weder hier noch im künftigen Leben vergeben wird.

    Aufschlussreicher Artikel von Wolfram Schrems in katholisches.info (Auszug):

    Zum bevorstehenden Lutherjahr: Eine Rezension als kritischer Beitrag zu den Wurzeln lutherischer Theologie
    18. November 2014

    Paul Hacker: „Das Ich im Glauben bei Martin Luther“

    Wolfram Schrems *):
    „In Zeiten wie diesen sollen..die Katholiken und alle Menschen guten Willens, einschließlich nicht-katholischer Christen, im Hinblick auf 500 Jahre Wittenberg und 100 Jahre Fatima 2017 auf den revolutionären und destruktiven Charakter des neuen und unbiblischen Glaubenssystems bei Luther zum Zwecke der geistlichen Besinnung und allfälligen Neuausrichtung des eigenen Lebens hingewiesen werden.

    Es lohnt sich also mehrfach, sich mit den Voraussetzungen der lutherischen Lehre zu beschäftigen. Das ICH im Glauben bei Martin Luther – Der Ursprung der anthropozentrischen Religion von Paul Hacker bietet dazu einen hervorragenden Einstieg.

    Hackers Buch ist ein echter Fund. Das Buch ist wissenschaftlich anspruchsvoll, aber keine reine Spezialistenliteratur, es ist übersichtlich gestaltet und spannend geschrieben. Die vielen gut eingesetzten Luther-Zitate zeugen von hervorragender Literaturkenntnis.

    „Reformation“?
    Die ausführlichst belegte Grundthese des Buches ist, daß Martin Luther kein „Reformer“ war, in dem Sinne, daß er eine aus der Form geratene Glaubenspraxis wieder in die rechte Form zurückgebracht hätte (lat. re-formare), sondern, daß er im Gegenteil ein völlig neues Glaubenssystem erfunden hat, das er auf verschiedene, aus dem Zusammenhang gerissenen Bibelverse unter Außerachtlassung der gesamten 1500jährigen Tradition errichtet hat. Und in diesem System ist er der einzige Interpret, Prophet und gleichsam unfehlbare Papst.

    Inhaltlich besteht dieses System in der sogenannten reflexiven, „apprehensiv-statuierenden“ Aneignung des Heils in einem neuartig konzipierten Glaubensvollzug („Fiduzialglauben“).

    Auf gut Deutsch gesagt:
    Jeder, der sich nur fest genug einredet, die Gnade Gottes zu erlangen, hat sie schon erlangt, kann sie nicht verlieren und muß sich ihrer im Handeln nicht würdig erweisen (Verwerfung der „Werke“). Lediglich die Rezitation einiger Bibelverse zum Zweck der Selbstvergewisserung, d. h. ihrer selbsthypnotisch Beziehung auf das Selbst (darum „anthropozentrische Religion“), ist de facto notwendig.
    Das widerspricht dem althergebrachten, biblisch grundgelegten katholischen Glauben, wonach Glaube, Hoffnung und Liebe zusammengehören und sich in einem entsprechenden Lebenswandel bewähren müssen. Eine Heilsgarantie besteht nicht, die beständige Möglichkeit des Abfalls muß zur Wachsamkeit ermutigen.

    Verdrängung der letzten Fragen und Seelenleid
    Um das ewige Heil zu erlangen, sind richtiger Glaube und richtiges Handeln von entscheidender Bedeutung. Das richtige Handeln (besonders gemäß Mt 5 – 7, Mt 25, 31ff u. v. a.) ermöglichte historisch gesehen den Aufbau einer menschenwürdigen abendländischen Zivilisation (die derzeit bewußt abgebrochen wird). Wer sich aber weder um Glauben noch um richtiges Handeln schert, wird verdammt (Mk 16, 16 u. a.).

    Und das ist derzeit sehr aktuell:
    Das sogenannte „Mittelalter“ kannte noch die Höllenangst. Tief drinnen im Gewissen wußte der Christ jener Zeit immer, daß er sein Leben aus eigener Schuld so gestalten bzw. verunstalten kann, daß er umsonst gelebt hat und das Ziel, zu dem er hin ursprünglich geschaffen ist, nicht erreichen wird.
    Das nennt man „Hölle“, eines der prominentesten und derzeit am meisten verdrängten Themen des Neuen Testamentes.

    Heutzutage ist – auch aufgrund des schrecklichen Versagens der kirchlichen Lehrunterweisung im Gefolge des II. Vaticanums – dieses Bewußtsein verschwunden. Genauer gesagt, es ist abgedrängt worden.
    Daher einerseits auch die unfaßbare Verrohung des Lebens in unserer Gesellschaft. Was Massenabtreibung, Kindesmißbrauch und die Ausbreitung menschenverachtender, totalitärer Ideologien nur allzu deutlich zeigen.

    Nach dem Abdrängen eines hellen und ausfluchtfreien moralischen Bewußtseins vor Gott wuchern andererseits die Gewissensängste – die man freilich nicht mehr so nennt. Aus dem chronisch schlechten Gewissen werden dann die berühmten „psychischen Krankheiten“ – zumindest viele von ihnen. Und da man die traditionellen Therapievorschläge (aufrichtiges Schuldeingeständnis, Beichte, Buße, entschlossene Besserung des Lebenswandels, Suche nach dem Willen Gottes) nicht mehr kennt – oder verlacht – greift man zu ungeeigneten Mitteln.

    Kein Medikament und keine atheistisch konzipierte „Psychotherapie“ dieser Welt können aber Gewissensfrieden schenken. Oder das endgültige Heil.

    Luther ist jedoch genau einer der ersten, der eine Art von „Psychotherapie“ anbieten, insofern ist er sehr „modern“. Hacker spricht in diesem Zusammenhang von „Bewußtseinsverdrängungsübung“ (145) und sogar „Flucht vor Gott“ ……
    Die (dogmatisch genau umrissene) Unfehlbarkeit des Papstes in Fragen des Glaubens und der Moral verschiebt sich zur Person Martin Luthers. Er selbst ist der einzig Unfehlbare in seinem Glaubenssystem.

    Dieses hat mit der Bibel nur das zu tun, daß er einige ausgewählte Verse, vornehmlich aus dem Römerbrief und dem Galaterbrief, gegen den gesamten biblischen Glauben ausspielt. Das Sola Scriptura – Prinzip ist überdies eine von außen an den Bibeltext herangetragene ideologische Vorentscheidung. Es zieht mit innerer Notwendigkeit eine willkürliche und rabulistische Bibelauslegung nach sich – für die wiederum Luther selbst die ausschließliche Kompetenz besitzt.

    Nachdem dieses System theoretisch und praktisch egozentrisch ist, wird der „Reformator“ aggressiv: Gegen die „Papisten“, gegen die Mönche, gegen die Juden, gegen die Bauern, gegen die Frauen, gegen die „Schwarmgeister“ – und ständig neue Spaltungen innerhalb der „Reformation“ sind die Folge.
    Der falsche Prophet wird an den schlechten Früchten erkannt…“

    Paul Hacker, Das ICH im Glauben bei Martin Luther – Der Ursprung der anthropozentrischen Religion

    *) MMag. Wolfram Schrems, katholischer Theologe, Philosoph, Katechist, reiche Erfahrung im interkonfessionellen Gespräch

  7. @Alexius 16. Oktober 2016 um 23:07

    Zitat
    „Das sogenannte „Mittelalter“ kannte noch die Höllenangst. Tief drinnen im Gewissen wußte der Christ jener Zeit immer, daß er sein Leben aus eigener Schuld so gestalten bzw. verunstalten kann, daß er umsonst gelebt hat und das Ziel, zu dem er hin ursprünglich geschaffen ist, nicht erreichen wird.
    Das nennt man „Hölle“, eines der prominentesten und derzeit am meisten verdrängten Themen des Neuen Testamentes.“

    Ja, wobei diese „Höllenangst“ fast nur die einfachen Menschen kannten und fürchteten, nicht aber die höheren Schichten und Stände (Könige, Fürsten) und auch nicht die Kirchenleitung. Viele von ihnen führten ein gottloses und ruchloses Leben in Machtgier, Hurerei, Mehrfachheiraten, Mord, Intrigen und vieles mehr, was die „Hölle“ durchaus bedingt und hatten doch keine Skrupel davon. Sie glaubten davon befreit zu sein. Sie beuteten die ärmeren Schichten aus und leben selber wie die Schweine. Selbst viele Heilige dieser Zeiten haben solche Zustände zu Recht angeklagt. In einem solchen Umfeld ist eine Reformation damals leichter möglich geworden, wenn es auch die Probleme und Zustände keinesfalls aufgehoben hat.

    Wir sind heute nicht viel weiter, doch die offizielle, amtl. röm.-kath. Kirche (= KIRCHE) ist nie untergegangen und wird es auch nie. Die Sedisvakantisten-Sektierer werden die komplette Zerstörung der KIRCHE in den kommenden Drangsalen mit den Satanisten, Modernisten, Agnostiker und Atheisten auch nicht schaffen. Das reicht vollkommen aus.

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