Franziskus erneut im Kaukasus

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Besucht Georgien und Aserbaidschan: Papst Franziskus nach seiner Ankunft auf dem Rollfeld des Flughafens von Tiflis. Foto: CNA

Der Papst lobt Georgien als „Brücke zwischen Europa und Asien“
und mahnt zum Frieden unter den Völkern.

Von Stephan Baier

 

Tiflis (DT) Mit einer Rede im Präsidentenpalast Georgiens hat Papst Franziskus am Freitagnachmittag in Tiflis (Tbilisi) seine zweite Kaukasus-Reise begonnen. Die erste führte ihn im Juni nach Armenien, nun besucht der Heilige Vater innerhalb von drei Tagen das orthodox geprägte Georgien und das mehrheitlich muslimische Aserbaidschan. Georgien füge sich „auf fruchtbare und besondere Weise in den Schoß der europäischen Zivilisation ein“, sagte Franziskus vor Vertretern der Regierung, der Zivilgesellschaft und der Diplomatie. Das Land sei „eine natürliche Brücke zwischen Europa und Asien, ein Scharnier“. Der Papst mahnte zugleich eine „Gesinnung gegenseitiger Wertschätzung“ und – mit Blick auf die russische Aggression gegen Georgien und die gewaltsame Abspaltung zweier Gebiete – die „Achtung der souveränen Sonderrechte jedes Landes im Rahmen des internationalen Rechts“ sowie ein „friedliches Zusammenleben unter den Nationen“ an.

Auch auf die ökumenisch angespannte Lage ging Franziskus im Präsidentenpalast ein. Die katholische Kirche sei seit Jahrhunderten im Land präsent und teile „die Freuden und die Sorgen des georgischen Volkes“, sagte der Papst, der die Orthodoxie daran erinnerte, dass „das gemeinsame Zeugnis der christlichen Tradition uns vereint“. Die georgische Orthodoxie gehört zu den Ökumene-Skeptikern unter den 14 autokephalen orthodoxen Kirchen und war aus diesem Grund dem Panorthodoxen Konzil auf Kreta ferngeblieben. Wenige Tage vor dem Papstbesuch sagte Patriarch Elias II. nun in Tiflis das ursprünglich geplante gemeinsame Gebet mit dem Papst ab. Dogmatische Verschiedenheiten stünden dem noch entgegen, meinte der kranke und gebrechliche, seit 1977 amtierende Patriarch, den Kenner des Landes für den am meisten Aufgeschlossenen unter den orthodoxen Hierarchen Georgiens halten. „In der Tradition der georgischen Gastfreundschaft“ wolle man den Papst empfangen, „und zwar wie einen Staatsführer“, teilte das Patriarchat mit.

Bischof Giuseppe Pasotto, der als Apostolischer Administrator für die Katholiken des lateinischen Ritus in der Kaukasus-Region zuständig ist, sagte am Donnerstag im Gespräch mit der „Tagespost“ in Tiflis, es habe eine „sehr kleine Demonstration gegen den Papstbesuch gegeben“, von rund 40 oder 50 Personen, begleitet von orthodoxen Priestern. Das sei für die Stimmung im Lande nicht repräsentativ. Der Patriarch habe daraufhin einen Brief an die Priester geschrieben, sie sollten nicht gegen den Papstbesuch demonstrieren: „Er hat uns nicht sehr verteidigt, aber doch ein wenig“, so Pasotto. Der Bischof räumte ein, dass „die georgisch-orthodoxe Kirche eine der am meisten verschlossenen in der orthodoxen Welt“ sei. Darum habe sie nicht am Panorthodoxen Konzil auf Kreta teilgenommen. Auch das jüngst verabschiedete Dokument von Chieti, das sogar die Zustimmung der russischen Orthodoxie fand, sei von der georgischen Orthodoxie nicht angenommen worden.

Von größter Bedeutung sei die katholische Universität in Tiflis, wo auch orthodoxe Laien Theologie studieren. Das seien „Samen für einen Wandel in der Zukunft“. Als Papst Johannes Paul II. Georgien 1999 besuchte, habe das Patriarchat den Gläubigen noch ausdrücklich verboten, zur Messe mit dem Papst zu gehen, diesmal jedoch seien rund die Hälfte der 60 000 Besucher der Papst-Messe am Samstag orthodox. Es gebe unter den Orthodoxen ein sehr großes Interesse am Besuch des Papstes. Er glaube aber, dass die Früchte dieses Papstbesuchs erst in fünf oder zehn Jahren sichtbar sein werden.

Pasotto berichtete im Gespräch mit dieser Zeitung von Diskriminierungen, etwa beim Bau von katholischen Kirchen: Wo der orthodoxe Priester sich dagegenstelle, wage der örtliche Bürgermeister nicht, den Katholiken die Zustimmung zum Kirchenbau zu geben. Auf die Frage, warum der Papst eine Region mit so wenigen Katholiken besuche, meinte Pasotto: „Um zu sehen, wie es dem Herzen geht, misst der Arzt den Puls an der Hand, also an der Peripherie des Körpers. Der Papst macht es genauso, wenn er an die Peripherie der Kirche geht.“ Als er vor zwei Jahren gehört habe, dass Franziskus Armenien besuchen werde, habe er im Vatikan deponiert, der Papst könne nicht nach Armenien gehen, ohne auch nach Georgien und Aserbaidschan zu reisen. „Das sind drei völlig verschiedene Länder derselben Region: Armenien ist armenisch-apostolisch, Georgien orthodox, Aserbaidschan ist muslimisch. Aber diese Länder bilden eine Einheit in ihrer Verschiedenheit.“

Der armenisch-katholische Erzbischof Raphael Minassian meinte am Donnerstagabend im Gespräch mit der „Tagespost“, beim Papstbesuch im Juni in Armenien sei die mit Rom verbundene Kirche an den Rand gedrängt worden. „Wir sollten gar nicht existieren“, so der unierte Erzbischof des armenischen Ritus mit Blick auf die Dominanz der armenisch-apostolischen Kirche beim Besuch von Franziskus in Armenien. Ähnliches drohe jetzt auch in Georgien, wo die armenisch-katholische Kirche mit rund 120 000 Gläubigen die größte unter den katholischen Ritengemeinschaften sei: „die Mehrheit in der Minderheit“. Unter den Katholiken des armenischen, chaldäischen und lateinischen Ritus gebe es allerdings keinerlei Spannungen.

Georgiens Staatspräsident Giorgi Margwelaschwili begrüßte den Papst am Freitag ausdrücklich als „Staatsoberhaupt der Vatikanstadt“ und rühmte die „besonderen Beziehungen unserer beider Länder“. Georgien sei sich stets der Unterstützung bewusst, die es vom Vatikan „auch in schwierigen Zeiten, nicht zuletzt während der jüngsten militärischen Aggression Russlands im August 2008“ erhalten habe. Der Präsident erinnerte auch daran, dass bereits die Apostel das Evangelium in Georgien predigten. „Georgien ist nicht nur ein Teil der europäischen Zivilisation, sondern einer der Architekten dieser Zivilisation“, so Margwelaschwili. Der Besuch des Papstes solle auch „eine kraftvolle Botschaft für die Sicherung von Frieden und Wohlstand in unserer Region“ sein.

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