Jesuitengeneralversammlung: Wahlen, Kommunikation und Umwelt

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Federico Lombardi

Kommenden Montag wählen die Jesuiten einen neuen Generalsuperior in Rom. Für die Wahl haben sich über 200 Jesuiten aus der ganzen Welt an der Jesuitenkurie in Rom versammelt. Der jetzige Leiter, Pater Adolfo Nicolás, hat betont, dass diese Versammlung anders sein wird, denn die Zeiten haben sich geändert und die Gesellschaft Jesu sei sich bewusst, dass es Mut und Vorstellungskraft brauche, um sich den Herausforderungen für die Mission in der heutigen Zeit zu stellen. Pater Lombardi bestätigt das:

„Es gibt unterschiedliche Situationen, denen sich diese Versammlung stellen muss. Sicher auch die Tatsache, dass es ein so dynamisches Pontifikat gibt wie das von Papst Franziskus, mit dem wir uns sehr in Einklang fühlen. Ich denke, da kann es eine gelebte und positive Reflexion geben über den Dienst der Societas Jesu für die Kirche von heute in diesem dynamischen missionarischen Kontext dieses Pontifikats. Dann müssen wir uns natürlich auch den Veränderungen stellen, die es auf der Welt gibt. Diese sind sehr groß, auch wenn es fortlaufende Prozesse sind, müssen wir unsere Mission immer erneuern mit Blick auf diese Prozesse.“

Es ist das 36. Treffen dieser Art, das in unregelmäßigen Abständen – also immer dann, wenn ein Generalsuperior gewählt werden muss – stattfindet. Die letzte Versammlung war 2008, als der Spanier Adolofo Nicolás zum Superior gewählt wurde. Er kündigte Ende 2014 seinen Rücktritt an. Geografisch orientiert sich der Orden stärker denn je nach Afrika und Asien, dort kommt der meiste Nachwuchs her. Allein in Vietnam gab es 1975 noch 26 Jesuiten, heute seien es 210 , 140 davon seien Novizen. „Für uns war es immer wichtig zu betonen, dass wir ein universaler Korpus sind mit Mitgliedern, die aus der ganzen Welt kommen. Allein bei dieser Generalversammlung kommen wir aus 62 verschiedenen Ländern. Wir müssen darüber nachdenken, wie eine so von Kulturen, Unterschieden und Erfahrung reiche Gemeinschaft, verwurzelt im Evangelium, der universalen Kirche und der globalisierten Welt dienen kann. Es gibt eine tiefe Erfahrung, die hilft, der Welt den Herrn Jesus Christus zu verkünden. Wie schaffen wir das? Das hängt natürlich davon ab, wie aufmerksam wir der Inspiration des Herrn folgen, und ob wir auch die Realität ausreichend erforschen. Eine Sache nämlich, die immer in unserer Tradition ist, ist ein spiritueller Dienst, der zugleich von Bildung zeugt, der versucht zu verstehen und dabei auch in die Intelligenz und die Wissenschaft nutzt, um den Problemen auf den Grund zu gehen und sich den komplexen Vorgängen zu stellen. Mit diesem spirituellen und zugleich verständigen Zugang bringen wir Früchte für unsere Universalität und die globalisierte Welt.“

Gleichzeitig heiße das nicht, dass die Jesuiten in Europa an Bedeutung verlieren sollten: „Das heißt ja nicht, dass wir Europa und die Vereinigten Staaten verlassen werden. Wir haben immer noch den starken Wunsch, zu dienen, auch wenn wir mit einer Eingrenzung der Mittel dazu rechnen müssen. Aber wir sind nach wie vor überzeugt, dass wir noch eine wichtige Botschaft zu verkünden haben ebenso wie eine spirituelle Gabe, die vom Heiligen Ignatius her kommt, die seine Aktualität für alle Zeiten  bewahrt.“

Zwei Aspekte seien entscheidend, meint Lombardi, wenn es um die Verkündigung dieser Botschaft gehe:

„Im Licht von Laudato Si haben wir heute ein Bewusstsein für die Herausforderungen für die Sorge um die Umwelt, nicht nur aus der Perspektive der Natur, sondern auch durch die Beziehung von einer Gewalt gegen die Schöpfung und dem damit verbundenen Leid des Menschen. Laudato Si bietet uns einen aktuelleren Blick im globalen Kontext von heute, in es dem drei wichtige Säulen gibt. Glaube, Gerechtigkeit und die Sorge um die Schöpfung. Und der Glaube gibt uns auch die Inspiration für einen korrekten Umgang mit der Schöpfung und den Anderen, das ist die wesentliche Zusammenfassung dieser Dimensionen.“

Aber auch medial müsse der Orden sich an die Gegebenheiten der Zeit anpassen:

Ein weiterer Aspekt ist sicher die heutige Kultur, die stark von der sozialen Kommunikation geprägt ist. Es gibt eine Globalisierung, die sich auch in der Kommunikation niederschlägt. Mit neuen Technologien und Kulturen. Das erfordert natürlich eine vertiefte Auseinandersetzung von uns mit dem Thema, vor allem aus dem apostolischen Blickwinkel. Was sind die Erwartungen und wie erreicht man die Menschen im Dienst für die Frauen und Männer, die in diese neue Kultur eingetaucht sind. Also die Nutzung der Kommunikationsmittel und das Klima der globalen Kommunikation führt auch dazu, Fragen anders zu stellen und Probleme neu zu betrachten. Dieser Aspekt der Kommunikation benötigt eine vertiefte Reflexion.

Papst Franziskus will die Jesuiten im Zuge der Generalversammlung auch einmal treffen, eine extra Grußbotschaft gab es bislang nicht. In der Vergangenheit, etwa 2008,hat Bergoglio selbst mitgewählt. An die Jesuiten im Allgemeinen wandte er sich bereits mehrmals:

„Ins Zentrum hat er unser Verhältnis zu Christus gerückt, sowie unseren Dienst an der Kirche. Was das Profil eines Jesuiten anbetrifft, spricht er von einem Mann des Dialogs, eines Mannes der Grenze, der sich Mission und Begegnung mit den Anderen wünscht. Der Jesuit muss aber auch ein offenes Gemüt haben, also kontinuierlich auf der Suche sein, Gott suchen und finden in allen Dingen, wie wir es sagen. Das ist also eine Tiefe, in der wir die Zeichen und Werke Gottes sehen, um ihm zu helfen, das Leben unserer Brüder und Schwestern, unserer Welt zu erneuern.“

(rv 29.09.2016 cz)

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