Syrien: Zuspitzung in Aleppo, Aufschrei von NGOs und Kirchen

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Aleppo

In höchstem Maße alarmiert zeigen sich Hilfsorganisationen und Kirchenvertreter über die Zuspitzung des Kriegs um Aleppo: Das UN-Kinderhilfswerk Unicef bezeichnete die jüngsten Luftangriffe auf die Stadt als absoluten Tiefpunkt. Der Sprecher von Unicef-Deutschland, Rudolf Tarneden, sagte am Montag auf „NDR Info“: „Die Intensität und Rücksichtslosigkeit sind vergleichbar mit den Gräueltaten, die im Zweiten Weltkrieg verübt wurden.“ Schätzungsweise 100.000 Kinder im Ostteil von Aleppo seien in akuter Gefahr.

Tarneden forderte, die Gewalt zu stoppen, um die Menschen mit dem Nötigsten zu versorgen. In Syrien gehe es um die Rettung eines Minimums an Menschlichkeit. „Die Helfer, die in Syrien und in Aleppo tätig sind, tun ihr Möglichstes, sie unterstützen die Bevölkerung, aber sie werden nicht mehr sehr lange durchhalten können“, so der Unicef-Sprecher.

Auch der griechisch-katholische melkitische Erzbischof der nordsyrischen Metropole, Jean-Clement Jeanbart, äußerte sich gegenüber der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR zur derzeitigen Lage in Aleppo, man habe „Frieden, zumindest Waffenstillstand versprochen, aber nichts hat sich bewahrheitet, alles Lügen, Lügen, Lügen“.  In West-Aleppo würden die Lebensbedingungen immer schwieriger, so Jeanbart. Es gebe wenig Wasser, vor allem fehle es an Strom.

„Die Syrer wollen nur Dialog und Frieden. Aber das wollen die großen Staaten nicht, die hinter unserem Rücken unser Land und unsere Gesellschaft zerstören. Die sind nur interessiert an Erdöl, Erdgas, Wasser, Territorium, um ihre Macht und ihren Einfluss zu vermehren, vor allem die Amerikaner und die Russen. Wir zahlen für den Egoismus der großen Staaten, die noch dazu behaupten, christlich zu sein“, so der aufgebrachte Jeanbart abschließend.

Die Luftangriffe gingen in der Nacht zum Montag weiter. Es habe Dutzende Angriffe auf den von den Rebellen gehaltenen Ostteil der einstigen Millionen-Metropole gegeben, teilte die oppositionsnahe „Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ mit. Eine noch unbekannte Zahl von Menschen sei getötet oder verletzt worden. Bebars Mishal von „Zivilschutz“ sagte laut den Presseagenturen APA und Reuters, die Luftangriffe hätten bis 6.00 Uhr angedauert: „Besonders nachts werden die Bombenangriffe intensiver, sie werden brutaler. Es werden alle Arten Waffen eingesetzt, Phosphor-, Napalm- und Streu-Bomben.“

Nach Angaben der Beobachtungsstelle ist seit dem Ende der Feuerpause vor einer Woche der Tod von 237 Menschen belegt, darunter 38 Kinder. 162 der dokumentierten Toten seien im Osten der Stadt – also den Rebellengebieten – gestorben.

(kap 26.09.2016 ah)

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