Audienz: „Es ist falsch, den Bruder zu verurteilen, der gesündigt hat“

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„Barmherzig wie der Vater“: Über dieses Motto des laufenden Heiligen Jahres der Barmherzigkeit hat Papst Franziskus bei der Generalaudienz an diesem Mittwoch gesprochen. Das Leitwort aus dem Lukasevangelium (Lk 6,36) ist „nicht einfach ein Slogan, sondern eine Lebensaufgabe“, sagte der Papst. Dabei heiße barmherzig sein nicht perfekt sein: „Wenn Jesus uns bittet, barmherzig zu sein wie der Vater, dann denkt er nicht an die Quantität! Er bittet seine Freunde, Zeichen, Kanäle und Zeugen seiner Barmherzigkeit zu werden.“Zwei Wörter kennzeichneten die Barmherzigkeit der Menschen, fuhr Franziskus fort: vergeben und geben. „Barmherzigkeit drückt sich vor allem in Vergeben aus“, so der Papst in Erinnerung an Jesu Gebot: Richtet nicht, dann werdet ihr nicht gerichtet, vergebt, und euch wird vergeben werden. „Jesus hat da nicht vor, den Lauf der menschlichen Justiz umzukehren, er erinnert aber seine Schüler daran, dass man Urteile und Verurteilungen aussetzen muss, um brüderliche Beziehungen zu haben. Es ist falsch, den Bruder zu beurteilen und zu verurteilen, der eine Sünde begangen hat. Nicht deshalb, weil man die Sünde nicht anerkennen will, sondern weil ein Verurteilen des Sünders die Bindung der Brüderlichkeit mit ihm bricht und die Barmherzigkeit Gottes missachtet, der aber seinerseits auf keines seiner Kinder verzichten will. Wir haben nicht die Macht, unseren irregehenden Bruder zu verurteilen, wir stehen nicht über ihm: wir haben stattdessen die Pflicht, ihn zurückzuholen zur Würde des Kindes des Vaters, und wir müssen ihn begleiten auf seinem Weg der Umkehr.“Der zweite Pfeiler menschlicher Barmherzigkeit: das Geben. Gott gebe weit über das hinaus, was Menschen verdienen, sagte Franziskus, und er werde noch großzügiger sein mit jenen, die auf Erden selbst großzügig waren. „In dem Maß der Liebe, die wir geben, entscheiden wir selbst, wie wir von ihm beurteilt werden.“ Darin liege auch eine Logik, so der Papst: „In dem Maß, wie man von Gott empfängt, gibt man dem Bruder, und in dem Maß, wie man dem Bruder gibt, empfängt man von Gott.“

Keiner habe in seinem Leben jemals auf die Vergebung Gottes verzichten können, fügte der Papst in freier Rede ein. „Wir alle, die wir hier auf dem Platz stehen: uns allen ist vergeben worden. Und weil uns vergeben wurde, müssen wir vergeben. Und das beten wir jeden Tag im Vaterunser: Vergib uns unsere Schuld, damit auch wir vergeben unseren Schuldigern. Es ist leicht zu vergeben: wenn Gott mir vergeben hat, warum soll nicht auch ich den anderen vergeben? Stehe ich denn über Gott? Versteht ihr das? Die Säule der Vergebung zeigt uns die Größe der Liebe Gottes.” Und nochmals wurde der Papst konkret: „Wie sehr wir das alle brauchen, ein wenig barmherziger zu sein, nicht schlecht über die anderen zu reden, nicht zu verurteilen, den anderen nicht mit Neid und Eifersucht zu sehen. Nein! Vergeben, barmherzig sein, und geben.“

Vor der Generalaudienz begrüßte und segnete Franziskus etliche hundert Kranke und ihre Begleiter, die sich wegen des drohenden Regens in der Audienzhalle eingefunden hatten. In der Audienz selbst erinnerte der Papst zum Welt-Alzheimertag an alle Menschen, die an Demenz leiden, und rief zum Gebet auch für ihr Angehörigen auf.

(rv 21.09.2016 gs)

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