„Spiritueller Wegweiser für die ganze Menschheit“

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Assisi, Staatspräsident Sergio Mattarella / Quelle: Sanfrancescopatronoditalia.It

Assisi: Eröffnungsveranstaltung
des Treffens der Weltreligionen

Dreißig Jahre nach dem ersten weltweiten Gebetstreffen 1986 ist die Gemeinschaft Sant’Egidio zu den Ursprüngen zurückgekehrt. Papst Franziskus hat bereits ein Grußwort nach Assisi vorausgeschickt, das er am Dienstag besuchen wird: „Dem Beispiel des Heiligen Franziskus folgend, einem Mann des Glaubens und der Milde, sind wir alle gerufen, der Welt ein starkes Zeugnis unseres Einsatzes für den Frieden und die Versöhnung unter den Völkern anzubieten.“ UNO-Generalsekretärs Ban Ki-moon ließ per Grußbotschaft den Teilnehmern mitteilen, dass Sant’Egidio „mit ihrem interreligiösen und interkulturellen Charakter aufs Neue bestätigt, dass nur durch Dialog und Verhandlung nachhaltige Lösungen angesichts von Gewalt gefunden werden können.“

Der Geist von Assisi, so sagte der Gründer der Gemeinschaft Andrea Riccardi, habe einen Weg zurückgelegt, Geschwisterlichkeit geschaffen, Friedensinitiativen hervorgerufen, das Bewusstsein von der Verbundenheit der verschiedenen Religionsgemeinschaften aufkommen lassen und sich der Benutzung der Religionen für Krieg und Terrorismus entgegengestellt.

Bei der Eröffnungsfeier sprach auch der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella: „Der Dialog zwischen den Religionen, den Gläubigen und Humanisten, der kulturelle Dialog kann sehr viel, mehr als es scheint, denn die Auseinandersetzung mit der extremistischen Gewalt ist auch eine kulturelle Auseinandersetzung. Deswegen kann die Kultur den Extremismus besiegen.“

Der polnische Philosoph Zygmunt Baumann riet in diesem Sinne zu einer Kultur des Dialogs, die es ins Zentrum der Bildung zu stellen gelte. Dies sei ein überaus langfristiger Prozess, den man mit Geduld, Beständigkeit und Planung durchlaufen müsse: „eine kulturelle Revolution angesichts einer Welt, in der man schneller alt wird und stirbt, noch bevor man wächst.“

Der Präsident der Zentralafrikanischen Republik Faustin Archange Touadéra, bezeugte, wie in seinem Land der Frieden möglich wurde. Gläubige Männer und Frauen hätten dort nicht die Logik einer religiösen Auseinandersetzung akzeptiert. Er zeigte sich dankbar für das Engagement der Gemeinschaft Sant’Egidio, die während der schwierigsten Jahre der Krise nie aufgehört habe, mit den religiösen Gemeinschaften, den bewaffneten Gruppen und den politischen Parteien zu sprechen. So hätte sie alle Menschen in Zentralafrika daran erinnert, dass ihre Geschichte im friedlichen Zusammenleben zwischen unterschiedlicher Glaubensrichtungen und Kulturen besteht.

„Papst Franziskus hat gezeigt, dass er ein spiritueller Wegweiser für die ganze Menschheit ist, als er erklärt hat, dass es keine kriminelle Religion gibt, sondern dass es in allen Religionen Kriminelle gibt“, ist Mohammad Sammak überzeugt, der politischer Berater des Großmufti im Libanon ist. Er sagte, dass „die Auseinandersetzung mit dem Thema des religiösen Extremismus vorwiegend eine Pflicht der Muslime“ sei, und dass sie ihre Religion befreien müssen aus der „Entführung“, derer die Extremisten den Islam unterworfen haben, indem sie ihn benutzen als „Rachinstrument, als totalitäre Bewegung im Namen der Religion“. Der Islam jedoch glaubt an den „Pluralismus und betrachtet die Unterschiedlichkeit der Menschen als Ausdruck göttlichen Willens“.

Schließlich betonte er mit einer deutlichen Bezugnahme auf sein Land, den Libanon, dass „die Beziehungen unter den Menschen unterschiedlicher Religionen nicht auf die Beseitigung des anderen gegründet werden dürfen – wie es der IS möchte – und auch nicht auf Toleranz. „Die Angehörigkeit zu einem Staat“, sagte er abschließend, „kann nicht auf Toleranz basieren, sondern auf Rechten“. (mk)

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