Es gibt keinen verlorenen Menschen

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Rembrandt; Die Heimkehr des verlorenen Sohnes (um 1666/1669); Öl auf Leinwand; St. Petersburg, Eremitage.

Ansprache von Papst Franziskus
beim Angelusgebet am 11. September

 

Liebe Brüder und Schwestern,

guten Tag!

In der heutigen Liturgie hören wir das 15. Kapitel des Lukasevangeliums, das als das Kapitel der Barmherzigkeit angesehen wird und drei Gleichnisse enthält, mit denen Jesus auf die Empörung der Schriftgelehrten und Pharisäer antwortet. Sie kritisieren sein Verhalten und sagen: »Er gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen« (V. 2). Mit diesen drei Erzählungen gibt Jesus uns zu verstehen, dass Gott, der Vater, der Erste ist, der gegen­über den Sündern eine einladende und barmherzige Haltung einnimmt. Das ist Gottes Haltung. Im ersten Gleichnis wird Gott als Hirte vorgestellt, der die neunundneunzig Schafe zurücklässt, um sich auf die Suche nach dem einen verlorenen zu machen. Im zweiten wird er mit einer Frau verglichen, die ein Geldstück verloren hat und es sucht, bis sie es findet. Im dritten Gleichnis wird Gott als Vater vorgestellt, der den Sohn aufnimmt, der in die Ferne gegangen war; die Gestalt des Vaters zeigt das Herz Gottes, des barmherzigen Gottes, das in Jesus offenbar wird.

Ein diesen Gleichnissen gemeinsames Element ist jenes, das in den Verben zum Ausdruck kommt, die eine gemeinsame Freude, das Feiern eines Festes bezeichnen. Nicht von Trauer ist die Rede. Man freut sich, man feiert ein Fest. Der Hirt ruft seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: »Freut euch mit mir; ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war« (V. 6); die Frau ruft ihre Freundinnen und Nachbarinnen und sagt: »Freut euch mit mir; ich habe die Drachme wiedergefunden, die ich verloren hatte« (V. 9); der Vater sagt zum anderen Sohn: »Jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden« (V. 32). In den ersten beiden Gleichnissen liegt der Akzent auf einer Freude, die so groß ist, dass sie mit »Freunden und Nachbarn« geteilt werden muss. Im dritten Gleichnis liegt er auf dem Fest, das vom Herzen des barmherzigen Vaters ausgeht und sich auf sein ganzes Haus ausweitet. Dieses Fest Gottes für jene, die reuig zu ihm zurückkehren, steht mehr denn je mit dem Jubeljahr in Einklang, das wir leben, wie der Begriff »Jubel« selbst besagt.

Mit diesen drei Gleichnissen stellt uns Jesus das wahre Antlitz Gottes vor: das Antlitz eines Vaters mit offenen Armen, der die Sünder voll Zärtlichkeit und Mitleid behandelt. Das Gleichnis, das am meisten bewegt – es bewegt alle –, weil es die unendliche Liebe Gottes offenbart, ist das Gleichnis vom Vater, der den wiedergefundenen Sohn an sich drückt und umarmt. Und was beeindruckt, ist nicht so sehr die traurige Geschichte eines jungen Mannes, der in den Verfall stürzt, sondern es sind dessen entscheidende Worte: »Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen« (V. 18).

Der Weg der Rückkehr nach Hause ist der Weg der Hoffnung und des neuen Lebens. Gott wartet immer darauf, dass wir uns erneut auf den Weg machen, er erwartet uns geduldig, er sieht uns, wenn wir noch weit weg sind, er läuft uns entgegen, er umarmt uns, er küsst uns, er vergibt uns. So ist Gott! So ist unser Vater! Und seine Vergebung löscht das Vergangene aus und lässt uns neu in der Liebe geboren werden. Er vergisst das Vergangene: das ist die Schwäche Gottes. Wenn er uns umarmt und vergibt, verliert er das Gedächtnis, er erinnert sich nicht! Er vergisst das Vergangene. Wenn wir Sünder umkehren und uns wieder von Gott finden lassen, erwarten uns weder Tadel noch Härten, da Gott rettet, voll Freude in seinem Haus aufnimmt und ein Fest feiert. Jesus selbst sagt es so im heutigen Evangelium: »Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren« (Lk 15,7). Und ich frage euch: Habt ihr je daran gedacht, dass jedes Mal, wenn wir zur Beichte gehen, im Himmel Freude herrscht und ein Fest gefeiert wird? Habt ihr daran gedacht? Das ist schön.

Das schenkt uns große Hoffnung, da es keine Sünde gibt, in die wir gefallen sind, aus der wir uns mit Gottes Gnade nicht wieder aufrichten können; es gibt keinen unwiederbringlich verlorenen Menschen, keiner ist unwiederbringlich verloren! Denn Gott hört nie auf, unser Wohl zu wollen, auch wenn wir sündigen! Und die Jungfrau Maria, Zuflucht der Sünder, lasse in unseren Herzen das Vertrauen aufkeimen, das im Herzen des verlorenen Sohnes entbrannte: »Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt« (V. 18). Auf diesem Weg können wir Gott Freude schenken, und seine Freude kann zu seinem und zu unserem Fest werden.


Die Sorge Jesu für die Menschen

Vatikanstadt. In der Generalaudienz am Mittwoch, 14. September, forderte Papst Franziskus die Gläubigen auf, dem Herrn nachzufolgen und von ihm zu lernen. Ein Mitarbeiter der deutschsprachigen Abteilung des Staatssekretariats trug folgende Zusammenfassung vor:

Liebe Brüder und Schwestern, ein besonderer Ausdruck der Güte Gottes ist die Sorge Jesu für die Menschen, die schwere Mühsal zu tragen haben. Er lädt sie ein, ihm zu folgen, damit sie bei ihm Ruhe finden (vgl. Mt 11,28ff). Mit der Aufforderung »Kommt alle zu mir« wendet sich Jesus an die Niedergeschlagenen, die Armen und Kleinen, die nichts haben außer ihr Vertrauen in Gottes Hilfe und Barmherzigkeit. Wer sich zum Herrn bekehrt und ihm nachfolgt, erhält die Verheißung, dass er Trost und Stärke für sein ganzes Leben findet. »Nehmt mein Joch auf euch« verweist auf das enge Band zwischen Gott und seinem Volk, auf die Unterwerfung unter den Willen Gottes und sein Gesetz. Jesus spricht von seinem Joch: Er ist die Erfüllung des Gesetzes, durch seine Person erkennen wir Gottes Willen und durch ihn treten wir in Gemeinschaft mit Gott. Die dritte Aufforderung »Lernt von mir« besagt, den Weg der Nachahmung Jesu zu gehen. Der Herr ist ein Lehrer, der sich selbst demütig und klein gemacht hat. Weil er das Leiden und die Sünden der Menschheit auf sich genommen hat, weil er als Erster das Joch getragen hat, ist sein Joch für uns leicht. Jesus enttäuscht unsere Hoffnung nicht. Wir müssen jedoch lernen, von seiner Barmherzigkeit zu leben, um selber zu einem Werkzeug der Barmherzigkeit zu werden.

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Quelle: Osservatore Romano 37/2016

Siehe auch:

2 Kommentare zu “Es gibt keinen verlorenen Menschen

  1. Hier verweist Papst Franziskus auf die Beichte:

    Und ich frage euch: Habt ihr je daran gedacht, dass jedes Mal, wenn wir zur Beichte gehen, im Himmel Freude herrscht und ein Fest gefeiert wird? Habt ihr daran gedacht? Das ist schön.

    Well done, Franziskus 🙂

  2. “ Es gibt keinen verlorenen Menschen “

    Und auch hier gilt: Diese Überschrift ist nicht katholisch, ist IRREFÜREND und MISSVERSTÄNDLICH!

    Was ist mit FATIMA?

    Wie Schneeflocken fallen die Menschen in die HÖLLE weil …

    Nochmals: Um das Seelenheil Willen ist mit der Wortwahl sorgsam umzugehen um nicht noch mehr Schaden anzurichten!!!! Das hat nichts mehr mit Provokanz zu tun!!!

    Bzgl. der Beicht: Ist den Menschen überhaupt klar wer ungereinigt ( nicht in heiligmachender Gnade stirbt ) die Erde verlässt der kann sich dann nicht ( wie auf der Erde ) neutral verhalten SONDERN für den steht als EINZIGE Option NUR die Hölle parat! Und das ist KEIN Scherz!!

    Ist das jedem Menschen/Scheingläubigen/Taufscheinchristen überhaupt VOLL BEWUSST oder nicht!?

    Mir scheint nicht. Man spricht lieber von den schönen Seiten einer gelungenen Beicht ( Freude im Himmel, Fest etc. ) als vom Verabsäumen der Beicht überhaupt, nach dem Motto, ich will Frieden und so soll mich auch Gott/Jesus in Frieden lassen … dann kann mir schon nichts passieren … Wo gibt es heute noch ein wahres Sündenbewusstsein (ich meine nicht Umweltsünden etc.)?!? Alles nur mittelalterliche Moralvorstellungen etc. …

    DOCH dieser Schein trügt …. und SO viele Seelen fallen in die Hölle (FATIMA).

    Aber diese Worte passen einfach nicht zu einer Softie- Wohlfühlkirche !!

    Ist ja nur Panikmache, Angstmacherei …

    Gott liebt uns doch nur etc… wie kann Gott nicht die LIEBE sein, z.B. böse sein und Menschen in die Hölle stossen?!? So einen Gott gibt es nicht.

    Auch kenne ich keinen Menschen der die Hölle lieben würde käme er dorthin auch wenn er sich selbst verdammt hätte!

    Gott rettet doch JEDEN! Ich kenne keinen Menschen der sich nicht retten lässt ausser BEWUSSTE SELBSTMÖRDER!!!

    Oder schauen auch Sie einfach zu wenn jemand vom Auto überrollt werden würde und ihn nicht sogleich warnen oder selbst sofort zu Hilfe eilen?!?

    Gott ist unser Polizist, unser Freund und Helfer.

    “ Es gibt keinen verlorenen Menschen “ Die Hölle ist leer bis auf die paar SELBSTMÖRDER die die Psychiatrie hat nicht retten können, bzw. wo Gott nicht eingreifen wollte …

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