Generalaudienz: Hindernisse auf dem Weg zur Barmherzigkeit

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Papst Franziskus auf dem Weg zur Generalaudienz

Angekündigt wurde der Messias des Gerichts, gekommen ist der Messias der Barmherzigkeit: Papst Franziskus sprach in seiner Katechese während der Generalaudienz an diesem Mittwoch von Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Er begann mit der Predigt des Johannes, wie sie das Matthäusevangelium berichtet: Eine Axt an der Wurzel der Bäume; jeder Baum, der keine gute Frucht hervor bringe, werde umgehauen und verbrannt (Mt 3:10). Darauf wartete der Täufer, und da er selber nicht zu Jesus kommen konnte, weil Herodes ihn eingekerkert hatte, schickte er seine eigenen Jünger. „Bist du also der, der da kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?“ wollten diese Jünger des Johannes von Jesus wissen.

Aber dieser Jesus, der seine Sendung gerade begonnen habe, zeige sich auf ganz andere Art, sagte Franziskus bei der Generalaudienz. Seine Antwort passe scheinbar nicht zur Frage, „Blinde sehen wieder und Lahme gehen; Aussätzige werden rein und Taube hören; Tote stehen auf und den Armen wird das Evangelium verkündet.“ (Mt 11:5). „Das ist die Antwort Jesu“, so der Papst. „Hier wird deutlich, was Jesus vorhat: er antwortet, dass er das Werkzeug der Barmherzigkeit des Vaters ist, der allen Trost und Rettung bringen will und auf diese Weise die Gerechtigkeit Gottes sichtbar machen will.“ Johannes habe in einer Art doppeltem Dunkel gelebt, einerseits im Gefängnis, andererseits aber auch in der Dunkelheit seines Herzens, weil er das nicht verstanden habe, so der Papst.

Die Dunkelheiten des Täufers

Die Menschen, zu denen Jesu gehe, seien nicht mehr ausgeschlossen und bekämen ihre Würde wieder: das fasse das Handeln Jesu zusammen. „Die Botschaft, welche die Kirche von dieser Erzählung des Lebens Jesu erhält, ist sehr deutlich“, so Papst Franziskus. „Gott hat seinen Sohn nicht geschickt, um die Sünder zu bestrafen oder die Übeltäter zu vernichten. Die Gerechtigkeit, die der Täufer ins Zentrum seiner Predigt gestellt hatte, zeigt sich in Jesus vor allem als Barmherzigkeit.“

Und so ließen sich auch die abschließenden Worte Jesu in seiner Antwort auf die Jünger des Johannes verstehen, „Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt“ (Mt 11:6). „Anstoß bedeutet Hindernis. Jesus weist hier auf eine Gefahr hin: wenn das Handeln aus Barmherzigkeit zu einem Hindernis zum Glauben wird, dann bedeutet das, dass man ein falsches Bild des Messias hat.“

Die Barmherzigkeit wegblenden

Und diese Mahnung Jesu sei auch heute noch aktuell, schloss der Papst seine Gedanken. Und er zählte auf, wie die Dunkelheiten, in denen Johannes gelebt habe, heute aussähen. „Menschen konstruieren sich Bilder von Gott, die es nicht zulassen, dass man ihm wirklich begegnet. Einige legen sich einen selbstgemachten Glauben zurecht, der Gott auf die eigenen Wünsche und Überzeugungen beschränkt. Aber dieser Glaube ist keine Bekehrung zu dem sich offenbarenden Herrn, im Gegenteil, er verhindert, dass wir unser Leben und unser Gewissen aufrütteln lassen.“

Andere wiederum reduzierten Gott auf einen falschen Götzen und nutzten Gott, um Interessen, Hass oder Gewalt zu rechtfertigen. Noch andere sähen in Gott ein psychologisches Rückzugsgebiet für schwierige Momente, das sei ein auf sich selbst bezogener Glaube, der sich gegen Barmherzigkeit abschotte, so der Papst. Eine weitere Gruppe von Menschen sehe in Jesus nur ethische Lehre, er sei einer von vielen Lehrern in der Geschichte gewesen. Und letztlich gebe es auch noch diejenigen, die den Glauben in einer rein persönlichen Beziehung mit Jesu erstickten „und den missionarischen Drang ignorieren, der die Welt und die Geschichte ändern kann.“

„Wir Christen glauben an den Gott Jesu Christi“, fasste der Papst zusammen. „Lassen wir uns also keine Hindernisse in den Weg des barmherzigen Handelns des Vaters legen, sondern bitten wir darum, dass auch aus uns Werkzeuge der Barmherzigkeit werden.“

 

(rv 07.09.2016 ord)

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