Papstbesuch im Erdbebengebiet: Die Hoffnung von Amatrice

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Der Bürgermeister der zerstörten Stadt Amatrice, Sergio Pirozzi und Staatspräsident Sergio Mattarella

Die Hoffnung ist in Amatrice nicht verschütt gegangen, auch wenn es das Dorf fast nicht mehr gibt. Der Bürgermeister des Ortes, dessen Name symbolisch geworden ist für die vom Erdbeben betroffene Region, geht durch die Trümmer und schlägt den Bewohnern eine „road map“ für den Wiederaufbau vor. Der angekündigte Papstbesuch sei dabei eine große Hilfe, sagt Sergio Pirozzi unserer Kollegin vor Ort. Beim Angelusgebet an diesem Sonntag hatte der Papst angekündigt, demnächst in die Erdbebenregion zu kommen.

„Der Papst repräsentiert eine Religion der Hoffnung“, sagt der Bürgermeister. „Es ist eine Religion, die Vergebung kennt und auch das zugehen auf eine bessere Welt, das Paradies … . Deswegen wird seine Anwesenheit hier so wichtig sein.“ Auch ein anderes, vom Papst immer wieder angesprochenes Thema ist ihm in den vergangenen Tagen wichtig geworden, berichtet Pirozzi: „Mir hat vor allem die Solidarität unter den Menschen Kraft gegeben. Sie können sich nicht vorstellen, wie viele Menschen sich aus der ganzen Welt bei mir gemeldet haben um zu helfen. Das sind Menschen, die mir Hoffnung geben; ich bin überzeugt davon, dass wir dieses Land wieder auf die Beine bekommen, wir werden die alten Kirchen wieder aufbauen die ja symbolisch sind. Wir werden sie nie aufgeben und sie werden wieder an ihrer Stelle aufgebaut, sie stehen für unsere Identität, für unsren Sinn der Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft.“

Immer wieder kommt er auf die Hoffnung zurück, auch wenn er zugibt, abends alleine weinen zu müssen. Er glaube fest an einen Neuanfang, man dürfe sich jetzt nur nicht selber klein machen.

Neuen Schwung können auch die Helfer vor Ort gut gebrauchen, Jacopo Caucci vom Malteserorden, der dort eine Notunterkunft betreibt, findet klare Worte: „Wir haben nur noch wenig Kraft, aber die müssen wir nutzen.“ Die Notunterkunft ist in einem ehemaligen Lagerraum untergebracht, die Situation sei eigentlich ganz gut, man habe was man brauche, aber Leben in einer Lagerhalle könne natürlich nicht andauern. „Wir wissen, dass es eine längere Notlage sein wird, denn den Ort gibt es schlicht nicht mehr, die Menschen haben keine Häuser mehr und müssen noch lange in diesen Lagern und Unterkünften bleiben, bis sie etwas anderes finden können. Wir haben in den vergangenen Tagen immer wieder gehört, dass die Menschen den Ort nicht verlassen wollen; lieber schlafen sie für eine Zeit lang hier, als dass sie das aufgeben, was sie immer noch als ihr Haus ansehen. Sie sprechen immer noch von „unserem Haus“, auch wenn es dieses Haus nicht mehr gibt.“

Die Hoffnung, von der der Bürgermeister gesprochen hat, ist also auch bei den Menschen noch da, auch wenn ihre Welt in Trümmern liegt. Konkret wird es in den kommenden Tagen, wenn man der Frage nach Wiederaufbau begegnet. „Bisher waren es alles Tage von Nothilfe, von Organisation, von Betten und Hygiene“, berichtet Jacopo Caucci von den Maltesern. „Jetzt geht es nur noch darum, wieder aufzubauen. Es hat so viele Freiwillige gegeben, dass wir sie zuletzt zurückweisen mussten. Unsere Unterkunft hat alles, was wir brauchen, sie ist voll. Jetzt müssen wir darüber nachdenken, wie wir die Häuser wieder aufbauen. Wir hoffen bloß, dass es nicht so wie in l’Aquila wird, dafür setzen wir uns bei den Behörden ein.“ In l’Aquila hatte die Erde 2009 gebebt und schwere Schäden hervor gerufen, danach hatte es das Konzept einer neuen Stadt gegeben, das aber nie umgesetzt wurde, bis heute sind in l’Aquila die Schäden in der Innenstadt nicht beseitigt, viele Häuser bleiben unbewohnbar.

(rv 29.08.2016 ord)

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