Gewalt und Islam: „Moderate müssen endlich Stellung beziehen!“

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Bischof Ballin

Europa darf die Flüchtlingsdebatte nicht ideologisieren. Davor warnt der katholische Bischof von Nord-Arabien, Camillo Ballin, im Gespräch mit Radio Vatikan. Er geht auf die Einladung des Papstes an das Katholiken-Treffen von Rimini ein, den Dialog gegen den Terror zu setzen. Dazu muss man die Menschen verstehen wollen, die sich auf den Weg machen, sagt Ballin: „Seit 47 Jahren lebe ich nun schon in muslimischen Ländern, zehn davon im Sudan, und immer unter Menschen in schlimmsten Lebensbedingungen“, so der Bischof, der selber am Treffen in Rimini teilnimmt, um von seinen Erfahrungen in Arabien zu berichten.

„Wenn ich einer von ihnen wäre, würde ich genau so handeln, ich würde diesen furchtbaren Umständen entkommen wollen um meine Familie zu sichern und ein wenig glücklicher zu sein. Wir hier dürfen uns nicht ideologisieren lassen von diesen menschlich wirklich sehr schweren Situationen.“ Der Bischof berichtet vom Hunger und von Diskriminierungen auf Grund von Religion, Menschen etwa aus dem Sudan hätten kaum eine andere Wahl, als den Versuch, dem allen zu entkommen.

Dahinter läge eine soziale „Revolution“ in der arabischen Welt, ihren Ausdruck habe sie unter anderem im „Arabischen Frühling“ gefunden. Aber dann seien die Fundamentalisten gekommen und hätten sich das zu Nutze gemacht. „Wie hier die Zukunft aussehen wird ist schwer zu sagen, vor allem weil die „Moderaten“ nichts sagen. Neulich hatten wir einige von ihnen zu Besuch in unserer Kirche, nach dem Mord an dem Priester in Frankreich, aber das schien mir eher ein emotionaler Moment zu sein denn ein wirklicher Standpunkt. Sie haben noch nie eine klare, öffentliche Äußerung getan und gesagt, dass der Terror nicht der Islam ist.“ Es sei schwer, der Welt zu vermitteln, dass Gewalt und Islam nicht dasselbe sei, wie es der Papst tue, wenn die „Moderaten“ Muslime selber das nicht sagten, so der Bischof.

„Sie müssen ernsthaft Position beziehen, radikal, deutlich, mit Interviews in Zeitungen und auch in der Politik, um selber zu sagen, dass das nicht der wahre Islam ist. Aber bisher ist das noch nicht geschehen und mir scheint, dass es auch nicht geschehen wird,“ fügt er desillusioniert an.

(rv 20.08.2016 ord)

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