Die vier Erscheinungen des Hl. Erzengels Michael auf dem Monte Gargano, Italien

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Einleitung

„Quis ut Deus!“ – „Wer ist wie Gott!“

Keiner Zeit ist das Erleben der Revolutionen so vorbehalten gewesen, wie gerade der unsern. Die Unordnung soll auf den Thron gesetzt werden, die Ordnung muß in Fesseln und in den Tod gehen. Jedes Abweichen von der Ordnung ist Sünde. Das Stürzen der Ordnung, Wahrheit und Gerechtigkeit, ohne die es keine Liebe gibt, müssen der Lüge und Ungerechtigkeit weichen. Der Fürst der Unordnung, Satan soll auf dem Throne regieren. Sind denn alle Gutgesinnten machtlos diesem Revolutionsgeiste preisgegeben? Gibt es keine Mittel mehr, um der Ordnung den Thron frei zu geben? Wir alle sind vom Zeitgeist des radikalen Egoismus angesteckt. Gerade daraus erklärt sich unsere Hoffnungslosigkeit. Der Egoismus ist ein Kind des Stolzes, dessen Vater Satan ist. So erklärt sich die Glaubensschwachheit. Aller Glaube setzt Demut voraus. Unsere Aufgabe besteht darin, all unsern Egoismus abzulegen, und in Demut Gott den Herrn als einzigen Vater der Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe glaubend anzuerkennen. „Haec est victoria“ schreibt St. Johannes der Lieblingsjünger, „Das ist der Sieg, unser Glaube.“ Stellen wir uns daher glaubensvoll auf die Seite St. Michaels. Folgen wir ihm in unerschütterlichem Vertrauen. Stimmen wir ein in den Schlachtuf „Wer ist wie Gott.“ Kampf muß sein. Schlußendlich kommt es auf den Sieger an. Dieser allein ist und bleibt Gott, unser Herr, die ewige Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe.

Kurze Zusammenfassung der vier Erscheinungen des heiligen Erzengels Michael auf dem „Monte Gargano“ (Süd-Italien)!

Erste Erscheinung

Am Ende des V. Jahrhundert war’s, (nach alter Zeitrechnung im Jahre 493) als sich der hl. Erzengel Michael auf dem „Monte Gargano“ eine Grotte auslas, um durch seine wunderbare Erscheinung eine Felsenhöhle zu heiligen. Das Vorkommnis ist durch etliche, glaubwürdige Schriftsteller der Nachwelt bestätigt worden. So berichtet eine langobardische Handschrift, aus dem 8. Jahrhundert wie folgt:

In Siponto lebte ein sehr reicher Mann namens Gargano. Er war Besitzer einer großen Viehherde, die er in den Tobeln des Berges weiden ließ. Ein Stier entfernte sich eines Tages heimlich von der weidenden Herde. Am Abend kam er ebenfalls nicht zurück. Erbost, rief er seine Knechte und zog mit ihnen auf die Suche. Der ganze Berg mit seinen Klüften und Tobeln wurde eifrig abgesucht. Endlich gelang es ihnen, den Standort des Tieres zu entdecken. Der Stier stand wie gebannt vor einer Höhle. Der Besitzer entbrannte vor Wut, setzte seinen Bogen an, und schoß einen Pfeil auf das störrische Tier ab. Doch siehe da! Der Pfeil, statt den Stier zu treffen, kehrte in der Luft, als ob er von einem Windstoße abgedreht worden wäre, traf und verwundete den Schützen.

Die Knechte erstaunt und verwirrt, konnten solch ein Ereignis nicht erklären, und getrauten sich keinen Schritt gegen die Höhle zu tun. Sie eilten zum Bischof, um seine Ansicht zu hören. Der Bischof ordnete daraufhin ein dreitägiges Fasten an und befahl, während dieser Zeit in verharrendem Gebet sich an Gott zu wenden. Nach Ablauf der Fasttage erschien dem Bischof in einer Vision der hl. Erzengel Michael und sagte zu ihm: Du tatest gut daran, Gott zu befragen betreffs des Wunders, das die Menschen nicht zu denken verstehen. Es geschah durch meinen Willen. Ich bin der Erzengel Michael, der unablässig am Throne Gottes steht. Ich wünsche, daß dieser Platz auf Erden geehrt und bevorzugt werde. Das wollte ich durch dieses Ereignis kund tun. Über alles, was man hier an diesem Platze vollbringt, bin ich der Hüter und Wächter.

Das Ereignis überraschte dermaßen, daß der Ruf des erstandenen Heiligtums die Andacht in ganz Europa weckte. Jeden Tag zogen gruppen- und scharenweise die Gläubigen pilgernd nach dem Heiligtume auf den Monte Gargano.

Päpste, Bischöfe, Kaiser, Prinzen und Volk wallfahrteten aus allen Teilen Europas herbei, um in Andacht die Gnadengrotte zu besuchen. Ein unversieglicher, aufsehenerregender Gnadenquell wurde der „Monte Gargano“ für die ganze Christenheit. So lautet der Bericht des Baronio.

Noch heute kann sich derjenige Pilger glücklich schätzen, der sich dem liebevollen Schutze des hl. Erzengels Michael anvertraut. Selig, wer sich des besondern Schutzes des hl. Erzengels sicher weiß.

Eine fromme Überlieferung berichtet, daß der hl. Erzengel Michael den Erscheinungsort durch Engelsweihe besonders kennzeichnete und als Beweis soll er im Felsgestein seinen Fußabdruck hinterlassen haben. Aus diesem Grunde wurde die Erzengelkirche schon in frühester Zeit „Apodanea“ genannt. Dem Hauptaltar wurde kein Altarstein mit Reliquien von großen Heiligen eingesetzt, was sonst Vorschrift ist, da der Stein der Höhle selbst als Denkmal und Reliquie der ganzen Welt zu dienen beehrt wurde.

 

Zweite Erscheinung

Etwas mehr als zwei Jahre nach der ersten Erscheinung erschien St. Michael das zweite Mal. Dieses zweite Vorkommnis am „Monte Gargano“ setzte die damalige Welt in größte Verwunderung. Die politischen Verhältnisse lagen damals wie folgt. Während des Pontifikates des Papstes Gelasius I., war der heilige Laurentius Maiorano Bischof von Siponto. Im Orient regierte Kaiser Zenone. König der Eruli war Odoaker. Odoaker beabsichtigte die Stadt Siponto zu zerstören und führte seine Truppen gegen diese. Sein Lager schlug er auf dem benachbarten Hügel „Sankt Restituta“ auf. Die Sipontiner befragten den hl. Laurentius um Rat, was betreffs der überhebenden Drohung Odoakers zu unternehmen sei. Der hl. Laurentius pilgerte auf den „Monte Gargano“ und flehte unter inständigem Gebete zum hl. Erzengel Michael.

Die Kriegserklärung der Goten an die Sipontiner erfolgte im September durch Boten. Der Prälat, Laurentius, stieg vom „Monte Gargano“ herunter und riet den Seinen, sie mögen um einen dreitägigen Waffenstillstand bitten. Er wurde gewährt. In dieser Zeit drang das Volk der Sipontiner in stürmischem Gebete unter Seufzer und Tränen an den Thron des Herrn der Heerscharen. Der Fürst der Heerscharen erschien nach Ablauf der drei Tage dem hl. Bischof Laurentius, während dieser in der Kirche „Santa Maria“ zu Gott flehte. Über diese zweite Erscheinung entnehmen wir den Akten des „Codice Vaticano“ Folgendes: St. Michael erschien am 20. September, verhieß dem Bischof den Sieg der Sipontiner über die Goten. Er riet ihm aber, die Feinde erst in der vierten Tagesstunde anzugreifen. Welch ein Wunder! In der dritten Stunde hüllte eine riesige Wolke den „Monte Gargano“ ein. Dies galt als offenkundiges Zeichen der Siegesgewißheit. Der Himmel mit schweren Wolken behangen, drohte den Feinden mit der Entfesselung von Blitzen. Krachende Donnerschläge rollten. Der Himmel verfinsterte sich zusehends. Fürchterliche Erdstöße ließen die Erde erbeben. Ein unheimlicher Sturm peitschte das Meer und wirbelte die Wogen tief auf. Des Himmels Feldmarschall schoß todbringende Blitze in die Reihen der Goten. Tod und Niederlage der Goten waren das Ende der Schlacht. Wenige konnten der Geißel des Himmels entkommen, fielen jedoch in die Hände der Sipontiner, wurden verfolgt und niedergeschlagen.

Nach diesem offensichtlichen Eingreifen St. Michaels ordnete der Bischof eine feierliche Prozession auf den „Monte Gargano“ an. Er erstieg mit den Seinen den Berg, um dem Herrn des Himmels und der Erde, sowie dem Kriegsminister St. Michael, unter dessen liebevollen Schutz die Welt gestellt ist, eine innige Danksagung darzubringen. An der Grotte angekommen, wagte niemand den geheiligten Ort zu betreten. Von außen betrachteten sie mit Ehrfurcht den hehren Sitz der Engel. Innige Dankgebete und Opfergaben brachten sie Gott dem Herrn dar, und gedachten in Verehrung des himmlischen Seraphin St. Michael.

Da Odoaker besiegt war, wählten die wenigen Überlebenden den Arier Totila zu ihrem Haupte. Durch besondere Hilfe des hl. Erzengls Michael wurde auch er gedemütigt und besiegt. Immer wieder zogen die Sipontiner unter der Führung des hl. Bischofs Laurentius auf den „Monte Gargano“, um an geheiligter Stätte seinen heiligen Schutz zu erflehen.

Totila erkor Betrug und Hintergehung zu seinen Trabanten, um sein Vorhaben zu verwirklichen. Er wollte sich des Bischofs entledigen. Er sandte in listiger Absicht sein unzähmbares Pferd an den Bischof und ließ ihn zu sich rufen, mit dem Hintergedanken, so der Bischof sein Pferd reite, werde es ihn abwerfen, sollte aber Laurentius des Tieres Herr werden und mit ihm in sein Lager gelangen, so werde er den Bischof gefangen nehmen. Doch das Ansinnen schlug fehl. Der Heilige betete in der Kirche „Santa Maria“ und erhielt himmlische Weisung, daß er dem Rufe Totilas ruhig folgen solle. Die Reise werde ihm eine ganz besondere Freude werden. Ausgerüstet mit dem hl. Kreuze bestieg der Bischof das Pferd. Kein Zeichen von Wildheit war bemerkbar, und gefügig trabte es davon. Heute noch liest man im Brevier von Siponto: „Laurentius ita mitem reddidit equum, ut nullum in eo feritatis signum remaneret.“ Das heißt: „So kehrte Laurentius mit dem zahmen Pferde zurück, und keinerlei Zeichen von Wildheit blieb in ihm.“

Totila erblickte in diesem wunderbaren Fingerzeig Gottes eine Einmischung des heiligen Michaels. Er hatte in der Folge nicht nur eine hohe Achtung für den ehrwürdigen Bischof, sondern er versprach ihm, die Belagerung der Sipontiner aufzuheben und in Zukunft denselben keinen Schaden mehr zuzufügen. Der Bischof kehrte auf diese Weise wieder froh und unversehrt an seinen Sitz zurück.

 

Dritte Erscheinung

Der heilige Laurentius begab sich mit den Seinen auf den „Monte Gargano“, um den dritten Jahrestag der Erscheinung zu feiern. Auch diesmal getraute sich die gläubige Schar aus Ehrerbietigkeit nicht, die Höhle zu betreten. „Orationi prae foribus insistunt“ (Sie brachten Ihre Gebete vor der Höhle dar). Das genannte Volk konnte sich aber nicht zufrieden geben und forderte in seiner Frömmigkeit, es möge die göttliche Opferhandlung im Innern der Höhle gefeiert werden. Aus diesem Grunde erflehte es, die Höhle möge dem kirchlichen Brauche gemäß geweiht werden. Der Oberhirte beschloß, den Papst in Rom darum zu befragen. Papst Sankt Gelasio, der sich zu jener Zeit auf dem Hügel St. Silvester aufhielt, gab den Bescheid: „Wären wir bestimmt, darüber zu beschließen, so sollte zum Weihetag der 29. September, der Tag des Sieges über die Barbaren bestimmt werden; es ist aber geraten, den Befehl des himmlischen Fürsten abzuwarten. In einem Triduum, zu Ehren der heiligen Dreifaltigkeit werdet Ihr, geliebter Bruder Laurentius, mit den geliebten Bischöfen von Canosa, Austerio von Venosa, Riccardo von Andria, Eutichio von Trani, Giovanni von Ruvo, Ruggero von Canne und Polladio von Salpi, ebenso werden alle Bürger und Diözesanen von Siponto, gleichzeitig nochmals ein Fastentriduum abhalten.“ Sobald der hl. Bischof Laurentius diese Antwort erhielt, lud er die angeführten Bischöfe ein, sie mögen am 23. September in Siponto eintreffen, zum Gebete, Fasten und zur vorgesehenen Weihe. Welch ein Wunder! Die Bischöfe begannen am 26. September das Fasten, Beten und Opfern, und siehe da, in der Nacht des dritten Tages erhörte Gott der Herr die Gebete seiner Diener. Dem hl. Laurentius wurde der Vorzug zuteil, die dritte Erscheinung zu erleben. Der glorreiche Erzengel Michael strahlend im hellsten Lichte sprach also zu ihm: Diese Kirche muß nicht mehr geweiht werden, da ich sie zu meinem Sitze erwählt habe, habe ich sie selbst geweiht. Tretet ein und eifert unter meinem Beistande im Gebete und feiert die hl. Opferhandlung, damit das Volk kommunizieren kann. Ich behalte mir vor, bekannt zu geben, wie ich diesen Ort geweiht habe. Laurentius wartete den folgenden Tag, den Freitag, nicht ab, sondern teilte sogleich seinen Mitbrüdern, den Bischöfen, und dem Volke die Offenbarung St. Michaels mit.

Und siehe da. Mit entblößten Füßen brachen Bischöfe und Volk prozessionweise auf und pilgerten zur geweihten Höhle.

Die Überlieferung berichtet: In den ersten Morgenstunden wurde die Pilgerfahrt durch die Kühle und angenehme Luft erleichtert. Mit dem Höhersteigen der Sonne, deren Strahlen alsdann auf den Berg herniederbrannten, wurde aber der Aufstieg auf den Berg umso mühsamer. Mit liebevoller Macht soll St. Michael eingegriffen haben.

Am Himmel erschienen vier riesig große Adler, von denen zwei mit ihren ausgebreiteten Schwingen die Bischöfe vor der sengenden Sonnenglut schützten. Die beiden andern schlugen fächerartig ihre Flügel und fächelten dem Volke kühlende Lüftchen.

So gelangte die fromme Pilgerschar an den Höhleneingang, den sie ehrfürchtig überschritt. Und siehe da! Ein neues Wunder wurde ihnen offenbar. Im Felsgestein fanden sie den Fußabdruck des hl. Erzengels Michael, und einen von ihm eigens errichteten Altar mit einem purpurnen Baldachin bedeckt. In der Mitte lag ein Kreuz aus Metall. Dies bezeugte die Echtheit der Weihe.

Der heilige Bischof brachte alsdann das erste hl. Opfer dar. Bei dieser denkwürdigen Gelegenheit sollen laut Bericht von Balzo zwei weitere Altäre vom Erzengel Michael errichtet worden sein. Zur Rechten des Erscheinungsortes einer zur Ehren der seligen Jungfrau, und zur Linken ein Altar zu Ehren der hl. Apostelfürsten Peter und Paul.

Dies der Bericht über die himmlische Weihe der Basilika des hl. Erzengel Michael auf dem „Monte Gargano“, dessen Andenken am 29. September jeden Jahres die hl. Kirche feiert.

 

Vierte Erscheinung

Im Jahre 1656 herrschte in ganz Italien der schwarze Tod, die Pest, und wütete ganz besonders stark in Neapel, daselbst hat sie rund 400’000 Menschen dahingerafft. Die Stadt Foggia wurde ebenfalls angesteckt und wurde sozusagen entvölkert. Die Stadt Manfredonia sah den Tod an ihrer Schwelle und ordnete alle Vorsichtsmaßregeln an. Wachen wurden um die Wohnstätten aufgestellt, zweckmäßige Befehle und Edikte erlassen. Zu Siponto war damals Monsignor Giovanni Alfonso Puccinelli Erzbischof. Die unmittelbare Züchtigung erschreckte ihn. Ganz besonders aber der Umstand, daß ihr menschlich nicht beizukommen war. Deshalb suchte er durch geistige Mittel die Gefahr zu bannen. Voll vertraute er dem besonderen Beistande des hl. Erzengels Michael. In Asche und Büßerhemd hielt er öffentliche Buß-Prozessionen ab und begab sich mit Klerus und Volk zum hl. Grottentempel. Im Gotteshause warf er sich auf sein Angesicht und rang unter Tränen und Seufzer lange Zeit um himmlischen Schutz. Alsdann ordnete er ein Fastentriduum an. Inzwischen nahte mit Riesenschritten die Pest, der Tod. Der gute Prälat war überzeugt, daß der hl. Erzengel Michael seine Hilfe nicht versagen werde, spornte das Volk an, umso inniger den Beistand des himmlischen Fürsten zu erflehen, und ja nicht zu ermüden. Ein zweites Fastentriduum wurde angeordnet und alle ermahnt, ja in Buße zu verharren. Soviel Seeleneifer wurde belohnt. Plötzlich sagte ihm eine innere Stimme, er möge im Namen der ganzen Stadt ein Bittschreiben auf den Altar des hl. Erzengels niederlegen, damit St. Michael für das Volk beim Throne Gottes vermittle. Sogleich vollbrachte er dies. Die wunderbare Wirkung blieb nicht aus.

Die Nacht des 22. September ging zur Neige. Fünf Uhr morgens weilte der Erzbischof in seinem Zimmer im Gebet, in Betrachtung vertieft. Da plötzlich hörte er vom Sonnenaufgange her einen bebenden Lärm, als ob er die Erde erschüttere. In einem Strahlenkleide, das funkelte wie ein Diamant, sah er den hl. Erzengel Michael vor sich. Er sprach ihn wie folgt an: Wisse, Hüter dieser Schäfchen, ich bin der Erzengel St. Michael, von der hl. Dreifaltigkeit habe ich erlangt, jeder, der mit Andacht die Steine meiner Basilika gebraucht, wird von Häusern, Städten und jedem Orte die Pest entfernen. Predigt und erzählt allen das göttliche Wunder. Ihr werdet die Steine segnen, auf ihnen ein Kreuz und meinen Namen eintragen.

Tränen der Rührung weinte der Bischof und konnte nur immer eines aussprechen: Es lebe Sankt Michael. Zur Stunde kündigte er dem Volke das große Wunder. In der Zwischenzeit hieß er von der Höhle kleine Felssteine abbrechen und bezeichnete diese dem Willen des hl. Erzengels Michael gemäß (S+M), darauf weihte er sie nach eigenem Ritus.

Die Wirkung zeigte sich bald durch die Flucht der Pest. Die unheilbare Seuche floh aus der Stadt Gargano und aus der Provinz, sowie aus allen Städten, die diese Steine verlangten, die zahlreich abgegeben wurden.

Zum immerwährenden Andenken an dies große Wunder und zur ewigen Dankbarkeit an den hl. Erzengel Michael, ließen Erzbischof Puccinelli und die Bürger auf dem alten Platze der Stadt einen Obelisken aufstellen, der heute noch als Denkmal dieser historischen Tat zeugt. Er trägt die Inschrift:

Dem Fürsten der Erzengel, Besieger der Pest, Patron und Beschützer, ein Denkmal von ewiger Dankbarkeit. Alfonso Puccinelli 1656.

Seither wird je am 15. Sonntag nach Pfingsten in der geweihten Grotte ein feierliches Hochamt und Te Deum gesungen. Dieser Brauch wird immer währen. Die frommen Könige wünschten, daß das Heiligtum königliche palatinische Basilika genannt werde. An diesem Tage wird zum Andenken die Prozession des hl. Steins abgehalten.

Dieser Brauch ist wohl der liebste Ritus für das Volk der Engelsstadt.

 

Schlußwort

In unserem Jahrhundert ist dieser Fürst des Himmels etwas vergessen worden, sonst ständen wir nicht da, wo wir heute stehen. Die Verehrung des hl. Erzengels Michael neu zu beleben, der den Siegesruf erschallen ließ: „Wer ist wie Gott“! ist ein dringendes Gebot der Stunde. Sankt Michael wird sich heute noch bewähren als der sieghafte Gottesstreiter. Wegen seines Mutes ist er ja auch der Patron der Soldaten und wir alle, als Soldaten Christi, wollen ihn aber auch zu unserm Schutze anrufen. Bekanntlich ist die Erzengel Michael-Wallfahrtskiche auf dem Monte Gargano das einzige Gotteshaus auf Erden, das von ihm persönlich geweiht worden ist. Die Geschichte beweist uns, daß diese sehr sehenswerte Wallfahrtskirche schon von solchen, die im Rufe der Heiligkeit standen, sowie von Päpsten, unzähligen Kardinälen und gelehrten Priestern früherer Zeiten, Archäologen, Künstlern, Dichtern usw. besucht wurde. Unter jenen Heiligen sei genannt: der hl. Thomas von Aquin, der hl. Franziskus von Assisi, der hl. Anselmo, der hl. Brunone, der hl. Vincenz Ferrer, der hl. Franz von Paola, der hl. Bernardin, der hl. Camillus von Lellis, der hl. Nikolaus, Bischof, der hl. Antonius der Abt, der hl. Gerard Majella, die hl. Ortolana, die hl. Katharina von Siena, die hl. Brigitta von Schweden usw. usw. Noch heute ist diese Wallfahrtskirche das Ziel von Massen von Besuchern. Im Innern ist die von St. Michael bewohnte Grotte noch zu sehen, sowie der von ihm selbst geweihte Altar. Beachtenswert sind hier ferner die Überreste des Normannen-Kastells, mit dem „Turm der Riesen“, das Grab des Rotaris, die uralten Kirchen St. Pietro, Santa Maria Maggiore und St. Franziskus, mit dem alten Kloster. Reizvoll sind die Spaziergänge hier oben durch die Überreste denkwürdiger Bauten dieser Umgebung, mit dem herrlichen Blick über den Golf von Manfredonia. Zu gewissen Zeiten im Jahre sieht man hier oben Leute von der ganzen Welt zusammenströmen, und die auffallenden Straßenbilder erinnern ganz deutlich an die Nähe des Orients…

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Mit kirchlicher Druckerlaubnis vom Ordinariat Basel in Solothurn, 14. April 1939
Aus dem Italienischen übersetzt und eingeleitet von Josef Kaufmann, Basel


Transkription: P.O. Schenker, © by Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell

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Siehe ebenfalls:

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