Syrien: Ein Stellvertreterkrieg mit 600.000 Betroffenen

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Nach einem Bombenangriff am Stadtrand von Damaskus, Ende Juli

Die Kämpfe in Aleppo hören nicht auf: Allein in den letzten Tagen gab es Hunderte Tote. Vor allem Kinder sind Opfer der Tragödie, die sich vor den Augen der Welt abspielt und nicht zu enden scheint. Der Apostolische Nuntius in Damaskus, Mario Zenari, spricht Klartext: Die Sicherheit der Zivilbevölkerung ist gleich null. Viel wurde in den vergangenen fünf Jahren gesagt und versprochen, gerade um die Sicherheit der Zivilbevölkerung zu garantieren, aber bisher ist wenig oder gar nichts geschehen.

„Denken wir beispielsweise an die Bombenangriffe auf Krankenhäuser, Schulen oder Märkte. Es wurden sogar Flüchtlingszentren, Kirchen und Moscheen zerbombt. Die Zivilbevölkerung bezahlt einen hohen Preis, denn diese Menschen sind die unschuldigsten an diesem Konflikt – und doch wurden sie in den vergangenen drei Jahren auch durch chemische Waffen angegriffen.“

Der Appell des Papstes vom vergangenen Sonntag beim Angelusgebet sei wichtig: Syrien brauche die Aufmerksamkeit der internationalen Staatengemeinschaft, aber vor allem brauche es eine Friedenslösung, die auch ihre Versprechen halte, so Nuntius Zenari.

„Ich will daran erinnern, dass rund 600.000 Menschen unter Beschuss stehen. Hinzu kommen etwa fünf Millionen, die in Gebieten leben, die schwer zugänglich sind. Neben den Bomben werden vermehrt auch andere Waffen wie das Verhungern oder Verdursten von ganzen Bevölkerungsgruppen eingesetzt, indem ihnen der Zugang zu Nahrung und Wasser verwehrt wird.“

Auch in diesen Fällen seien vor allem Kinder betroffen, fügt der Vatikanvertreter in Syrien an. Man gehe von etwa 14.000 Kindern aus, die Opfer dieser menschenunwürdigen Kriegsstrategie seien. Syrien sei zu einem Schlachtfeld der internationalen Großmächte geworden.

„Hier spürt man, wie die geopolitischen Interessen das Sagen haben. Es ist mittlerweile allen klar geworden, dass es zu einem Stellvertreterkrieg geworden ist. Alles ist komplizierter geworden, als es schon vorher war. Doch wie der Papst sagt, bedarf es eines Willens, der größer ist als die wirtschaftlichen und geopolitischen Interessen der Einzelnen.“

(rv 09.08.2016 mg)

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