Der Papst in Jasna Gora: Klein, nah und konkret wie Maria

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Gebet während der Messe, Jasna Gora

Tschenstochau ist so etwas wie das geistliche Zentrum Polens, kein Papstbesuch kommt ohne einen Halt dort aus. Papst Franziskus war an diesem Donnerstag Morgen dort, zunächst um vor der berühmten Ikone der „Schwarzen Madonna“ zu beten und dem Bild – wie seine beiden Vorgänger Johannes Paul II. und Benedikt XVI. – eine goldene Rose zu schenken, Zeichen besonderer päpstlicher Verehrung.

Danach begab sich der Papst aus der Kapelle hinaus, um am Nationalheiligtum Jasna Gora – dem hellen Berg – eine Messe zu feiern. Es war ‚polnischste’ aller Programmpunkte der Papstreise, während Franziskus sonst entweder am Weltjugendtag teil nimmt oder auf kleinere Gruppen trifft, war diese Messe am Nationalheiligtum so etwas wie der Besuch am geistlichen Zentrum des Landes. Und so waren der Platz vor der Kirche samt den Straßen drum herum gut gefüllt bis übervoll.

In seiner – während der Übersetzung einige Male durch Applaus unterbrochenen – Predigt mahnte der Papst Bescheidenheit und Demut der Christen an. „Gott rettet uns, indem er klein, nah und konkret wird“, betonte Franziskus. „Er zieht es nämlich vor, sich im Kleinen zu bergen, im Gegensatz zum Menschen, der tendenziell immer noch Größeres besitzen will. Von der Macht, der Größe und der Augenfälligkeit angezogen zu sein, ist in tragischer Weise menschlich und eine große Versuchung, die sich überall einzuschleichen sucht. Sich an die anderen zu verschenken, die Distanzen aufzuheben, im Kleinen zu wohnen und konkret im Alltäglichen zu leben – das ist in vortrefflicher Weise göttlich.“

Deswegen habe sich Gott auch immer „bescheidene, verfügbare Menschen“ als sein Sprachrohr ausgesucht. Franziskus erinnerte an die vielen Polen darunter: „Denken wir an viele Söhne und Töchter eures Volkes: an die Märtyrer, die die wehrlose Kraft des Evangeliums haben aufleuchten lassen; an die einfachen und doch außergewöhnlichen Menschen, die inmitten großer Prüfungen die Liebe des Herrn zu bezeugen wussten; an die sanften und starken Verkünder der Barmherzigkeit wie der heilige Johannes Paul II. und die heilige Faustyna.“

Auch Maria sei klein, nah und konkret und deshalb zur „Gottesgebärerin“ auserkoren worden. „Sie ist weder Herrin noch Hauptdarstellerin, sondern Mutter und Dienerin“, betonte Franziskus. Als Familienmutter wolle sie uns gemeinsam bewahren. „Der Weg eures Volkes hat in der Einheit viele harte Momente überstanden. Möge die Mutter, die stark war unter dem Kreuz und ausdauernd im Gebet mit den Jüngern in der Erwartung des Heiligen Geistes, euch den Wunsch einflößen, über das Unrecht und die Verwundungen der Vergangenheit hinauszugehen und Gemeinschaft mit allen zu schaffen, ohne je der Versuchung nachzugeben, sich abzuschotten und sich aufzuzwingen.“

Der 1050. Jahrestag der Taufe Polens, der in diesem Jahr gefeiert wird, sei Anlass, Gott Dank zu sagen, fuhr Franziskus fort. „Er ist mit eurem Volk mitgegangen und hat es in vielen Situationen bei der Hand genommen und begleitet.“ Dazu sei auch die Kirche selbst immer berufen: zuhören, sich einbringen und Nähe zeigen. „So kommt das Evangelium auf schlüssigste Weise an und bringt reichste Frucht: durch positive Ausstrahlung, über die Transparenz des Lebens.“ Franziskus lud dazu ein, sich einen „von Maria verkörperten göttlichen Stil“ anzueignen, der schlicht darin bestehe, im Kleinen zu wirken und aus der Nähe zu begleiten, mit einfachem, offenem Herzen.

(rv 28.07.2016 cz)

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