Papst Franziskus über das kontemplative Leben: „Die Kirche braucht euch“

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Papst Franziskus und die kontemplativen Ordensfrauen: Eine Begegnung in Neapel (März 2015)

Die Neubelebung des kontemplativen Lebens, die Förderung einer angemessenen Ausbildung für Ordensfrauen und Fragen der Autonomie von Klöstern: Das sind einige der Punkte, die Papst Franziskus in der Apostolischen Konstitution „Vultum Dei Quaerere – Die Suche nach dem Antlitz Gottes“ formuliert. An diesem Freitag hat der Vatikan das Dokument vorgestellt, es geht in dem Text um das weibliche kontemplative Leben in der Kirche. Apostolische Konstitutionen sind Texte, mit denen in der Regel kirchenrechtliche Sachverhalte neu bestimmt werden.

Als Grund für das Schreiben gibt der Papst den Wunsch an, die Lehren des Zweiten Vatikanischen Konzils mit den sich ändernden sozio-kulturellen Umständen von heute überein bringen zu wollen, ausdrücklich nennt er etwa den Gebrauch von sozialen Medien. Er wolle mit dem Wandel in einen Dialog treten, der aber „die grundlegenden Werte, auf denen das kontemplative Leben gegründet ist, bewahren soll.“

Würdigung des kontemplativen Lebens

Der Text beginnt mit einer ausführlichen Würdigung des kontemplativen weiblichen Ordenslebens. „Liebe Ordensfrauen, was würde ohne euch aus der Kirche und aus denen, die an den Peripherien des Menschlichen leben und an den Vorposten der Verkündigung arbeiten?“ fragt der Papst. Das weibliche kontemplative Leben sei in und für die Kirche immer das „betende Herz“. „Die Kirche braucht euch“, heißt es in dem Text.

Ordensleute und besonders die kontemplativen Orden seien ein prophetisches Zeichen für alle Christen, so der Papst in seinen einführenden Worten zu Beginn des Dokuments. In dieser Lebensweise werde auf ganz besondere Weise die Berufung gelebt, die ein jeder Christ mit seiner Taufe empfangen habe. Diese Berufung ist die Suche nach dem Antlitz Gottes in der Welt, immer unvollständig und als solche Kriterium für wahres kontemplatives Ordensleben: als Suchende würden die Ordenschristen authentisch leben.

Stille, Autonomie, Klausur

In einem zweiten Teil spricht Papst Franziskus dann zwölf einzelne Punkte an, auf die er ausführlicher eingeht. Ihm geht es um Ausbildung, Gebet, die Rolle des Wortes Gottes, die Eucharistie und Beichte, Gemeinschaftsleben, Autonomie, Klausur, Arbeit, Stille, Kommunikationsmittel und Askese. Jeder dieser Punkte bekommt eine geistliche Auslegung, bevor der Papst dann im dritten Teil des Dokuments konkrete und rechtliche Änderungen zu den zwölf Punkten formuliert.

Artikel Drei etwa befasst sich mit Ausbildung und Berufung, der Papst sieht hier eine „auf individuelle Bedürfnisse zugeschnittene geistliche Begleitung“ für die Ordensfrauen vor, außerdem solle es eine permanente Ausbildung geben, die menschlich und geistlich reifen lasse. Berufung will der Papst geschützt sehen und frei von falschen Absichten: „Absolut vermieden werden muss das Rekrutieren von Kandidatinnen aus anderen Ländern mit dem einzigen Sinn, das eigene Kloster zu erhalten.“

Echte Autonomie

Gebet, die tägliche Lesung des Wortes Gottes und auch die eucharistische Anbetung gelte es neu für das Klosterleben zu entdecken und bestehende Praktiken zu evaluieren, so der Papst. Ausführlich geht er auch auf die Autonomie der Klöster ein. „Die juristische Autonomie muss einer echten Autonomie des Lebens entsprechen“, schreibt er um dann zu erklären, dass darunter unter anderem eine Mindestanzahl von Schwestern in einem Konvent, keine Überalterung, Würde und Qualität des liturgischen Lebens und die Fähigkeit zu wirtschaftlichem Überleben gemeint seien. So denn diese Autonomie nicht erhalten werden könne, sieht der Papst ad hoc Kommissionen aus Ortskirche, Vatikan und Ordensleitung vor, um Lösungen für einzelne Klöster zu finden.

Eine weitere Regel betrifft die Klausur: Der Papst nennt im zweiten Teil des Textes vier verschiedene Formen von Klausur, jedes Kloster solle sich mit Blick auf die eigenen Regeln und Traditionen für eine dieser Formen entscheiden und bestätigen lassen.

Alle Regeln aus dem Kirchenrecht und aus früheren Entscheidungen und Dokumenten zum Ordensleben, die nicht dem Text der vorgelegten Apostolischen Konstitution entsprechen, „sind aufgehoben“, fasst der Papst mit Verweis auf Kanon 20 des Kirchenrechts seine Änderungen zusammen.

Hier finden Sie den Volltext der Konstitution in englischer Sprache.

(rv 22.07.2016 ord)

2 Kommentare zu “Papst Franziskus über das kontemplative Leben: „Die Kirche braucht euch“

  1. „Die Kirche braucht Euch“ – Die Kirche braucht ihn nicht, ganz und gar nicht. Und von welcher „Kirche“ spricht er denn? Wir kennen nur EINE.

  2. Unerträglich, dieser Mann!
    „Polen. Gestern Nachmittag reiste der Papst zum Weltjugendtag nach Polen. Im Flugzeug meinte er zur Ermordung von Pfarrer Hamel, dass sich die Welt im Krieg befinde. Es handle sich allerdings nicht um einen Krieg der Religionen, sondern der Interessen, des Geldes und der Ressourcen.“

    Gut, daß sich schon Viele von ihm inzwischen distanziert haben und damit und endlich die Treue zur Katholischen Kirche bezeigen.

    stefan4711 (gloria.tv):
    „Der kriegt den Rachen nicht voll mit „seinen“ Flüchtlingen

    Papst Franziskus hat Polen aufgefordert, Flüchtlinge aufzunehmen. Die Bereitschaft Menschen zu helfen, die vor Krieg und Hunger fliehen, sei notwendig … <<< >>> Wenn er von Krieg spreche, meine er „einen Krieg der Interessen, des Geldes, der …“

    Und wenn Maria von Krieg spricht, meint sie die Auslöschung der Ketzer in Rom, incl. Jorge.

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