Aus der Dogmatik von Bischof Gerhard Ludwig Müller – 2004

bxvi-liturgy

Die Lehre von der Messe als Opfer

Cap. 1 (can. 1 u. 2): Wenngleich sich Christus selbst „ein für allemal auf dem Altar des Kreuzes (semel se ipsum in ara crucis) dem Vater als Opfer dargebracht hat, so vollzieht er doch sein ewiges Priestertum ebenso im sichtbaren Opfer der Eucharistie, das er im Abendmahlssaal seiner Kirche hinterlassen hat: Jenes blutige Opfer, das einmal am Kreuze dargebracht werden sollte. [sollte] vergegenwärtigt werden (repraesentaretur), sein Gedächtnis bis zum Ende der Zeiten fortdauern und dessen heilbringende Kraft für die Vergebung der Sünden, die von uns täglich begangen werden, zugewandt werden.“ (DH 1740) Die Messe ist darum ein „wahres und eigentliches Opfer (verum et proprium sacrificium). Die Opferhandlung besteht nicht nur darin, daß uns Christus zur Speise gereicht wird (DH 1751).

Cap. 2 (u. can. 3): Weil in diesem göttlichen Opfer, das in der Messe vollzogen wird, jener selbe Christus enthalten ist und unblutig geopfert wird, der auf dem Altar des Kreuzes ein für allemal sich selber blutig geopfert hat, darum muß das eucharistische Opfer auch als Sühneopfer verstanden werden (DH 1743). „Wer sagt, das Meßopfer sei lediglich ein Lob- und Dankopfer oder ein bloßes Gedächtnis des am Kreuze vollzogenen Opfers, nicht aber ein Sühneopfer; oder es nütze allein dem, der es empfängt; und man dürfe es nicht auch für Lebende und Verstorbene, für Sünden, Strafen, zur Genugtuung und für andere Nöte darbringen, der sei ausgeschlossen.“ (DH 1753)

Opferhandlung und Opfergabe sind der eine und derselbe Christus, der in der Eucharistie durch den Dienst der Kirche wirkt. Kreuzesopfer und Meßopfer sind nur in der Darbringungsweise verschieden (sola offerend ratione diversa): am Kreuz als blutiges Opfer, hier als nicht blutig vollzogenes sakramentales Gedächtnisopfer (DH 1743).

Die Eucharistiefeier ist also nichts anderes als das Kreuzesopfer selbst, in dem Christus das Subjekt ist und sein priesterliches Heilswirken sakramental vergegenwärtigt in der Weise der repraesentatio, der commemoratio und der applicatio. In diesem Sinn ist die Messe ein wahres und eigentliches Opfer (DH 1740).

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DH = Denzinger Hünermann – Enchiridion symbolorum, 1991

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