Drei Fundamente: Gedächtnis, Glaube und barmherzige Liebe

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Messe In Gjumri, 25. Juni 2016 / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

Papst Franziskus erreichte gegen 10.30 Uhr den Flughafen von Gjumri, wo sich bereits der Bürgermeister, der Erzbischof der armenischen Katholiken Osteuropas und der armenisch-apostolische Bischof der Stadt zum Empfang des Papstes versammelt hatten. Bei seiner Ankunft wurde Papst Franziskus auch von einer Gruppe Waisenkinder und einem Chor begrüßt.

Vom Flughafen wurde der Papst dann zum Vartanantsplatz gefahren, wo er um 11.00 Uhr die Messe feierte. An der Meßfeier nahmen auch der Katholikos Karekin II. und Msgr. Raphael François Minassian, Titolarerzbischof von Cäsarea in Kappadokien, teil.

In seiner Homilie erinnerte Papst Franziskus an das schreckliche Erdbeben im Jahr 1988 und warf anschließend die Fragen auf: „Wozu fordert der Herr uns auf; was sollen wir heute in unserem Leben aufbauen? Und vor allem: Worauf sollen wir unser Leben aufbauen?“ „Drei tragfeste Fundamente“ schlug er als mögliche Lösung vor: das Gedächtnis, den Glauben und die barmherzige Liebe.

Das Gedächtnis bezeichnete der Papst als die Gnade zur Fähigkeit, „das Gedächtnis aufzufrischen, die Erinnerung an das, was der Herr in und für uns vollbracht hat“. Daneben gebe es noch das „Gedächtnis des Volkes“, das im Falle der Armenier weit zurückreiche und kostbar sei, „in euren Worten liegt der Widerhall derer, die euer Alphabet geschaffen haben, um das Wort Gottes zu verkünden; in euren Liedern verschmelzen die Seufzer und die Freuden eurer Geschichte miteinander. Wenn ihr an all das denkt, könnt ihr sicher die Gegenwart Gottes erkennen: Er hat euch nicht alleingelassen“. Papst Franziskus bekräftigte: „Es ist schön für euch, dass ihr euch dankbar daran erinnern könnt, dass der christliche Glaube zum Atem eures Volkes und zum eigentlichen Kern seines Gedächtnisses geworden ist.“

Zum zweiten Fundament erklärte der Papst: „Der Glaube ist auch die Hoffnung für eure Zukunft, das Licht auf dem Lebensweg.“ Glaube dürfe nicht in die Archive der Geschichte verschlossen werden, sondern erblühe „immer neu aus der lebendigen Begegnung mit Jesus, aus der Erfahrung seiner Barmherzigkeit, die Licht in alle Lebenssituationen trägt“. An die jungen Menschen gewandt, ermutigte Papst Franziskus: „Wenn er – speziell euch junge Freunde – dazu einlädt, dann habt keine Angst, sagt ihm: ‚Ja‘! Er kennt uns, er liebt uns wirklich und möchte das Herz von den Lasten der Furcht und des Stolzes befreien. … Auf diese Weise könnt ihr an eure große Geschichte der Evangelisierung anknüpfen – die Kirche und die Welt brauchen sie in diesen geplagten Zeiten, die aber auch Zeiten der Barmherzigkeit sind.“

Das dritte Fundament, die barmherzige Liebe, verglich der Papst mit einem Felsen. „Die konkrete Liebe ist die Visitenkarte des Christen“; „stets unermüdlich Wege der Gemeinschaft zu schaffen und wieder gangbar zu machen, Verbindungsbrücken zu bauen und trennende Barrieren zu überwinden“, zeichneten einen wahren Christen aus, und der Papst mahnte: „Es braucht Christen, die sich durch die Mühen nicht deprimieren lassen und wegen der Widrigkeiten nicht den Mut verlieren, sondern offen, verfügbar und dienstbereit sind; es braucht Menschen guten Willens, die den Brüdern und Schwestern, die sich in Schwierigkeiten befinden, in der Tat und nicht bloß mit Worten helfen; es braucht gerechtere Gesellschaften, in denen jeder ein würdiges Leben führen und in erster Linie eine gerecht bezahlte Arbeit haben kann“.

Am Beispiel des heiligen Gregor von Narek, „Wort und Stimme Armeniens“, zeigte Papst Franziskus auf, dass es möglich sei, die „menschlichen Erbärmlichkeiten immer in Dialog mit der göttlichen Barmherzigkeit“ zu bringen. „Gregor von Narek ist ein Lehrmeister des Lebens, weil er uns lehrt, dass es vor allem wichtig ist zu erkennen, dass wir der Barmherzigkeit bedürfen und dass wir uns dann angesichts der Erbärmlichkeiten und Verwundungen, die wir bemerken, nicht in uns selbst verschließen, sondern uns aufrichtig und vertrauensvoll dem Herrn öffnen … .“

Papst Franziskus dankte allen Anwesenden für ihre Teilnahme und sprach seinen Dank vor allem dem Krankenhaus von Ashotsk, das vor 25 Jahren gegründet wurde und „Krankenhaus des Papstes“ genannt wird, den Armenischen Schwestern der Unbefleckten Empfängnis und den Missionarinnen der Liebe der seligen Mutter Theresa von Kalkutta aus. „Die Jungfrau Maria, unsere Mutter, begleite euch immer und leite die Schritte aller auf dem Weg der Brüderlichkeit und des Friedens.“

Der Volltext der Predigt ist hier abrufbar.

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