„Ich werde dir das Herz ändern“

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Außerordentliche Generalaudienz, 18. Juni 2016 / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

Außerordentliche Generalaudienz von Samstag,
dem 18. Juni 2016 — Volltext

Bei herrlichem Wetter fand heute Vormittag um 10 Uhr auf dem Petersplatz die siebte außerordentliche Generalaudienz zum Jubiläum der Barmherzigkeit statt.

Die Schlüsselwörter der Katechese von Papst Franziskus waren „Umkehr“ und „Vergebung der Sünden“. Diese beiden Aspekte – so der Papst – bezeichnen die Barmherzigkeit Gottes, „der sich liebevoll um uns sorgt.“

Die Grundfrage aber sei, worin die Umkehr bestehe. Die Antwort – so Jorge Bergoglio – gebe die ganze Bibel, insbesondere die Propheten: eine „Rückkehr zum Herrn“ durch die Bitte um Vergebung und eine Änderung des Lebensstils.

In der Verkündigung Jesu bekomme dieser Ruf zum Umkehr aber eine neue Dimension. Jesus bestehe noch mehr auf die innere Dimension der Bekehrung: sie beziehe den gesamten Menschen ein – Herz und Geist – und schaffe einen neuen Menschen. „Das Herz wird verwandelt und der Mensch erneuert“, erklärte der Papst.

Ein klares Zeichen der Echtheit der Umkehr bestehe darin – so fuhr Jorge Bergoglio fort -, dass wir die Not der Brüder erkennen und bereit seien, ihnen entgegen zu kommen.

Eines sollte man nie aus den Augen verlieren: wenn wir die Notwendigkeit einer Veränderung spüren, die unser gesamtes Menschsein mit einbeziehe, werde Jesus neben uns stehen und sagen: „Komm, komm zu mir. Die Arbeit mache ich: Ich werde dir das Herz ändern. Ich werde dein Leben ändern. Ich werde dich glücklich machen.“

Wir dokumentieren im Folgenden den Volltext der heutigen Katechese in einer eigenen Übersetzung.

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Barmherzigkeit und Umkehr (vgl. Lk 24,45-48)

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Nach seiner Auferstehung erschien Jesus den Jüngern mehrmals, bevor er in die Herrlichkeit des Vaters einging. Der soeben gehörte Text aus dem Evangelium (Lk 24,45-48) berichtet von einer dieser Erscheinungen, bei der der Herr auf den wesentlichen Inhalt der von den Aposteln in der Welt zu leistenden Verkündigung hinweist. Wir können diese mit zwei Worten zusammenfassen: „Umkehr“ und „Vergebung der Sünden“. Diese beiden Aspekte bezeichnen die Barmherzigkeit Gottes, der sich liebevoll um uns sorgt. Heute ziehen wir die Umkehr in Betracht.

Worin besteht die Umkehr? Sie begegnet uns in der gesamten Bibel und insbesondere in der Predigt der Propheten, die das Volk ständig zur “Rückkehr zum Herrn” durch die Bitte um Vergebung und eine Änderung des Lebensstils aufrufen. Den Propheten zufolge impliziert die Umkehr einen Richtungswechsel und eine erneute Hinwendung zum Herrn auf der Grundlage der Gewissheit, dass er uns liebt und seine Liebe stets treu ist. Die Rückkehr zum Herrn.

Jesus machte die Umkehr zur ersten Aussage seiner Predigt: „Kehrt um, und glaubt an das Evangelium“ (Mk 1,15). Mit dieser Verkündigung zeigt er sich dem Volk und bittet darum, sein Wort als das letzte und endgültige aufzunehmen, das der Vater an die Menschheit richtete (vgl. Mk 12,1-11). Im Vergleich zur Predigt der Propheten besteht Jesus noch mehr auf die innere Dimension der Umkehr. Tatsächlich bezieht diese den gesamten Menschen ein – Herz und Geist – und schafft eine neue Kreatur: einen neuen Menschen. Das Herz wird verwandelt und der Mensch erneuert.

Wenn Jesus zur Umkehr aufruft, erhebt er sich nicht zum Richter der Menschen, sondern ist uns nah und teilt unser Menschsein und somit die Straße, das Haus und den Tisch … Die Barmherzigkeit gegenüber jenen, die ihr Leben ändern mussten, zeigte sich in seiner liebevollen Gegenwart und bezog jeden in seine Heilsgeschichte ein. Jesus überzeugte die Menschen liebevoll und mit dieser Haltung berührte er das Herz der Menschen in der Tiefe. Diese wiederum fühlten sich von der Liebe Gottes angezogen und dazu veranlasst, ihr Leben zu ändern. Beispielsweise vollzogen sich die Umkehr des Matthäus (vgl. Mt 9,9-13) und Zachäus (vgl. Lk 19, 1-10) gerade auf diese Weisen, denn sie fühlten sich von Jesus geliebt und durch ihn vom Vater. Die wahre Umkehr erfolgt, wenn wir das Geschenk der Gnade annehmen; und ein klares Zeichen dessen Echtheit besteht darin, dass wir die Not der Brüder erkennen und bereit sind, ihnen entgegen zu kommen.

Liebe Brüder und Schwestern, wie oft verspüren auch wir die Notwendigkeit einer Veränderung, die unser gesamtes Menschsein mit einbezieht! Wie oft sagen wir uns: „Ich muss mich ändern, so kann ich nicht weitermachen … Auf diesem Weg bringt mein Leben keine Früchte hervor. Dieses Leben wird sinnlos sein und mich nicht glücklich machen“. Wie oft kommen uns diese Gedanken, wie oft! … Jesus steht neben uns mit ausgestreckter Hand und sagt: „Komm, komm zu mir. Die Arbeit mache ich: Ich werde dir das Herz ändern. Ich werde dein Leben ändern. Ich werde dich glücklich machen“. Aber glauben wir wirklich daran? Glauben wir daran oder nicht? Was denkt ihr: Glaubt ihr daran oder nicht? Weniger Applaus und lauter: Glaubt ihr oder glaubt ihr nicht? [die Menschen: „Ja!“] So ist es. Jesus ist bei uns und lädt uns dazu ein, unser Leben zu ändern. Er ist es, der mit dem Heiligen Geist in uns diese Unruhe aussät, das Leben zu ändern und ein wenig besser zu werden. Folgen wir daher dieser Einladung des Herrn, ohne Widerstand zu leisten, denn nur, wenn wir uns für seine Barmherzigkeit öffnen, finden wir das wahre Leben und die wahre Freude. Wir müssen nur die Türe aufmachen und er macht den Rest. Er tut alles, doch wir sind es, die das Herz weit aufmachen müssen, damit er uns heilen und vorwärtsgehen lassen kann. Ich versichere euch, dass wir glücklicher sein werden. Danke.

[Übersetzt aus dem Italienischen von Sarah Fleissner]

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Quelle

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