Zwei Päpste treffen sich zum Priesterjubiläum des einen

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Archivbild: Papst emeritus Benedikt XVI. und Papst Franziskus

Der 65. Jahrestag der Priesterweihe des emeritierten Papstes Benedikt XVI. wird am 28. Juni im Vatikan gefeiert. Das teilt die Vatikanische Stiftung Joseph Ratzinger – Benedikt XVI. auf ihrer Webseite mit. An der Feierstunde in der Sala Clementina im Apostolischen Palast nehmen beide Päpste teil, Benedikt wie auch Franziskus. Die Stiftung wird dem emeritierten Papst einen eigens zu diesem Anlass herausgegebenen Band über das Priestertum überreichen.

Joseph Ratzinger empfing die Priesterweihe am 29. Juni 1951 im Dom von Freising aus der Hand des Erzbischofs von München und Freising, Kardinal Michael Faulhaber. In seiner Autobiographie „Aus meinem Leben” erinnert sich Kardinal Joseph Ratzinger folgendermaßen an diesen Tag:

„Wir waren über vierzig Kandidaten, die auf den Aufruf hin »Adsum« sagten: Ich bin da – an einem strahlenden Sommertag, der als Höhepunkt des Lebens unvergesslich bleibt“, schreibt Joseph Ratzinger in seiner Autobiographie Aus meinem Leben. „Man soll nicht abergläubisch sein. Aber als in dem Augenblick, in dem der greise Erzbischof mir die Hände auflegte, ein Vöglein – vielleicht eine Lerche – vom Hochaltar in den Dom aufstieg und ein kleines Jubellied trällerte, war es mir doch wie ein Zuspruch von oben: Es ist gut so, du bist auf dem rechten Weg.“

Auch Joseph Ratzingers älterer Bruder Georg empfing an diesem Tag die Priesterweihe.

„Am Tag der ersten heiligen Messe leuchtete unser Pfarrkirche St. Oswald in ihrem schönsten Glanz, und die Freude, die den ganzen Raum fast greifbar ausfüllte, zog alle in die lebendigste Weise »aktiver Teilnahme« am heiligen Geschehen hinein, die keiner äußeren Geschäftigkeiten bedurfte. Wir waren eingeladen, den Primizsegen in die Häuser zu tragen, und wurden überall, auch von ganz unbekannten Menschen, mit einer Herzlichkeit empfangen, die ich mir bisher nicht hatte vorstellen können. So habe ich ganz unmittelbar erfahren, wie sehr Menschen auf den Priester warten,  wie sehr sie auf den Segen warten, der aus der Kraft des Sakraments kommt. Da ging es nicht um meine Person oder die meines Bruders: Was hätten wir jungen Leute aus unserem Eigenen heraus schon den vielen bedeuten können, denen wir nun begegneten? Sie sahen in uns Menschen, die vom Auftrag Christi berührt waren und seine Nähe zu den Menschen tragen durften.“

Seine Gedanken zum Priestertum legte Papst Benedikt XVI. eindrücklich in einer Predigt zum Abschluss des von ihm einberufenen Priesterjahres am 11. Juni 2010 dar:

„Der Priester ist nicht einfach ein Amtsträger wie ihn jede Gesellschaft braucht, damit gewisse Funktionen in ihr erfüllt werden können. Er tut vielmehr etwas, das kein Mensch aus sich heraus kann: Er spricht in Christi Namen das Wort der Vergebung für unsere Sünden und ändert so von Gott her den Zustand unseres Lebens. Er spricht über die Gaben von Brot und Wein die Dankesworte Christi, die Wandlungsworte sind – ihn selbst, den Auferstandenen, sein Fleisch und sein Blut gegenwärtig werden lassen und so die Elemente der Welt verändern: die Welt auf Gott hin aufreißen und mit ihm zusammenfügen. So ist Priestertum nicht einfach „Amt“, sondern Sakrament: Gott bedient sich eines armseligen Menschen, um durch ihn für die Menschen da zu sein und zu handeln. Diese Kühnheit Gottes, der sich Menschen anvertraut, Menschen zutraut, für ihn zu handeln und da zu sein, obwohl er unsere Schwächen kennt – die ist das wirklich Große, das sich im Wort Priestertum verbirgt.“

Kurz zuvor war eine folgenreiche Lawine über die katholische Kirche hereingebrochen: Das Jahr 2010 wird im kollektiven Gedächtnis für immer mit der Aufdeckung von Missbrauchsfällen durch Geistliche und deren jahrelange Vertuschung durch Obere verbunden sein. Papst Benedikt sprach auch diese Schande der Kirche im Verlauf der Predigt klar an:

„Es war zu erwarten, dass dem bösen Feind dieses neue Leuchten des Priestertums nicht gefallen würde, das er lieber aussterben sehen möchte, damit letztlich Gott aus der Welt hinausgedrängt wird. So ist es geschehen, dass gerade in diesem Jahr der Freude über das Sakrament des Priestertums die Sünden von Priestern bekannt wurden – vor allem der Missbrauch der Kleinen, in dem das Priestertum als Auftrag der Sorge Gottes um den Menschen in sein Gegenteil verkehrt wird. Auch wir bitten Gott und die betroffenen Menschen inständig um Vergebung und versprechen zugleich, dass wir alles tun wollen, um solchen Missbrauch nicht wieder vorkommen zu lassen; dass wir bei der Zulassung zum priesterlichen Dienst und bei der Formung auf dem Weg dahin alles tun werden, was wir können, um die Rechtheit der Berufung zu prüfen, und dass wir die Priester mehr noch auf ihrem Weg begleiten wollen, damit der Herr sie in Bedrängnissen und Gefahren des Lebens schütze und behüte.“

Während seines restlichen Pontifikates war Papst Benedikt XVI. auch damit befasst, diesen Worten Taten folgen zu lassen. Auf sein Konto gehen Verschärfungen des kirchlichen Strafrechts für diese Fälle, aber auch die Entsendung eines programmatischen Briefs an die besonders betroffene irische Bischofskonferenz. Abseits der Öffentlichkeit traf er sich fortan am Rande seiner Auslandsreisen mit Missbrauchsopfern, sprach mit ihnen und versuchte, ihnen in ihren Sorgen und Nöten neben der institutionellen Arbeit auch mit menschlichem Mitgefühl zu begegnen. Denn, so er selbst in der Predigt zum Herz-Jesu-Fest 2010, mit der er das Priesterjahr zu seinem Abschluss brachte:

„Gott will, dass wir als Priester seine Sorgen um die Menschen an einem kleinen Punkt der Geschichte mittragen. Wir wollen als Priester Mitsorgende mit seiner Sorge um die Menschen sein, sie dieses Sich-Kümmern Gottes praktisch erlebbar werden lassen. Und mit dem Herrn sollte der Priester für seinen ihm anvertrauten Bereich sagen können: ,Ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich.´ ,Kennen´ ist im Sinne der Heiligen Schrift nie bloß ein äußeres Wissen, wie man die Telefonnummer eines Menschen kennt. ,Kennen´ heißt: dem anderen innerlich nah sein. Ihm gut sein. Wir sollten versuchen, die Menschen von Gott her und auf Gott hin zu „kennen“, mit ihnen den Weg der Freundschaft Gottes zu gehen.“

Als Theologe, Erzbischof, Kardinal und Papst hat sich Joseph Ratzinger häufig mit dem Priestertum beschäftigt. Alle diese Texte sind unter dem Titel „Künder des Wortes und Diener eurer Freude“ im 12. Band der „Gesammelten Schriften“ von Joseph Ratzinger versammelt, wie die vatikanische Stiftung erinnert. Es handle sich um eine Sammlung von 80 Texten zur Theologie und Spiritualität des Weihesakraments, die nicht nur theologisch-wissenschaftliche Studien umfasst, sondern auch Meditationen zur Priesterspiritualität und Homilien zum Amt des Bischofs, Priesters und Diakons: Frucht des reichen Schaffens des Theologen, Bischofs und Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre Joseph Ratzinger, dessen Zeitspanne von 1954 bis 2002 fast ein halbes Jahrhundert abdeckt.

(rv 15.06.2016 gs/cs)

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