Papst Franziskus an Kranke: Lieben trotz allem ist die Chance des Lebens

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Papst Franziskus segnet ein krankes Kind in den Armen seiner Mutter

Lieben trotz allem, trotz Beeinträchtigung, Leid, Schmerz: das ist die Chance des Lebens. Das hat Papst Franziskus den tausenden Kranken und ihren Begleitern gesagt, die zum Jubiläum der Barmherzigkeit an diesem Sonntag mit ihm die Heilige Messe auf dem Petersplatz feierten. Diese Chance, trotz allem zu lieben, eröffne Jesus. Nach seinem Vorbild könne die Liebe – und nur die Liebe – aus einem leidenden Menschen einen glücklichen Menschen machen, sagte Franziskus in seiner Predigt. Zugleich wies er die verbreitete Ansicht als „zynisch“ zurück, alle mit Krankheit verbundenen Schwierigkeiten könnten gelöst werden, „indem man es geduldig erträgt“, indem man sich allein auf die eigenen Kräfte verlässt oder sein ganzes Hoffen auf die moderne Medizin setzt.

„Das Glück, das jeder sich wünscht, kann in vielen Formen seinen Ausdruck finden und kann nur erreicht werden, wenn wir fähig sind zu lieben. Es ist immer eine Frage der Liebe; einen anderen Weg gibt es nicht. Die wahre Herausforderung ist die, mehr zu lieben. Wie viele behinderte und leidende Menschen öffnen sich wieder dem Leben, sobald sie entdecken, dass sie geliebt werden! Und wie viel Liebe kann aus einem Herzen entspringen, auch nur für ein Lächeln!“

Jesus selbst sei „der Arzt, der mit der Arznei der Liebe heilt, denn er nimmt unser Leiden auf sich und erlöst es“, fuhr der Papst fort. Das Gegenteil davon sei ein Umgang mit kranken Menschen, der diese am liebsten aus dem Gesichtskreis verbannen würde, weil der Anblick von Leid das eigene Wohlbefinden beeinträchtige. „Man meint, ein kranker oder behinderter Mensch könne nicht glücklich sein, weil er nicht imstande ist, den von der Genuss- und Unterhaltungskultur aufoktroyierten Lebensstil zu verwirklichen“, so der Papst. Wellness und Körperpflege seien heutzutage „zum Massenmythos“ und zum Geschäft geworden. Aus diesem Grund müsse „das, was unvollkommen ist, verschleiert werden, weil es das Glück und die Unbeschwertheit der Privilegierten gefährdet und das herrschende Modell in Schwierigkeiten bringt“.

Doch die Augen vor Krankheit und Behinderung zu verschließen, sei nichts anderes als „Selbsttäuschung“, so der Papst. Wer so etwas tue, „versteht nicht den wahren Sinn des Lebens, der auch die Annahme von Leid und Begrenzung verlangt. Die Welt wird nicht besser, wenn sie nur aus augenscheinlich „perfekten“ Menschen besteht, sondern wenn die Solidarität unter den Menschen, die gegenseitige Annahme und die Achtung zunehmen.“

Christen wissen demgegenüber, dass sie „in der Schwachheit stark“ werden. „Die Weise, wie wir die Krankheit und die Behinderung leben, ist ein Anzeichen für die Liebe, die zu geben wir bereit sind. Die Weise, wie wir uns mit dem Leiden und der Einschränkung auseinandersetzen, ist ein Maßstab für unsere Freiheit, den Erfahrungen des Lebens Sinn zu verleihen auch wenn sie uns widersinnig und unverdient erscheinen.“

Auf dem Petersplatz waren Tausende Menschen mit Krankheit und Behinderung zugegen, um mit dem Papst die Messe zu feiern. Die Gaben zum Alter brachten unter anderem eine Familie mit drei Buben, der mittlere davon mit Down-Syndrom und eine blinde und taubstumme Frau; eine Mutter trug zum Abschluss der Gabenprozession ihr behindertes Kind im Arm zum Altar. Die zweite Lesung wurde von einer blinden Frau auf Englisch in Braille-Schrift gelesen. In einer einmaligen Aktion wurde das Evangelium (von der Sünderin, die Jesus mit ihren Tränen die Füße wäscht und mit ihren Haaren trocknet) auf dem Petersplatz diesmal auch szenisch dargestellt, damit möglichst viele Menschen es nachvollziehen konnten.

(rv 12.06.2016 gs)

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