Kardinal Ratzinger enthüllt[e] Einzelheiten über die Wahl von Papst Johannes Paul I.

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„Sein unvorhergesehener Tod ermöglichte die Wahl eines Nichtitalieners“

VATIKAN, 7. Oktober 2003 (ZENIT.org).- In einem Interview mit der Monatszeitschrift „Trenta Giorni“ (Dreißig Tage) hat Joseph Kardinal Ratzinger zum erstenmal über die Wahl des 33-Tage-Papstes Albino Luciani gesprochen, der als erster den Doppelnamen Johannes Paulus annahm.

Der Präfekt der Glaubenskongregation war bereits mit dem Luciani-Papst bekannt, als dieser noch Patriarch von Venedig war, also lange vor dem Konklave von 1978.

„Es ist richtig, dass wir deutschsprachigen Kardinäle uns hin und wieder trafen. Bei diesen Begegnungen waren Kardinal Joseph Schröffer, ehemaliger Präfekt der Kongregation für das Katholische Bildungswesen sowie Erzbischof Joseph Höffner von Köln, Erzbischof Franz König von Wien und der Berliner Erzbischof Alfred Bengsch, alle Träger des Kardinalpurpurs, dabei“.

Immer wieder fanden sich auch die beiden deutschstämmigen Kardinäle aus Brasilien, Paulo Evaristo Arns und Alois Lorscheider dazu ein. Wir waren eine kleine Gruppe, und wir wollten absolut keine Entscheidung treffen, sondern nur miteinander reden. Ich ließ mich von der Vorsehung leiten, hörte immer wieder etliche Namen und sah, wie sich allmählich ein Konsens im Bezug auf den Patriarchen von Venedig herauskristallisierte“.

Über die Wahl von Papst Johannes Paul I., so Kardinal Ratzinger, sei er sehr glücklich gewesen. „Einen so gütigen und glaubensstarken Menschen als Hirten der Universalkirche zu haben, war sozusagen eine Garantie dafür, dass alles gut ausgehen würde. Er selbst war überrascht und trug schwer an einer so großen Verantwortung. Man merkte, dass ihm das nicht leicht fiel. Diesen Wahlausgang hatte er nicht erwartet. Auch war er keiner, der Karriere machen wollte“.

„Sein Tod war völlig unerwartet“, so Kardinal Ratzinger, der bei seiner Wahl selbst glaubte, dass Luciani bei bester Gesundheit war.

„Ich bin persönlich fest davon überzeugt, dass er aufgrund seiner Güte und Schlichtheit, seiner Menschlichkeit und seines großen Mutes ein Heiliger war“.

„Er hatte den Mut, die Dinge klar beim Namen zu nennen, selbst wenn er sich dabei von der vorherrschenden Meinung absetzte“. Und nach seinem Tode, so Kardinal Ratzinger, fühlten sich er und andere Kardinäle „ziemlich niedergeschlagen“.

„Dass die Vorsehung unsere Wahl mit einem „Nein“ quittierte, war schon ein harter Schlag. Aber deshalb war die Wahl Lucianis nicht falsch. Auch dieses 33-Tage-Pontifikat hat eine Bedeutung in der Kirchengeschichte. Es war nicht nur das Zeugnis seiner Güte und seines tiefen Glaubens. Sein unvorhergesehener Tod öffnete auch die Pforten für eine weitere unerwartete Wahl – die Wahl eines Nichtitalieners“.

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