Papst Franziskus wünscht „neue Etappe in christlicher Geschichte“ Zentralafrikas

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Papst Franziskus bei der Messe im Stadion von Bangui

Papst Franziskus hat die Katholiken in der Zentralafrikanischen Republik dazu aufgerufen, „eine neue Etappe in der christlichen Geschichte“ ihres Landes zu verwirklichen. Es gelte, dem „Lockruf des Satans“ zu widerstehen, der zu Gewalt, Zerstörungswut und Rache anstifte, sagte Franziskus am Montag bei einer Messe in Bangui vor Zehntausenden Menschen. Der Gottesdienst im Sportstadion der Hauptstadt war der letzte Termin seiner Afrikareise. In seiner Predigt zum Andreasfest, das die Kirche am 30. November begeht, verglich er die Lage im Land mit einer Überfahrt des Sees Genezareth, bei der wir Jesus an unserer Seite haben. Beifall brandete auf, als der Papst ausrief: „Das andere Ufer ist zum Greifen nahe!“

Das andere Ufer meine zum einen das ewige Leben, so Franziskus. „Dieses ewige Leben ist keine Illusion, keine Weltflucht; es ist eine mächtige Wirklichkeit, die uns ruft und die uns zur Ausdauer im Glauben und in der Liebe verpflichtet.“ Doch das „unmittelbarere andere Ufer“ sei das Reich Gottes, das schon hier in dieser Welt beginne – „trotz des Elends, der Gewalt, die uns umgibt, oder der Angst vor dem nächsten Tag“. Noch seien wir „nicht am Ziel“, sondern ruderten mitten im Fluss und müssten ein paar wichtige Entscheidungen treffen. „Jeder Getaufte muss fortwährend mit dem brechen, was noch vom alten Menschen in ihm ist, von dem sündigen Menschen, der stets bereit ist, beim Lockruf des Satans wieder aufzuwachen – und wie sehr handelt dieser in unserer Welt und in diesen Zeiten der Konflikte, des Hasses und des Krieges! –, beim Lockruf des Satans, der ihn zum Egoismus führen will, zur Nabelschau und zum Misstrauen, zur Gewalt und zur Zerstörungswut, zur Rache, zur Vernachlässigung und Ausbeutung der Schwächsten…“

Franziskus drängte die Zentralafrikaner, „eine neue Etappe“ zu beginnen, „zu neuen Horizonten vorzupreschen, weiter hinaus zu rudern, in tiefe Wasser“. Jeder einzelne Christ solle ein Bote Gottes sein. „Und wir alle sind berufen – jeder Einzelne –, dieser Bote zu sein, den unser Bruder oder unsere Schwester, gleich welcher Ethnie, Religion oder Kultur, erwartet, oft ohne es zu wissen!“ Jesus überquere den Fluss mit uns, er sei auferstanden von den Toten. „Seither sind die Prüfungen und die Leiden, die wir erleben, immer Gelegenheiten, die einer neuen Zukunft die Türen öffnen, wenn wir akzeptieren, uns an seine Person zu binden. Christen von Zentralafrika, jeder von euch ist berufen, mit der Ausdauer seines Glaubens und mit seinem missionarischen Einsatz ein „Handwerker“ und Gestalter der menschlichen und geistlichen Erneuerung eures Landes zu sein!“

Ehe der den Schlusssegen spendete, richtete Franziskus vom Altar aus noch einen Gruß zum orthodoxen Andreasfest an den Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I. Franziskus feierte die Messe in vier Sprachen, Französisch, Italienisch, Latein und Sango, die Verkehrssprache in Zentralafrika. Wie immer bei Gottesdiensten in Afrika prägten freudiger Gesang und Tanz die Liturgie. Besonders festlich: die getanzte Gabenprozession, bei der symbolische Reichtümer des Landes wie Tropenholz, Früchte und Tierhäute dargebracht wurden.

Zentralafrika, eine frühere französische Kolonie, gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Exportiert werden Diamanten, Holz und Uran. Blutige Konflikte entlang der ethnischen und religiösen Zugehörigkeiten erschüttern das Land seit Jahren. Von den gut fünf Millionen Einwohnern wurden 900.000 vertrieben, allein 40.000 seit dem Wiederaufflammen der Gewalt Ende September.

Angesichts der angespannten Sicherheitslage war die Reise von Franziskus nach Bangui bis zuletzt ungewiss. Die Stadt wird von einem starken UN-Blauhelmkontingent und französischen Truppen gesichert. Auch bei der Abschlussmesse waren Hunderte Blauhelmsoldaten um das Stadion postiert. Die Sicherheitsleute aus dem Vatikan waren gut sichtbar auf der Altarbühne präsent.

(rv/kap 30.11.2015 sk)

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