Erläuterungen zu den Begriffen „Kirche“, „Teilkirche“, „subsistit in“ und „Elemente der Heiligung und der Wahrheit“

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KONGREGATION FÜR DIE GLAUBENSLEHRE

KOMMENTAR
zu den
Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten
bezüglich der Lehre über die Kirche

(29. Juni 2007)

Die verschiedenen Fragen, auf welche die Kongregation für die Glaubenslehre antworten möchte, betreffen das allgemeine Verständnis der Kirche, wie es sich aus den dogmatischen und ökumenischen Dokumenten des Zweiten Vatikanischen Konzils ergibt. Denn diesem „Konzil der Kirche über die Kirche“, das nach den Worten von Paul VI. eine „neue Epoche für die Kirche“ eingeleitet hat, kommt das Verdienst zu, „das wahre Antlitz der Braut Christi besser beschrieben und enthüllt“ zu haben[1]. Darüber hinaus werden die wichtigsten Dokumente von Papst Paul VI. und Papst Johannes Paul II. sowie Äußerungen der Kongregation für die Glaubenslehre in Erinnerung gerufen. Alle diese Verlautbarungen wollen zu einem vertieften Verständnis der Kirche beitragen und bieten häufig Klärungen zur beachtlichen theologischen Produktion nach dem Konzil, die nicht immer frei war von Abweichungen und Ungenauigkeiten.

Dieselbe Zielsetzung findet sich im vorliegenden Dokument, mit dem die Kongregation die authentische Bedeutung einiger Äußerungen des Lehramts im Bereich der Ekklesiologie in Erinnerung rufen möchte, damit die gesunde theologische Forschung nicht beeinträchtigt werde durch Irrtümer, die Unklarheiten verursachen können. In diesem Zusammenhang ist die literarische Gattung der „Antworten auf Fragen“ (Responsa ad quaestiones) zu beachten, die ihrer Natur nach nicht Argumentationen für den Aufweis der dargelegten Lehre liefern, sondern sich darauf beschränken, Äußerungen des vorhergehenden Lehramts in Erinnerung zu rufen und somit ein sicheres und zuverlässiges Wort zum Thema zu sagen.

In der ersten Frage geht es darum, ob das Zweite Vatikanum die vorhergehende Lehre über die Kirche verändert habe.

Die Frage bezieht sich auf die Bedeutung jenes neuen Antlitzes der Kirche, welches das Zweite Vatikanum nach den zitierten Worten von Paul VI. geboten hat.

Die Antwort, die auf das Lehramt von Johannes XXIII. und Paul VI. gründet, ist sehr klar: Das Zweite Vatikanum wollte die vorhergehende Lehre über die Kirche nicht verändern und hat sie auch nicht verändert, sondern vielmehr vertieft und organischer dargelegt. In diesem Sinn werden die Worte von Paul VI. aus seiner Ansprache bei der Promulgation der dogmatischen Konzilskonstitution Lumen gentium angeführt, mit denen er bekräftigt, dass die überlieferte Lehre in keiner Weise verändert worden ist: „Nur ist nun das, was früher bloß in der Praxis des Lebens enthalten war, auch offen als Lehre zum Ausdruck gebracht. Nun ist das, was bis jetzt Gegenstand des Nachdenkens, der Diskussion und zum Teil auch der Auseinandersetzungen war, in einer sicher formulierten Lehre dargelegt“[2].

In gleicher Weise besteht Kontinuität zwischen der Lehre des Konzils und den nachfolgenden Verlautbarungen des Lehramts, die diese Lehre aufgegriffen und vertieft und zugleich zu ihrer Entfaltung beigetragen haben. In diesem Sinn hat etwa die von der Kongregation für die Glaubenslehre veröffentlichte Erklärung Dominus Iesus nur die Texte des Konzils und der Nachkonzilsdokumente aufgegriffen, ohne etwas hinzuzufügen oder wegzulassen.

Trotz dieser klaren Äußerungen war die Lehre des Zweiten Vatikanums in der Zeit nach dem Konzil – und sie ist es noch immer – Gegenstand von Interpretationen, die abwegig und in Diskontinuität zur überlieferten katholischen Lehre über das Wesen der Kirche sind. Auf der einen Seite sah man in der Lehre des Konzils eine „kopernikanische Wende“, auf der anderen Seite konzentrierte man sich auf einige Themen, die als gleichsam gegensätzlich zu anderen Themen betrachtet wurden. In Wirklichkeit lag die Grundabsicht des Zweiten Vatikanischen Konzils eindeutig darin, die Rede von der Kirche der Rede von Gott ein- und unterzuordnen und so eine im eigentlichen Sinn theologische Ekklesiologie vorzulegen. Die Rezeption des Konzils hat dieses bestimmende Vorzeichen aber häufig zugunsten einzelner ekklesiologischer Aussagen vernachlässigt, sich auf einzelne Stichworte konzentriert und einseitige, partielle Auslegungen der Konzilslehre begünstigt.

Was die Ekklesiologie von Lumen gentium angeht, sind im kirchlichen Bewusstsein einige Stichworte haften geblieben: der Begriff Volk Gottes, die Kollegialität der Bischöfe als Aufwertung des Bischofsamtes gegenüber dem Primat des Papstes, die Neubewertung der Teilkirchen innerhalb der Gesamtkirche, die ökumenische Öffnung des Kirchenbegriffs und die Öffnung zu den anderen Religionen, und schließlich die Frage nach dem spezifischen Status der katholischen Kirche, die sich in der Formel festmacht, dass die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche, von der das Glaubensbekenntnis spricht, „in der katholischen Kirche subsistiert“ (subsistit in Ecclesia catholica).

Einige dieser Begriffe, vor allem die Aussage über den spezifischen Status der katholischen Kirche mit seinen Auswirkungen auf dem Gebiet der Ökumene, bilden die Hauptthemen, die von dem Dokument in den nachfolgenden Fragen behandelt werden.

In der zweiten Frage geht es darum, wie man die Aussage verstehen müsse, gemäß der die Kirche Christi in der katholischen Kirche subsistiert.

Als G. Philips schrieb, der Ausdruck subsistit in werde Ströme von Tinte fließen lassen[3], hatte er wohl nicht vorhergesehen, dass die Debatte so lange und mit solcher Heftigkeit andauern und die Kongregation für die Glaubenslehre dazu drängen würde, das vorliegende Dokument zu veröffentlichen.

Eine solche Eindringlichkeit, die übrigens in den Texten des Konzils und des nachfolgenden Lehramts verankert ist, entspricht der Sorge um die Wahrung der Einheit und der Einzigkeit der Kirche, die verloren gingen, wenn man annehmen würde, dass es mehrere Subsistenzen der von Christus gegründeten Kirche gäbe. Wenn es so wäre, müsste man sich nämlich – wie in der Erklärung Mysterium Ecclesiae festgehalten wird – „die Kirche Christi als eine gewisse Summe von Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften“ vorstellen, „zwar getrennt, aber doch irgendwie eine“, oder man müsste annehmen, „die Kirche Christi bestehe heute in Wahrheit nirgendwo mehr, sondern sei nur als ein Ziel zu betrachten, das alle Kirchen und Gemeinschaften suchen müssen“[4]. Die einzige Kirche Christi würde als eine Kirche in der Geschichte nicht mehr bestehen oder nur in ideeller Weise bestehen, also in fieri in einer zukünftigen durch den Dialog ersehnten und geförderten Konvergenz oder Wiedervereinigung der verschiedenen Schwesterkirchen.

Noch klarer ist die Notifikation der Kongregation für die Glaubenslehre zu einem Buch von Leonardo Boff, gemäß dem die einzige Kirche Christi „auch in anderen christlichen Kirchen subsistieren kann“. Im Gegensatz dazu präzisiert die Notifikation: „Das Konzil hingegen hatte das Wort ‚subsistit’ gerade deshalb gewählt, um klarzustellen, dass nur eine einzige ‚Subsistenz’ der wahren Kirche besteht, während es außerhalb ihres sichtbaren Gefüges lediglich ‚Elemente des Kircheseins’ gibt, die – da sie Elemente derselben Kirche sind – zur katholischen Kirche tendieren und hinführen“[5].

In der dritten Frage geht es darum, weshalb der Ausdruck „subsistiert“ und nicht einfach das Wort „ist“ gebraucht wurde.

Genau diese terminologische Veränderung beschreibt die Beziehung zwischen der Kirche Christi und der katholischen Kirche, die – vor allem auf ökumenischem Gebiet – für die unterschiedlichsten Schlussfolgerungen Anlass gegeben hat. In Wirklichkeit wollten die Konzilsväter einfach anerkennen, dass es in den nicht katholischen christlichen Gemeinschaften selbst kirchliche Elemente gibt, die der Kirche Christi eigen sind. Daraus folgt, dass die Identifikation der Kirche Christi mit der katholischen Kirche nicht so zu verstehen ist, dass es außerhalb der katholischen Kirche ein „kirchliches Vakuum“ gäbe. Zugleich bedeutet dies, dass – unter Berücksichtigung des Kontextes, in den der Ausdruck subsistit in eingefügt ist, nämlich der Beziehung zur einzigen Kirche Christi, die „in dieser Welt als Gesellschaft verfasst und geordnet…, vom Nachfolger des Petrus und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird“ – dem Übergang von „ist“ zu „subsistiert“ keine besondere theologische Bedeutung im Sinn einer Diskontinunität mit der vorausgehenden katholischen Lehre zukommt.

Weil nämlich die so von Christus gewollte Kirche tatsächlich in der katholischen Kirche weiter besteht (subsistit in), besagt die Fortdauer der Subsistenz eine substantielle Identität zwischen dem Wesen der Kirche Christi und der katholischen Kirche. Das Konzil wollte lehren, dass die Kirche Jesu Christi in der katholischen Kirche als konkretes Subjekt in dieser Welt anzutreffen ist. Dies geht nur einmal, und die Vorstellung, das subsistit sei zu multiplizieren, verfehlt genau das Gemeinte. Mit dem Wort subsistit wollte das Konzil das Besondere und nicht Multiplizierbare der katholischen Kirche ausdrücken: Es gibt die Kirche als Subjekt in der geschichtlichen Wirklichkeit.

Entgegen einer Vielzahl von unbegründeten Interpretationen bedeutet darum der Ersatz desest mit subsistit in nicht, dass die katholische Kirche von der Überzeugung ablasse, die einzige wahre Kirche Christi zu sein. Diese terminologische Veränderung bedeutet einfach, dass die Kirche offener ist für das besondere ökumenische Anliegen, den wirklich kirchlichen Charakter und die wirklich kirchliche Dimension der christlichen Gemeinschaften anzuerkennen, die nicht in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen, und zwar aufgrund der in ihnen vorhandenen „vielfältigen Elemente der Heiligung und der Wahrheit“ (plura elementa sanctificationis et veritatis). Folglich gibt es, obwohl die Kirche nur eine ist und nur in einem geschichtlichen Subjekt „subsistiert“, auch außerhalb dieses sichtbaren Subjekts echte kirchliche Wirklichkeiten.

In der vierten Frage geht es darum, weshalb das Zweite Vatikanische Konzil den Ostkirchen, die nicht in  voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen, die Bezeichnung „Kirchen“ zuschreibt.

Trotz der klaren Aussagen, dass die Kirche Christi in der katholischen Kirche „subsistiert“, beinhaltet die Tatsache, dass es auch außerhalb ihres sichtbaren Gefüges „vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit“[6] gibt, die Anerkennung des obgleich unterschiedlichen kirchlichen Charakters der nicht katholischen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften. Auch diese sind nämlich „keineswegs ohne Bedeutung und Gewicht“ in dem Sinn, dass der Geist Christi sich nicht weigert, „sie als Mittel des Heils zu gebrauchen“[7].

Der Text zieht zunächst die Wirklichkeit der Ostkirchen in Betracht, die nicht in der vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen. Unter Verweis auf verschiedene Konzilstexte wird anerkannt, dass diese den Titel „Teil- oder Ortskirchen“ verdienen und Schwesterkirchen der katholischen Teilkirchen genannt werden, weil sie mit der katholischen Kirche verbunden bleiben aufgrund der apostolischen Sukzession und der gültigen Eucharistie, durch welche die Kirche Gottes aufgebaut wird und wächst[8]. Die Erklärung Dominus Iesus nennt sie sogar ausdrücklich „echte Teilkirchen“[9].

Trotz der klaren Anerkennung ihres „Teilkircheseins“ und des damit verbundenen Heilswertes konnte das Dokument nicht unterlassen, den Mangel (defectus) zu erwähnen, unter dem sie gerade in ihrem Teilkirchesein leiden. Denn wegen ihrer eucharistischen Kirchenvorstellung, die den Akzent auf die Wirklichkeit der im Namen Christi in der Eucharistiefeier und unter der Leitung des Bischofs versammelten Teilkirche legt, betrachten sie die Teilkirchen als vollständig in ihrem Teilsein[10]. Daraus folgt, dass in Anbetracht der grundlegenden Gleichheit zwischen allen Teilkirchen und allen Bischöfen, die sie leiten, jede von ihnen eine eigene innere Autonomie besitzt. Dies hat offenkundige Auswirkungen auf die Lehre vom Primat, der nach katholischem Glauben „ein inneres Wesenselement“ für das Bestehen einer Teilkirche ist[11]. Natürlich muss immer unterstrichen werden, dass der Primat des Nachfolgers Petri, des Bischofs von Rom, nicht als äußere Zutat oder als Konkurrenz gegenüber den Bischöfen der Teilkirchen verstanden werden darf. Der Primat muss als Dienst an der Einheit des Glaubens und der Gemeinschaft ausgeübt werden, und zwar innerhalb der Grenzen, die sich aus dem Gesetz Gottes und der in der Offenbarung enthaltenen, unantastbaren göttlichen Verfassung der Kirche ergeben[12].

In der fünften Frage geht es darum, weshalb den kirchlichen Gemeinschaften, die aus der Reformation hervorgegangen sind, der Titel „Kirche“ nicht zugeschrieben wird.

Dazu muss man sagen: „Die Wunde ist allerdings noch viel tiefer bei den kirchlichen Gemeinschaften, die die apostolische Sukzession und die gültige Eucharistie nicht bewahrt haben“[13]. Deshalb sind sie „nicht Kirchen im eigentlichen Sinn“[14], sondern „kirchliche Gemeinschaften“, wie die Konzils- und Nachkonzilslehre bezeugt[15].

Auch wenn diese klaren Aussagen bei den betroffenen Gemeinschaften und auch in katholischen Kreisen Unbehagen verursacht haben, ist nicht ersichtlich, wie man diesen Gemeinschaften den Titel „Kirche“ zuschreiben könnte. Denn sie nehmen den theologischen Begriff von Kirche im katholischen Sinn nicht an; ihnen fehlen Elemente, die von der katholischen Kirche als wesentlich betrachtet werden.

Man muss aber daran erinnern, dass diese Gemeinschaften selbst – wegen der verschiedenen Elemente der Heiligung und der Wahrheit, die in ihnen wirklich vorhanden sind – zweifellos einen kirchlichen Charakter und einen daraus folgenden Heilswert haben.

Das neue Dokument der Kongregation für die Glaubenslehre, das im Wesentlichen die Konzilslehre und das Nachkonzilslehramt aufgreift, ruft mit Klarheit die katholische Lehre über die Kirche in Erinnerung. Es weist unannehmbare Auffassungen zurück, die immer noch verbreitet sind, selbst in katholischen Kreisen, und es bietet wertvolle Hinweise für die Fortführung des ökumenischen Dialogs, der immer eine der Prioritäten der katholischen Kirche bleibt, wie Benedikt XVI. schon in seiner ersten Botschaft an die Kirche (20. April 2005) und bei vielen anderen Gelegenheiten bekräftigt hat, besonders bei seiner Apostolischen Reise in die Türkei (28. November – 1. Dezember 2006). Damit der Dialog aber wirklich konstruktiv sein kann, bedarf es neben der Offenheit für die Gesprächspartner der Treue zur Identität des katholischen Glaubens. Nur auf diese Weise kann man zur Einheit aller Christen in der einen Herde und dem einen Hirten (vgl. Joh 10,16) gelangen und so jene Wunde heilen, welche die katholische Kirche immer noch an der vollen Verwirklichung ihrer Universalität in der Geschichte hindert.

Der katholische Ökumenismus mag auf den ersten Blick paradox erscheinen. Mit dem Ausdruck subsistit in wollte das Zweite Vatikanische Konzil zwei Lehraussagen miteinander verbinden: Auf der einen Seite besteht die Kirche Christi – trotz der Spaltungen der Christen – voll nur in der katholischen Kirche fort; auf der anderen Seite gibt es viele Elemente der Heiligung und der Wahrheit außerhalb ihres Gefüges, also in den Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, die noch nicht in voller Gemeinschaft mit ihr stehen. In diesem Zusammenhang hat das Dekret des Zweiten Vatikanischen Konzils über den Ökumenismus Unitatis redintegratio den Ausdruck „Fülle“ (der Einheit/Katholizität) – plenituto (unitatis/catholicitatis) – eingeführt, eben um zu helfen, diese in gewissem Sinn paradoxe Situation besser zu verstehen. Auch wenn die katholische Kirche die Fülle der Heilsmittel besitzt, „sind die Spaltungen der Christen für die Kirche ein Hindernis, dass sie die ihr eigene Fülle der Katholizität in jenen Söhnen wirksam werden lässt, die ihr zwar durch die Taufe zugehören, aber von ihrer vollen Gemeinschaft getrennt sind“[16]. Es geht also um die Fülle der katholischen Kirche, die schon gegenwärtig ist und die zunehmen muss in den Brüdern und Schwestern, die nicht in voller Gemeinschaft mit ihr stehen, aber auch in den eigenen Söhnen und Töchtern, die der Sünde ausgesetzt bleiben, bis das Volk Gottes „zur ganzen Fülle der ewigen Herrlichkeit im himmlischen Jerusalem freudig gelangt“[17]. Das Voranschreiten in der Fülle ist in der Dynamik des Einsseins mit Christus grundgelegt: „Die Vereinigung mit Christus ist zugleich eine Vereinigung mit allen anderen, denen er sich schenkt. Ich kann Christus nicht allein für mich haben, ich kann ihm zugehören nur in der Gemeinschaft mit allen, die die Seinigen geworden sind oder werden sollen. Die Kommunion zieht mich aus mir heraus zu ihm hin und damit zugleich in die Einheit mit allen Christen“[18].

[1] Paul VI., Ansprache vom 21. September 1964: AAS 56 (1964) 1012.
[2] Ebd., 1010.
[3] Vgl. G. Philips, La Chiesa e il suo mistero nel Concilio Vaticano II, Milano 1975, I, 111.
[4] Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung Mysterium Ecclesiae, 1: AAS 65 (1973) 398.
[5] Kongregation für die Glaubenslehre, Notifikation zu dem Buch „Kirche: Charisma und Macht. Versuch einer militanten Ekklesiologie“ von P. Leonardo Boff OFM: AAS 77 (1985) 758-759. Der angeführte Absatz aus der Notifikation wird zwar in der Antwort nicht zitiert, findet sich aber zur Gänze in der Erklärung Dominus Iesus, 16, Fußnote 56.
[6] II. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen gentium, 8.2.
[7] II. Vatikanisches Konzil, Dekret Unitatis redintegratio, 3.4.
[8] Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Dekret Unitatis redintegratio, 15.1.
[9] Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung Dominus Iesus, 17: AAS 92 (2000) 758.
[10] Vgl. Gemischte katholisch-orthodoxe Kommission in Frankreich, Der römische Primat in der Gemeinschaft der Kirchen, Schlussfolgerungen: Enchiridion oecumenicum (1991), IV, 956.
[11] Vgl. Kongregation für die Glaubenslehre, Schreiben Communionis notio, 17: AAS 85 (1993) 849.
[12] Vgl. Kongregation für die Glaubenslehre, Erwägungen Der Primat des Nachfolgers Petri im Geheimnis der Kirche, 7 und 10, in: L’Osservatore Romano. Wochenausgabe in deutscher Sprache, 11. Dezember 1998, 8-9.
[13] Kongregation für die Glaubenslehre, Schreiben Communionis notio, 17: AAS 85 (1993) 849.
[14] Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung Dominus Iesus, 17: AAS 92 (2000) 758.
[15] Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Dekret Unitatis redintegratio, 4; Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Novo millennio ineunte, 48: AAS 93 (2001) 301-302.
[16] II. Vatikanisches Konzil, Dekret Unitatis redintegratio, 4.
[17] Ebd., 3.
[18] Benedikt XVI., Enzyklika Deus caritas est, 14: AAS 98 (2006) 228-229.

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Siehe dazu den Artikel: Wolfgang Schüler: Folgen der Elemente-Ekklesiologie des II. Vatikanums

7 Kommentare zu “Erläuterungen zu den Begriffen „Kirche“, „Teilkirche“, „subsistit in“ und „Elemente der Heiligung und der Wahrheit“

  1. @POS

    Eine kritisch- beweisführende Bestandsaufnahme.

    Nehmen wir nun die wesentlichsten Teile des Gesamttextes unter die Lupe:

    “ Im Gegensatz dazu präzisiert die Notifikation: „Das Konzil hingegen hatte das Wort ‚subsistit’ gerade deshalb gewählt, um klarzustellen, dass nur eine einzige ‚Subsistenz’ der wahren Kirche besteht, während es außerhalb ihres sichtbaren Gefüges lediglich ‚Elemente des Kircheseins’ gibt, die – da sie Elemente derselben Kirche sind – zur katholischen Kirche tendieren und hinführen“[5].“

    1. Teile der Wahrheit sind NICHT die ganze volle Wahrheit selbst, somit bedeutungslos.
    2. Teil der Kirche gibt es NICHT. Die Kirche ist die EINE- UNGETEILT!
    3. Keinen Hinweis gibt es darauf dass wenn andere Gemeinschaften Teile unserer Wahrheit gebrauchen Teil der Kath.Kirche sind. Lt.V2 “ Zugleich bedeutet dies, das aber zur Kirche Christi gehören … Wie interessant!
    4. Teile der Wahrheit heisst noch lange nicht zur der einen Kath.Kirche hinzusteuern. Warum steuerte man dagegen als sich die Protestanten oder Orthodoxen sich bewusst wegbewegen wollten ???!

    “ Daraus folgt, dass die Identifikation der Kirche Christi mit der katholischen Kirche nicht so zu verstehen ist, dass es außerhalb der katholischen Kirche ein „kirchliches Vakuum“ gäbe.“

    Na was denn sonst! Aber mit der unheilvollen Def. der Kirche Christi die nicht nur die kath.Kirche ist kann man das verstehen.

    “ Zugleich bedeutet dies, dass – unter Berücksichtigung des Kontextes, in den der Ausdruck subsistit in eingefügt ist, nämlich der Beziehung zur einzigen Kirche Christi, die „in dieser Welt als Gesellschaft verfasst und geordnet…, vom Nachfolger des Petrus und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird“ – dem Übergang von „ist“ zu „subsistiert“ keine besondere theologische Bedeutung [ Aha, ah sso, warum musste man dann doch von EST auf SUBSISTIT ändern wenn bedeutungslos ??? meine Anm.] im Sinn einer Diskontinunität mit der vorausgehenden katholischen Lehre zukommt. “

    Diese Verlogenheit!
    Und von welcher „Beziehung“ soll hier gesprochen werden !?! Da gibt es KEINE und kann es KEINE Beziehung, KEINE Gemeinschaft geben! Punkt.

    “ Diese terminologische Veränderung bedeutet einfach, dass die Kirche offener ist für das besondere ökumenische Anliegen, den wirklich kirchlichen Charakter und die wirklich kirchliche Dimension der christlichen Gemeinschaften anzuerkennen, die nicht in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen, und zwar aufgrund der in ihnen vorhandenen „vielfältigen Elemente der Heiligung und der Wahrheit“ (plura elementa sanctificationis et veritatis). Folglich gibt es, obwohl die Kirche nur eine ist und nur in einem geschichtlichen Subjekt „subsistiert“, auch außerhalb dieses sichtbaren Subjekts echte kirchliche Wirklichkeiten. “

    So, und DAS IST HAERESIE !!! Das kann man nicht abstreiten! SO eine Definition und Vorstellung von Kath Kirche wurde nie gelehrt. DAS ist genau die Crux an der ganzen Sache!!!

    “ Trotz der klaren Aussagen, dass die Kirche Christi in der katholischen Kirche „subsistiert“, beinhaltet die Tatsache, dass es auch außerhalb ihres sichtbaren Gefüges „vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit“[6] gibt, … “

    HA, HA, HA, von was für einer „Tatsache“ wird denn hier geredet ?!?!
    V.a. wenn hier sogar noch von Elementen der Heiligung (!) gesprochen wird! Also blasphemischer geht es wohl kaum!!!

    “ Auch diese sind nämlich „keineswegs ohne Bedeutung und Gewicht“ in dem Sinn, dass der Geist Christi sich nicht weigert, „sie als Mittel des Heils zu gebrauchen“[7]. “

    Also, man höre und staune, gibt es wirklich noch eine Steigerungsform von Blasphemie ???!! Jetzt muss sogar noch der Hl.Geist herhalten für diese masslose ketzerischen Unverfrorenheit ! Na, was braucht es noch eines EENS Dogma ?!

    “ Der Text zieht zunächst die Wirklichkeit der Ostkirchen in Betracht, die nicht in der vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen. Unter Verweis auf verschiedene Konzilstexte wird anerkannt, dass diese den Titel „Teil- oder Ortskirchen“ verdienen und Schwesterkirchen der katholischen Teilkirchen genannt werden, weil sie mit der katholischen Kirche verbunden bleiben aufgrund der apostolischen Sukzession und der gültigen Eucharistie, durch welche die Kirche Gottes aufgebaut wird und wächst[8]. Die Erklärung Dominus Iesus nennt sie sogar ausdrücklich „echte Teilkirchen“[9].“ “ … kirchlichen Gemeinschaften, die die apostolische Sukzession und die gültige Eucharistie nicht bewahrt haben“[13]. “

    Schon was von Schisma gehört?? Und solche Sektengebilde dürfen sich noch KIRCHE(N) [ sogar noch im Plural!!! obwohl das Wort KIRCHE NUR in der EINZAHL bestehen kann !!!] nennen UND sich noch mit der Röm.Kath.Kirche VERBUNDEN(!?) fühlen ???? Was für ein übler grober Nonsens der hier verkauft wird!!! Da stehen ja einem die Haare zu Berge! Kein Wunder mehr, wenn einem so etwas noch als „katholisch“ verkauft wird!

    “ Trotz der klaren Anerkennung ihres „Teilkircheseins“ und des damit verbundenen Heilswertes … “ [ 1. Teil des Satzes ]

    Immer und immer wieder will man davon ÜBERZEUGT sein dass AUSSERHALB DER KATH. KIRCHE Heil zu finden sei ?!? Oder doch nicht? DER Clou aber folgt:
    Der gröbste Unfug, besser die teuflischste Irrlehre, die man den Leuten verbindlich zu glauben befiehlt ist dass diese „wahren Teilkirchen “ noch INNERHALB der Kirche Christi stehen und somit auch, wie immer man es sehen darf, noch indirekt der Kath.Kirche ANGEHÖREN. DAS IST HAERESIE, KETZEREI UND BLASPHEMIE in einem! Kein Wunder dass man dann „noch“ Heil findet in diesen Pseudokirchen, eigentlich Sekten!!! Man muss nur den Begriff -Kath.Kirche- weit genug ausdehnen dann passen ALLE hinein … und werden auch GEMEINSAM untergehen!! Was für ein Wahnsinn!

    [ 2. Teil des Satzes ] “ … , den Mangel (defectus) zu erwähnen, unter dem sie gerade in ihrem Teilkirchesein leiden. “

    Na, die nächste im- oder wenn man so will auch explizite Leugnung eines Dogmas, nämlich das von der Indefektibilität der Kirche!
    Welcher MANGEL ???!!! Was soll das??? Den einzigen und sicheren Mangel die diese „Teilkirchen“ haben ist dass sie NICHT zur KIRCHE Christi gehören können!! Das ist Tatsache und war immer katholische Auffassung. Hier kann nichts beschönigt werden. So ist das. Das will und kann man aber anscheinend nicht einsehen.

    “ … legt, betrachten sie die Teilkirchen als vollständig in ihrem Teilsein[10]. “ Der nächste Schwachsinn!! Wieder kaum zu überbieten.

    Gibt es auch ein “ unvollständiges Teilsein “ ??? Wie interessant … was darf man noch erwarten an sinnlosem Geschwätz!

    “ … , weshalb den kirchlichen Gemeinschaften, die aus der Reformation hervorgegangen sind, der Titel „Kirche“ nicht zugeschrieben wird. “ “ Denn sie nehmen den theologischen Begriff von Kirche im katholischen Sinn nicht an; ihnen fehlen Elemente, die von der katholischen Kirche als wesentlich betrachtet werden. “ “ Man muss aber daran erinnern, dass diese ( protestantischen MEINE Anm.) Gemeinschaften selbst – wegen der verschiedenen Elemente der Heiligung und der Wahrheit, die in ihnen wirklich vorhanden sind – ZWEIFELLOS einen kirchlichen Charakter UND einen daraus folgenden HEILSWERT haben. “

    Hoffentlich findet man noch heilsbringende Elemente in anderen Religionen … wäre doch wirklich schade wenn der Hl.Geist EXPLIZIT NUR die Röm.Kath Kirche mit heilbringenden Gnaden bevorteilte. Wäre zu engstirnig, zu fundamentalistisch. Z.B. könnten schon Gebete des Friedens und der Versöhnung heilsbringende Teile sein und somit sind auch diese Religionen Teil der UNIVERSAL- Kirche die sich ja KATHOLISCH ( man lese die Übersetzung von katholisch = universlal ) Kirche nennt …

    “ Nur auf diese Weise kann man zur Einheit aller Christen in der einen Herde und dem einen Hirten (vgl. Joh 10,16) gelangen und so jene Wunde heilen, welche die katholische Kirche immer noch an der vollen Verwirklichung ihrer Universalität in der Geschichte hindert. “

    Ich sag´s doch. Wie ich bereits zur Schlussfolgerung gekommen bin .. das Wort UNIVERSALITÄT ist gefallen … Wegbereiter zur Einheitskirche. Die Einheit in der „versöhnten“ Verschiedenheit !!! Der ultimative Schwachsinn! Was braucht es da noch für Erklärungen und Beweise dass hier KLAR dem traditionalistischen Lehramt der Kirche widersprochen wird!

    “ Der katholische Ökumenismus mag auf den ersten Blick paradox erscheinen. … “

    Dieser hier gemeinte Ökumenismus schein nicht nur paradox – ER IST ES! Die einzige Ökumene die der Katholik kennt ist die Rückkehrökumene. Die Bekehrung zur der einen Hl.Röm.Kat.Kirche. Und nichts anderes gibt es unter der Sonne!

    „Der katholische Ökumenismus mag auf den ersten Blick paradox erscheinen. Mit dem Ausdruck subsistit in wollte das Zweite Vatikanische Konzil zwei Lehraussagen miteinander verbinden: Auf der einen Seite besteht die Kirche Christi – trotz der Spaltungen der Christen – voll nur in der katholischen Kirche fort; auf der anderen Seite gibt es viele Elemente der Heiligung und der Wahrheit außerhalb ihres Gefüges, also in den Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, die noch nicht in voller Gemeinschaft mit ihr stehen.“

    Was: Zwei Lehraussagen?? Das sind zwei IRRLEHRaussagen!!
    Halten wir fest was hier behauptet wird: Die Kirche Christi ist NICHT NUR die Kath.Kirche. Sie ist mehr.( Sic!) Daher das gewollte “ subsistit “ ! Auch – unvollkommene „kirch.“ Gemeinschaften gehören zur Kirche Christi. DAS IST EXPLIZITE LEUGNUNG! DAS IST glatte formale HAERESIE!
    Wahr ist: Die einzige und wahre Identität der Kirche Christ ist und bleibt die EINE (!!!) Röm.Kath.Kirche. DAS ist DOGMA! s. https://heilsdogma.wordpress.com/

    “ … und die zunehmen muss in den Brüdern und Schwestern, die nicht in voller Gemeinschaft mit ihr stehen,… “

    Dumm, dümmer geht es wohl nicht mehr!
    Wahr ist: Sie stehen IN KEINER Gemeinschaft zu Jesus Christus und seiner einzigen Heilsinstitution, der Hl.Röm.Kath.Kirche auf Erden, diese „Brüder“ und „Schwestern“!

    DAS ist Fakt.

    Bitte nun um Ihre werte Stellungnahme, Hr.POS. Danke.

  2. Die Bedeutung des subsistit in = (LG 8).

    Zum Selbstverständnis der katholischen Kirche, von Alexandra von Teuffenbach

    Die an der Gregoriana entstandene und von Karl Josef Becker betreute Dissertation von Alexandra von Teuffenbach (= T.) beschäftigt sich mit dem für das Selbstverständnis der (römisch-) katholischen Kirche bedeutsamen „subsistit in“ der Konzilskonstitution „Lumen gentium“. Dazu wertet sie neben den zahlreichen Konzilsakten v. a. die persönlichen Unterlagen des Konzilstheologen und holländischen Jesuiten Sebastian Tromp aus.

    In dem sehr eigenwilligen Aufbau ihrer Arbeit stellt sie zunächst die Methodik und Grenzen der Arbeit sowie den status quaestionis vor, kommt dann auf die für die Arbeit verwendeten Quellen zu sprechen, um nach einer ersten Textanalyse von Lumen gentium 8 (bei der sie ihre Hypothese bereits als bewahrheitet sieht) eine allgemeine sprachgeschichtliche Analyse des „subsistit in“ vorzunehmen. Dem schließt sich ein geschichtlicher Aufriß des Selbstverständnisses der katholischen Kirche an, dem wiederum eine Analyse des kirchlichen Selbstverständnisses in der unmittelbaren Vorbereitungszeit vor dem II. Vatikanum und während des Konzils folgt. In einem kurzen Schlußteil faßt sie ihre Beobachtungen zusammen, ohne auf die Rezeption des „subsistit in“ in der nachkonziliaren Theologie einzugehen.

    Ihre Grundhypothese lautet, daß die Tradition der Kirche immer schon eine totale Identität der Kirche Christi mit der (römisch-) katholischen Kirche gelehrt habe und das II. Vatikanum in dieser Tradition stehe (201; 395). Dies findet sie dabei nicht nur kirchengeschichtlich, sondern auch durch eine erste sprachlogische Analyse des Begriffes „subsistit in“ bestätigt. Der offiziellen deutschen Übersetzung von „verwirklicht in“ hält sie vor, für inhaltliche Zweideutigkeiten zu sorgen, die die volle Identität der Kirche Christi mit der (römisch-) katholischen Kirche in Zweifel ziehen könnten. Deshalb sieht sie sich veranlaßt, eine genauere Analyse der Verwendung des „subsistit in“ in den entsprechenden Konzilskommissionen vorzunehmen. Als Ergebnis ihrer Analysen stellt sie fest, daß das Konzil in dieser Frage „in einer klaren Kontinuität mit der Tradition der Kirche“ steht. Das „subsistit in“ sei deshalb als „est“ zu interpretieren, denn „[D]ie Kontinuität soll und muß sein“ (395). Nichtsdestotrotz sucht sie das II. Vatikanum als bloßes „Pastoralkonzil“ (395) in seiner dogmatischen Verbindlichkeit zu relativieren. Die Verfasserin sieht das Konzil verschwommenen, häufig „nichttheologischen“ Unstimmigkeiten und „äußeren Kräften“ ausgesetzt (292), die die scheinbare Klarheit des von Tromp wesentlich geprägten ersten Schemas von „De ecclesia“ untergruben, das ein identifizierendes „est“ enthielt.

    T. setzt jedoch in ihrer Argumentation bereits das voraus, was sie sich zu
    „beweisen“ vorgenommen hatte, die totale Identität der Kirche Christi und der
    „katholischen“ als der römisch-katholischen Kirche. Dabei instrumentalisiert sie geschickt diese TAUTOLOGIE: Die ( nur von wenigen Konzilsvätern ausschließlich aufgrund terminologischer Fragen kritisierte [301] ) traditionelle und während des Konzils praktizierte Selbstverständlichkeit, mit der der mystische Leib Christi, d.h. die Kirche Christi, und die „Una sancta“ identifiziert werden, überträgt sie fraglos auf das von ihr apriorisch in eins gesetzte Verhältnis der „ecclesia catholica“ zur „ecclesia romana“ (198-201; auch 331f) und konzentriert sich fortan auf eine schlüssige Beweisführung zur Identität der Kirche Christi mit der „katholischen“ Kirche. Die deshalb von der Verfasserin wiederholt betonte Aussage, daß die Kirche Jesu Christi die katholische ist, ist mehr als selbstverständlich, wenn „katholisch“ eben nicht unmittelbar mit „römisch-katholisch“ gleichgesetzt wird: Die Kirche des Glaubensbekenntnisses hat als einziges theologisches Subjekt Jesus Christus (wen sonst?), so wie die Kirche Jesu Christi „einig, heilig, katholisch und apostolisch“ ist (was sonst?).

    Die eigentliche ekklesiologische und folglich auch ökumenische Problematik des Konzils liegt deshalb nicht, wie T. glauben machen will, in einer durch „äußere Kräfte“ und Stimmungsschwankungen auf dem Konzil herbeigeführten und der Tradition widersprechenden Problematisierung des identischen Verhältnisses von Kirche Jesu Christi (als mystischem Leib) und katholischer Kirche. Vielmehr geht es beim „subsistit in“ um eine von den allermeisten Konzilsvätern gerade aufgrund ökumenischer Grundeinsichten erneuerte Verhältnisbestimmung der Kirche Christi als der „Una sancta, catholica et apostolica“ zur römisch-katholischen Kirche. Von daher erscheint es auf den ersten Blick völlig unverständlich, bei näherem Hinsehen allerdings als bewußt beabsichtigt bzw. interessengeleitet, wenn die Verfasserin auf Hunderten von Seiten so offensichtlich an der eigentlichen Fragestellung vorbeischreibt.

    Dabei verweist sie selbst – allerdings argumentativ völlig unangebunden (378; 380) – auf die berühmt gewordene Relatio 25, die die „ökumenische“
    Grundintention von Lumen Gentium 8 zum Ausdruck bringt: „Quaedam verba
    mutantur: loco „est“ (. . .) dicitur „subsistit in“, ut expressio melius concordet cum affirmatione de elementis ecclesialibus quae alibi adsunt.“ Dabei ist es gleichgültig, ob nun das „est“ durch ein erstes „adest in“ oder ein späteres „subsistit in“ ersetzt worden ist, selbst wenn der dem „est“ anhängende Tromp angeblich das „subsistit“ selbst eingebracht haben sollte, wie T. nachzuweisen sucht. Warum dann aber Tromp nicht erneut die Rückkehr zum identifizierenden „est“ vorgeschlagen hat, begründet T. damit, daß es ökumenisch nicht „geschickt“ gewesen wäre (394), so als ob die grundlegende Bejahung von Kirchesein außerhalb der römisch-katholischen Kirche durch das Konzil lediglich eine Frage ökumenischer Diplomatie darstellte! Darüber hinaus wurde nach Teuffenbach das „est“ bedauerlicherweise durch das „subsistit in“ aufgrund der von ihr für überflüssig gehaltenen Unterscheidung von über empirischer Kirche und ihrer konkreten irdischen Existenzform in „Lumen gentium“ ersetzt (394f.). Ist aber die Anerkenntnis einer die Empirie eben auch übersteigenden Wirklichkeit des Geheimnisses „Kirche“ wirklich überflüssig?

    T. legt damit selbst die Grundlage für einen Widerspruch gegenüber ihrer eigenen Argumentation: Sie legt ungewollt zwei sich gegenseitig bedingende theologische
    Grundeinsichten des Konzils offen, die durch die begriffliche Verlegenheitslösung
    des „subsistit in“ zusammengehalten werden sollen: die einzigartige, aber nicht identische Beziehung der „je größeren“ Wirklichkeit der Kirche Jesu Christi zur römisch-katholischen Kirche und die Existenz von Kirchesein außerhalb der „ecclesia romana“.

    In der entsprechenden Subkommission ist deshalb nicht noch einmal das
    möglicherweise von Tromp eingebrachte „subsistit in“ einer begrifflichen Kritik unterzogen bzw. problematisiert worden. Vielmehr waren die „Elemente“ des Kircheseins außerhalb der „katholischen Kirche“, „die vom Nachfolger Petri und den Bischöfen . . .) geleitet wird“, d. h. außerhalb der römisch -katholischen Kirche, der entscheidende Gesprächsgegenstand, wie T. selbst zugibt (381ff). Dies zeigt um so deutlicher die theologisch-ekklesiologische Grundausrichtung des Konzils an, das mit dem begrifflichen Instrumentum des „subsistit in“ eine ökumenische „Öffnungsklausel“ geschaffen hat, mit dem Kirchesein auch außerhalb der römisch-katholischen Kirche ausgesagt werden kann und muß, da
    die Kirche Jesu Christi und die römisch-katholische Kirche EBEN NICHT VÖLLIG IDENTISCH SIND, ohne dabei allerdings ihre einzigartige Beziehung zueinander mit Blick auf die Vollzahl ihrer konstitutiven „Elemente“ in Frage zu stellen. Eine Reduzierung des immer größeren „Geheimnisses“ der Kirche auf die sichtbar verfaßte römisch-katholische Kirche käme von daher einem SELBSTWIDERSPRUCH dieses Geheimnisses gleich. Genau diesem theologischen Selbstwiderspruch erliegt aber die Verfasserin.

    Wer folglich aus einem bestimmten traditionalistisch-triumphalistischen Interesse die Grundintention des Konzils in seiner Interpretation wissentlich und willentlich nicht berücksichtigt und dabei ekklesiologische Selbstwidersprüche in Kauf zu nehmen gewillt ist, der betreibt nicht nur Geschichtsklitterung, sondern auch schlechte Theologie.

    Paderborn Peter Lüning

    aus http://www.teuffenbach.it/images/files/Theo_Rve_2_2004%20solo%20Alexandra.pdf

  3. Ist nicht das schon ein Eingeständnis dass ein klarer Bruch mit dem Traditionsverständnis der Hl.Röm.Kath.Kirche vorliegt und dieser Bruch BEABSICHTIGT war ?!?

  4. @Christoph Rhein 3. Juni 2014 um 21:28 schrieb dann begründend:

    “Iamvero ad definiendam describendamque hanc veracem Christi Ecclesiam – quae sanctā, catholica, apostolica,
    Romana Ecclesia est12 – nihil nobilius, nihil praestantius, nihil denique divinius invenitur sententia illa, qua eadem
    nuncupatur «mysticum Iesu Christi Corpus»; quae quidem sententia ex iis effluit ac veluti efflorescit, quae et in Sacris
    Litteris et in sanctorum Patrum scriptis crebro proponuntur” (Pius XII. Litt. Enc “Mystici Corporis” AAS XXXV. 1943, Citta del Vaticano 1943, p. 199), so definiert Papst Pius XII die Römisch-Katholische Kirche unter Hinweis auf das Vatikanische Konzil, genauer die Konstitution über den Ewigen Hirten. Es ist klar von einem “EST” die Rede, nicht von einem “subsistit in”.
    Auch Joseph Kardinal Ratzinger irrte insuppletibel, indem er die IDENTITÄT von “SUBSISTIT IN” und “EST” feststlellt. Das II. Vatikanische Konzil hat die Lehre von Papst Pius XII nicht etwa differenziert, sondern explizit widersprochen. Und, was noch erschwerend hinzutritt, ist der OFFENE WIDERSPRUCH ZUR HEILIGEN SCHRIFT: “Qui nunc gaudeo in passionibus pro vobis et adimplebo ea quae desunt passionum Christi in carne mea PRO CORPOPRE EIUS, Q U O D E S T E C C L E S I A” “Col I. 24). Damit ist eine MATERIELLE HÄRESIE offenbar, sobald auch nur irgend ein papst fordert, diese Lehre sei unter Hinweis auf LG 25 iVm. LG 18 anzunehmen und dieses dann durch Kanonisches Recht (c. 750 ° iVm. c. 1367) als ÖFFENTLICHES RECHT promulgiert, ist die FORMELLE HÄRESIE unausweichlich. Damit ist das Schisma, das S. E. der Große Erzbischof Marcel Lefebrve mit den Bischofsweihen 1988 in forma cpecifica festgestellt hat wohl jedermann ersichtlich. Wie klar muß man es denn noch sehen, daß zwischen einer Gemeinschaft, die 99.99…% der Elemente von Kirche-Sein (Sakramente, Lehre, Amt) innehat, aber nicht die EINE HEILIGE KATHOLISCHE UND APOSTOLISCHE KIRCHE, DIE DIE RÖMISCH-KATHOLISCHE KIRCHE I S T (!) selbst ist,zwar phänomenologisch Kirche zu sein scheint, aber sie ist es dem Nomen lediglich nach. Diese “Kirchen” ohne Anführungszeichen als Kirche zu bezeichnen IST HÄRESIE, ist aber nur im Irrtum zu erklären. Also ist das “subsistit in” FOMRALE HÄRESIE.

  5. Nochmals zur (A) Leugnung des Dogmas von der einzigartigen Identität (
    Gleichsetzung ) der Kirche Chrisi mit der irdischen Hl.Röm.Kath.Kirche. SO und nicht anders will sich aber die Amtskirche verstanden wissen:

    “ … , da die Kirche Jesu Christi und die römisch-katholische Kirche EBEN NICHT VÖLLIG IDENTISCH SIND, … “

    Damit hat ein Vertreter der Amtskirche eine EINDEUTIGE Erklärung abgegeben! Unbestreitbar! Unwiderrufbar! Klar und deutlicher geht es nicht.

    Weiter mit selbsterklärenden unbestreitbaren haeretischen Aussagen wie:

    “ … die einzigartige, aber NICHT(!) identische Beziehung der “je größeren” Wirklichkeit der Kirche Jesu Christi zur römisch-katholischen Kirche und die Existenz von Kirchesein AUSSERHALB (!!!) der “ecclesia romana”. “

    “ Dies zeigt um so deutlicher die theologisch-ekklesiologische Grundausrichtung des Konzils an, das mit dem begrifflichen Instrumentum des “subsistit in” eine ökumenische “Öffnungsklausel” geschaffen hat, mit dem Kirchesein AUCH AUSSERHALB(!!!) außerhalb der römisch-katholischen Kirche ausgesagt werden kann und muß, … “

    DAS ist eine weitere (B) LEUGNUNG eines Dogmas, das von EENS s. https://heilsdogma.wordpress.com/ !!!!

    “ … die Grundintention des Konzils in seiner Interpretation wissentlich und willentlich nicht berücksichtigt … “

    Nun, jetzt wissen wir EINDEUTIG WAS unter der „Grundintention des Konzils“ zu verstehen ist . DANKE, es reicht!

    @POS, fällt Ihnen auch dazu noch etwas ein? Da sollten doch letztlich einem die Augen aufgehen … ??!

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