PAPST FRANZISKUS ÜBER DIE RELIGIONSFREIHEIT

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ANSPRACHE VON PAPST FRANZISKUS 
AN DIE TEILNEHMER DER INTERNATIONALEN TAGUNG
ÜBER RELIGIONSFREIHEIT

Konsistoriensaal
Freitag, 20. Juni 2014

Ich begrüße Sie, liebe Brüder und Schwestern, aus Anlass Ihrer Internationalen Konferenz und danke Herrn Prof. Giuseppe Dalla Torre für seine freundlichen Worte. In jüngster Zeit ist die Debatte um die Religionsfreiheit sehr intensiv geworden, was sowohl die Regierungen als auch die Religionsgemeinschaften auf den Plan ruft. Der Bezugspunkt der katholischen Kirche hierzu ist die Erklärung Dignitatis humanae, eines der wichtigsten Dokumente des Zweiten Ökumenischen Vatikanischen Konzils.

In der Tat ist jedes menschliche Wesen auf der Suche nach der Wahrheit über seinen Ursprung und sein Schicksal. In seinem Kopf und seinem Herzen stellt sich der Mensch Fragen und macht sich Gedanken, die er nicht unterdrücken oder ersticken kann, da sie aus seinem Innersten kommen, seiner Natur wesenseigen sind. Es sind religiöse Fragen, und diese Fragen bedürfen der Religionsfreiheit, um vollkommen zum Ausdruck kommen zu können. Fragen, die versuchen, den wahren Sinn des Daseins zu erhellen wie auch das Band, das die menschliche Existenz mit dem Kosmos und mit der Geschichte verbindet. Fragen, die die Dunkelheit durchbrechen wollen, von der das Schicksal des Menschen umgeben wäre, wenn man diese Fragen nicht stellen würde, sie also ohne Antwort blieben. Der Psalmist sagt: »Seh’ ich den Himmel, das Werk deiner Finger, Mond und Sterne, die du befestigt: Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst, des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?« (Ps 8, 4-5).

Die Vernunft erkennt in der Religionsfreiheit nicht nur ein Grundrecht des Menschen, das seine höchste Würde widerspiegelt – die Würde, die Wahrheit suchen und sich in ihren Dienst stellen zu können –, sondern auch die unerlässliche Voraussetzung dafür, dass der Mensch sein ganzes Potential entfalten kann. Die Religionsfreiheit ist nicht nur die Freiheit des Denkens oder der persönlichen Religionsausübung. Sie ist die Freiheit, gemäß den ethischen Prinzipien, die aus der gefundenen Wahrheit hervorgehen, zu leben, und zwar sowohl im privaten als auch im öffentlichen Bereich. Dies stellt in der globalisiertenWelt eine große Herausforderung dar, in der das »schwache Denken« – das wie eine Krankheit ist – auch das allgemeine ethische Niveau senkt, und im Namen eines falsch verstandenen Toleranzbegriffs letztlich jene verfolgt werden, die für die Wahrheit des Menschen und ihre ethischen Konsequenzen eintreten.

Die rechtlichen, staatlichen oder internationalen Ordnungen sind daher gerufen, die Religionsfreiheit anzuerkennen, zu garantieren und zu verteidigen. Sie ist nämlich nicht nur ein Recht, das untrennbar zur menschlichen Natur gehört, zu ihrer Würde, frei zu sein, sondern auch Indikator einer gesunden Demokratie und eine der Hauptquellen der Legitimität des Staates. Die Religionsfreiheit, die in Verfassungen und Gesetze einfließen und in ein konsequentes Handeln umgesetzt werden kann, fördert die Entwicklung der Beziehungen gegenseitigen Respekts zwischen den verschiedenen religiösen Bekenntnissen und deren gesunde Zusammenarbeit mit dem Staat und der politischen Gemeinschaft, ohne jegliche Vermischung der Rollen und ohne Antagonismen. Anstelle des globalen Konflikts der Werte kann dann, ausgehend von einer Reihe universal geteilter Werte, eine globale Zusammenarbeit im Hinblick auf das Gemeinwohl ermöglicht werden.

Im Licht der von der Offenbarung bestätigten und perfektionierten Erkenntnisse der Vernunft und des zivilen Fortschritts der Völker scheint es unverständlich, ja besorgniserregend, dass noch heute Menschen diskriminiert und in ihren Rechten beschnitten werden aus dem alleinigen Grund, dass sie einem bestimmten Glauben angehören und diesen öffentlich bekennen. Es ist inakzeptabel, dass es wahre Verfolgungen aus Gründen der Religionszugehörigkeit gibt! Und sogar Kriege! Das verletzt die Vernunft, ist ein Angriff auf den Frieden und eine Demütigung für die Würde des Menschen! Mit großem Schmerz muss ich feststellen, dass die Christen die Gruppe sind, die die meisten dieser Diskriminierungen erleiden muss. Die Christenverfolgung ist heute sogar noch schlimmer als in den ersten Jahrhunderten der Kirche, und es gibt heute mehr christliche Märtyrer als in jener Zeit. Und das mehr als 1700 Jahre nach dem Toleranzedikt von Kaiser Konstantin, das den Christen die Freiheit zugestand, ihren Glauben öffentlich zu bekennen!

Ich hoffe sehr, dass es Ihrer Konferenz gelingen möge, mit Tiefe und wissenschaftlichem Ernst die Gründe zu veranschaulichen, die es für jede rechtliche Ordnung verpflichtend machen, die Religionsfreiheit zu respektieren und zu verteidigen. Ich danke Ihnen für Ihren Beitrag und bitte Sie, für mich zu beten. Ich wünsche Ihnen von Herzen das Beste und bitte Gott, dass er Sie segnen möge. Danke.

_______

Quelle

27 Kommentare zu “PAPST FRANZISKUS ÜBER DIE RELIGIONSFREIHEIT

  1. „Die rechtlichen, staatlichen oder internationalen Ordnungen sind daher gerufen, die Religionsfreiheit anzuerkennen, zu garantieren und zu verteidigen. Sie ist nämlich nicht nur ein Recht, das untrennbar zur menschlichen Natur gehört, zu ihrer Würde, frei zu sein, sondern auch Indikator einer gesunden Demokratie und eine der Hauptquellen der Legitimität des Staates. Die Religionsfreiheit, die in Verfassungen und Gesetze einfließen und in ein konsequentes Handeln umgesetzt werden kann, fördert die Entwicklung der Beziehungen gegenseitigen Respekts zwischen den verschiedenen religiösen Bekenntnissen und deren gesunde Zusammenarbeit mit dem Staat und der politischen Gemeinschaft, ohne jegliche Vermischung der Rollen und ohne Antagonismen.“

    Unter Berufung auf „Dignitatis humanae“ bekennt sich Bergoglio zu dem „Recht“ auf Religionsfreiheit, das sich aus der Natur des Menschen ergeben würde, und der Trennung von Kirche und Staat. Zwei Häresien, die Grundprinzipien des Liberalismus sind.

    Da Gott der Urheber des Naturrechts ist, würde Er auch jedem Menschen das „Recht“ zubilligen, den Teufeln anzubeten.

    „Dignitatis humanae“ und Bergoglio sind nicht nur häretisch, sondern behaupten auch eine Blasphemie.

  2. @Tomás

    Sie schreiben:
    Da Gott der Urheber des Naturrechts ist, würde Er auch jedem Menschen das “Recht” zubilligen, den Teufeln anzubeten.

    Absolut nicht. Die in „Dignitatis humanae“ befürwortete Religionsfreiheit billigt keinem Menschen das Recht zu, „den Teufel anzubeten“. Das verbietet ihm schon das Naturrecht! Naturrecht = 10 Gebote GOTTES eingeprägt in die Seele JEDES MENSCHEN!

  3. @ POSchenker 9. März 2015 um 11:24

    Das Naturrecht besteht nicht allein aus dem Wortlaut der 10 Gebote. Abgesehen davon lassen sich über die 10 Gebote ganze Bände schreiben. Die Anerkennung der gottgewollten Ordnung allgemein gehört ebenfalls zum Naturrecht. Da z.B. der Feminismus/Gynozentrismus die Auflehnung gegen die gottgewollte Ordnung bedeutet, ist er auch ein Verstoß gegen das Naturrecht, welches ja die Grundordnung für die Schöpfung ist, auch wenn dies so nicht wortwörtlich in den 10 Geboten genannt wird. Aber es wird vieles nicht wortwörtlich in den 10 Geboten genannt, sondern es ist sinngemäß in ihnen enthalten.

    Wenn Pius XI. z.B. verkündet: „…den Aufbau der Familie und ihr VON GOTT SELBST ERLASSENES und bekräftigtes GRUNDGESETZ einfachhin umzukehren oder anzutasten, ist NIE und NIRGENDS erlaubt“, dann ist dies offenkundig Bestandteil des unabdingbaren Naturrechts und kann auch nicht schadlos durch Sophisterei oder „gesellschaftlichen Fortschritt“ umgangen werden.

  4. @Stephan

    Als göttliches Recht (lat.: ius divinum) werden Rechtsnormen bezeichnet, die nach Ansicht der eine Rechtsordnung beherrschenden Religion auf Rechtssetzungen Gottes oder einer göttlichen Instanz zurückführbar sind (etwa auf die Zehn Gebote) und die daher unabänderlich gelten. Göttliches Recht gehört zum überpositiven Recht (Naturrecht) und wurde lange mit diesem gleichgesetzt. (Wikipedia: Göttliches Recht)
    Aber, klar, der Wortlaut der 10 Gebote ist eine Kurzform, die sozusagen nur die KAPITEL des Naturrechts nennt.

  5. Nein, Stephan, das ist ein weit verbreitetes Missverständnis, als ob DH von einem positiven Recht sprechen würde, eine falsche Religion auszuüben, etwa auch dann den Teufel anzubeten.

    Nein, DH spricht nur von einem negativen Recht derart, dass jeder das Recht hätte, nicht daran gehindert zu werden, seine falsche Religio auszüben (was freilich auch gegen die kath. trad. Lehre ist!)

    Also kurz:
    DH behauptet kein Recht zur Teufelsanbetung, sondern ein Recht, an der Teufelsanbetung nicht gehindert zu werden.

  6. Und genauer:
    DH behauptet kein Recht zur Teufelsanbetung, sondern ein Recht, STAATLICH an der Teufelsanbetung nicht gehindert zu werden.

  7. Der Staat darf ( muss! ) jemanden getrost in Ruhe lassen bei dessen Teufelsanbetung. Es ist dem Staat hier untersagt regulierend ( z.B. wenn es auch zum Vorteil/Schutz des Verursachers wäre ) einzugreifen. Keine Polizei bitte!

    Das Recht auf Teufelsanbetung nimmt sich jeder selbst.

  8. @ Pierre:

    Bei gewissen satanischen Praktiken besteht durchaus staatlicher Eingriffsbedarf – wenn es nämlich um Gesundheit oder Leben von Personen geht.

  9. dspecht 10. März 2015 um 23:00

    „Dignitatis humanae“ behauptet, daß im religiösen Bereich niemand gehindert werden darf, nach seinem Gewissen zu handeln. Positiv ausgedrückt, heiß das, daß jeder Mensch das Recht hätte, jede Religion zu praktizieren und dieses Recht muß vom Staat als bürgerliches Recht anerkannt werden.

    Die Kirche lehrt dagegen, daß zwar niemand gezwungen werden darf katholisch zu werden und es zu bleiben, aber daraus resultiert nicht, daß der Mensch das Recht hätte, falsche Religionen zu praktizieren.
    Nach der Lehre der Kirche muß der Staat katholisch sein und dieser kann oder muß sogar falsche Religionen, als das geringere Übel, tolerieren. Mehr nicht.

    „Dignitatis humanae“ widerspricht der dogmatischen Lehre der Kirche und ist damit eine Häresie, die zwingend zu der Häresie der Trennung von Kirche und Staat führt.

  10. Stephan 10. März 2015 um 19:10

    Alles was gegen die Natur geht, ist gegen den Willen Gottes, weil Gott der Urheber der Natur ist. Gott hat Adam und Eva und nicht Adam und Adam oder Eva und Eva geschaffen. Also ist die Homosexualität naturwidrig und geht damit gegen den Willen Gottes.

  11. Die Religionsfreiheit war eine Forderung der Freimaurerei. Schon deshalb ist sie indiskutabel, indiskutabel falsch natürlich. Gott hat sich der Menschheit offenbart und die heilige katholische Kirche als einzige Arche des Heiles gegründet. Alle nichtkatholischen Religionen außer der jüdischen Religion sind vom Teufel gestiftet worden. Seit das Judentum die Messianität und Gottheit Jesu Christi abgelehnt hat, ist auch das Judentum teuflisch. Gott will, daß alle Menschen und alle Staaten katholisch sind. Von diesem Zustand ist die Welt von heute unendlich weit entfernt. Deshalb haßt Gott die Welt von heute mit kahlem und unendlichem Haß. Die zahlreichen Unglücksfälle, Katastrophen und Kriege in der Neuzeit beweisen es. Auch wir, die wir Gott lieben und treu sein wollen, müssen ebenso wie Gott die Welt von heute mit kahlem und unendlichem Haß hassen. Die Religionsfreiheit, die den falschen Religionen das Recht auf Existenz, Propaganda und Aktion gewährt, ist schwer verbrecherisch, antikatholisch, antichristlich, gottlos, blasphemisch und satanisch. Aber nicht nur die falschen Religionen haben kein Recht auf Existenz, Propaganda und Aktion – das sowieso -, sondern auch die Vertreter und Anhänger der falschen Religionen. Wer im Gegensatz zu Gott, der allerheiligsten Dreifaltigkeit, und seiner Offenbarung steht, hat keinerlei Rechte. Es gibt keine Menschenrechte. Alle Nichtkatholiken stehen in allerhöchster Gefahr, von Gott verdammt zu werden.

  12. @Bernhard Heinrich Freienstein

    Sie haben ein SCHRECKLICHES Gottesbild! Nicht im entferntesten dem entsprechend, was ER (unser GOTT) HÖCHSTPERSÖNLICH IN JESUS CHRISTUS von SICH ausgesagt hat und durch SEINE KIRCHE während nun schon mehr als 2000 Jahren bezeugt. GOTT IST DIE LIEBE! Lesen, studieren Sie die Enzyklika: DEUS CARITAS EST!

  13. @ Bernhard Heinrich Freienstein:

    „Die Religionsfreiheit war eine Forderung der Freimaurerei. Schon deshalb ist sie indiskutabel, indiskutabel falsch natürlich.“

    Dieses „Schon deshalb“ ist falsch. Ob etwas gut oder schlecht ist, hängt nicht von dem ab, der das vorbringt, sondern an dem Vorgebrachten selbst.

    Bekanntes Beispiel: Die Autobahnen. Sie sind doch gut und vernünftig – ungeachtet dessen, daß sie unter der Regierung der Nationalsozialisten erfunden wurden.

    *

    @ POSchenker:

    Ihre Bezeichnung „schreckliches Gottesbild“ trifft den Nagel auf den Kopf. Es ist kaum zu fassen, daß ein derartiger Haß unter katholisch Getauften, unter Menschen, die wahrscheinlich auch gute Katholiken sein wollen, grassiert. Aber über einen derartigen Haß braucht man sich auch nicht zu wundern, angesichts so vieler haßdurchdrängter sedisvakantistischer Pamphlete.

    *

    @ Bernhard Heinrich Freienstein und alle übrigen Sedisvakantisten:

    Auch eine Leseempfehlung von mir: Die Hirtenbriefe Erzbischof Lefèbvres. Da können Sie von einem Katholiken der Tat (Missionar) Näheres darüber erfahren, was Katholischsein wirklich ist.

  14. @ Tomas:
    Sie schreiben: „Die Kirche lehrt dagegen, daß zwar niemand gezwungen werden darf katholisch zu werden und es zu bleiben, aber daraus resultiert nicht, daß der Mensch das Recht hätte, falsche Religionen zu praktizieren.
    Nach der Lehre der Kirche muß der Staat katholisch sein und dieser kann oder muß sogar falsche Religionen, als das geringere Übel, tolerieren. Mehr nicht.“

    Ja, und Toleranz ist nur dann angebracht und geboten, wenn durch sie größeren Übeln vorgebeugt wird (z.B. Scheinkonversionen mit Bildung einer „Fünften Kolonne“; Bürgerkrieg). Ein Recht auf Toleriertwerden gibt es auch nicht, das käme Dignitatis Humanae sehr nahe, und Toleranz ist an Bedingungen geknüpft.

  15. @ Helmi

    — Hallo, Grüß GOTT! 🙂 —

    „Ein Recht auf Toleriertwerden gibt es auch nicht, das käme Dignitatis Humanae sehr nahe“

    Das kommt DH nicht nur sehr nahe, sondern ist nichts anderes, als was DH sagt bzw. lehrt – und was das eigentliche Problem, die eigntliche Streitfrage ist

    (denn man kann m.E. DH nicht, wie viele dies tun, vorwerfen, es lehre ein „positives“ bzw. besser „erlaubendes“, objektiv vor GOTT bestehendes Recht, eine falsche Religion auszüben, sondern eben nur ein „negatives“, „tolerierendes“ (und wenn man so will eher subjektives, wenn es so etwas gibt) Recht, nicht daran gehindert zu werden.
    Allenfalls lehrt DH damit dann doch – indirekt – auch ein Recht mit, die falsche Religion (positiv) auszuüben (ein quasi subjektiv-„postiv-erlaubendes“ Recht – wenn es denn eben Sinn macht von subjektivem Recht zu sprechen. Vielleicht müsste man besser sogar sagen ein echtes, also objektives „positiv-erlaubendes“ Recht – aber nur wenn man bona fide ist), zumindest in sofern man ihr bona fide anhängt. Das müsste man nochmal gesondert diskutieren.)

  16. tomas:
    “Dignitatis humanae” behauptet, daß im religiösen Bereich niemand gehindert werden darf, nach seinem Gewissen zu handeln. Positiv ausgedrückt, heiß das, daß jeder Mensch das Recht hätte, jede Religion zu praktizieren“

    Folgt das zweite wirklich aus dem ersten?

  17. @ Tomás 11. März 2015 um 17:02

    Genau. Obwohl die Homosexualität in den 10 Geboten nicht direkt bzw. explizit verworfen ist, ergibt es sich aus dem Sinngehalt. Jedoch wird vieles den Prämissen der „westlichen Wertegemeinschaft“ angepaßt. Bei den „progressiven“ etwas „schneller“, und bei den „traditionellen“ etwas „langsamer“. Mit Sophisterei versuchen die pragmatischen „Katholiken“ sich aus der gottgewollten Ordnung herauszuwinden und wollen uns moderne Prämissen der „westlichen Wertegemeinschaft“ in „frommer“ Weise als „katholisch“ verkaufen. Wer ist ihr „Gott“, fragt sich da nur noch…

  18. dspecht 12. März 2015 um 18:05

    Wenn der Staat nicht das Recht hat, niemandem an der Ausübung seiner Religion zu hindern, bedeutet dies, daß jedermann gegenüber dem Staat das Recht hat, seine Religion zu praktizieren.

    Frage: Warum darf der Staat Sie nicht daran hindern, Deutschland zu verlassen?
    Antwort: Weil Sie das Recht haben, Deutschland zu verlassen.

    Das sagt das „Konzil“, aber eben etwas verschleiert, damit die Menschen nicht auf „dumme“ Gedanken kommen.

  19. tomas:
    „…bedeutet dies, daß jedermann gegenüber dem Staat das Recht hat, seine Religion zu praktizieren.“

    Völlig richtig. Das Konzil lehrt ein Recht ggü DEM STAAT bzw. VOM STAAT nicht behelligt zu werden.
    (Und ich habe ja auch schon geschrieben, dass selbst das mit der Tradition in Konflikt steht.)

    Man kann aber dem Konzil nicht vorwerfen, es lehre ein RECHT VOR GOTT – also ein wirklich positiv-erlaubendes objektives Recht – die falsch Religion auszüben.

    (Allenfalls wenn man bona fide ist, das ist aber noch ein anderer Aspekt).

  20. Wie ich schon oben oder anderen Orts schrieb, tomas:

    Das Konzil lehrt NICHT ein (objektives, positiv-erlaubendes, vor GOTT bestehendes) Recht zur Ausübung der falschen Religion,

    sondern ein (negativ-verbietendes/tolerierendes) Recht, an der Ausübung der flaschen Religion (von Seiten des STAATES) nicht gehindert zu werden

    (und insofern auch ein rein bürgerliches RECHT ggü oder vor dem STAAT, ein rein positiv-staatliches Recht — aber eben kein GÖTTLICHES-[überstaatliches objektiv positiv-erlaubendes] Recht!)

  21. Auch wikipedia weist auf den wesentlichen Bruch hin:

    „Seit dem Ersten Vatikanischen Konzil in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war es explizite katholische Lehre, dass der römisch-katholische Glaube als einzig wahre Religion in katholisch dominierten Staaten auch in den Rang einer Staatsreligion zu erheben sei. Diese Konzeption wurde auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil aufgegeben, indem in der Erklärung Dignitatis humanae die Religionsfreiheit einschließlich der öffentlichen nichtkatholischen Religionsausübung und des Diskriminierungsverbotes positiv bewertet wurden. In mehreren südeuropäischen Staaten mit vorwiegend katholischer Bevölkerung wurden in der Folge entsprechende Verfassungsregelungen gestrichen, zuletzt in Italien 1984.“ http://de.wikipedia.org/wiki/Staatsreligion

    V2 und die neue „Kirche“ führen also zu einer Streichung der einzig wahren Religion aus den „Verfassungen“ der einst katholischen Länder mit entsprechender Staatsreligion…

  22. Gott ist die Liebe, das ist richtig. Doch zählen Sophisterei und Rabulistik auch unter „Liebe“? Diejenigen, die so gerne auf ‚Gott ist die Liebe‘ hinweisen, meinen damit eigentlich folgendes: ‚Wer gegen uns ist oder uns bei den entscheidenden Punkten kritisiert, der hat nicht die Liebe‘. Andererseits sind dieselben „liebevollen“ Leute keineswegs zimperlich, wenn es um Diffamierung geht…

    Wenn die Aussage ‚Gott ist die Liebe‘ bloß vorgebracht wird, um sich selbst „unangreifbar“ zu machen oder aus einer Haltung bzw. Selbstanschauung heraus, daß man ja sowieso „recht“ hätte und eine Kritik somit stets „böse“ sein müsse, dann ist das wohl nichts anderes als Pharisäismus und somit das Gegenteil der wahren Liebe Gottes.

  23. dspecht 13. März 2015 um 13:56

    Der Indifferentismus, der alle Religionen auf dieselbe Ebene stellt und zum Atheismus führt, besteht aus zwei Stufen.

    Die erste Stufe ist der relative Indifferentismus, der das „Recht“ gegenüber dem Staat und Gesellschaft jede Religion auszuüben, d.h. „Recht“ auf Religionsfreiheit als bürgerliches Recht vertritt.

    Die zweite Stufe ist der absolute Indifferentismus, der behauptet, jeder Mensch habe das moralische „Recht“, also Gott gegenüber, jeder Religion oder keine zu praktizieren.

    Beide Stufen sind Teile der häretischen Gleichstellung aller Religionen.

    Daher spielt die Tatsache, daß die „Dignitatis humanae“ sich „nur“ zum „Recht“ auf Religionsfreiheit als bürgerliches Recht bekennt, nur eine Untergeordnete Rolle.

    Der Indifferentismus ist in allen seiner Varianten häretisch.

    So wie jede Form des Marxismus, auch die moderate oder die „christliche“ („Befreiungstheologie“), antikatholisch ist.

  24. Stephan 14. März 2015 um 10:12

    Die wahre Liebe ist die Liebe zu Gott, d.h. die Liebe zur Wahrheit, zum Guten und Schönen, die die Attribute Gottes sind.

    Alles andere ist Gefühlsduselei.

    Sie haben Recht, wenn Sie behaupten, diese Leute sind nur für Liebe, wenn es ihnen gerade in den Kram paßt.
    Dasselbe gilt für ihre Toleranz. Die „Toleranten“ sind in der Praxis viel intoleranter als wir, die Intoleranten.

  25. Tomás 14. März 2015 um 13:59

    Aber ich habe doch nie etwas anderes behauptet.

    Auch der Indifferentismus der ersten Stufe ist schlimm und ein Bruch mit der Tradition. Ich habe ja gesagt, das ist das eigentliche Problem von DH.

    Aber zu behaupten, DH lehre klar den Indifferentismus 2. Stufe ist einfach falsch.
    Und wir als Katholiken müssen ja bei der Wahrheit bleiben.
    Irrtum, Lüge / Falschbehauptungen sind nicht von GOTT – und auch unwissenschaftlich.

    Daher, rein aus Wahrheitsliebe und wissenschaftlicher Redlichkeit, verwies ich darauf, dass es zu weit geht, DH den Indifferentissmus 2. Stufe vorzuwerfen —
    auch wenn man mit Recht bei DH den Indifferentismus der 1. Stufe kritisieren kann und muss!

  26. Tomás 14. März 2015 um 14:07

    Wir sind hier in der Sache also völlig einig.

    Und danke für die hilfreiche Unterscheidung in Indifferentismus 1. und 2. Stufe, das war sehr gut!

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