Joseph Ratzinger zur „Auferstehung des Fleisches“

Auszug aus: „Einführung in das Christentum“ online auf http://de.scribd.com

2. »Auferstehung des Fleisches«

a) Der Inhalt der neutestamentlichen Auferstehungshoffnung a

Vor dem Artikel von der Auferstehung des Fleisches befinden wir uns in einem eigentümlichen Dilemma. Wir haben die Unteilbarkeit des Menschen neu entdeckt; wir leben mit einer neuen Intensität unsere Leibhaftigkeit und erfahren sie als unerlässliche Verwirklichungsweise des einen Seins des Menschen. Wir können von da aus die biblische Botschaft neu verstehen, die nicht einer abgetrennten Seele Unsterblichkeit verheißt, sondern dem ganzen Menschen. Aus einem solchen Empfinden heraus hat sich in unserem Jahrhundert vor allem die evangelische Theologie nachdrücklich gegen die griechische Lehre von der Unsterblichkeit der Seele gewandt, die man zu Unrecht auch als christlichen Gedanken ansehe. In Wahrheit drücke sich darin ein durchaus unchristlicher Dualismus aus; der christliche Glaube wisse allein von der Auferweckung der Toten durch Gottes Macht. Aber hier stellen sich sofort die Bedenken ein: Mag die griechische Unsterblichkeitslehre problematisch sein, ist denn die biblische Aussage nicht noch viel unvollziehbarer für uns? Einheit des Menschen, schön, aber wer vermag sich schon von unserem heutigen Weltbild her eine Auferstehung des Leibes vorzustellen? Diese Auferstehung schlösse ja – so scheint es jedenfalls – einen neuen Himmel und eine neue Erde mit ein, sie verlangte unsterbliche, nahrungslose Körper, einen völlig veränderten Zustand der Materie. Aber ist dies nicht alles völlig absurd, unserem Verständnis
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a Die folgenden Ausführungen geschehen in engem Anschluss an meinen Artikel Auferstehung in: Sacramentum mundi I, herausgegeben von Rahner-Darlap, Freiburg 1967,397-402, dort auch weitere Literatur.

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der Materie und ihrer Verhaltensweisen durchaus entgegen und somit heillos mythologisch? Nun, ich denke, dass man zu einer Antwort tatsächlich nur kommen kann, wenn man sorgfältig nach den eigentlichen Intentionen der biblischen Aussage fragt und dabei auch das Verhältnis der biblischen und der griechischen Vorstellungen neu bedenkt. Denn deren Aufeinandertreffen hat beide Auffassungen umgeprägt und damit die ursprünglichen Intentionen des einen wie des anderenWeges überdeckt in einer neuen Gesamtansicht, die wir vorerst wieder abtragen müssen, wenn wir an den Anfang zurückfinden wollen. DieHoffnung auf die Auferweckung der Toten stellt zunächst einfach die Grundform der biblischen Unsterblichkeitshoffnung dar; sie erscheint im Neuen Testament nicht eigentlich als ergänzende Idee zu einer vorausgehenden und davon unabhängigen Unsterblichkeit der Seele, sondern als die wesentliche Grundaussage über das Geschick des Menschen. Freilich gab es schon vom Spätjüdischen her Ansätze zu einer Unsterblichkeitslehre griechischer Prägung, und dies wird einer der Gründe sein, weshalb man sehr bald den umfassenden Anspruch des Auferstehungsgedankens in der griechisch-römischen Welt nicht mehr begriff. Vielmehr wurden nun die griechische Vorstellung von der Unsterblichkeit der Seele und die biblische Botschaft von der Auferweckung der Toten als eine je halbe Antwort auf die Frage nach dem ewigen Geschick des Menschen betrachtet und beides additiv zueinander gefügt. Dem schon gegebenen griechischen Vorwissen um die Unsterblichkeit der Seele füge die Bibel noch die Offenbarung hinzu, dass am Ende der Tage auch die Körper auferweckt würden, um fortan auf immer das Geschick der Seele – Verwerfung oder Seligkeit – zu teilen. Demgegenüber werden wir festhalten müssen, dass es sich ursprünglich nicht eigentlich um zwei komplementäre Vorstellungen handelte; vielmehr stehen wir vor zwei verschiedenen Gesamtanschauungen, die man gar nicht einfach addieren kann:

Das Menschenbild, das Gottesbild und das Bild von der Zukunft sind jeweils durchaus verschieden, und so kann man im Grunde jede der beiden Ansichten nur als Versuch einer Totalantwort auf die Frage nach dem menschlichen Geschick verstehen. Der griechischen Auffassung liegt die Vorstellung zugrunde, im Menschen seien zwei an sich einander fremde Substanzen zusammengefügt, von denen die eine (der Körper) zerfällt, während die andere (die Seele) von sich aus unvergänglich ist und daher aus sich, unabhängig von irgendwelchen anderen Wesen, weiterbesteht. Ja, in der Trennung von dem ihr wesensfremder Körper käme die Seele erst zu ihrer vollen Eigentlichkeit. Der biblische Gedankengang setzt demgegenüber die ungeteilte Einheit des Menschen voraus; die Schrift kennt beispielsweise kein Wort, das nur den Körper (abgetrennt und unterschieden von der Seele) bezeichnen würde, umgekehrt bedeutet auch das Wort Seele in den allermeisten Fällen den ganzen leibhaftig existierenden Menschen; die wenigen Stellen, in denen sich eine andere Sicht abzeichnet, bleiben in einer gewissen Schwebe zwischen griechischem und hebräischem Denken und geben jedenfalls die alte Sicht keineswegs auf. Die Auferweckung der Toten (nicht der Körper!), von der die Schrift redet, handelt demgemäß vom Heil des einen, ungeteilten Menschen, nicht nur vom Schicksal einer (womöglich noch sekundären) Hälfte des Menschen. Damit ist nun auch schon klar, dass der eigentliche Kern des Auferstehungsglaubens gar nicht in der Idee der Rückgabe der Körper besteht, auf die wir ihn aber in unserem Denken reduziert haben; das gilt, obwohl diese Bildvorstellung in der Bibel durchgehend verwendet wird. Aber was ist dann der eigentliche Inhalt dessen, was die Bibel mit der Chiffre von der Auferstehung der Toten den Menschen als ihre Hoffnung ankündigen will? Ich denke, man kann dieses Eigentliche am ehesten in der Gegenüberstellung zur dualistischen Konzeption der antiken Philosophie heraus arbeiten:

1. Die Unsterblichkeitsidee, welche die Bibel mit dem Wort von der Auferstehung ansagt, meint eine Unsterblichkeit der »Person«, des einen Gebildes Mensch. Während im Griechischen das typische Wesen Mensch ein Zerfallsprodukt ist, das als solches nicht weiterlebt, sondern seiner heterogenen Artung aus Leib und Seele gemäß zwei verschiedene Wege geht, ist es nach biblischem Glauben gerade dies Wesen Mensch, das als solches, wenn auch verwandelt, fortbesteht.

2. Es handelt sich um eine »dialogische« Unsterblichkeit (= Auferweckung!); das heißt, Unsterblichkeit ergibt sich nicht einfach aus der Selbstverständlichkeit des Nicht-sterben-Könnens des Unteilbaren, sondern aus der rettenden Tat des Liebenden, der die Macht dazu hat: Der Mensch kann deshalb nicht mehr total untergehen, weil er von Gott gekannt und geliebt ist. Wenn alle Liebe Ewigkeit will – Gottes Liebe will sie nicht nur, sondern wirkt und ist sie. Tatsächlich ist der biblische Auferweckungsgedanke unmittelbar aus diesem dialogischen Motiv erwachsen: Der Beter weiß im Glauben, dass Gott das Recht herstellen wird (Job 19,25 ff; Ps 73,23ff); der Glaube ist überzeugt, dass diejenigen, die um der Sache Gottes willen gelitten haben, auch an der Einlösung der Verheißung Anteil erhalten werden (2 Makk 7,9ff). Weil biblisch vorgestellte Unsterblichkeit nicht aus der Eigenmacht des von sich aus Unzerstörbaren hervorgeht, sondern aus dem Einbezogensein in den Dialog mit dem Schöpfer, darum muss sie Auferweckung heißen. Weil der Schöpfer nicht bloß die Seele, sondern den inmitten der Leibhaftigkeit der Geschichte sich realisierenden Menschen meint und ihm Unsterblichkeit gibt, muss sie Auferweckung der Toten = der Menschen heißen. Hier ist anzumerken, dass auch bei der Formel unseres Symbolums, welches von der »Auferstehung des Fleisches«spricht, das Wort »Fleisch« soviel wie »Menschenwelt« bedeutet (im Sinn biblischer Ausdrucksweise, etwa: »Alles Fleisch wird schauen Gottes Heil« usw.); auch hier ist das Wort nicht im Sinn einer von der Seele isolierten Körperlichkeit gemeint.

3. Dass die Auferweckung am »Jüngsten Tage«, am Ende der Geschichte, und in der Gemeinschaft aller Menschen erwartet wird, zeigt den mitmenschlichen Charakter der menschlichen Unsterblichkeit an, die in Beziehung steht zur gesamten Menschheit, von der, zu der hin und mit der der Einzelne gelebt hat und daher selig oder unselig wird. Im Grunde ergibt sich dieser Zusammenhang aus dem gesamtmenschlichen Charakter der biblischen Unsterblichkeitsidee von selbst. Die griechisch gedachte Seele ist der Leib und so auch die Geschichte durchaus äußerlich, sie existiert davon losgelöst weiter und bedarf dazu keines anderen Wesens. Für den als Einheit verstandenen Menschen ist demgegenüber die Mitmenschlichkeit konstitutiv; soll er weiterleben, dann kann diese Dimension nicht ausgeschlossen sein. So erscheint vom biblischen Grundansatz her die viel verhandelte Frage, ob es nach dem Tod eine Gemeinschaft der Menschen untereinander geben kann, als gelöst; sie konnte im Grunde nur durch ein Überwiegen des griechischen Elements im gedanklichen Ansatz aufkommen: Wo die»Gemeinschaft der Heiligen« geglaubt wird, ist die Idee der Anima separata (der »losgetrennten Seele«, von der die Schultheologie spricht) im Letzten überholt. Im vollen Umfang wurden alle diese Gedanken erst möglich in der neutestamentlichen Konkretisierung der biblischen Hoffnung – das Alte Testament allein lässt die Frage nach der Zukunft des Menschen letztlich doch in der Schwebe. Erst mit Christus, dem Menschen, der »mit dem Vater eins ist«, dem Menschen, durch den das Wesen Mensch eingetreten ist in Gottes Ewigkeit, zeigt sich definitiv die Zukunft des Menschen offen. Erst in ihm, dem »Zweiten Adam«, rundet sich die Frage, die der Mensch selber ist, zur Antwort. Christus ist Mensch, ganz und gar; insofern ist in ihm die Frage anwesend, die wir Menschen sind. Aber er ist zugleich Anrede Gottes an uns, »Wort Gottes«. Das Gespräch zwischen Gott und Mensch, das seit Anfang der Geschichte hin und her geht, ist in ihm in ein neues Stadium getreten: In ihm ist das Wort Gottes »Fleisch« geworden, real eingelassen in unsere Existenz. Wenn aber der Dialog Gottes mit dem Menschen Leben bedeutet, wenn wahr ist, dass der Dialogpartner Gottes eben durch sein Angesprochensein durch den, der ewig lebt, selbst Leben hat, dann bedeutet dies, dass Christus als die Rede Gottes an uns selber »die Auferstehung und das Leben« ist (Jo 11,25). Das bedeutet dann weiterhin, dass das Eintreten in Christus, das heißt der Glaube, in qualifiziertem Sinn ein Eintreten in jenes Gekanntsein und Geliebtsein von Gott her wird, welches Unsterblichkeit ist: »Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben« (Jo 3,15 f; 3,36; 5,24). Nur von da aus ist die Gedankenwelt des vierten Evangelisten zu verstehen, der in seiner Darstellung der Lazarus-Geschichte dem Leser begreiflich machen will, dass Auferstehen nicht bloß ein fernes Geschehen am Ende der Tage ist, sondern durch den Glauben jetzt geschieht. Wer glaubt, steht in dem Gespräch mit Gott, das Leben ist und den Tod überdauert. Damit fallen nun auch die »dialogische«, unmittelbar auf Gott bezogene, und die mitmenschliche Linie des biblischen Unsterblichkeitsgedankens ineinander. Denn in Christus, dem Menschen, treffen wir Gott; in ihm treffen wir aber auch auf die Gemeinschaft der anderen, deren Weg zu Gott durch ihn und so zueinander läuft. Die Orientierung auf Gott ist in ihm zugleich die Orientierung in die Gemeinschaft der Menschheit hinein, und nur die Annahme dieser Gemeinschaft ist Zugehen auf Gott, den es nicht abseits Christi und so auch nicht abseits des Zusammenhangs der ganzen menschlichen Geschichte und ihres mitmenschlichen Auftrags gibt. Damit klärt sich auch die in der Väterzeit und wieder seit Luther viel bedachte Frage des »Zwischenzustandes« zwischen Tod und Auferstehung: Das im Glauben eröffnete Mit-Christus-Sein ist begonnenes Auferstehungsleben und daher den Tod überdauernd (Phil 1 23; 2 Kor 5,8; 1 Thess 5,10). Der Dialog des Glaubens ist jetzt schon Leben, das durch den Tod nicht mehr zerbrochen werden kann. Die von lutherischen Theologen immer wieder erwogene und neuerdings auch vom holländischen Katechismus ins Spiel gebrachte Idee des Todesschlafes ist daher vom Neuen Testament her nicht zu halten und auch nicht durch das mehrfache Vorkommen des Wortes »schlafen« im Neuen Testament zu rechtfertigen: Der geistige Duktus des Neuen Testaments steht einer solchen Auslegung grundsätzlich und in allen Schriften im Weg, die übrigens auch von dem im Spätjudentum erreichten Denken über das Leben nach dem Tode aus kaum noch zu verstehen wäre.

b) Die wesentliche Unsterblichkeit des Menschen.

Mit den bisherigen Überlegungen dürfte einigermaßen deutlich geworden sein, worum es in der biblischen Auferstehungsverkündigung eigentlich geht: Ihr wesentlicher Gehalt ist nicht die Vorstellung von einer Rückgabe der Körper an die Seelen nach einer langen Zwischenzeit, sondern ihr Sinn ist, den Menschen zu sagen, dass sie, sie selbst, weiterleben; nicht aus eigener Macht, sondern weil sie in einer Weise von Gott gekannt und geliebt sind, dass sie nicht mehr untergehen können. Gegenüber der dualistischen Unsterblichkeitskonzeption, wie sie sich in der griechischen Leib-Seele-Schematik ausspricht, will die biblische Formel von der Unsterblichkeit durch Auferweckung eine ganzmenschliche und dialogische Vorstellung von der Unsterblichkeit vermitteln: Das Wesentliche des Menschen, die Person, bleibt; das, was in dieser irdischen Existenz leibhaftiger Geistigkeit und durchgeisteter Leiblichkeit gereift ist, das besteht auf eine andere Weise fort. Es besteht fort, weil es in Gottes Gedächtnis lebt. Und weil es der Mensch selbst ist, der leben wird, nicht eine isolierte Seele, darum gehört das mitmenschliche Element mit in die Zukunft hinein; darum wird die Zukunft des einzelnen Menschen erst dann voll sein, wenn die Zukunft der Menschheit erfüllt ist.

Nun drängt sich hier eine Reihe von Fragen auf. Die erste lautet: Ist Unsterblichkeit damit nicht zu einer puren Gnade gemacht, obgleich sie doch in Wahrheit dem Wesen des Menschen als Menschen zukommen muss? Oder anders ausgedrückt: Landet man hier nicht am Ende bei einer Unsterblichkeit allein für die Frommen, also in einer Zerteilung des menschlichen Schicksals, die unannehmbar ist? Wird hier nicht, theologisch gesprochen, die natürliche Unsterblichkeit des Wesens Mensch mit dem übernatürlichen Geschenk der ewigen Liebe verwechselt, die den Menschen selig macht? Muss nicht gerade um der Menschlichkeit des Glaubens willen an der natürlichen Unsterblichkeit festgehalten werden, weil eine rein christologisch aufgefasste Fortexistenz des Menschen notwendig ins Mirakelhafte und Mythologische abgleiten würde? Diese letzte Frage kann man ohne Zweifel nur bejahend beantworten. Aber das widerspricht auch unserem Ansatz keineswegs. Auch von ihm her wird man mit Entschiedenheit sagen müssen: Die Unsterblichkeit, die wir eben ihres dialogischen Charakters wegen als »Auferweckung« benannt haben, kommt dem Menschen als Menschen, jedem Menschen, zu und ist nichts sekundär hinzugefügtes »Übernatürliches«. Aber man muss doch weiter fragen: Was macht eigentlich den Menschen zum Menschen? Und was ist das definitiv Unterscheidende des Menschen? Darauf werden wir antworten müssen: Das Unterscheidende des Menschen ist, von oben gesehen, sein Angesprochensein von Gott, dies also, dass er Dialogpartner Gottes ist, das von Gott gerufene Wesen. Von unten gesehen bedeutet das, dass der Mensch jenes Wesen ist, das Gott denken kann, das auf Transzendenz geöffnet ist. Nicht ob er Gott wirklich denkt, sich wirklich auf ihn hin öffnet, ist hier die Frage, sondern dass er grundsätzlich jenes Wesen ist, das dazu an sich befähigt ist, auch wenn es faktisch, aus welchen Gründen auch immer, diese Fähigkeit vielleicht nie zu verwirklichen vermag.

Nun könnte man sagen: Aber ist denn nicht viel einfacher das Unterscheidende des Menschen darin zu sehen, dass er eine geistige, unsterbliche Seele hat? Diese Antwort ist richtig, aber wir bemühen uns eben, ihren konkreten Sinn ans Licht zu bringen. Beides widerspricht sich gar nicht, sondern drückt nur in verschiedenen Denkformen das Gleiche aus. Denn »eine geistige Seele haben« heißt gerade: besonderes Gewolltsein, besonderes Gekanntsein und Geliebtsein von Gott; eine geistige Seele haben heißt: ein Wesen sein, das von Gott auf ewigen Dialog hin gerufen und darum seinerseitsfähig ist, Gott zu erkennen und ihm zu antworten. Was wir in einer mehr substantialistischen Sprache »Seele haben« nennen, werden wir in einer mehr geschichtlichen, aktualen Sprache bezeichnen »Dialogpartner Gottes sein«. Damit ist nicht gesagt, dass die Redeweise von der Seele falsch sei (wie ein einseitiger und unkritischer Biblizismus heute gelegentlich behauptet); sie ist in gewisser Hinsicht sogar notwendig, um das Ganze dessen zu sagen, worum es hier geht. Aber sie ist andererseits auch ergänzungsbedürftig, wenn man nicht in eine dualistische Konzeption zurückfallen will, die der dialogischen und personalistischen Sicht der Bibel nicht gerecht werden kann. Wenn wir also sagen, dass des Menschen Unsterblichkeit in seiner dialogischen Verwiesenheit auf Gott hin gründet, dessen Liebe allein Ewigkeit gibt, so ist darin nicht ein Sondergeschick der Frommen angesprochen, sondern die wesentliche Unsterblichkeit des Menschen als Menschen herausgestellt. Nach unseren letzten Überlegungen ist es durchaus möglich, den Gedanken auch von der Leib-Seele-Schematik her zu entwickeln; deren Bedeutung, ja vielleicht Unerlässlichkeit besteht darin, dass sie diesen wesenhaften Charakter der menschlichen Unsterblichkeit herausstellt. Aber sie muss doch auch immer wieder in die biblische Perspektive gerückt und von ihr her korrigiert werden, um jener Sicht dienstbar zu bleiben, die vom Glauben auf die Zukunft des Menschen hin eröffnet worden ist. Im Übrigen wird an dieser Stelle wieder einmal sichtbar, dass man im Letzten nicht reinlich zwischen »natürlich« und »übernatürlich« scheiden kann: Der Grunddialog, der den Menschen allererst als Menschen konstituiert, geht bruchlos über in den Gnadendialog, der Jesus Christus heißt. Wie könnte es auch anders sein, wenn Christus wirklich der »Zweite Adam«, die eigentliche Erfüllung jener unendlichen Sehnsucht ist, die aus dem ersten Adam – aus dem Menschen überhaupt – aufsteigt?

Die Frage des Auferstehungsleibes.

Noch sind wir mit unseren Fragen nicht am Ende. Gibt es eigentlich, wenn es so steht, einen Auferstehungsleib, oder zieht sich das Ganze auf eine bloße Chiffre für die Unsterblichkeit der Person zusammen? Das ist das Problem, das noch unser wartet. Es ist kein neues Problem; schon Paulus wurde von den Korinthern mit Fragen dieser Art bestürmt, wie uns das fünfzehnte Kapitel des ersten Korintherbriefes zeigt, in dem der Apostel versucht, darauf zu antworten, soweit das in diesem Punkt, jenseits der Grenzen unseres Vorstellens und der uns zugänglichen Welt, überhaupt geschehen kann. Viele der Bilder, die Paulus dabei verwendet, sind uns fremd geworden; seine Antwort als ganze ist noch immer das Großzügigste, Kühnste und Überzeugendste, das zu dieser Sache gesagt worden ist. Gehen wir aus von dem Vers 50, der mir eine Art Schlüssel zu dem Ganzen zu sein scheint: »Das aber sage ich, Brüder, dass Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht erben können und dass Vergängliches nicht zu Unvergänglichkeit kommt«. Mir scheint, dass dieser Satz in unserem Text ungefähr die gleiche Stelle einnimmt, die in dem eucharistischen Kapitel 6 des Johannesevangeliums dem Vers 63 zukommt, wie denn überhaupt diese beiden scheinbar so weitauseinander liegenden Texte viel näher verwandt sind, als der erste Zublick erkennen kann. Dort, bei Johannes, heißt es, nachdem eben in aller Schärfe die reale Anwesenheit von Fleisch und Blut Jesu in der Eucharistie betont worden war: »Der Geist ist’s, der lebendig macht, das Fleisch nützt nichts«. In dem johanneischen wie in dem paulinischen Text geht es darum, den christlichen Realismus des »Fleisches« zu entwickeln. Bei Johannes wird der Realismus der Sakramente, das heißt der Realismus der Auferstehung Jesu und seines uns von daher zukommenden »Fleisches«, herausgestellt; bei Paulus geht es um den Realismus der Auferstehung des »Fleisches«, der Auferstehung der Christen und des darin für uns verwirklichten Heils. Aber in beiden Kapiteln wird auch ein scharfer Kontrapunkt gesetzt, der gegenüber einem bloß innerweltlichen, quasi-physikalischen Realismus den christlichen Realismus als Realismus jenseits der Physik, als Realismus des Heiligen Geistes herausstellt. Hier versagt unsere deutsche Sprache gegenüber der Hintergründigkeit des biblischen Griechisch. In ihm besagt das Wort Soma so viel wie Leib, aber zugleich auch so viel wie das Selbst, und dieses Soma kann »Sarx«, das heißt Leib in der irdisch-geschichtlichen, also in der chemisch-physikalischen Weise sein, es kann aber auch »Pneuma« sein – »Geist« müsste man hier nach den Lexika übersetzen; in Wirklichkeit soll das besagen: Das Selbst, das jetzt in einem chemisch-physikalisch fassbaren Leib erscheint, kann wiederum, definitiv, erscheinen in der Weise einer transphysikalischen Wirklichkeit. »Leib« und »Geist« sind in der Sprache des Paulus keine Gegensätze, sondern die Gegensätze heißen »Fleischesleib« und »Leib in der Weise des Geistes«. Wir brauchen nicht zu versuchen, hier die komplizierten historischen und philosophischen Probleme zu verfolgen, die damit gestellt sind. Eins dürfte auf jeden Fall klar sein: Sowohl Johannes (6,63) wie Paulus (1 Kor 15,50) machen mit allem Nachdruck deutlich, dass die»Auferstehung des Fleisches«, die »Auferstehung der Leiber« nicht eine »Auferstehung der Körper« ist. Der paulinische Entwurf ist so, von heutigem Denken her gesprochen, weit weniger naiv als die spätere theologische Gelehrsamkeit mit ihren subtilen Konstruktionen über die Frage, wie es ewige Körper geben könne. Paulus lehrt, um es noch einmal zusagen, nicht die Auferstehung der Körper, sondern der Personen, und dies gerade nicht in der Wiederkehr der »Fleischesleiber«, das heißt der biologischen Gebilde, die er ausdrücklich als unmöglich bezeichnet (»das Vergängliche kann nicht unvergänglich werden«), sondern in der Andersartigkeit des Lebens der Auferstehung, wie es im auferstandenen Herrn vorgebildet ist. Aber hat dann die Auferstehung überhaupt keine Beziehung zur Materie? Und wird der »Jüngste Tag« damit völlig gegenstandslos zugunsten des Lebens, das aus dem Ruf Gottes immer kommt? Auf diese letzte Frage haben wir im Grunde mit unseren Überlegungen zur Wiederkunft Christi die Antwort schon gegeben. Wenn der Kosmos Geschichte ist und wenn die Materie ein Moment an der Geschichte des Geistes darstellt, dann gibt es nicht ein ewiges neutrales Nebeneinander von Materie und Geist, sondern eine letzte »Komplexität«, in der die Welt ihr Omega und ihre Einheit findet. Dann gibt es einen letzten Zusammenhang zwischen Materie und Geist, in dem sich das Geschick des Menschen und der Welt vollendet, auch wenn wir heute unmöglich die Art dieses Zusammenhanges definieren können. Dann gibt es einen »Jüngsten Tag«, in dem das Geschick der Einzelmenschen voll wird, weil das Geschick der Menschheit erfüllt ist. Das Ziel des Christen ist nicht eine private Seligkeit, sondern das Ganze. Er glaubt an Christus, und er glaubt darum an die Zukunft der Welt, nicht bloß an seine Zukunft. Er weiß, dass diese Zukunft mehr ist, als er selbst erschaffen kann. Er weiß, dass es einen Sinn gibt, den er gar nicht zu zerstören vermag. Aber soll er darum die Hände in den Schoß legen? Im Gegenteil – weiler weiß, dass es Sinn gibt, darum kann er und muss er freudig und unverzagt das Werk der Geschichte tun, auch wenn er von seinem kleinen Ausschnitt her das Gefühl haben wird, es bleibe eine Sisyphusarbeit und der Stein des menschlichen Geschicks werde nur immer neu, Generation um Generation, nach oben gerollt, um ebenso neu immer wieder zu entgleiten und alle Bemühungen von vorher zuschanden zu machen. Wer glaubt, weiß, dass es »vorwärts«geht, nicht im Kreis. Wer glaubt, weiß, dass die Geschichte nicht dem Teppich der Penelope gleicht, der immer von neuem gewoben wird, um immer von neuem aufgetrennt zu werden. Vielleicht werden auch den Christen die Alpträume der Furcht vor der Vergeblichkeit überfallen, aus denen heraus die vorchristliche Welt solche bewegenden Bilder der Angst vor der Fruchtlosigkeit menschlichen Tuns geschaffen hat. Aber in seinen Alptraum dringt rettend und verwandelnd die Stimme der Wirklichkeit: »Habt Mut, ich habe die Welt überwunden« (Jo 16,33). Die neue Welt, mit deren Darstellung im Bild des endgültigen Jerusalem die Bibel schließt, ist keine Utopie, sondern Gewissheit, der wir im Glauben entgegengehen. Es gibt eine Erlösung der Welt – das ist die Zuversicht, die den Christen trägt und die es ihm auch heute noch lohnend macht, ein Christ zu sein.

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Siehe dazu auch:

22 Kommentare zu “Joseph Ratzinger zur „Auferstehung des Fleisches“

  1. Danke für das Abdrucken des gesamten diskutierten Abschnittes aus der Einführung i. d. Ch.

    Wenn ich Zeit finde werde ich auch an dieser Stelle und auch ausführlich dazu Stellung nehmen.

    Einstweilen muss das genügen, was ich bereits anderen Orts dazu gesagt habe (oder auch Stephan).

  2. Der Modernist Ratzinger „glaubt“ also, „dass die»Auferstehung des Fleisches«, die »Auferstehung der Leiber« nicht eine »Auferstehung der Körper« ist.“ Doch „glaubt“ er damit auch, was die Kirche glaubt? „Glaubt“ er das, was die Bibel hierzu tatsächlich lehrt! Nein!

    Die konkreten Dogmen lauten wie folgt:

    „Alle Toten werden am Jüngsten Tage mit ihren Leibern wieder auferstehen.“ – de fide

    „Die Toten werden mit (numerisch) demselben Leib auferstehen, den sie auf Erden getragen haben.“ – de fide

    Das 4. Laterankonzil, 1215, hielt hierzu folgendes fest: „Sie werden alle mit ihren eigenen Leibern auferstehen, die sie jetzt tragen.“

    Wie versteht die Kirche nun diese Aussagen? Würde sie unter den Begriffen „Leib“, „Fleisch“, „Körper“ etwa nicht das verstehen, was diese Wörter üblicherweise aussagen bzw. wie der Modernist Ratzinger es mit allerlei Rabulistik hinbiegen möchte? Mitnichten. Die Kirche glaubt an die Auferstehung der Körper. Wenn sie von der Auferstehung des Fleisches spricht, dann meint sie es auch so.

    Dr. Ott schreibt in seinem „Grundriss der Dogmatik“ (Ausgabe 1957 auf S. 584ff) hierzu erklärend:

    „Die Hl. Schrift bezeugt die IDENTITÄT [des Auferstehungsleibes mit dem irdischen Leib] einschlußweise in dem Wort „Auferstehung“ oder „Auferweckung“; denn eine solche ist nur dann gegeben, wenn derselbe Leib, der stirbt und zerfällt, wieder auflebt. Ausdrücklich ist sie ausgesprochen in 2.Makk 7,11: „Von ihm (Gott) hoffe ich sie (Zunge und Hände) wiederzuerhalten.“ 1.Kor 15,53: „DIESES Vergängliche muß die Unvergänglichkeit anziehen, und DIESES Sterbliche muß die Unsterblichkeit anziehen.“
    […]
    „Die Väter … lehren übereinstimmend, daß „dieses Fleisch aufersteht und gerichtet wird“ und daß „wir in diesem Fleisch unseren Lohn empfangen werden“ (Ps.-Klemens, 2.Kor 9,1-5). Justin bezeugt: „Wir erwarten, daß wir unsere toten und in die Erde hineingelegten Leiber wiedererlangen werden…“ (Apol. I 18). Die von den Vätern angeführten Angemessenheitsgründe für die Tatsache der Auferstehung setzen die Identität des Auferstehungsleibes voraus.
    […]
    „Nach allgemeiner Lehre wird der Leib in voller Unversehrtheit auferstehen … Thomas lehrt: „Der Mensch wird in der größten natürlichen Vollkommenheit auferstehen“ … Zur Integrität des Auferstehungsleibes gehören auch die Organe des vegetativen und des sensitiven Lebens einschließlich des Geschlechtsunterschiedes (entgegen der Ansicht der Origenisten). Die vegetativen Funktionen werden jedoch nicht mehr stattfinden. Mt 22,30: Sie sind wie die Engel Gottes im Himmel.
    […]
    „Die Leiber der Gerechten werden nach dem Vorbild des auferstandenen Leibes Christi umgestaltet und verklärt werden. Sent. certa. … Die Feinheit (subtilitas), d.i. die Geistförmigkeit, die aber NICHT als Verwandlung des Körpers in ein Geistwesen oder als Verdünnung der Materie zu einem luftförmigen Körper aufgefaßt werden darf.
    […]
    „Die Leiber der Gottlosen werden in Unvergänglichkeit und Unsterblichkeit auferstehen, aber sie werden NICHT verklärt werden. Sent. certa. Die Unvergänglichkeit und die Unsterblichkeit sind eine unerläßliche Vorbedingung für die ewige Bestrafung des Leibes in der Hölle (Mt 18,8f). Die Unvergänglichkeit (vgl. 1.Kor 15,52ff) schließt den Stoffwechsel und die damit zusammenhängenden Funktionen aus, nicht aber die Leidensfähigkeit.“

  3. @Alle

    Im Wikipedia-Artikel zum Buch „Einführung in das Christentum“ steht der wichtige Satz:

    Das Buch legt die Grundlagen zu einer neuartigen theologischen Bibelexegese, die auf dem von Joseph Ratzinger mitverfassten Dokument Dei Verbum des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) basiert und zwei ganz unterschiedliche Weisen von Hermeneutik, die Auslegung des Glaubens und die historisch-kritische Auslegung, miteinander verbindet.[1] Diese Bibelexegese wird in seinem 2007 und 2011 als Papst veröffentlichten Jesus-Buch,[2] deren einige Gedanken in Einführung in das Christentum wurzeln, voll entfaltet.

    Also geht es darum, auch dieses theologische Werk Papst Benedikt XVI. zu Rate zu ziehen. Siehe dazu z.B. auch: „Das Jesus-Buch Teil 2“ von Guido Horst, Chefredaktor des „Vatican Magazin„, fe-Medienverlag.

  4. Stephan 3. Dezember 2014 um 08:37

    Der hl. Pius X. lehrt in seinem Katechismus Frage 239, daß Auferstehung des Fleisches bedeutet, daß jeder Mensch auferstehen wird, indem jede Seele jenen Leib in Besitz nimmt, den sie in diesem Leben hatte.

    Die Seele, die mit dem Leib vereint das Gute und das Böse getan hat, soll auch mit ihm belohnt oder bestraft werden (vgl. Frage 242 des Katechismus des hl. Pius X.).

    Er sieht aus, daß Ratzinger mit seinem Gerede von Mitmenschlichkeit den einzelnen Menschen in der Menschlichkeit auflösen will.

  5. @ Tomás 3. Dezember 2014 um 20:57

    Danke für die Ergänzung aus dem Katechismus des hl. Pius X. Es ist also klar, daß es bei der Auferstehung um den konkreten Fleischesleib bzw. menschlichen Körper geht.

    Mit viel „theologischem“ bzw. „intellektuellem“ Geschwurbel versucht der „tiefgläubige“ Ratzinger dieser Tatsache auszuweichen oder wie es im von Herrn Schenker oben zitierten wikipedia-Artikel heißt: „neuartige theologische Bibelexegese“.

    Selbst wikipedia gibt also zu, daß es sich hier um eine neue Anschauung handelt. Selbst wikipedia bestätigt den Unterschied bzw. Bruch zur traditionellen Erklärung der Kirche; ein offenkundiger Bruch, welchen aber der Kommentator „Knut“ bei all seiner „theologischen Gelehrsamkeit“ (angeblich) nicht zu sehen vermag…

    Im Grunde geht es den modernistischen „Katholiken“ darum, ihren „tiefgläubigen“ Unglauben mit allerlei „katholisch“ klingender Rabulistik zu ummänteln, um einerseits „Anerkennung“ von seiten der ungläubigen Herren des Systems zu erlangen und andererseits die tatsächlich Gläubigen zu verwirren bzw. zu täuschen.

    Oder wie Pius XI. in „Mit brennender Sorge“ trefflich schreibt (welches eben auch bestens auf die Modernisten bzw. „tiefgläubigen“ Wortverdreher paßt): „Habet acht, Ehrwürdige Brüder, daß vor allem der Gottesglaube, die erste und unersetzbare Grundlage jeder Religion, in deutschen Landen rein und unverfälscht erhalten bleibe. Gottgläubig ist nicht, wer das Wort Gottes rednerisch gebraucht, sondern nur, wer mit diesem hehren Wort den wahren und würdigen Gottesbegriff verbindet. … Habet acht, Ehrwürdige Brüder, auf den in Rede und Schrift zunehmenden Mißbrauch, den dreimal heiligen Gottesnamen anzuwenden als sinnleere Etikette für irgend ein mehr oder minder willkürliches Gebilde menschlichen Suchens und Sehnens. … Dieser Gott hat in souveräner Fassung Seine Gebote gegeben. Sie gelten unabhängig von Zeit und Raum…“

  6. Es scheint ein starkes Bedürfnis bei diesen „frommen“ Theologen zu geben, die Auferstehung des Fleisches zu einer Auferstehung der Toten herabzuwürdigen. Immerhin haben die NOM-ler ja auch schon absichtsvolle Fehlübersetzungen des Apostolicums durchgesetzt. (Ich glaube an die Auferstehung der Toten).
    Selbst Meisner hat öffentlich eingeräumt Zweifel am Dogma der leiblichen Auferstehung zu haben.
    Mir sind aber Leute, die zu ihren persönlichen Zweifeln stehen (Meisner), lieber als Leute, die haarspalterisch allgemeine Zweifel in das Dogma treiben, indem sie die Sprache missbrauchen (Ratzinger). Was soll denn bitteschön zwischen Leib und Körper für ein Unterschied sein? Jede Hausfrau schüttelt da mit dem Kopf und auf dem Hausfrauenverstand baut die katholische Philosophie auf!

  7. Stephan 3. Dezember 2014 um 21:29
    Nur eine kleiner Einwand:
    Die „ungläubigen Herren des Systems“ sind m.E. nicht ungläubig. Sie wissen ganz genau, wer ihr Gott ist, nur antworten diese überheblich Frommen auf diese Gotteserkenntnis anders als zum Beispiel die einfachen Frommen, nämlich mit ihrem ganz persönlichen non serviam. So gibt es also an der Spitze und an der Basis der irdischen Hierarchie Gottesglauben, wenngleich mit entgegengerichteter Konsequenz und dazwischen so etwas wie Atheismus für eingebildet Intellektuelle über die gerade die gottgläubigen Herren der von Ihnen erwähnten Schattenelite genauso lachen wie über jene einfachen Frommen, die aus ihrer Gotteserkenntnis die Erkenntnis ableiten, Gott dienen zu müssen.

  8. boni 5. Dezember 2014 um 14:12: „Mir sind aber Leute, die zu ihren persönlichen Zweifeln stehen (Meisner), lieber als Leute, die haarspalterisch allgemeine Zweifel in das Dogma treiben, indem sie die Sprache missbrauchen (Ratzinger). “

    Es ist auch Häresie, ein Dogma in Zweifel zu ziehen. Allein damit sind Meisner und Benedikt beide Häretiker und das ist entscheidend.

    Papst Pius XII., Mystici Corporis Christi 23, 29. Juni 1943: „Keine Schuld, selbst eine schwere Sünde”, hat in sich — wie Schisma, Häresie oder Apostasie ­ zur Folge, daß sich der Mensch vom Körper der Kirche entfernt.“

    Papst Leo XIII., Satis Cognitum 15, 29. Juni 1896:
    “Es ist nämlich unsinnig zu glauben, es könne jemand in der Kirche Vorsteher sein, wenn er selber außerhalb der Kirche steht.”

  9. @ Stephan bzw. @ alle:

    Ich lobe ja durchaus Stephan nicht immer (und nicht in allem).
    Aber obige beiden Kommentare von Stephan (3. Dezember 2014 um 08:37, 3. Dezember 2014 um 21:29) sind einfach EXZELLENT – und v.a (zu)treffend!

  10. Ci-devant,

    ich würde vielleicht dazu neigen, zwischen „In Zweifel ziehen“ (Ratzinger) und (persönlich) „zweifeln“ (Meisner) doch noch wenigstens eine kleine Abstufung einzubauen. Eindeutige Häresie scheint mir nur das Erstere zu sein.

  11. boni 6. Dezember 2014 um 12:36

    Wo soll der Unterschied zwischen „in Zweifeln ziehen“ und „zweifeln“ sein?

    Diese Differenzierung erinnert mich an den „Unterschied“ zwischen Körper und Leib.

  12. Tomas,
    na das sehen wir doch hier.
    Meisner zweifelt als Gläubiger (!) persönlich an der Auferstehung der Leiber, anerkennt aber, dass es ein Dogma ist, was er nicht bezweifeln darf, weswegen er seine Zweifel bekämpfen muss.
    Ratzinger versucht sich das Dogma abwegigerweise zu plausibilisieren, wobei er es verwässert, als Theologe (!) daran heruminterpretiert und so den Glauben anderer viel stärker in Gefahr bringt als Meisner.

  13. @ boni 5. Dezember 2014 um 14:33

    Die Herren des Systems sind ungläubig im Sinne des wahren Glaubens bzw. der tatsächlichen Offenbarung und offenkundigen Lehre der Kirche. Diese verwerfen sie genauso wie die Atheisten.

    Entgegen den Atheisten mögen sie irgend einen „Gottglauben“ vertreten, sie mögen sogar erkennen, daß es einen Schöpfergott geben muss, aber sie leugnen und bekämpfen zielgerichtet die konkrete göttliche Offenbarung. In diesem Sinne haben Sie recht mit Ihrem Hinweis auf das „non serviam“. Sie wollen nicht dem wahren Gott dienen, sondern dem ewigen Widersacher (der ihnen weltlich mehr „Vorteile“ „bringt“).

    Anstelle der Agnostiker sind sie Gnostiker. Sie haben eine eigene (Geheim-)“Lehre“ bzw. „Offenbarung des Höchsten“. Sie leugnen die Lehre Christi bzw. der Kirche nicht „einfach“ rundweg, sondern entlehnen gerne theologische Begriffe verdrehen sie und stellen die Religion insgesamt auf den Kopf (siehe z.B. „Theosophie“ oder die Uminterpretation der „Trinität“ und des „göttlichen Wesens“ durch die modernen „Philosophen“). Davon „nähren“ sich letztendlich u.a. auch die modernistischen „Gläubigen“…

  14. boni 7. Dezember 2014 um 21:10

    In diesem Fall würde Meisner das Dogma nicht anzweifeln, sondern nur die Versuchung, es in Frage zu stellen, empfinden.

  15. Stephan 7. Dezember 2014 um 21:54, letzter Absatz:

    Sehr gut!!

    Daher spricht Hesse auch von einer neognostischen Sekte (- dass er daraus dann einige logischen Schlüsse – oder zumindest naheliegenden Schlüsse – nicht zog, steht auf einem anderen Blatt.)

  16. Auf dieses oben von poschenker verlinkte „Hilfsgerüst“ http://www.hoye.de/Ratz/3.pdf
    bin ich auch schon gestoßen.

    Nur es reiht einfach unvermittelt Zitate aus den unterschiedlichsten Werken und Zeiten Ratzingers aneinander.

    Aber selbst dabei fällt auf, dass die schlimmsten „Klöpse“ – die gleich als solche ins Auge springen – eben aus Ratzingers füheren Schriften, v.a. aus der „Einführung i. d. Cht.“ sind.

    Aber selbst in seinem späteren Werk zu Eschatologie 1977 findet sich – wenn der Autor des „Gerüstes“ richtig zitiert – mindestens ein „Klops“:

    Papst Benedikt XVI.: [Nachdem er die Lehren
    von Platon, Aristoteles und Plotin behandelt
    hat] „Diese wenigen Andeutungen mögen genügen,
    um zu zeigen, daß die durch alle neueren
    theologischen Traktate geisternde Lehre von
    dem griechisch-platonischen Dualismus zwischen
    Leib und Seele samt der dazugehörigen
    Lehre von der Unsterblichkeit der letzteren eine
    Phantasie von Theologen ohne Entsprechung in
    der Wirklichkeit ist.“

    [Zit nach eben diesem „Gerüst“]

    „samt der dazugehörigen Lehre von der Unsterblichkeit der letzteren [der Seele] eine Phantasie von Theologen ohne Entsprechung in der Wirklichkeit“ — also, das ist ja nicht nur falsch, sondern sogar „ein starkes Stück“, hanebüschen.

    Denn natürlich findet sich bei Platon (wie auch bei Aristoteles) die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele – und diese ist also mitnichten eine Phantasie ohne entsprechung in der Wirklichkeit!!!

  17. Quellen-Nachtrag:

    In dem verlinkten „Gerüst“ S. 5 (dort in Fußn. 14 als Quelle die Ratzinger-Schrift zur Eschatologie von 1977 genannt — s. ebd. in der Fußn.)

  18. Anderen Orts (https://poschenker.wordpress.com/2014/11/17/beweise-dass-papst-benedikt-xvi-an-die-gottheit-christi-glaubt) habe ich ja schon ausführlich zu der Thematik Stellung genommen.

    Soweit meine Zeit es zulässt auch hier noch einige Anmerkungen (z.T. dann aber gedoppelt zu dem anderen thread, z.T. aber vielleicht auch noch Zusätzliches):

    Eines der stärksten Stücke – der vielleicht DICKSTE HUND (!) – ist ja der Satz:

    Paulus lehrt, um es noch einmal zusagen, nicht die Auferstehung der Körper, sondern der Personen, und dies gerade nicht in der Wiederkehr der »Fleischesleiber«, das heißt der biologischen Gebilde, die er ausdrücklich als unmöglich bezeichnet

    1. „Paulus lehrt … nicht die Auferstehung der Körper – falsch was die Lehre Pauli betrifft (wenn nicht lügnerisch!), denn das geht aus den Paulusstellen, v.a. 1 Kor 15, auf welche Ratzinger sich bezieht, nicht nur NICHT HERVOR, sondern man findet dort eher das Gegenteil (Vv. 37-41)

    2. „nicht die Auferstehung der Körper“ sachlich-inhaltlich falsch, gegen die katholische Lehre (oder den gesunden Menschenverstand, falls man eigentliche Leiber, die keine Körper seien, behaupten wollte)

    3. nicht in der Wiederkehr der »Fleischesleiber«, das heißt der biologischen Gebilde – wie 2. (falsch, da gegen die katholische Lehre, die in der Tat sagt, dass die Auferstehung der Leiber eine wahre und daher selbstverständlich eine von BIOLOGISCHEN GEBILDEN ist – oder eben wieder gegen den gesunden Menschenverstand, wollte man echte Leiber behaupten, die weder Körper noch biologische Gebilde seien!!)

    4. „die er […] als unmöglich bezeichnet“
    Falsch (wenn nicht lügnerisch – wie schon 1.) – wo bitte bezeichnet Paulus dies als unmöglich??!!
    (Wie bei 1.: Eher bzw. inhaltlich sogar genau das Gegenteil ist der Fall: s. V. 53f!!
    Also schon dreist das Gegenteil davon zu behaupten!!)

    5. „ausdrücklich“
    Völlig falsch, ja oberdreist (wenn eben nicht sogar böswillig-lügnerisch-dreist) – denn nicht nur gilt das zu 4. Gesagte, sondern von AUSDRÜCKLICH kann schon gar nicht die Rede sein — wo bitte sollte das Paulus sagen – AUSDRÜCKLICH – es ist keine solche Stelle zu finden – man müsste bitte das Zitat bringen…

    6. … was nun ja aber in der Tat folgt: „(»das Vergängliche kann nicht unvergänglich werden«)“
    Dreister (lügnerischer) geht es wohl kaum!
    Diese Stelle findet sich nirgdends bei Paulus, ist eine frei Erfindung, FÄLSCHUNG!
    (Wie gesagt, in V. 53f sachlich sogar das Gegenteil!!!)
    (Was nochmals erneut belegt, wie dreist auch das „AUSDRÜCKLICH“ von 5. ist. So dreist dass man es kaum glauben mag!)

    Das ist eben der DICKE HUND!!!

  19. Man könnte übrigens den gesamten Text so durchgehen – es wird nicht besser.
    Daher greift auch der Einwand nicht, einzelne Zitate seien aus dem Zusammenhang gerissen und würden so sinnentstellt.

    Man kann ruhig einen größeren Kontext, ja den gesamten Text hinzuziehen und untersuchen (wie er ja hier von pos dankbarerweise, wenn auch mit bedauerlich wenigen Absätzen und so schwer zu lesen und zu zitieren, abgedruck ist);
    man wird keinen anderen Sinn finden, wie ein roter Faden zieht sich die Zürckweisung einer als „dualistisch“, „grieschisch“ oder „scholastisch“ diffamierten Lehre von der Unsterblichkeit der Seele (nach dem Tod als anima separata fortexistierend) und der Rückgabe der Körper an diese bei der Auferstehung durch den gesamten Text. Man kann kaum genug Zitate dazu bringen, es ist ja ein ständiges Wiederholen der gleichen Gedanken.

    Abgesehen auch davon, dass es genug Stellen und Einzelzitate gibt, die in sich so klar sind, dass auch der Kontext nichts an ihrer Bedeutung ändert und ändern kann.

    Während die katholisches Lehre sagt – wie es auch nochmal schön im KOMPENDIUM zum KKK dargestellt ist (s. dort!!) – dass nach dem Tod sich die Seele vom Leib/Körper trennt und – unsterblich – als anima separata fortlebt, während ihr am jüngsten Tag der Leib/Körper zurückgegeben wird – und dass genau dies der Kern des Auferstehungsglaubens ist, dass nämlich der entseelte Leib/Körper, die materiell-stoffliche Komponente, aufersteht (am jüngsten Tag) und mit der Seele wieder vereint wird (die nicht auferstehen kann, weil sie unsterblich ist)

    – so lehnt dies – und wie gesagt, mit fast jedem Satz, mit dem gesamten Text, nur immer wieder neu gewendet und beleuchtet – , Ratzinger hier strikt ab.

    Er diffamiert dies als UNBIBLISCHE griechische, platonische, scholastische Vorstellung – der er eine Auferstehung des GANZEN MENSCHEN, der PERSON entgegenhält.

    AUSDRÜCKLICH (und hier stimmt das „ausdrücklich“!! – Ich betreibe keine Betrügerei wie Ratzinger selbst!!) stellt er die Vorstellung der anima separata als überholt hin, lehnt das dualistische Konzept von unsterblicher Seele und sterblichem Leib ab, verneint, dass die Rückgabe der Körper an die unsterbliche Seele der Kern des christlichen Auferstehungsglaubens sei (- obwohl er, wie eben dargelegt, genau dies ist!!), nennt dies alles unbiblisch, scheut sich nicht, von Paulus Sachen zu behaupten, die nicht stimmen, ja sogar, dass Paulus AUSDRÜCKLICH Sachen sage, die er in Wirklichkeit nicht mal implizit oder indirekt sagt, geschweige denn AUSDRÜCKLICH, ja schreckt nicht davor zurück, zu diesem Zweck sogar einen Bibeltext zu fälschen bzw. ein Zitat frei zu erfinden (das nicht mal den Sinn des von Paulus Gesagten trifft (ja sogar geradezu inhaltlich das Gegenteil dessen sagt, was Paulus sagt), geschweige denn so als Zitat – und sogar AUSDRÜCKLICH – bei Paulus vorkommt.

    Deutlicher kann man es wirklich nicht machen.

    Und so kann dann auch die Doktorarbeit von Fletcher zu keinem anderen Resultat kommen – der Text von Ratzinger´s „Einführung i. d. Cht.“ ist eben eindeutig und klar – als das eben Dargelegte und stellt dies mit Recht so heraus (s. a. nächsten Kommentar)

  20. So schreibt Fletcher (also völlig zutreffend) http://aladinrc.wrlc.org/bitstream/handle/1961/9306/Fletcher_cua_0043A_10172display.pdf?sequence=1
    S. 12 f.:

    We will see that Ratzinger (unlike Augustine) began his eschatology in conscious opposition to Platonism and only gradually came to accept the value
    of certain elements of Platonic anthropology. […]

    Although Ratzinger was at first suspicious of the body-soul schema, which he considered to be a Greek concept incompatible with Biblical thought, he came to see it as essential to the content of Christian faith.

    Oder S.1oo:
    „We will begin by examining how Ratzinger began as a self-confessed “anti-Platonist” who believed that Hellenist anthropology was not a complement but a competitor to Christianity.“

    Ja, Ratzinger hielt in seinen Frühwerken das Leib-Seele-Schema für inkompatibel mit dem biblischen Denken – und wenn er es dann später doch als essentiell zum Inhalt des christlichen Glaubens gehörig ansah, so ist damit schon zur Genüge gesagt, dass seine frühere Haltung eben etwas solch essentiell-Christliches – und sogar als unbiblisch, unchristlich, nicht mit dem biblisch-christlichen Denken inkompatibel – abglehnt hat;

    er selbst stellt also sein Frühwerk gemäß seiner eigenen späteren, davon abweichenden Auffassung als unkatholisch, unchristlich bloß —

    freilich ohne es je explizit zu widerrufen, ja es dann erneut und UNVERÄNDERT auflegen lassend. Das ist ja die Crux des Ganzen….!!

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