Bischof Antonio de Castro Mayer, Campos, Brasilien: Hirtenbrief 1953

Unsere Leser kennen den brasilianischen Bekenner-Bischof Antonio de Castro Mayer bereits bestens durch die Tatsache, daß er sich in heldenmütiger Weise als Mitkonsekrator der 4 Weihbischöfe zum 30. Juni 1988 in Ecône eingefunden und sich durch diesen Akt bewußt der „Exkommunikation“ durch Johannes-Paul II. und dem ganzen daraus folgenden Verruf (vor der falsch und oberflächlich informierten Welt) ausgesetzt hat. Höchste Ehre und Auszeichnung gebührt diesem wahren Glaubenshelden und Seelenhirten!

Ich erachte es als einen außerordentlichen Fingerzeig Gottes, daß ich — ohne irgendein Zutun meinerseits — kürzlich plötzlich eine Broschüre in Händen hielt (ich war gerade daran, Schachteln mit alten Büchern zu durchstöbern), die diesen für mich wirklich erlauchten Namen auf der Titelseite trug: „S. Exc. Don A. de CASTRO MAYER, Evêque de CAMPOS (Brésil)“. Und als ich weiterlas: „Lettre pastorale sur les problèmes de l‘ Apostolat moderne – Catéchisme de vérités opportunes qui s’opposent aux erreurs contemporains“, stieß ich innerlichen einen Jauchzer aus: Welch eine Fügung Gottes!  Natürlich entschloß ich mich sofort, diesen Hirtenbrief aus dem Französischen (die Broschüre stammt von Québec, Kanada!) ins Deutsche zu übersetzen, um den Lesern des „Zeichen Mariens“ im Jahre 1989, also 36 Jahre darnach, zu beweisen, welcher Geist diesen Prälaten schon weit vor dem Konzil beseelte und damit offensichtlich prädestinierte, (nebst Mgr. Marcel Lefebvre) zu einem wenn auch (ebenso) einsamen, so doch unerschrockenen Zeugen gegen  den neuen Geist, der sich dann als „Konzilsgeist“ etablierte, zu werden.

Schon 1971 hatte ich das Privileg, einen seiner Hirtenbriefe aus dem Portugiesischen ins Deutsche zu übersetzen und in der Schriftenreihe „Salz der Erde“ unter dem Titel „Aggiornamento und Tradition“ als Broschüre zu veröffentlichen. (Die Broschüre kann bei uns immer noch bezogen werden!*)

Wenn man nun den nachstehenden Hirtenbrief „über die Probleme des modernen Apostolats“ liest, fällt einem gleich auf, wie hellsichtig die darin enthaltenen Ermahnungen waren und wie gerade die das II. Vatikanum manipulierenden Kräfte inklusive Päpste sich absolut nicht mehr an diese Weisungen des heiligmäßigen Papstes Pius XII. hielten, ja wie sie genau das taten, wovor hier eindringlichst gewarnt wird. Bischof Antonio de Castro Mayer war damals schon der wachsame und GUTE Hirte, völlig eins mit dem höchsten Hirten, dem Stellvertreter Christi, Pius XII. Und er ist es mit Erzbischof Marcel Lefebvre bis heute geblieben. Sie haben sich als die Treuen erwiesen. Sie haben nicht nur Pius XII. auf ihrer Seite, sondern die ganze lange Kette aller Päpste bis zurück zu Petrus. Seit Pius XII. aber sind die Päpste (in entscheidenden Belangen) untreu geworden, weil sie sich (vor allem in der Praxis) auf die Seite der Neuerer, der Modernisten schlugen, wenn sie das auch absolut nicht zugeben wollen. Und darum stehen heute diese beiden Bekennerbischöfe samt ihren Neugeweihten und Anhängern (wenn auch in verschwindender Minderheit) auf der rechten Seite und stehen die Päpste Johannes XXIII., Paul VI., Johannes-Paul I. und Jo­hannes-Paul II. samt allen ihnen uneingeschränkt Huldigenden und ihre Irrtümer Nachvollziehenden (wenn auch in erdrückender Mehrheit) auf der falschen, der antikatholischen und damit, streng genommen, antichristlichen Seite. (P.O.S.)

Hirtenbrief (1953)

S. Exz. Mgr. D. Antonio de CASTRO MAYER,

durch die Gnade Gottes und des Apostolischen Stuhles

Bischof von CAMPOS (Brasilien)

An den Hochwürdigsten Welt- und Regular-Klerus Gruß, Frieden und Segen in Unse­rem Herrn JESUS CHRISTUS.

Vielgeliebte Söhne und eifrige Mitarbeiter,

Von allen Pflichten, die dem Bischof oblie­gen, übersteigt keine an Wichtigkeit jene, den Schafen, die ihm durch den Heiligen Geist anvertraut wurden, das heilvolle Wei­den auf dem Nährboden der geoffenbarten Wahrheit sicherzustellen.

Diese Pflicht ist besonders dringlich in unseren Tagen. Denn die unermeßliche Krise, in der die Welt sich befindet, resultiert im letzten aus der Tatsache, daß das Denken und Handeln der Menschen losgelöst wurde von den Lehren und den Normen, die von der Kirche vorgezeichnet wurden. Und nur durch eine Rückkehr der Menschheit zum wahren Glauben kann diese Krise eine Lö­sung finden.

Es ist deshalb im höchsten Grade wichtig, alle katholischen Kräfte, die ganze friedvolle Armee Christi des Königs, zur Eroberung der Völker aufzurufen, vereint und diszipli­niert in Marsch zu setzen auf die Völker­scharen zu, die in Todesschatten stöhnen, getäuscht von der Häresie oder durch das Schisma, durch den Aberglauben des alten Heidentums oder durch die vielgestaltigen Idole des modernen Neuheidentums.

Damit diese allgemeine Offensive, die so herbeigewünscht wird von den Höchsten Pontifices, wirksam und siegreich sei, ist es angebracht, daß die eigenen katholischen Kräfte nicht angesteckt seien von den Irrtü­mern, die sie bekämpfen müssen. Die Be­wahrung des Glaubens unter den Sehnen der Kirche ist demnach eine notwendige Maßnahme und von höchster Wichtigkeit für die Errichtung des Reiches Christi auf der Erde.

Die Geschichte lehrt uns, daß die Versu­chung gegen den Glauben, die in ihren we­sentlichen Elementen immer die gleiche ist, sich in jeder Epoche unter einem neuen Aspekt zeigt. Der Arianismus, zum Beispiel, der eine so große Verführungsmacht ausüb­te im 4. Jahrhundert, hätte das frivole und voltairsche Europa des 18. Jahrhunderts we­nig interessiert. Und der erklärte und radi­kale Atheismus des 19. Jahrhunderts hätte schwache Möglichkeiten des Erfolges ge­habt zu Zeiten Wyklifs und Johann Hus. Überdies hat die Versuchung gegen den Glauben in jeder Generation die Gewohn­heit, mit einer unterschiedlichen Intensität zu agieren.

Es gelingt ihr, die einen gänzlich zur Häresie fortzureißen. Andern, ohne sie in formeller und erklärter Weise dem lieben­den Schoß der Kirche zu entreißen, haucht sie ihren Geist ein, in der Weise, daß jene Katholiken zahlreich sind, die zwar die Glau­bensformeln korrekt rezitieren und die, manchmal aufrichtig, meinen, daß sie den Dokumenten des kirchlichen Lehramtes eine vollständige Zustimmung geben, indes ihr Herz unter dem Einfluß von Lehren schlägt, die von der Kirche verurteilt wurden.

Dies ist eine Tatsache laufender Erfah­rung. Wieviele Male beobachten wir um uns herum Katholiken, die eifersüchtig sind auf ihren Status als Söhne der Kirche, die keine Gelegenheit verpassen, ihren Glauben zu proklamieren und die dennoch durch ihre Art, über die Ideen, die Gebräuche, die Er­eignisse zu urteilen, alles schließlich, was die Presse, das Kino, das Radio oder das Fernse­hen jeden Tag verbreiten, sich in nichts von den Skeptikern, den Agnostikern, den Indif­ferenten unterscheiden! Sie sagen das Credo korrekt auf, und im Moment des Gebets erweisen sie sich als untadelige Katholiken; aber der Geist, der sie, bewußt oder unbe­wußt, beseelt in allen Lebensumständen, ist agnostisch, naturalistisch, liberal.

Wie man sieht, handelt es sich hier um Seelen, die durch gegenteilige Tendenzen ge­spalten sind. Einesteils spüren sie in sich die Verführung der weltlichen Einflüsse. An­dernteils bewahren sie vielleicht durch fami­liäres Erbe noch etwas von dem reinen, un­veränderlichen und unauslöschlichen Glanz der katholischen Lehre. Und da jeder Zu­stand der Geteiltheit unnatürlich ist für den Menschen, versuchen diese Seelen, die Ein­heit und den Frieden in sich wiederherzu­stellen durch das Amalgam (die Verbindung, Verschmelzung) in einen einzigen Lehrkör­per von Irrtümern, die sie bewundern, und Wahrheiten, mit welchen sie nicht brechen wollen.

Diese Tendenz, die unversöhnlichen Ex­treme zu versöhnen, die Mittellinie zwischen der Wahrheit und dem Irrtum zu finden, hat sich seit den Ursprüngen der Kirche gezeigt. Schon der Göttliche Erlöser hatte die Apo­stel davor gewarnt: „Ihr könnt nicht zwei Herren dienen“. Nachdem der Arianismus verurteilt war, brachte diese Tendenz den Semi-Arianismus hervor. Als der Pelagia­nismus verurteilt war, zeugte er den Semi­-Pelagianismus. Nachdem der Protestantis­mus beim Konzil von Trient vom Blitz er­schlagen war, erweckte er den Jansenismus. Aus ihm wurde ebenfalls der vom seligen (mittlerweile heiligen) Pius X. als monströ­ser Zusammenfluß (Sammelbecken) des Atheismus, des Rationalismus, des Evolutio­nismus, des Pantheismus hervorgegangene Modernismus verurteilt als eine Schule, die entschlossen war, die Kirche verräterisch mit Fäusten zu schlagen. Die Modernisten-Sekte hatte zum Ziel, bei gleichzeitigem Verbleiben in ihrem Schoße, durch Spitzfindigkeiten, Hintergedanken und Vorbehalte die wahre Lehre zu verfälschen, die sie äußerlich anzuerkennen vortäuschte.

Diese Tendenz ist noch nicht verschwun­den; man kann sogar sagen, daß sie einen Teil bildet der Kirchengeschichte. Das muß man den Worten des glorreich regierenden Höchsten Pontifex entnehmen in einer Rede, die er, im Jahre 1944, an die römischen Fa­stenprediger richtete: „Eine Tatsache, die sich immer wiederholt in der Geschichte der Kirche ist die, daß wenn der christliche Glaube und die christliche Moral gegen star­ke gegensätzliche Strömungen der Irrtümer oder lasterhafter Forderungen stoßen, An­strengungen gemacht werden, um die Schwierigkeiten zu überwinden mittels ir­gendwelcher bequemer Kompromisse oder um ihnen auszuweichen oder um die Augen zu verschließen vor ihnen“ (A.A.S. 36, p. 73).

Wenn ihr euere Pfarrangehörigen gegen den Spiritismus, den Protestantismus oder Atheismus alarmiert, liebe Söhne und ge­liebte Mitarbeiter, wird darüber niemand erstaunt sein. Aber in diesem Hirtenbrief fordern wir Euch auf, jene Meinungen zu verurteilen, die bei den Katholiken selbst oft die Integrität des Glaubens. verderben. Werdet ihr in diesem Punkte ebenfalls recht verstanden werden?

Es könnte vielen scheinen, selbst unter den Frömmsten, daß ihr euere Zeit verliert; denn es wird ihnen schwerfallen zu verstehen, warum ihr euch damit abmüht, den Glauben zu vervollkommnen, den einige bereits mehr oder weniger besitzen, wäh­rend es besser wäre, jene zu bekehren, die sich außerhalb der Kirche befinden, in Erwartung eures Apostolates. Es wird ihnen scheinen, daß ihr jenen mit überflüssigen Schätzen überhäuft, der bereits reich ist, während ihr jenen ohne Brot laßt, der vor Hunger stirbt.

Andere werden sich sagen, daß ihr unvor­sichtig seid; denn da das katholische Be­kenntnis an sich schon so verdienstvoll sei in einer so feindlichen Welt, würdet ihr Gefahr laufen, sogar die Besten zu verlieren, wenn ihr euch nicht mit irgendwelcher Zustim­mung zu den allgemeinen Richtlinien des Glaubens zufriedengäbet, ohne die Gläubi­gen mit verwirrenden Kleinlichkeiten zu überladen.

Es ist von entscheidender Wichtigkeit, viel­geliebte Söhne und liebe Mitarbeiter, daß ihr vorgängig euere Pfarreiangehörigen über diese Einwände aufklärt. Denn sonst wird euere Aktion wenig Wirkung zeitigen, und wegen der Bosheit der Zeiten, in welchen wir leben, wird euer Eifer nicht richtig verstan­den werden. Es wird nicht an Leuten fehlen, die darin nicht eine natürliche Bewegung der Kirche erblicken werden, die durch ihre besten Arbeiter und Vorbilder als lebendi­ger Organismus irgendeinen Fremdkörper ausstößt, sondern, im Gegenteil, die unintel­ligente und sture Aktion von exaltierten Gefolgsmännern.

So zeigt denn vor allem, daß der Glaube sich durch seine eigene Natur nicht zufrie­dengibt mit dem, was einige seine Generalli­nien nennen, sondern von sich die Integrität und die Fülle fordert.

Um euch verständlich zu machen, gebt als Beispiel die Tugend der Keuschheit. In ihrer Hinsicht nimmt jede Konzession den Cha­rakter eines dunkeln Fleckens an und jede Unvorsichtigkeit setzt sie als Ganzes in Ge­fahr. Man hat die reine Seele mit einer auf einer Kugel stehenden Person verglichen; solange sie ihren Stand des Gleichgewichts beibehält, hat sie nichts zu fürchten, aber die geringste Unvorsichtigkeit ihrerseits kann sie in den Abgrund stürzen. Und darum haben die Moralisten (die Gelehrten in Sit­tenfragen) und die geistlichen Schriftsteller einhellig bestätigt, daß die wesentliche Be­dingung zur Bewahrung einer engelgleichen Tugend eine wachsame und unnachgiebige Vorsicht ist.

Genau dasselbe kann man vom Glauben sagen. Solange der Katholik sich in vollkom­mener Gleichgewichtsposition hält, wird seine Ausdauer sicher und leicht sein. Nun aber besteht diese Gleichgewichtisposition nicht in der Annahme einiger Generallinien des Glaubens, sondern im Bekenntnis der ganzen Lehre der Kirche; einem Bekennt­nis, nicht mit den bloßen Lippen, sondern mit der ganzen Seele, das die loyale und zu­sammenhängende Annahme beinhaltet nicht nur dessen, was das Lehramt ihn lehrt, son­dern auch aller logischen Konsequenzen dieser Lehre. Um dies zu tun, ist es nötig, daß der Gläubige diesen lebendigen Glauben besitze, für den er fähig ist, seine persönliche Vernunft zu verdemütigen vor dem unfehl­baren Lehramt, und mit Durchdringung alles auszumachen, was sich direkt oder indirekt der Lehre der Kirche entgegenstellt. Aber wenn er auch nur um weniges diese Stellung des vollkommenen Gleichgewichts aufgibt, beginnt er, die Anziehung des Abgrundes zu spüren. Und darum richten Wir, gedrängt durch die Vorsicht und das Interesse der Uns anvertrauten Herde, an euch, geliebte­ste Söhne, diesen Hirtenbrief über die Inte­grität (die Vollständigkeit und Unverletzt­heit) des Glaubens.

In dieser Hinsicht gebührt es, noch auf einen Punkt der Lehre der Kirche besonde­res Gewicht zu legen, der oft vergessen wird. Man denke nicht, daß ein so erleuchteter und robuster Glaube das Privileg der Wei­sen sei, derart, daß man nur diesen die oben beschriebene ideale Gleichgewichtsposition empfehlen könnte. Der Glaube ist eine Tugend, und in der Heiligen Kirche sind die Tugenden allen Gläubigen zugänglich, Unwissenden und Weisen, Reichen und Armen, Lehrern und Schülern. Die christli­che Hagiographie ist ein Beweis dafür. Die hl. Johanna von Arc, die unwissende kleine Hirtin von Domrémy, (z.B.) verwirrte ihre Richter durch die Weisheit, mit der sie auf die theologischen Spitzfindigkeiten antwor­tete, deren sie sich bedienten, um sie in irrige Meinungen zu drängen und so ihre Verur­teilung zum Tode zu rechtfertigen. (Oder) der hl. Klemens Maria Hofbauer, der demü­tige Handarbeiter, der im 19. Jahrhundert, aus purer Freude an der Sache, dem Theologie-Kurs der berühmten Universität von Wien beiwohnte, der in einem seiner Lehrer das verfluchte Ferment des Jansenismus entdeckte, das der Unterscheidungsgabe all seiner Schüler und anderer Professoren entging. „Ich danke Dir, o Vater, Herr des Himmels und der Erde, daß du diese Dinge vor den Weisen und Vorsichtigen (Klugen) verborgen und sie den Kleinen geoffenbart hast.“ (Luk 10,21). Damit wir ein Volk ha­ben, das fest und logisch sei in seinem Glau­ben, ist es nicht nötig, daß wir aus ihm ein Volk von Theologen machen. Es genügt, daß derjenige, der die Kirche wirklich liebt, sich die geoffenbarten Wahrheiten aneigne gemäß dem Niveau der allgemeinen Kultur und (die) Tugenden der Reinheit und der Demut besitze, die nötig sind, um wirklich zu glauben, zu verstehen und die Dinge Gottes zu kosten. Ebenso, damit wir ein wahrhaft reines Volk haben, ist es nicht nötig, aus jedem Gläubigen einen Moralisten (einen Gebildeten in der Sittenlehre) zu machen. Die fundamentalen Prinzipien und die we­sentlichen Kenntnisse, eingegeben, vorgege­ben in großem Teil durch das gut gebildete christliche Gewissen, genügen für das ge­wöhnliche Leben. So sehen wir oft unwissen­de Personen, die über eine Urteilsfähigkeit, eine Umsicht und eine Erhebung der Seele verfügen, die über jener ist von vielen Mora­listen vollendeter Wissenschaft.

Was wir soeben gesagt haben von der Standfestigkeit einer Person, findet auch An­wendung auf die Beharrlichkeit der Völker. Wenn die Bevölkerung einer Diözese die Integrität des katholischen Glaubens besitzt, ist sie fähig, mit der Hilfe der Gnade Gottes, den (anrollenden) Wellen der Gottlosigkeit zu widerstehen. Aber wenn sie niemand besitzt, wenn selbst die für gewöhnlich für fromm gehaltenen Personen diese Integrität nicht lieben und sie nicht suchen, was muß man dann von einer solchen Bevölkerung denken?

Wenn man die Geschichte liest, begreift man nicht, wie gewisse Völker, ausgerüstet mit einer zahlreichen und erleuchteten Hier­archie, mit einem gebildeten und einflußrei­chen Klerus, mit Institutionen der Ausbil­dung und der Caritas berühmt und reich, wie Schweden, Norwegen und Dänemark im 16. Jahrhundert, von einem Augenblick zum anderen von dem vollständigen und ruhigen Bekenntnis des katholischen Glaubens zu einer offenen und formellen Häresie abglei­ten konnten, und das fast ohne Widerstand, und um es richtig zu sagen, fast umerklich. Welches ist der Grund eines so großen Unglücks? Als der Glaube in diesen Län­dern zugrundeging, überstieg er im Gesamt der Seelen bereits nicht mehr die ohne Liebe und ohne Überzeugung wiederholten äußer­lichen Formeln. So genügte eine einfache königliche Laune, um den dicht belaubten, jahrhundertealten Baum zu fällen. Der Lebenssaft strömte bereits nicht mehr, seit langem nicht mehr in den Blättern, noch im Stamm. Der Geist des Glaubens existierte bereits nicht mehr in diesen Regionen.

Dies ist es, was der selige (hl.) Pius X. in seinem energischen Kampf gegen den Mo­dernismus mit einer engelgleichen Hellsicht erkannte. Als huldvoller Hirte erleuchtete er die Kirche Gottes durch den milden Schein seiner himmlischen Sanftmut. Er fürchtete indessen nicht, die Urheber des modernisti­schen Irrtums im Schoße der Kirche selbst zu verurteilen und sie der Verabscheuung der Guten zu signalisieren durch diese vehe­menten Worte: „Jener, der euch (die Mo­dernisten) als die gefährlichsten Feinde der Kirche betrachten wird, wird sich nicht von der Wahrheit entfernen.“ (Enzyklika Pscen­di)

Wir können es beurteilen, wie schmerz­voll dem sanftmütigen Pontifex die Anwen­dung solcher Energie sein mußte. Aber seine Zeitgenossen verfehlten nicht, den ausge­zeichneten Dienst anzuerkennen, den er so der Kirche leistete. In dieser Hinsicht bestä­tigte der große Kardinal Mercier, daß wenn zur Zeit Luthers und Calvins die Kirche Päpste gehabt hätte vom Charakter eines Pius X. es zweifelhaft wäre, ob es der prote­stantischen Häresie gelungen wäre, von der wahren Kirche einen Drittel Europas abzu­trennen. Aus all diesen Gründen, vielgelieb­te Söhne, seht ihr, wie wichtig es ist, mit größtem Eifer über die Bewahrung der Kinder der Heiligen Kirche in der Fülle des Glaubens und des Glaubensgeistes zu wa­chen.

Zeigt auch, wie sehr sich jene täuschen, die annehmen, daß die Zeit und die Mühen, die für die Vervollkommnung im Glauben der Gläubigen verwendet werden, gewisserma­ßen den Ungläubigen gestohlen sind. Vor allem könnt ihr durch euer Beispiel und euere Worte beweisen, daß diese beiden Haltungen in keiner Weise unvereinbar sind: „Oportet haec facere et illa non omittere“. Überdies bringt die Integrität des Glaubens unter den Katholiken soviel Früchte der Tugend hervor und verbreitet so lebendig in der Kirche den Wohlgeruch Jesu Christi, daß sie die Ungläubigen wirksam an sich zieht, solcherweise, daß das den Kindern der Kirche getane Gute zwingenderweise jenen zugutekommt, die sich außerhalb der Hürde befinden. Schließlich wird eine der Früchte des Glaubenseifers notwendigerweise der apostolische Eifer sein. Die Zahl der Apostel vermehren, was ist das anderes, als die Un­gläubigen perfektionieren?

So können wir denn diese Trennung zwi­schen der den Gläubigen gewidmeten Zeit und jener den Ungläubigen gewährten nicht annehmen; wie wenn unser göttlicher Erlö­ser, als er die Apostel und die Jünger heran­bildete, eine Gruppe von Privilegierten ver­vollkommnet und sich nicht um das Heil des Restes der Menschheit gekümmert hätte!

Das leuchtende Beispiel des Stellvertre­ters Christi wird euch ermutigen, so zu handeln. Kein Papst mußte sich zweifellos je so zahlreichen und mächtigen Feinden au­ßerhalb der Kirche entgegenstellen. Den­noch vernachlässigt er nicht die „Irrtümer, die unter den Gläubigen sich einschleichen“ (Enzyklika Mystici Corporis, A.A.S., 35, p. 197) und gegen sie warnt er uns durch eine Serie von Dokumenten, wie die Enzyklika Mediator Dei, die Apostolische Konstitution Bis Saeculari Die, die Enzyklika Humani Generis und, erst kürzlich, die Ansprache an die Ordensfrauen (15. September 1952), in welcher er zu einem großen Teil gewisse ka­tholische Schriftsteller, Kirchenmänner und Laien verantwortlich heißt für die Vermin­derung der Berufungen, die die katholische Lehre verfälschen in dem, was den Vorrang des Zölibats über den Ehestand betrifft. Und näherhin im Hinblick auf Brasilien zeigt sich der Eifer des Heiligen Stuhles angesichts der internen Probleme der Kirche mit Klarheit im Brief der Heiligen Kongregation der Seminare und der Universtitäten, dessen aufmerksame Lektüre wir euch sehr emp­fehlen.

Indem ihr euch bemüht, unter den Gläu­bigen den traditionellen Geist der Heiligen Kirche aufrechtzuerhalten, müßt ihr darüber wachen, daß er nicht abweiche von sei­nem liturgischen Sinn. Im gegenwärtigen Hirtenbrief betrachten wir die Übertreibun­gen des Geistes der Versöhnlichkeit gegenü­ber den Irrtümern unserer Zeit. Aber dieser schlechten Tendenz kann sich ein symmetri­scher und gegenteiliger Irrtum entgegen­stellen. Es ist wichtig aufzuzeigen, was dieser ist.

Richtig gesagt, wir fürchten nicht die Über­treibung des traditionellen Geistes. In der Tat, dieser Geist ist eines der wesentlichen Elemente der katholischen Mentalität, was man mit Recht den sensus catholicus, den katholischen Sinn, nennt. Nun aber stellt der katholische Sinn in sich die Exzellenz der Tugend des Glaubens dar. Zu befürchten, daß jemand zuviel katholischen Geist besit­ze, käme dem gleich, zu befürchten, es gäbe einen zu vorzüglichen Glauben. Aber es geziemt sich zu vermeiden, daß dieser Geist des Glaubens falsch verstanden werde, daß er mehr in einer Anhänglichkeit an der rei­nen Form besteht, am bloßen Schein, am bloßen (äußerlichen) Ritus, als an einer Zu­stimmung zum Geist, der die Form, den Schein und den Ritus beseelt und erklärt. Die Übertreibungen dieser Sorte sind mög­lich, aber sie verdienen eurerseits nicht eine so weitgehende Wachsamkeit wie die über­triebene Neigung zu dem, was neu ist, zur systematischen Aversion gegenüber dem, was traditionell ist. Das ist es, was die Heilige Kongregation für die Seminare in ihrem Brief an den brasilianischen Episkopat so weise bemerkt: „Die drängendste Gefahr heute ist nicht jene einer zu rigiden (starren) und exklusiven Anhänglichkeit an die Tra­dition, sondern hauptsächlich jene eines übertriebenen und wenig vorsichtigen Ge­schmacks an jeder Neuigkeit, was immer sie sei.“ (A.A.S. 42, p. 837). Und die Heilige Kon­gregation besteht offensichtlich darauf: „Dem Snobismus der Neuigkeit verdankt man die Vervielfachung der verborgenen Irrtümer unter dem Anschein der Wahrheit und sehr oft unter der anmaßenden und dunklen Terminologie.“ (Ibid., p. 939.)

Ein Beispiel, in welcher Weise ich den Geist der Tradition verstehe, kann aufge­zeigt werden im Archaismus, auf welchen der Heilige Vater Pius XII. in seiner Enzyklika Mediator Dei anspielt. Durch übertriebene Anhänglichkeit am antiken (frühchristlichen) Ritus und an seiner Form, nur aus dem Grund, weil sie antik sind, geben gewisse Liturgiker vor, den Altar in der Form eines Tisches und andere Prakti­ken der Urkirche zu restaurieren. Wie wenn im ganzen Verlauf der Geschichte der Geist der Kirche sich nicht hätte nach und nach ausdrücken können durch neue Formen und neue Riten, gemäß den Unterschieden der Zeiten und der Orte.

Die Extreme berühren sich und die entge­gengesetztesten Übertreibungen verbünden sich leicht gegen die Wahrheit. Der Gefahr dieses falsch verstandenen traditionellen Geistes begegnen wir meistens unter den eigentlichen Verfälschern der Neuheiten wie Luther, Jansenius, die Promotoren des fal­schen Konzils von Pistoia und in unserem Jahrhundert der Modernisten.

* * *

Erkläret den Gläubigen, die unter eurer Obhut sind, liebe Mitarbeiter, die Entste­hung dieser Irrtümer gut. Einerseits stammen sie von der der gefallenen Menschenna­tur eignenden Schwachheit. Die Sinnlichkeit und der Stolz haben stets die Auflehnung gewisser Söhne der Kirche gegen die Lehre und den Geist Unseres Herrn Jesus Christus geschürt und werden dies auch bis zum Ende der Zeiten tun. Schon der hl. Paulus warnte die ersten Christen gegen jene unter ihnen, die sich „erheben, um perverse Lehren vor­zutragen in der Absicht, Jünger mit sich zu ziehen“ (Apostelgeschichte 20,30), „leere Schwätzer und Verführer“ (Titus I,10), „die Fortschritte machen werden im Bösen, in­dem sie die andern in die Irrtümer verfüh­ren und mitreißen“ (II Tim. 3,13).

Einige scheinen zu denken, daß im Ver­laufe der letzten Jahrhunderte die Fortschrit­te der Kirche solcherart waren, daß man schon nicht mehr befürchten müsse, in ih­rem Schoße durch den Stolz und durch die Unzucht geschürte Krisen emporkommen zu sehen. Indes, um nur auf ganz kürzliche Bespiele zurückzugreifen, erklärte der seli­ge (heilige) Pius X. in der Enzyklika Pascendi, daß die Anstifter der Revolte wie jene, von welchen wir sprechen, nicht nur häufig seien in seiner Zeit, sondern noch zahlreicher werden würden in dem Maße, wie man dem Ende der Zeiten entgegengehen werde. Und in der Tat, in der Enzyklika Humani Generis klagt der Heilige Vater Pius XII. darüber, daß „heute jene nicht fehlen, die, wie zu den apostolischen Zeiten, die Neuheit mehr lie­ben, als es erlaubt ist zu tun und die, da sie fürchten, für Ignoranten der wissenschaftli­chen Fortschritte gehalten zu werden, ver­suchen, sich der Führung des Heiligen Lehr­amtes zu entziehen, aus diesem Grunde sich in Gefahr befinden, sich unmerklich von der geoffenbarten Wahrheit zu entfernen und andere mit sich in den Irrtum zu reißen.“ (A.A.S., 42, p. 564)

Das ist die natürliche Entstehungsge­schichte der Irrtümer und der Krisen, mit welchen wir uns beschäftigen. Aber es ge­bührt nicht nur, die Schwächen der verdor­benen Natur zu berücksichtigen, sondern auch die Aktion des Teufels. Diesem letzte­ren ist die Macht gegeben, bis zum Ende der Zeiten die Menschen zu versuchen in all ihren Tugenden und folglich auch in der Tugend des Glaubens, welche das Funda­ment des übernatürlichen Lebens selbst ist. Es ist also evident, daß bis zum Ende der Welt die Kirche internen Aufbrüchen des Geistes der Häresie ausgesetzt sein wird und daß es keinen Fortschritt gibt, der sozusagen definitiv gegen das Übel immunisieren wür­de. Daß der Dämon engagiert ist in der Hervorbringung solcher Krisen, ist (wohl) überflüssig zu zeigen. Nun aber ist der Alli­ierte, den es ihm in die Reihen der getreuen Armeen einzupflanzen gelingt, sein kostbar­stes Kampfeswerkzeug. Die gegenwärtige Erfahrung zeigt, daß eine fünfte Kolonne an Wirksamkeit die schrecklichsten Rüstun­gen übertrifft. Da der Tumor sich im katho­lischen Milieu bildet, zersplittern sich die Kräfte, erschöpfen sich die Energien, die zur Gänze verwendet werden müßten im Kamp­fe gegen den äußeren Feind, in Diskussionen zwischen Brüdern. Und wenn, um solche Diskussionen zu vermeiden, die Guten die Opposition beenden, ist der Triumph der Hölle noch größer, die im Innern selbst der Stadt Gottes ihre Standarte aufrichten und schnell und leicht ihre Eroberungen entfalten kann.

Wenn in einer gewissen Epoche die Hölle aufhören würde, ein so lukratives Manöver zu versuchen, könnte man sagen, daß der Dämon während dieser Zeit zu existieren aufgehört hätte.

Dies ist die doppelte Genesis, die natürli­che und übernatürliche, der internen Krisen der Kirche.

Wie ihr seht, sind diese beiden Ursachen andauernd, und andauernd sind auch ihre Auswirkungen. In anderen Worten, die Kirche wird stets zu leiden haben unter dem inneren Befall mit dem Geist der Finsternis.

Für das Verständnis eures Apostolates ist es wichtig, die Taktik gegenwärtig zu haben, die er anwendet. Damit seine Aktion inner­lich bleibt, muß sie verhüllt werden. Die Betrügerei ist die Fundamentalregel dessen, der im geheimen im Lager des Gegners agiert. Der Dämon flößt dann, um zu seinem Ziel zu gelangen, den Geist der Verwirrung ein, der die Seelen verführt und sie dazu bringt, den unter dem Anschein der Wahrheit geschickt verhüllten Irrtum zu bekennen. Erwartet nicht, in diesem Kampf, daß der Gegner klare Sätze ausdrückt, die den bereits defi­nierten Wahrheiten entgegengesetzt wären. Er wird es erst tun, wenn er sich gänzlich Meister des Feldes wähnt. Und die meiste Zeit wird er „die unter einem Anschein von Wahrheit verborgenen Irrtümer und eine anmaßende und dunkle Terminologie zum Wuchern bringen… “ (Brief der Heiligen Kongregation der Seminare an die Bischöfe von Brasilien, A.S.S., 42, p., 839). Und die Art und Weise der Propaganda dieser Viel­zahl von Irrtümern wird ihrerseits verhüllt und hinterlistig sein. Der Heilige Vater Pius XII. beschreibt es so: „Jene, die, sei es durch eine tadelnswerte Gier nach Neuheit, sei es durch irgendwelches löbliches Motiv, diese neuen Meinungen propagieren, tragen sie nicht immer mit der gleichen Intensität vor, noch mit der gleichen Klarheit, noch in iden­tischen Ausdrücken, noch immer mit Ein­helligkeit der Ansicht; was einige heute, ge­heim, mit gewissen Vorsichten und Unterscheidungen lehren, werden andere, wag­halsiger, morgen offen und ohne Restriktio­nen verbreiten, zum Ärgernis von vielen, besonders des jungen Klerus und zum Scha­den der kirchlichen Autorität. Diese Gegen­stände werden für gewöhnlich vorsichtiger in Büchern behandelt, die veröffentlicht werden; aber schon spricht man mit einer größeren Freiheit in den unter dem Mantel verteilten Broschüren und in den Konferen­zen und Versammlungen. Und diese Lehre wird nicht nur verbreitet unter den Gliedern des einen oder anderen Klerus in den Semi­narien und religiösen Institutionen, sondern auch unter jenen, die sich der Belehrung der Jugend widmen.“ (Enzyklika Humani Generis. A.A.S., 42, p. 565.)

So dürft ihr nicht erstaunt sein, wenn ihr manchmal wenig zahlreich seid, die ihr den Irrtum erkennt in Propositionen (vorge­brachten Lehrmeinungen), die vielen klar und orthodox erscheinen, oder verwirrend, aber einer guten Interpretation fähig; oder wenn ihr euch vor gewissen Kreisen befin­det, wo die Mischfarben geschickt eingesetzt werden, damit der Irrtum sich verbreite, daß er aber schwierig zu bekämpfen sei. Die Taktik des Gegners ist kalkuliert, gerade um jene in diese Verlegenheiten zu bringen, die sich ihnen entgegenstellen. Auf diese Weise wird sie manchmal die Antipathie von Per­sonen auf euch ziehen, die nicht die geringste Absicht haben, das Böse zu begünstigen. Sie werden euch als Visionäre taxieren, als Fanatiker, vielleicht als Verleumder. Ist das nicht genau das, was in Frankreich die hals­starrigen Verherrlicher des Sillon und von Marc Sangnier gegen den seligen (hl.) Pius X. sagten? Aus Furcht vor diesen Kritiken, werdet ihr vor dem Gegner zurückweichen und werdet ihr die Türen der Stadt Gottes offen lassen?

Es braucht nicht gesagt zu werden, daß ihr angesichts Gottes mit Sorgfalt jede Uber­treibung, jede Uberhastung, jedes nicht begründete Urteil vermeiden müßt. Aber ihr müßt ebenfalls jedesmal schreien, wenn der Gegner, versteckt unter dem Schafspelz, sich vor euch präsentiert, ohne ihm einen Millimeter Terrain preiszugeben aus Furcht, daß er euch mit Übertreibung belastet, die euer Gewissen euch nicht vorwirft.

Wenn ihr so handelt, werdet ihr den aus­drücklichen Intentionen des Heiligen Vaters gehorchen. In allen Dokumenten, die er zu diesem Gegenstand veröffentlicht hat, emp­fiehlt der glorreich regierende Höchste Pontifex den Bischöfen und den Priestern der ganzen Erde, die Gläubigen mit Eifer zu belehren, damit dieselben sich nicht täu­schen lassen durch die Irrtümer, die in einer verhüllten Weise unter ihnen umgehen.

Die vom Heiligen Vater gewünschte Un­terweisung muß ebenso präventiv sein wie repressiv. Möge der Priester, in dessen Pfar­rei der Irrtum noch nicht vorgedrungen zu sein scheint, sich nicht dispensiert halten davon zu handeln. In Anbetracht der Ver­kleidung, unter der sich diese Irrtümer zie­ren, in Anbetracht der Verbreitungsmetho­den, die manchmal fast unfühlbar sind, welche ihre Begünstiger verwenden, sind die Vikare wenig zahlreich, die die Gewißheit haben können, daß alle ihre Schafe schadlos sind.

Überdies gibt sich der gute Hirte nicht damit zufrieden, dem Übel abzuhelfen, son­dern er hat die schwere Verpflichtung, ihm zuvorzukommen. Seien wir nicht wie der Mann, von dem uns das Evangelium berich­tet, der schlief, während der Feind Unkraut unter seinen Weizen säte. Schon allein die Pflicht vorzusogen, würde die Anstrengun­gen rechtfertigen, die ihr in diesem Sinne un­ternehmen werdet.

Die Irrtümer, mit welchen wir uns be­schäftigen, werden vielleicht eine größere Intensität haben in einem Land und eine kleinere in einem andern. Indes, ihre Ver­breitung in der katholischen Welt ist bereits genügend breit, daß der Heilige Vater dem seine Aufmerksamkeit schenkt in Dokumen­ten, die er nicht besonders an diese oder jene Nation adressiert, sondern an die Bischöfe der ganzen Welt.

Denn wir leben heute in einer Welt ohne Grenzen, in welcher die Gedanken rasch (in Windeseile) verbreitet werden bis zu den äußersten Gebieten der Erde, durch die Presse, und vor allem durch das Radio. Wenn zum Beispiel ein falsches Urteil gefällt wird in Paris, so kann es am selben Tag gehört und angenommen werden in den fernsten Zentren Australiens, Indiens oder Brasiliens. Und wenn noch irgendein Ort existiert, in dem die äußerste Unkenntnis oder die äu­ßerste Rückständigkeit ein Hindernis bildet für das Durchdringen der wahren oder fal­schen Gedanken, so könnte niemand unter diesem Fall die volksreichen Zentren unse­rer geliebtesten Diözese sehen, an deren Spitze sich Unsere Bischofsstadt befindet, berühmt in ganz Brasilien durch den kultu­rellen Wert seiner Söhne und den entschei­denden Einfluß, den sie auszuüben sich stets beehrte auf die politisch-nationale Szene.

Soweit der Hirtenbrief des Bischofs. Es folgen noch 4 kleinere Abschnitte mit Hinweisen zum Hauptteil der Bro­schüre, die einen „Katechismus op­portuner (gelegener) Wahrheiten, die sich gegen die zeitgenössischen Irrtü­mer stellen“ enthält, ein Katechismus in Form von Gegenüberstellungen von Wahrheit und Irrtum und Erläuterun­gen dazu, zu den Themen: Liturgie, Struktur der Kirche, Methoden des Apostolats, geistliches Leben, neue Moral, Rationalismus, Beziehungen zwischen Kirche und Staat, politische, wirtschaftliche und soziale Fragen. Es würde sich schon lohnen, diesen Kate­chismus auch noch zu übersetzen und zu veröffentlichen, aber dafür haben wir in unserer Monatszeitschrift leider nicht Platz genug. Aber wir nehmen uns schon vor, den einen oder anderen Abschnitt daraus im DZM „gelegent­lich unterzubringen“.

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*) Jetzt, 25 Jahre später, natürlich nicht mehr!

Ein Kommentar zu “Bischof Antonio de Castro Mayer, Campos, Brasilien: Hirtenbrief 1953

  1. „IHR KÖNNT NICHT ZWEI HERREN DIENEN“, sagt unser HERR!

    Bischof de Castro Mayer, ein wahrer Hirte der Einen, Heiligen, Katholischen und Apostolischen Kirche!

    „Höchste Ehre und Auszeichnung gebührt diesem wahren Glaubenshelden und Seelenhirten!“ Richtig!

    „Wenn man nun den nachstehenden Hirtenbrief “über die Probleme des modernen Apostolats” liest, fällt einem gleich auf, wie hellsichtig die darin enthaltenen Ermahnungen waren und wie gerade die das II. Vatikanum manipulierenden Kräfte inklusive Päpste sich absolut nicht mehr an diese Weisungen des heiligmäßigen Papstes Pius XII. hielten, ja wie sie genau das taten, wovor hier eindringlichst gewarnt wird.“

    „inklusive Päpste“? „Untreue Päpste“? Untreu im Glauben? Sich nicht an die Weisungen ihrer vorhergehenden Päpste halten (dazu bedarf es keiner „heiligmäßigen“ Päpste!)? Kann es das bei einem Oberhaupt der Katholischen Kirche überhaupt geben? Darf einem Papst, einem wahren Papst, jemals Widerstand geleistet werden? Niemals! Es gibt keine untreuen Päpste im Glauben! Es gab niemals und kann keine Päpste geben, die in den geoffenbarten Wahrheiten, in der Glaubenslehre also, in der Disziplin jemals Irrtümer verbreitet haben!

    „Seit Pius XII. aber sind die Päpste.. untreu geworden..“

    Das sah Bischof de Castro Mayer ein klein wenig anders! :
    „EINE AUTORITÄT, WELCHE DEN IRRTUM LEHRT, IST ÜBERHAUPT KEINE AUTORITÄT MEHR!“

    Im Glauben irren, ist nicht nur ein bißchen eine „Untreue“!

    Ein Papst, der „untreu im Glauben“ wird, hat den Glauben verleugnet und ist ein Irrlehrer und war deswegen zu keiner Zeit Papst! So sah es der „hellsichtige“ Bischof de Castro Mayer.

    Msgr. Antonio de Castro Mayer, ein hochbegabter Bischof mit Doktortitel, der am Seminar von São Paulo Philosophie, Philosophiegeschichte und Dogmatik lehrte, äußerte sich am Vorabend der Weihe der vier Bischöfe in Ecône am 30. Juni 1988 wie folgt:

    „Laßt die Welt doch sagen, diese Weihen seien gegen den Willen des sichtbaren Oberhauptes der Kirche erfolgt. Doch lasst mich folgende Frage stellen: Wo ist das sichtbare Oberhaupt der Kirche? Können wir als sichtbares Oberhaupt der Kirche einen Bischof akzeptieren, der heidnische Gottheiten auf den Altar neben unseren Herrn Jesus Christus setzt? Wenn alle Menschen der Kirche, alle Katholiken soweit kommen, die Lehren von Assisi anzunehmen, diesen Irrtum, heidnische Gottheiten auf dieselbe Stufe zu stellen wie unseren Herrn Jesus Christus, was wird dann die Folge sein? Die allgemeine Apostasie. Wie Dom Guéranger sagt: Eine Autorität, welche den Irrtum lehrt, sei es in guter oder in böser Absicht, ist überhaupt keine Autorität mehr, und wir haben das Recht, ihr Widerstand zu leisten. Noch mehr, wir haben die Pflicht, ihr Widerstand zu leisten…“

    Nach Ihrer Ansicht, Herr Schenker, wäre es erlaubt, einem Papst Widerstand zu leisten. Doch wir sagen: Wenn ein Papst auch nur einmal Nichtkatholisches lehrt, wenn einem Papst auch nur einmal Widerstand geleistet werden müßte, war er zu keiner Zeit ein rechtmäßig gewählter Papst.

    Ecône aber war nicht vollends auf seiner Seite. Denn wurde im dort nicht das Mikrofon abgenommen, als er anfangen wollte, über eine vorliegende Sedisvakanz zu sprechen?

    Für all jene, die sich auch nur teilweise dieser Konzilssekte, diesen Besetzern Roms einverleiben wollen, ihre Lehren teilweise annehmen wollen, gelten die Worte des Bischofs Mayer:

    „Diese Tendenz, die unversöhnlichen Extreme zu versöhnen, die Mittellinie zwischen der Wahrheit und dem Irrtum zu finden, hat sich seit den Ursprüngen der Kirche gezeigt [jedoch nicht IN der Kirche!]. Schon der Göttliche Erlöser hatte die Apostel davor gewarnt: “Ihr könnt nicht zwei Herren dienen”.“

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