Erscheinungen in Medjuorje? (Dritter Teil)

EINLEITUNG

Vor ein paar Wochen erschien in der rö­mischen Zeitschrift „si si no no“ eine kurze Notiz, worin vor dem jugoslawi­schen Erscheinungsort Medjugorje gewarnt wurde. Nachdem protestieren­de Leserzuschriften eingegangen wa­ren, reagierte die Redaktion in der Num­mer vom 15. Okt. 1984 mit einem länge­ren Artikel, aus dem ich folgenden Ab­schnitt zitieren möchte: Natürlich hät­ten wir gewünscht, uns den überzeug­ten Gläubigen anzuschließen, die mit den besten Absichten nach Medjugorje eilen. Aber im Respekt vor der Wahrheit und der Gerechtigkeit und vor allem um der Ehre der Muttergottes und um des Heils der Seelen willen, haben wir uns zum Verweis entschlossen. Damit ist bestens ausgedrückt, warum man die Ereignisse von Medjugorje nicht ein­fach auf sich beruhen lassen kann. (Albert Frey)

MEDJUGORJE GEGEN FATIMA

Man muß von der Echtheit der Erschei­nungen von Medjugorje schon sehr über­zeugt sein, um darin die „Erfüllung oder die Verlängerung von Fatima zu sehen, wie das Abbé Richard tut. Bei der Gegenüber­stellung der zwei Botschaften kommt man zu einem gegenteiligen Schluß: Die Pro­phezeiungen von Medjugorje stimmen mit denen von Fatima nicht überein, sondern widersprechen ihnen grundsätzlich, wie wir es nachstehend beweisen werden.

Eine klare Übertreibung

Am 13. Juli 1917 hat Unsere Frau in der Cova da Iria ihren drei Vertrauten ein einzi­ges dreiteiliges Geheimnis geoffenbart. In Medjugorje ist die prophetische Botschaft deutlich umfangreicher: Man spricht von „zehn von Unserer Frau den Sehern anver­trauten Geheimnissen“(L., Seite 47). Das ist schon viel! Trotzdem ist zu sagen, daß diese Zahl nicht genau stimmt. Die Jung­frau hat versprochen, jedem der Seher zehn Geheimnisse zu offenbaren! „Drei dieser Geheimnisse sind gemeinsam und allen Sehern bekannt“, präzisiert P. Kralje­vic. „Die andern kennen nur jene, an wel­che sie gerichtet wurden. Sie können sie bekannt geben, wenn die Jungfrau es ih­nen sagen wird“ (S.K., Seite 55). Wenn wir rechnen, gibt das fünfundvierzig Geheim­nisse (siehe R.F., Seite 72; Lj., Seite 35). Was zuviel ist, ist zuviel! Diese Anzahl ist dermaßen übertrieben 1), daß kein Verteidi­ger von Medjugorje es wagt, die Zahl von 45 Geheimnissen schwarz auf weiß zu nennen!

Mirjana, die allein schon alle zehn Ge­heimnisse erhalten hat, gab bekannt, daß es sich um die „Menschheit im allgemei­nen, um die Welt, um Medjugorje und um Auskünfte über das Zeichen handelt“ (R.F., Seite 72). Ivan und andere Seher haben persönliche Geheimnisse empfangen. Mirjana erklärt auf eine sonderbar kindi­sche Art, die so falsch tönt: „Die Jungfrau hat mir meine Geheimnisse auch erklärt. Ich habe sie alle und mit allen Daten aufge­schriebern und zwar in einer Code-Spra­che, aus Sicherheitsgründen und um nichts zu vergessen. Ich habe das Recht, zwei oder drei Tage vorher (wenn zum Beispiel ein Geheimnis übermorgen sich verwirkli­chen sollte) einen Priester auszuwählen und ich kann ihm z.B. sagen: ‚Übermorgen wird das oder jenes eintreffen.‘ Er kann dann mit dieser Information machen, was er will. Er kann sie aufschreiben und sie nachher vorlesen, um zu zeigen, daß es schon bekannt war. Er kann auch den Leuten sagen: ‚Hört, was morgen eintref­fen wird!‘ Er kann es selbst entscheiden‘ (R.F., Seite 71). „Wenn jeder der Seher sein zehntes Geheimnis vernommen ha­ben wird, wird die Jungfrau aufhören ihm zu erscheinen“ (R.F., Seite 83). Dann wird es für immer zu Ende sein.

„Dann werde ich nicht mehr erscheinen“

Tatsächlich hat Vicka am 2. Mai 82 be­scheinigt, daß „die Jungfrau während einer Erscheinung ausdrücklich gesagt hat: ‚Ich habe die Welt zum letztenmal zur Bekeh­rung aufgerufen; denn nachher werde ich auf der Erde nicht mehr erscheinen‘ (Lj., Seite 98). Das ist nun etwas, was Medju­gorje über alle anderen Erscheinungsorte stellt. Als man Mirjana am 10. Jan. 83 fragte, hat sie bestätigt: „Die Jungfrau hat gesagt, daß es die letzte Erscheinung auf Erden sei … es ist das letztemal, daß Jesus oder Maria auf die Erde kommt“ (R.F., Seite 80/81). Ebenso hat Pater Vlasic in seinem Brief an Joh.-Paul II. am 3. Dez. 83 ohne Umschweife geschrieben: „Diese Erscheinungen sind die letzten2) der Jung­frau auf Erden. Das ist der Grund, warum sie so lang und so häufig sind“ (L., Seite 159). Wie sonderbar, wie sonderbar. Auf diese Prophezeiung werden wir zurück­kommen müssen …

Warnungen … Wunder … Strafgerichte

Was wird sich also ereignen? Welches ist die Zukunft der Kirche und der Welt? Nach Mirjana, „der die Jungfrau die zukünf­tigen Aspekte bis jetzt mehr enthüllt hat als den anderen Sehern“ so schreibt Pater Vlasic an den Papst, „wird es drei Warnun­gen an die Welt geben. Die Warnungen werden Ereignisse auf Erden sein. Mirjana wird davon die Zeugin sein. Drei Tage vor einer der Verwarnungen wird sie einen Priester ihrer Wahl benachrichtigen … Nach der ersten Verwarnung werden die ande­ren nach ziemlich kurzer Zeit auch eintref­fen.“

„Nach den Verwarnungen wird das für die ganze Menschheit sichtbare Zeichen am Erscheinungsort beginnen, sichtbar zu werden.“ Es wird ein großes Zeichen sein; „für alle zu sehen, handgreiflich und an­dauernd“, präzisiert P. Vlasic übrigens noch. Die Seher sagen, daß „im Zusammenhang mit diesem Zeichen es viele Wunder und viele Heilungen geben wird. Alles was bis jetzt geschah, wird nichts sein im Ver­gleich, was sich dann ereignen wird“ (Téqui, Seite 18; Lj., Seite 33).

Dann wird die Zeit der Strafgerichte kommen. „Ein Unheil, das die Welt gemäß dem siebten Geheimnis bedrohte, ist auf Grund des Gebets und des Fastens aufge­hoben worden“ (L., Seite 160). „Das achte war noch schlimmer als die sieben ande­ren“; dank dem Gebet Mirjanas und ihrer Freunde „ist es der Jungfrau gelungen, dieses Geheimnis zu mildern“ (R.F., Seite 73). „Dann kommt das noch schlimmere neunte Geheimnis und das zehnte ist gera­dezu entsetzlich und kann keinesfalls gemildert werden. Ich kann nicht sagen, was es ist, erklärt Mirjana, denn wenn ich etwas sagen würde, würde ich alles sagen“ (R.F., Seite 73). „Das neunte und zehnte Geheimnis ist ernst. Es werden Strafge­richte wegen den Sünden der Welt sein. Die Strafe ist unvermeidbar, weil man nicht auf die Bekehrung der ganzen Welt warten kann“ (Lj., Seite 98).

Fügen wir bei, daß nach Mirjana „die von der Jungfrau vorausgesagten Ereignisse ganz nahe sind“ (ebd.). Schon im Frühjahr 82 hatte die Jungfrau angekündigt, daß das große Zeichen „bald, sehr bald“3) kommen werde.

Drei Warnungen und ein großes Zei­chen, das ein viel glanzvolleres Wunder sein wird als der Tanz der Sonne am 13. Okt. 1917 in Fatima, weil es dauerhaft und für alle sicht- und fühlbar sein wird. Dann die fürchterlichen Strafgerichte mit dem Zusatz der traurigen Perspektive; „daß wenn die Erscheinungen in Medjugorje zu Ende sein werden, es auf Erden nur noch einige falsche Erscheinungen geben wer­de“ (Lj., Seite 98).

Es ist klar, daß diese Prophezeiungen mit jenen von Fatima nicht übereinstim­men. Warum? In ihrem großen Geheimnis hat die Jungfrau von Fatima folgendes verlangt: „Gott will die Verehrung meines Unbefleckten Herzens in der Welt einfüh­ren“. Damit das stattfinden kann, will ER, daß der Heilige Vater die Sühneandacht zu dessen Ehre an den ersten Samstagen des Monats einführe und empfehle. ER will auch, daß er Rußland in Gemeinschaft mit allen Bischöfen der kath. Welt diesem Unbefleckten Herzen weihe. Und zwar in einem feierlichen und öffentlichen Weihe- und Sühneakt. Von dieser Bitte weiß Medjugorje nichts.

Das Geheimnis von Fatima enthielt die Drohung, daß wenn man die Bitten Unse­rer lieben Frau nicht erfülle, das kommuni­stische Rußland die Geißel sein werde, mit der Gott die Welt und die Kirche bestrafen wird. Die Erscheinung von Medjugorje weiß nichts davon. Sie berichtet nichts von den Irrümern des bolschewistischen Rußlands, nichts von den Kriegen, die deswegen in aller Welt stattfinden werden, nichts von der Verfolgung der Kirche durch den Kommunismus. Nein! Im Okt. 81 hat sie gesagt, „daß das russische Volk es sei, das Gott am meisten verherrlichen wird‘. Diese Prophezeiung war von keinem Vor­behalt – auch nicht dem verborgensten ­bezüglich des atheistischen Kommunis­mus begleitet. Im Gegenteil, gleichzeitig hat sie den Atheismus des … Westens erwähnt: „Der Westen hat es im Prozeß der Zivilisation sehr weit gebracht, aber er führt sich auf, wie wenn er alles aus sich selbst und ohne Gott erschaffen hätte“ (S.K., Seite 60). Das sind verwirrende Feststellungen, die auch durch die zwie­spältige Haltung der kommunistischen jugoslawischen Regierung den Ereignis­sen gegenüber, nicht erklärt werden.

Zweifellos prophezeit das letzte Geheim­nis von Fatima die schreckliche Krise – in der HI. Schrift als wirklicher Glaubensabfall angekündigt – die die Kirche seit 1960 erschüttert. Von diesem Glaubensabfall weiß Medjugorje nichts, sondern etabliert sich im Gegenteil ganz in die konziliare und nachkonziliare Bewegung, die den kath. Glauben zerstört, indem sie die Gleichheit aller Religionen predigt.

Endlich sei auch der offensichtlichste Gegensatz erwähnt. Medjugorje weiß nichts von der großen Hoffnung von Fatima. Denn das große und greifbare Wunder, das seit 1917 versprochen wurde, wird die Bekeh­rung des kommunistischen und schismati­schen Rußlands zum kath. Glauben und zur römischen Einheit sein, dem die ganze Welt folgen wird. „Der Heilige Vater wird mir Rußland weihen, das sich bekehren wird“. Es kann noch dauern, aber er wird es tun, und das Wunder wird geschehen, und der Triumph der Heiligen Herzen Jesu und Mariä wird Wirklichkeit werden: „Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphie­ren“. Diese große Hoffnung hat uns Gott am Anfang dieses gottlosen Jahrhunderts als unauslöschbare Quelle des Trostes, der Geduld und des Mutes für diese zwei­fellos dunkelste Zeit der Kirchengeschichte geben wollen. Dieses große Licht, das unsere Nacht schon erhellt, ist in Medjugor­je verloschen. Es verschwindet und erstickt in einem Schwall von leeren Prophezeiun­gen ohne Sinn.

Kurz gesagt, bezüglich der Bitten des Himmels, der angekündigten Strafgerich­te, sowie des versprochenen Wunders ist der Gegensatz zwischen den zwei Bot­schaften total. Demgegenüber ist festzu­stellen, daß das Schema von Medjugorje mit demjenigen von Garabandal über­einstimmt: Warnung, großes Wunder, Straf­gerichte. In unseren Augen ist das kein Zeichen für die Echtheit. Weit entfernt davon! (siehe z.B. „Mémoires d’un curé de campagne espagnol“, die Seiten 92/93 und 97-100 über die „simulierten Ekstasen“ der Seher. Zusammen mit dem „Tagebuch von Conchita“ sind sie für sich allein ausschlag­gebend). Zwischen den Prophezeiungen der Mirjana und jenen der Conchita geht die Ähnlichkeit manchmal bis ins letzte Detail hinunter. Das gleiche Schema war schon bei den Erscheinungen der illuminierten Schismatiker von Palmar de Troya festzu­stellen. Die Ähnlichkeiten mit anderen zweifelhaften zeitgenössischen Erschei­nungen, die entweder suspekt sind oder bereits von der zuständigen Hierarchie als falsch erklärt wurden, sind in Medjugorje zahlreich. Wir werden uns damit nicht auf­halten. Klar ist aber, daß alle im Haupteffekt dahingehen, Fatima abzuwerten und in Vergessenheit zu bringen. Fatima, dessen Botschaft nach wie vor aktuell – und für die Kirche und die Welt dringender als je ist.

EINE KARIKATUR DES DRITTEN GEHEIMNISSES

„Außer dieser wichtigen Botschaft, schreibt Pater Vlasic an den Papst, be­hauptet Mirjana anno 1982 eine Erschei­nung gehabt zu haben, die unserer Mei­nung nach die Geschichte der Kirche be­leuchtet. Sie erzählt von einer Erschei­nung, wo Satan als Jungfrau verkleidet erschienen ist.“ Pater Vlasic gibt hier eine Zusammenfassung von der turbulenten Erscheinung des Dämons, von welcher wir schon berichtet haben.

„Dieses Jahrhundert ist unter der Macht des Dämons“

Als Satan wieder verschwand, „wandte sich die Jungfrau wieder der Seherin zu: ‚Entschuldige mich (sic) für das, aber du mußt wissen, daß Satan existiert. Eines Tages präsentierte er sich vor dem Thron Gottes, um die Erlaubnis zu erlangen, die Kirche während einer Periode prüfen zu dürfen. Gott erlaubte ihm, sie während eines Jahrhunderts zu prüfen. Dieses Jahrhundert ist unter der Macht des Dä­mons. Wenn sich aber alle Geheimnisse, die euch anvertraut wurden, erfüllt haben werden, wird seine Macht zerstört werden‘ “ (L., Seite 160; R.F., Seite 66).

Das ist ein eindrücklicher Text. Drückt die Botschaft von Medjugorje hier nicht eine dramatische Wahrheit aus, die schon den klarsehendsten Söhnen der Kirche zutreffend schien? So sagte Pater Maximi­lian Kolbe: „Die modernen Zeiten sind von Dämonen dominiert und werden es in Zukunft noch mehr sein“. Ja, dieses Jahr­hundert scheint tatsächlich unter dem Dämon zu stehen. Noch nie wurde die Kirche durch die satanischen Kräfte – die es erreicht haben, bis in ihr Inneres vorzu­stoßen – so hart geprüft. Im Gefolge von Pater Alonso, dem offiziellen Experten von Fatima, haben wir gute Gründe anzuneh­men, daß sich das dritte Geheimnis genau mit dieser Infiltration zur Anstiftung der Apostasie im Innern der Kirche selbst be­faßt.

Dazu brauchen wir nur den Bericht der Vision von Mirjana aufmerksam zu lesen. Die Herrschaft Satans ist dort ausdrücklich bestätigt. Aber das dient gleichzeitig zur Ablenkung der Aufmerksamkeit von den zwei größten Übeln, unter denen die Kir­che und die Welt leidet und die in Fatima genannt wurden: der Kommunismus und die große Gefahr des Glaubensabfalls.

„Schon jetzt beginnt der Dämon seine Macht zu verlieren (!?), soll die Jungfrau erklärt haben, er ist agressiv geworden; er zerstört die Ehen, bringt Spaltungen unter die Priester, erzeugt Besessenheit und Mor­de“ (L., Seite 160). Ist das alles? Es ist alles. Laut dem Gespräch Mirjanas mit Pater Vlasic ist das Ablenkungsamöver noch grobschlächtiger: „Durch was ist der Teufel besonders aktiv in unseren Tagen? Hat dir die Jungfrau gesagt, durch wen und durch was er sich am meisten manifestiert?“ fragt er. Die Frage ist von größtem Interesse und die Antwort grotesk: „Vor allem durch jene, die keinen ausgewoge­nen Charakter haben, durch Personen, die innerlich gespalten und abgelenkt sind (sic)“ (R.F., Seite 68).

Das Werk des Teufels? Das ist eben die Spaltung, der Mangel des guten Einver­ständnisses unter den Leuten: „Man kann es sehen (die Herrschaft des Teufels), weil die Leute sich nicht mehr vertragen, nie­mand kann mit niemandem mehr leben; die Leute sind mehr oder weniger verloren. Es gibt Scheidungen, Kinder, die verloren gehen“. Die Jungfrau von Medjugorje gibt überraschende Präzisierungen: „Es ist wie wenn der Dämon seit etwa zehn Jahren regieren würde (sic). Vorher war es milder, aber jetzt ist es schrecklich … Die Leute vertragen einander nicht mehr … Wirklich, jeder hat etwas gegen einen andern, redet Schlechtes über andere.“ Und vor allem das nach Medjugorje größte Übel: „Die Katholiken trennen sich von den Orthodo­xen und den Muselmanen zu sehr ab. Das ist nicht gut … vor allem in den Dörfern der Mangel an Einheit zwischen den Religio­nen“ (R.F., Seite 67/68). Da sind wir wie­der!

Die Jungfrau hat der Mirjana ebenfalls die Aktion des Dämons in einem Nonnen­kloster geoffenbart, wo mehrere Schwe­stern besessen seien. Wir können hier dieses verdrehte Gewirr nicht publizieren (R.F., Seite 66). Die Jungfrau berichtet noch vom Mangel an Glauben: „Sie hat gesagt, berichtet Mirjana, daß der Glaube in Deutschland, in der Schweiz und in Österreich fast erloschen sei“ (R.F., Seite 75).

Und dann agiere der Dämon schlußend­lich vor allem durch die falschen Prophe­ten. Jawohl, die Jungfrau von Medjugorje ist sehr streng gegen sie. Pater Tomislav fragt: „Hast du die Fragen über andere Erscheinungen in der Welt gestellt? Die Erscheinungen Unserer lieben Frau an anderen Orten der Welt?“ Man erwartet, daß Mirjana die Schwester Luzia von Fati­ma erwähnen würde. Vor allem deshalb, weil Pater Tomislav sie gerade gefragt hatte, ob die Geheimnisse von Medjugorje „schon anderen Personen vergangener Generationen, anderen Sehern vielleicht, geoffenbart wurden. Mirjana soll es abge­lehnt haben zu antworten. Aber trotzdem hackt sie gerade hier ein: „Die Jungfrau hat gesagt, daß es in Deutschland einen Mann gab, der immer sagte: ‚Bekehrt euch, so­lange es noch Zeit ist! Er steigt in Autobus­se und Züge ein und versetzt alle in Panik. Sie sagt, daß es in unserer Zeit viele fal­sche Propheten gebe. Viele Leute lügen und behaupten, SIE selbst oder Jesus gesehen zu haben. Das ist eine schwere Sünde und man muß viel beten für diese Leute da. SIE selbst und ich haben zwei Wochen lang ausschließlich für die fal­schen Propheten gebetet (sic!). Sie sehen nicht ein, daß es eine schwere Sünde ist, wenn man lügt und behauptet, daß man jemand vom Himmel gesehen habe“(R.F., Seite 81).

Die Jungfrau und Mirjana zwei Wochen lang ausschließlich für die falschen Pro­pheten im Gebet vereint; soll das der über­zeugende Beweis dafür sein, daß die Er­scheinungen in Medjugorje echt oder die einzig echten seien? Das ist grotesk! Man muß wirklich kein großer Kleriker sein, um hier den Betrug zu wittern. Auch nicht, um zu merken, daß es sich bei diesen konfu­sen Erörterungen der Herrschaft Satans im 20. Jahrhundert um eine plumpe Falle Satans selbst handelt.

Leo XIII. und Medjugorje

Es bleibt uns trotz allem noch die be­rühmte Vision von Leo XIII., mit welcher die Berichte von Medjugorje eigenartigerwei­se übereinstimmen. „Gemäß gewissen kath. Experten, die diese Erscheinungen studiert haben, erklärt Pater Vlasic an Joh.­Paul II., würde die Botschaft von Mirjana die Vision aufklären, die Papst Leo XIII. gehabt hat. Demnach soll Leo XIII. das Gebet zum hl. Erzengel Michael — das die Priester bis zum Konzil immer nach der hl. Messe beteten — eingeführt haben, nach­dem er eine apokalyptische Vision über die Zukunft der Kirche gehabt habe. Diese Experten sagen, daß das Jahrhundert der Prüfungen, wie es Leo XIII. sah, bald zu Ende sei. (L., Seite 161). Dieser Text ent­hält zwei wichtige Bemerkungen.

Erstens wurde ein Bericht dieser be­rühmten „Ekstase“ von Leo XIII. — von der wir die authentischen Quellen nicht kennen — im Dez. 1981 in der Zeitschrift des Augu­stinerordens in New York publiziert. Da­nach wurde er überall durch religiöse Publikationen verbreitet und man kann annehmen, daß Mirjana diesen Text kann­te, bevor sie von ihrer eigenen „Vision“ im Jan. 1983 berichtete.

Zweitens sagt man — und Pater Vlasic erwähnt es in seinem Brief — daß Leo XIII. unmittelbar nach dieser Vision das Gebet zum hl. Erzengel Michael nach der hl. Messe vorgeschrieben habe. Wann hat also diese Ekstase stattgefunden? Wenn man der erwähnten amerikanischen Zeitschrift glau­ben will, die Pater Faricy zitiert (S. 108), dann war das am 13. Oktober 1884. Dieses Datum ist gut gewählt. Ein 13. Okt. erinnert an Fatima und 1884 ist das Jahr, das sich besonders eignet, um die Neugierde der Leute zu wecken. Leider sitmmt es nicht. Leo XIII. hat das Gebet 1886 vorgeschrie­ben und wenn mehrere Publikationen 1884 angegeben haben, ist es eben falsch. Zudem erwähnt J.A. Jungmann in seinem „Missarum Sollemnia, explication généti­que de la messe romaine“ eine Studie von Bers, der seit 1934 sich „gegen eine Le­gende wehrt, die sich um den Ursprung dieser Anrufung des hl. Michael rankt“ (t. III, Seite 396, Aubier 1953). Bis wir weitere Informationen finden, nehmen wir an, daß diese berühmte „Ekstase“ Leos XIII. kein seriöses historisches Fundament hat. Zu­dem konnte diese Szene leicht erfunden werden, indem man das Buch Job als Vorlage genommen hätte.

Der demaskierte Satan

Was die Botschaft Mirjanas betrifft, die sich ihrerseits offensichtlich an der angeb­lichen Vision Leos XIII. inspiriert, ist sie weit davon entfernt, Licht auf die Geschichte der Kirche zu werfen, sondern sie ist von einem Ende zum andern trügerisch, indem sie die Aktionen Satans dort enthüllt, wo sie nicht sind — mindestens nicht die wichtig­sten. So wird die Aufmerksamkeit auf die einzig wichtigen Gefahren, die gegenwär­tig die Kirche bedrohen, abgelenkt. Sicher sind sie alle in den zwanzig kurzen Zeilen des dritten Geheimnisses von Fatima genannt. Es wurde von der Unbefleckten Mittlerin 1917 geoffenbart und „SIE hat von Gott allein das Versprechen erhalten, über Satan zu siegen“, um es mit den Worten des hl. Maximilian Kolbe zu sagen.

Wie steht es nun mit jener Erscheinung Mirjanas, die dieser „Botschaft“ vorausge­gangen ist? Sie ist in sich dermaßen un­heimlich, daß Laurentin es für richtig be­funden hat, eine überprüfte und korrigierte Version davon zu präsentieren. Es ist ein enormes Geständnis: „Mirjana erklärt, daß sie den Teufel vor dem Licht zu Beginn der Erscheinungen habe fliehen sehen.“ (L., Seite 46). Tatsächlich ist das etwas, was man erwarten würde. Nur ist die Realität ganz anders! Anstelle von diesem „göttli­chen Licht“ zu fliehen, „ist der als Jungfrau verkleidete Teufel selbst erschienen“ (Téqui, Seite 12). Diese Erscheinung sei so niederschmetternd gewesen, daß Mir­jana das Bewußtsein verlor, wie sie selbst erzählt (R.F., Seite 69). Das hat sie ja auch ganz am Anfang bei den ersten Erschei­nungen der „Jungfrau“ auf dem Hügel. Sonderbar, oder nicht? „Der Teufel mit den Zügen Mariens maskiert“: Im Verlauf die­ser unwahrscheinlichen „Erscheinung“ Mirjanas hat sich der Hauptdarsteller der Ereignisse von Medjugorje unklugerweise selbst demaskiert.

Wir könnten hier die Darstellung der Tatsachen abschließen, aber die Lektüre einiger Zeilen des offiziellen Experten der jugosl. Erscheinungen verpflichtet uns, sie zu vervollständigen.

FRAGEN ÜBER FATIMA UND MEDJUGORJE

Tatsächlich, im Moment wo Abbé Lau­rentin seine Autorität als Historiker, als Theologe und Experte marianischer Erscheinungen ins Spiel bringt, kompromit­tiert er sich gleichzeitig. Durch beredtes Schweigen (wie in seinem letzten Artikel im „Figaro“) oder durch perfide Anspielungen (L., Seite 122), will er uns weismachen, daß sein Verschweigen im Geheimnis von Fatima seinen Grund habe. Indem er die verschiedenen zeitgenössischen Mariener­scheinungen in Revue passieren läßt, schreibt er in Bezug auf Fatima: „Die Lite­ratur ist unermeßlich. Aber man wartet immer noch auf das wissenschaftliche Werk, um auf die tausend Fragen zu ant­worten, die jene Ereignisse aufwerfen …“ („Les routes de Dieu“, Seite 102 O.E.I.L. Nov. 83). Perfider kann man die Botschaft von Fatima nicht diskreditieren. Denn — in seiner gegen Fatima gerichteten Einstel­lung — lügt unser Experte in dieser Sache ganz unverschämt. Soll er doch seine tau­send Fragen über Fatima publizieren! Wir würden dann sehen, daß es sich immer noch um die 1944 von P. Dhanis formulier­ten Einwände handelt, die von der progres­sistischen Clique unendlich wiedergekäuft werden, obwohl sie schon seit langem widerlegt sind und das erst kürzlich wieder, in unseren zwei Ausgaben „Die ganze Wahrheit über Fatima“ (Toute la verité sur Fatima). In Medjugorje allerdings warten noch viele Fragen auf Antwort. Unter hun­dert legen wir deren zwei unserem Exper­ten zur Prüfung vor.

Zwei Rosenkränze vom Himmel

Ungefähr zwei Monate vor Beginn der Erscheinungen wollten Vicka und ihre Schwestern mit Traktor und Anhänger Kleinholz sammeln gehen. Es war 5 Uhr morgens. Da fanden sie in der Werk­zeugkiste zwei Rosenkränze alter Machart, von unterschiedlicher Form und Größe. Das Kreuz des einen war beinahe 10 cm lang und war mit vierzehn Kreuzweg-Sta­tionen versehen. Niemand wußte, wie die­se Rosenkränze an diesen Ort gekommen sind. Später, während einer Erscheinung bat Vicka die Jungfrau um eine Erklärung. Diese sagte, daß die Rosenkränze ihr Geschenk seien, um sie zum Gebet einzuladen. Sie befinden sich jetzt im Hause Vickas (Lj., Seite 73). Unser Experte hat sich wohlweislich gehütet, diese Begeben­heit zu erwähnen. Wenn sie nicht vor eini­gen Jahrhunderten (alte Machart) wunder­barerweise in den Werkstätten des Him­mels fabriziert wurden, gibt es nur drei Lösungen: 1. Vicka lügt, 2. Jemand dachte schon zwei Monate vorher an die Erscheinungen, 3. Es sei denn, der Teufel selbst … Wir warten auf die Antwort unseres Exper­ten.

Programmierte Erscheinungen

Hatte Abbé Laurentin schon vor den Erscheinungen Kenntnis davon? Überflüs­sige Frage? Nein, denn mehrere seiner charismatischen Mitbrüder waren myste­riöserweise unterrichtet: „Ein deutscher Priester, Dr. Heribert Mühlen, Professor für Dogmatik an der theologischen Fakultät Paderborn — er ist der Verantwortliche der charismatischen Bewegung in Deutschland — hielt vor einigen Jahren in Zagreb einen Vortrag. Im Verlauf seiner Ausfüh­rungen sagte er den Priestern und den anderen Personen, die seine Zuhörerschaft bildeten: ‚Gott bereitet in eurem Land gro­ße Dinge vor, und sie werden einen großen Einfluß auf das Schicksal ganz Europas haben“ (Lj., Seite 102).

In Italien hat ein angeblich stigmatisierter Priester vor mehreren Jahren einer Grup­pe Pilgern aus der Umgebung Medjugorjes folgendes angekündigt: „Die Heilige Jung­frau wird bald euer Vaterland besuchen“ (Lj., Seite 73). Endlich prophezeite im Mai 1981 im Rom Pater Tardif — eine der inter­national hervorragendsten Persönlichkei­ten der charismatischen Erneuerungsbe­wegung — dem Pater Tomislav Vlasic: „Habt keine Angst, ich werde euch meine Mutter schicken“ (Lj., Seite 73). Wenn es erlaubt ist, an der göttlichen Herkunft dieser cha­rismatischen Prophezeiung zu zweifeln, stellt sich die Frage nach dem Chef des Orchesters …

Ein unbekannter Priester

Um zu beweisen, daß die Seher von Medjugorje nicht unter dem Einfluß von Klerikern standen, versichert man uns, „daß keiner der Priester der Pfarrei sie kannte“. Aber wie denn? Sollten sie nie am Reli­gionsunterricht teilgenommen haben? Haben sie nie gebeichtet? Waren sie nie in einer Messe? Man belügt uns. Die Antwor­ten an Pater Rubcic lassen annehmen, daß vor Juni 1981 sie alle mittelmäßige, oberflächliche und Gelegenheits-Christen waren. Aber nicht ohne Kontakte zu dem oder jenem Priester. Ohne darauf zu ach­ten, bestätigt Pater Ljubic, daß „die Seher in jenem Jahr von einem anderen Priester unterrichtet worden sind“ (Seite 28). War­um nennt er ihn nicht beim Namen? Warum verbergen uns Laurentin und die anderen Apologeten von Medjugorje diese Tatsa­che? Warum täuscht uns Laurentin über die unmittelbare Rolle Pater Vlasics bei den Sehern? (L., Seite 53/54) Eine Unter­suchung über diesen Punkt ist unerläßlich, wenn wir den Chef des Orchesters finden wollen.

Theologische Schwierigkeiten

Jetzt wenden wir uns an den Theologen des II. Vatikanums. Wir erwarten seine klaren und präzisen Kommentare über diverse Episoden der Ereignisse von Medjugorje. Unter anderem: Die wegen der Berührung durch Sünder geschwärzte Jungfrau. Das ekstatische verrückte La­chen der Seher. Der Kuß an Joh.-Paul II. Das Beten der Jungfrau des ganzen Pater­nosters. Tatsächlich schreibt Laurentin: „Die Jungfrau betet nicht Gegrüßt seist du Ma­ria, präzisieren die Seher, aber wir beten mit ihr das Ehre sei und das Credo“ (L., Seite 42). Warum kommt unser Experte nicht auf das Paternoster zu sprechen? Hat er Schwierigkeiten, für diese Anomalie eine Erklärung zu finden?

Medjugorje und die Kommunisten

Endlich wenden wir uns an den offiziel­len Gesandten des Vatikans in Moskau und unterbreiten ihm einige Rätsel über die Haltung der jugosl. Regierung gegenüber den Erscheinungen.

Von überallher informiert man uns, daß die kommunistischen Autoritäten — wie sich das gehört — den Wallfahrten gegenüber, die sich in Herzegowina entwickeln, feind­lich eingestellt seien. Aber was stellen wir fest? Eine lärmvolle Verfolgung gewiß, oft sehr mühselig für die eine oder andere Person — wir denken an die eingesperrten Franziskaner — aber komischerweise von Tag zu Tag wirkungsloser seit bald drei Jahren. Von seiten einer kommunistischen Regierung ist das überraschend.

Die erste sonderbare Feststellung: Es war die kommunistische Polizei, die sich um die „medizinische Untersuchung“ der Erscheinungen kümmerte; mit dem Resul­tat, daß man alle Seher als psychisch für normal erklärte. Sie wurden am 27. Juni durch Dr. Ante Vujevic untersucht, der sie für normal erklärte (S.K., Seite 28). Auch die zweite Untersuchung am 29.6. durch Dr. Dzudza verlief ebenfalls zu ihren Gun­sten (S.K., Seite 35). Beidemale war die Polizei sehr zuvorkommend und sorgte dafür, daß sie zeitig am Abend wieder den Erscheinungen beiwohnen konnten. „Sei­en wir keine Sektierer, schreibt Laurentin, und anerkennen wir, daß die atheistische Regierung bereit war, die Objektivität der Diagnose, die von verschiedenen Exper­ten erstellt wurde, zu akzeptieren“ (L., Seite 146/152). Seien wir keine Naivlinge, son­dern seien wir ehrlich. Sind aus den Marxi­sten Chorknaben geworden? Einmal könn­ten wir es noch hinnehmen. Aber zweimal dasselbe in einem Land, wo ein Kardinal Stepinac sechzehn Jahre lang eingesperrt war; nach einem Prozeß, wo er ganz ver­stört, wie mit Drogen behandelt aussah!

Es kommt noch besser. Ende Nov. 1982 kam der Neuropsychiater und Parapsy­chologe Dr. Ludvik Stopar „nach Medjugor­je, er wurde vom ‚Weltzentrum für Parap­sychologie in Londen‘ dorthin geschickt. Er hypnotisierte die Seher Marija und Jakov um die Glaubwürdigkeit ihrer Berichte zu überprüfen. Er bestätigte nachher, daß die Kinder die Wahrheit sagten. Er verfaßte einen Rapport, dessen Resultat in allen Punkten positiv war“ (Lj., Seite 119). „Sei­ne Meinung stimmte mit jenen Medizinern überein, die von der Polizei beauftragt wur­den“, notiert Laurentin (Seite 152). Unser „theistischer Parapsychologe“ kam sogar zweimal ohne Paßschwierigkeiten nach Medjugorje. Im Dez. 82 publizierte er eine Berichterstattung, worin er „die absolute Aufrichtigkeit der Seher bestätigt“ und wo er sagt — halten Sie sich fest — „daß eine kanonische Untersuchung wünschbar sei, damit die ‚theistische, parapschologische und transzendente Herkunft‘ dieser Erschei­nungen wirksamer festgehalten werde, die seiner Meinung nach außerhalb ‚mensch­licher Manipulationen‘ lägen“(L., Seite 182) Eigenartig, eigenartig! Dieser Diensteifer seitens dieses mysteriösen „Parapsycho­logischen Zentrums“! Der Gipfel ist, daß man noch eine kanonische Untersuchung verlangt! Welches Interesse könnte dieser „Theist“ denn daran haben, daß die kath. Kirche die Erscheinungen von Medjugorje offiziell anerkenne? Wie sonderbar!

Ein anderes Rätsel. Mehrere Franziska­ner wurden eingesperrt. Es sei uns erlaubt, über die Ungeschicktheit der jugosl. Polizei uns zu wundern. Es hätte doch genügt, die Seher unter irgend einem Vorwand einzu­sperren oder noch besser, sie in eine psychiatrische Klinik zu stecken und alles wäre zum Stehen gekommen. Aber die Regie­rung tat das Gegenteil. Hätte sie sich ent­schlossen gehabt, die Wallfahrten abzu­stellen, so wäre ihre Haltung unverständ­lich.

Wenn auch Pater Zovko verhaftet wur­de, konnte Pater Tomislav Vlasic der ihm auf dem Fuß folgte, seit Aug. 81 ungehin­dert an seinem Platz bleiben; obwohl er fähig war, die Seher zu führen und die Wallfahrten zu leiten. Auch seine charis­matischen Mitbrüder (Franziskaner) konn­ten an Ort bleiben. Den Patres Rupcic und Kraljevic wurde zwar der Reisepaß verwei­gert; so waren sie gezwungen, in Medju­gorje zu bleiben und konnten die zwei ersten Schriften über die Erscheinungen verfassen.

Aber die Verfolgung sei schwer, erklärt Laurentin. „Mehr als einem Pilger wurde die Schrift von Pater Rubcic abgenommen und in der Pfarrei ist sie nicht im Verkauf. Der Mut von Pater Rubcic hat ihn nicht vor Unannehmlichkeiten bewahrt“ (L., Seite 77). Pater Ljubic gibt aber ganz unbefangen zu, „daß das Buch legal in einer staatlichen Druckerei gedruckt wurde“, in Sambar nahe bei Zagreb. Der Autor der für die Herausga­be verantwortlich zeichnete, mußte 55% der Kosten an Taxen bezahlen. Es kommt auch häufig vor, daß der Postversand nicht immer beim Empfänger ankommt, vor al­lem, wenn es sich um mehrere Exemplare handelt.“ Trotzdem gehen die Geschäfte gut, denn „dieses Werk hat schon mehrere Auflagen erfahren“ (Lj., Seite 122).

Abbé Laurentin seinerseits erhielt sei­nen Reisepaß ohne Schwierigkeit, um an Weihnachten nach Medjugorje zu reisen. Die Polizei war sogar überaus zuvorkom­mend. Zurück in Frankreich veröffentlichte er sein Werk, das mehr als alles andere dazu verhalf, die Wallfahrten in Gang zu bringen: 3000 Expl. wurden innert drei Tagen verkauft, 50’000 in einem Monat. In dieser Zeit publizierte die kath. jugosl. Zeitung mehrere Artikel über seine Arbeit und illustrierte sie auch mit seiner Fotographie. Am 25. März befand sich unser inter­nationale Experte wieder in Medjugorje und „L’Homme Nouveau“ wagt laut einer Feststellung von Christian Ravaz schwarz auf weiß zu schreiben: „Diese Erscheinun­gen sind ein starker Stachel im Fuß der jugoslawischen Regierung“ (1. April).

Jedenfalls ist der Zugang zum Erschei­nungshügel seit dem 24. Juni 1983 unbe­hindert (Lj., Seite 128). Die Wallfahrten sind erlaubt, und scharenweise kommen schon die Ausländer.

Kurz, von einer schweren Verfolgung seitens der marxistischen Regierung zu re­den, ist eine Lüge. Wenigstens scheinen sich die Kommunisten diesen neuartigen Erscheinungen anzupassen.4) Eines ist sicher: Hätten sie den Erfolg gewünscht, hätten sie nicht besser handeln können. Man hätte in dem Fall auch diese geschick­te Politik einer Halb-Opposition angewen­det. Mit lästigen Maßnahmen und mit lärm­voller Verfolgung erreicht man die Glaub­würdigkeit der Ereignisse — weil die Kommunisten dagegen sind, muß es wahr sein — wobei eine allzu vordergründige Tole­ranz sofort das Mißtrauen hervorgerufen — und zum gleichen Resultat geführt hätte wie ein totales Verbot, mit dem alles verhin­dert worden wäre. Hingegen trägt die dis­krete aber wirkliche Freiheit für die Franzis­kaner, für die Pilger, für die Fremden und für die Presse zur Entwicklung der Wall­fahrten bei und dient gleichzeitg der Propa­ganda des Regimes: Schlußendlich — werden sich die Hunderttausende von Neugierigen sagen, die an jenem Sommer nach Herzegowina strömten — muß das kommunistische Regime nicht immer ein Gulag sein; es gibt auch einen offenen und toleranten Sozialismus, der ein huma­nes Gesicht hat. Schon entwickelt Lauren­tin den Slogan: „Jugoslawien ist nicht Alba­nien“ (Seite 17). Der Kommunismus jugo­slawischer — oder bald auch französischer Art, ist nicht mehr so zu fürchten.

Für die kommunistische Propaganda ist es so nur gewinnbringend … und wird es morgen noch sein, falls der Schwindel plötzlich auffliegen und der ganzen Welt bekannt würde … etwa durch die Publika­tion unwiderlegbarer Dokumente. Zum Beispiel die Ergebnisse der Befragungen der ersten Wochen, die von Pfarrer Zovko niedergeschrieben und von der kommuni­stischen Polizei konfisziert wurden und geheim gehalten (warum denn?) werden (L., Seite 96). In einem kommunistischen Land ist alles zu befürchten und man kann nie vorsichtig genug sein.

DIE GRÜNDE DES ERFOLGES

Von Tag zu Tag stellt sich die Frage immer dringender: Wie ist es möglich, daß die Ereignisse von Medjugorje — obwohl sie so verworren, so unheimlich, so extra­vagant und suspekt sind — einen so einmü­tigen Enthusiasmus hervorrufen?

Die im Verlauf unserer Darstellung auf­geführten Tatsachen zeigen doch, daß die Annahme einer diabolischen Intervention alles andere als ein Hirngespinnst ist. „Aber die Früchte sind gut“, wenden alle Verteidi­ger von Medjugorje ein; allerdings ist das ihr einziges Argument (L., Seite 147/153; R.F., Seite 58; S.K., Seite 65). Einerseits ist dessen Güte nicht so überzeugend und anderseits ist folgendes zu bedenken: Falls eine Falle des Teufels vorliegt, ist gerade eine erfolgreiche Entwicklung einer unge­heuren Wallfahrtsbewegung am meisten zu fürchten, vor allem dann, wenn sie auch noch von der Kirche anerkannt würde. Der Böse und seine Helfershelfer brauchen dann den Betrug nur zu gegebener Zeit auffliegen zu lassen. Bei dieser Hypothese wären die Millionen Wallfahrer, die Beich­ten, die gebeteten Rosenkränze und die Kommunionen für den Erfolg des Planes sogar notwendig. Erinnern wir uns hier an die Maxime, die die selige Acarie formuliert hat: „Der Dämon versteht es ein wenig zu verlieren, um viel zu gewinnen.“

Man muß sich also an den Tatsachen selbst orientieren. In dem Maß, wo ihr verworrener, skandalöser und ungewöhn­licher Charakter es vernünftigerweise ver­bietet anzunehmen, daß es sich da um eine echte Manifestation der Allerseligsten Jungfrau Maria handelt, bleiben nur noch die anderen Hypothesen möglich: Lüge, Verstellung, Hysterie. Sollten einige Fak­ten außerhalb menschlicher Fähigkeiten liegen, so darf man die Intervention des Dämons — sei es durch Infestation der Besessenheit — nicht ausschließen. Je­denfalls ist sie möglich und auch wahr­scheinlich.

Was die in den Botschaften von Medju­gorje enthaltenen Lehre betrifft, so ist sie sicher nicht von Gott. Dafür haben wir genügend Beweise erbracht. Unter dem Anschein marianischer Erscheinungen verstärkt sie noch die lebensgefährliche Bewegung des Glaubensabfalls, die die Kirche von innen aushöhlt. Es sei nur an die oekumenische Theologie erinnert, die dahin tendiert, die Privilegien der Mutter­gottes zu verwischen oder die Gleichheit der Religionen zu predigen. Oft geschieht es mit einer verderblichen List, die die intellektuelle Fähigkeitder „Seher“ um vieles übersteigt und deshalb ist mit Gewißheit die Einwirkung des Geistes der Finsternis und der Lüge anzunehmen.

Wie soll man also die allgemeine Schwär­merei für diese so unheimlichen Erschei­nungen erklären? Dazu muß man mehrere Antworten geben, denn in Medjugorje fin­det man eine Synthese nicht zusammen­gehörender Elemente, die dazu geeignet sind, ein breites Publikum zu verführen. Jeder glaubt dort genau das zu finden, was er sucht.

Das traditionelle Äußere

Der Erfolg von Medjugorje hat auf den ersten Blick den Anschein eines Gegen­schlags zu dem skandalösen nachkonzi­liaren Glaubensabfall. Jawohl, eigenarti­gerweise rennen die Leute in Massen nach Medjugorje oder stürzen sich auf die Schrif­ten, die davon handeln; weil sie des doktri­nären Modernismus und des sozialo-kom­munistischen Progressismus so vieler ih­rer Bischöfe und Priester überdrüssig sind. Sie sind es müde, den Despotismus ihrer Kleriker zu ertragen, die ihnen eine Liturgie auferlegen, die weder Seele noch Schön­heit hat, und die sich darum bemühen, die letzten Gruppen traditioneller Frömmigkeit: dritte Orden, Legionen Mariens usw. zum Verschwinden zu bringen. Angewidert von ihren Hirten, die mehr damit beschäftigt sind, den Sozialismus zu fördern als die dürstenden Seelen mit der wahren katholi­schen Lehre und dem übernatürlichen Leben zu ernähren, wenden sich die Gläu­bigen der nachkonziliaren Kirche vertrau­ensvoll dorthin, wo sie noch Zeichen einer glühenden Frömmigkeit finden und wohin zu gehen die Hierarchie ihnen sonderba­rerweise erlaubt, ja sogar empfiehlt.

Der Reiz des authentischen Katholizismus

In Medjugorje gibt es folgendes: Tägli­che Erscheinungen der Jungfrau Maria; das Pfarreileben mit täglicher Abendmes­se. „Die Messe, lehrt die Erscheinung, ist das größte Gebet Gottes und ihr werdet dessen Größe nie begreifen“ (S.K., Seite 86).     Das Sakrament der Buße wird dort ordentlich praktiziert, denn die Leute drän­gen zu den Beichtstühlen. Seit Aug. 82 ladet die Jungfrau zur monatlichen Beichte ein, sagen die Seher (L., Seite 99). Sie empfiehlt auch den Rosenkranz (S.K., Seite 87).     Seit 1983 spricht sie vom Heiligsten Herzen Jesu und vom Unbefleckten Herz­en Mariens: „Alle Familien sollen sich je­den Tag dem Heiligsten Herzen Jesu wei­hen, verlangt sie. Ich wäre sehr glücklich, wenn sich die ganze Familie am Morgen eine halbe Stunde vereinigen würde, um zu beten“. „Weiht euch dem Unbefleckten Herzen Mariens“ (L., Seite 101). Späte und seltene Erwähnung, aber immerhin Erwäh­nung.

Kurz, in Medjugorje fehlt nichts. Nicht einmal das Ordenskleid der Franziskaner und der Schwestern der Gemeinde. In gewissen Punkten scheint die Erscheinung sogar gegen den Modernismus und den herrschenden Progressismus zu sein. Sie spricht von den Engeln und auch vom Dämon und seinen Aktionen in der Welt. Um gegen seinen Einfluß zu kämpfen „hat sie gesagt, daß man in der Familie zusam­men beten müssen … man soll einen geweihten Gegenstand im Haus haben und das Haus soll regelmäßig gesegnet werden“ (R.F., Seite 68). „Tragt geweihte Zeichen. Legt davon in eure Häuser. Kommt wieder zum Gebrauch des Weihwassers zurück“ (L., Seite 160). Sie warnt vor dem „Sich-gehen-lassen“ des modernen Lebens: „Vor allem, meidet Fernsehprogramme5), sie sind eine große Gefahr für eure Familien. Nachdem ihr gesehen habt, könnt ihr nicht mehr beten. Vermeidet auch den Alkohol, die Zigaretten, die verschiedenen Vergnügungen“ (Tequi, Seite 16).

Soviele gute und weise Ratschläge von ganz katholischem Geist machen Schule und kommen natürlich besser an, als „Pop-Liturgien“ und „Gewerkschaftspredigten“. Wer immer alle annehmbaren Elemente dieser von falschen Sehern übertragenen „Botschaften“ herausliest und meint man könne damit eine Abhandlung katholischer Spiritualität verfassen, bleibt nicht unbe­eindruckt. Zu Unrecht, denn in Medjugorje ist dieser traditionelle Katholizismus — der vielleicht von der Mehrheit der Pilger auch gelebt und von den interessierten Lesern geschätzt wird — nur eine betrügerische Fassade in der generellen Ökonomie der Erscheinungen und der Botschaften. Die gut unterrichteten Leute sehen darin etwas anderes.

DIE ERLEICHTERUNGEN IN DER KONZILIAREN RELIGION

Medjugorje ist auch Verführung zur neuen Religion der humanistischen Spiritualität, der individuellen Freiheit und der Entfal­tung der Person. Die Erscheinung sagt den Sehern: „Ihr müßt ein Zeichen sein“ (L., Seite 97). Na also! Ihr ganzes spirituelles Leben entwickelt sich in diesem Milieu der „konziliaren Erneuerungsbewegung“ und wirbt zu ihren Gunsten. „Was bei den Sehern auffällt, schreibt Laurentin, ist ihre gesunde Freude; Zeichen der Gesundheit, die man bei all jenen findet, die sich in ‚ihrer Haut wohl fühlen‘, wie man heute sagen würde. Das Gebet, das strenge Fasten, das sie üben, trägt zu ihrer körperlichen und seeli­schen Gesundheit bei. Wenn auch die Botschaft ernst und manchmal schwerwie­gend ist, so ist sie doch nicht trauererfüllt“ (L., Seite 146).

Selbst die Aszese zielt auf die möglichst vollkommene Selbstentfaltung hin. Das Beispiel des Fastens ist bezeichnend. Die Jungfrau von Medjugorje ist sehr anspruchsvoll: „Man muß Buße tun und alle Freitage nur trockenes Brot essen und nur Wasser trinken“ (L., Seite 68). „Fastet zweimal pro Woche“(L., Seite 101). Wich­tig ist aber, daß man den neuen Geist dieser strengen Aszese beachtet. Tatsäch­lich hat in Medjugorje das Fasten nichts zu tun mit dem Opferbringen, das die Jung­frau von Fatima so inständig verlangt hatte, um für die Beleidigungen ihres Unbefleck­ten Herzens und für die Bekehrung der Sünder zu sühnen. Diese kleinen Öpfer­chen waren recht für die hl. Theresia vom Kinde Jesu und für die Kinder von Aljustrel! Aber in der fortgeschrittenen Spiritualität von Medjugorje ist das Fasten eine persön­liche Aszese, der man frei zustimmt und die die durch das charismatische Beten erwor­bene geistliche Entfaltung zum Ziel hat. Wir zeichnen da keine Karikatur, sondern die Definition ist exakt. Christian Ravaz erklärt, daß in Medjugorje das Fasten „keine Buße“ ist, sondern eher „das vorzügliche Element der Reinigung zur Selbstfindung, durch die Mithilfe unseres ganzen Wesens und der Gebetshingabe. Und Laurentin schreibt: „Das Fasten ist die Quelle der Gewaltlosigkeit und des Friedens“ (auf diesem Gebiet ist nicht Jesus, sondern Gandhi das Modell). „Man verstehe es gut, es ist Reinigung, Befriedung und die Inte­gration der lebendigen Kräfte“ (L., Seite 103/104). Da hätten wir’s: Das Fasten ist also nicht ein „Opfer“, nicht eine liebende Hingabe an Gott, zu seiner Ehre, zum Trost seines Herzens und für das Heil der See­len. Das Ziel dieses Fastens wie des cha­rismatischen Betens ist ganz ichbezogen. Ich faste, „weil mir das etwas bringt“; „eine Freude, eine Verfügbarkeit, eine totale Hingabe“, präzisiert Marija (L., Seite 49).

Was nicht gesagt wird, was aber durch dieses vorgezeigte Fasten in die Augen springt (Laurentin wiederholt uns gut zehn­mal, wie jedes der Seher und die Franzis­kaner genau fasten. In einem kürzlich im „Figaro“ erschienenen Artikel läßt er uns wissen, daß er sich auch daran beteiligt) ist, daß sich die Gläubigen von Medjugorje als Super-Christen vorkommen, denen sich zu widersetzen – aus welchem Grund auch immer – sehr empörend wäre: Denn sie, die zwei oder dreimal in der Woche fasten und die wenigstens drei Stunden pro Tag beten! Bald könnten unsere Charismatiker ein gewisses Gebet verrichten: „Oh Gott, ich danke dir, daß ich nicht bin wie die anderen Menschen … ich faste zweimal in der Woche!“ (Luk. 18,11). Wahr ist, daß eine schlecht verstandene Aszese leicht zur Nahrung und Stärkung der Eigenliebe und des Pharisäertums führen kann.

Nach der Selbstentfaltung ist Freiheit das andere Schlagwort der konziliaren Spiritualität. In Medjugorje gibt die Jung­frau selbst den Ton an: „Sie gibt keine Befehle, erklärt Laurentin, die Seher neh­men ihre Wünsche sehr ernst, aber sie engagieren sich nicht blind und nicht über ihre Kräfte“ (L., Seite 55). Dem Wunsch oder dem Befehl der Königin des Himmels vorbehaltlos zu gehorchen, das wäre „sich blind oder über die Kärfte engagieren“? Das soll verstehen, wer will.

„Die Jungfrau, schreibt Laurentin noch, verhält sich den Sehern gegenüber nicht als besitzheischende Mutter. Sie haben sie gefragt, was sie in Zukunft tun sollen. Die Jungfrau hat geantwortet: ‚Ich würde gern sehen, wenn ihr Priester oder Nonnen würdet, aber nur wenn ihr es wollt. Ihr seid frei, die Wahl liegt bei euch‘. Und sie erar­beiten ihre Entscheidung in aller Freiheit mit Klarheit und Liebe und nicht überstürzt!“ (Seite 136) „Sie hat uns gesagt, berichten die Seher: Das ist euere Sache; ich will niemand verpflichten; es ist an euch, zu entscheiden“ (Lj., Seite 45).

Laurentin macht sich über „die prüde Großmutter“ Mirjanas lustig (Seite 146), die kurz nach Beginn der Erscheinungen erklärte: „Wie wollt ihr, daß die Jungfrau euch erscheine, wenn ihr die Gesellschaft mit den Buben nicht meidet und wenn ihr Gefallen daran findet, mit ihnen zu schwat­zen“. Mirjana antwortete: „Die Jungfrau beabsichtigt nicht, aus uns heuchlerische Frömmler zu machen“ (Lj., Seite 44). Pater Kraljevic bemerkt dazu: „Nach dem äuße­ren Aussehen ist Mirjana ein modernes Mädchen, ähnlich denen, wie man ihnen in den Straßen unserer Städte begegnet … Die Erscheinungen ändern nicht viel an ihrem Lebensstil‘ (S.K., Seite 68).

Die Seher sind frei. „Sie kleiden sich nach wie vor wie die anderen“. Die Mäd­chen wechseln oft die Frisur. Seht zum Beispiel Ivanka: Drei Fotos je einer „Eksta­se“, drei verschiedene Frisuren (R.F., Sei­te 24). „Ihr Verhalten scheint eher ober­flächlich und der heutigen Jugend ange­paßt zu sein“, gibt Pater Kraljevic zu (Seite 69). Aber auch die anderen scheinen damit beschäftigt zu sein, ihre Toilette häufig zu wechseln, sogar Marija, „die am meisten verinnerlichte, die wegen ihrer offensichtli­chen Demut schön ist.“ Warum dann also das auffällige und unnötige Lippenschmin­ken? (siehe „le gros plan“ von Lj., Seite 112).

„Postkonziliarer Stil, Öffnung und Aktua­lität“ (Seite 136). Nach der „lehrmäßigen Authentizität“ (wir haben gesehen welche!), ist das der Beweis, den Laurentin anführt, um darzutun, daß es sehr wohl die Jung­frau Maria ist, die in Medjugorje erscheint. Die Seher sind dort nicht mehr unschuldige Kinder wie in Lourdes, Pontmain und Fati­ma; oder auf dem Weg der Vollkommen­heit vorangekommene Ordensmitglieder, wie in Paray-le-Monial, in der Rue du Bac, oder in Tuy und Pontevedra. Nein, es handelt sich um ganz gewöhnliche Jungen und Mädchen: „Ihr Leben zeigt weder ei­nen Anflug von besonderer Heiligkeit, noch von Ärgernis oder Skandal. Sie sind ein­fach, höflich und sympathisch. Sie sind ganz einfach normal‘ (L., Seite 50).

Das ist für alle Welt tröstlich und erlaubt jedem, ein wenig daran zu glauben: „Leben wir als Zeugen, predigte Christian Ravaz als er von Jugoslawien zurückkam, in uns allen schlummert ein Prophet (sic) laßt uns also prophezeien und ohne zu berechnen unsere Freude und Liebe verbreiten“ (H.N., 1. Apr.).

Kurz, in Medjugorje wird auf der ganzen Linie und treuherzig die konziliare Theolo­gie ins Werk gesetzt: Religionsfreiheit, Ökumenismus, humanistische Moral, be­seligender Optimismus und Solipsismus6). Man findet dort alles auf einmal, denn es ist der perfekte Kompromiß zwischen Gut und Böse, zwischen dem Wahren und dem Fal­schen, zwischen Gotteskult und Menschen­kult, zwischen Christus und Belial (siehe 2. Kor. 6,14-16).

DIE CHARISMATISCHE VERFÜHRUNG

Es ist sogar noch mehr. In der Mißstim­mung der nachkonziliaren Aera ist Medju­gorje feurige erobernde Mystik, fähig, morgen die ganze Welt zu umarmen. Es ist die „charismatische Erneuerungsbewe­gung“ der letzte Sauerstoffballon einer nach zwanzig Jahren Reformismus ersticken­den Kirche. Es ist – endlich! – das „neue Pfingsten“ von Johannes XXIII. vorausge­sagt und durch das Konzil als bevorste­hend angekündigt, das aber so lange auf sich warten ließ. Diesmal ist es endlich da, denn der Geist weht wie Sturmgebraus in Medjugorje.

Die marianischen Erscheinungen waren nur das Startzeichen, der Vorabend, in welchem der Geist auf die ganze charismatische Gemeinschaft ausgegossen wird. Mirjana sagte, nachdem die Erscheinun­gen für sie am 25. Dez. 81 aufgehört hat­ten: „gleichzeitig hat man eine erste Ver­stärkung der Charismen erlebt. Es ist wie wenn eine neue Generation geistlicher Gaben – aber innerlicher und diskreter ­sich entwickeln würde, um die Fortsetzung vorzubereiten (…). Zwei etwa zwölfjährige Mädchen, Helena und Marijana sind mit einem der Seher ähnlichen Charisma, aber innerlicher bedacht worden“ (L., Seite 134).

Es war am 15. Dez. 1982, als Helena zum erstenmal eine innere Lokution der Jungfrau hatte. „In der folgenden Woche, erzählt Pater Vlasic, hat sie den Engel gesehen, der ihr eine Woche lang erschie­nen ist. Er rief sie zu Buße und Gebet auf“ (Téqui, Seite 23). Am 29. Dez. sah sie die Jungfrau zum erstenmal, aber innerlich mit geschlossenen Augen und mit tiefer Samm­lung (Lj., Seite 134).

„Wenn man sie befragt, antwortet sie manchmal im Namen Unserer Frau, bei der sie das Licht sucht: ‚Warum soviel fragen, alles ist im Evangelium niederge­schrieben‘. Ich fragte sie, fährt Abbé Lau­rentin fort: ‚Was wünscht die Jungfrau? Welches ist ihre Botschaft?‘ Sie sammelt sich und hält ihre Hände vor ihre blauen Augen. Sie sitzt auf dem Sofa ihres be­scheidenen Hauses. Sie trägt Pullover und Blue Jeans. Am Ende ihres Gebets sagt sie nur: ‚Friede, damit der Heilige Geist auf die Erde kommen kann!‘ ‚Hat man von einer Dringlichkeit dieser Botschaft gesprochen?‘ ‚Man muß sich deswegen nicht beunruhi­gen. Ihr müßt verstehen, daß der Friede von uns aus kommen muß. Wir müssen den Frieden in uns selbst herbeiführen. Dann wird man uns glauben. Befrieden wir unser Herz‘ “ (L., Seite 92/93). Und Lauren­tin bemerkt, „daß auch sie den entspann­ten Stil ihrer Generation hat … sie macht alles geschmeidig und betend, denn das Gebet ist bei ihr ein Zustand“ (Seite 95).

„Tretet in die Tiefen ein …“

Nachdem sie eine Gebetsgruppe vor allem für die Jungen verlangt hatte, über­mittelt die Jungfrau folgende Botschaft an Helena: „Ich will, daß die Glieder der Grup­pe jeden Tag mindestens drei Stunden beten (…) ich will, daß ihr zweimal in der Woche bei Wasser und Brot fastet“ (P. Vlasic; Téqui, Seite 25). Mittels dem ver­spricht sie ihnen in die Tiefen des geistli­chen Lebens einzutreten‘. ‚Laßt Uhren, Sorgen und Verpflichtungen auf der Seite. Laßt euch vom Heiligen Geist in die Tiefe führen (…)! Dann werdet ihr all eure Ver­pflichtungen vollkommen erfüllen, und ihr werdet mehr Zeit haben als nötig. Laßt euch vom Heiligen Geist führen‘ „ (ebenda, Seite 26).

„Bleibt auf dem Weg des Gebets. Ich werde euch in die tieferen Erfahrungen einführen“ (ebenda, Seite 27). „Ihr müßt viel beten, damit der Heilige Geist auf die Erde kommen kann“ (ebenda, Seite 26).

Die Ströme der Generalerneuerung

Denn die Zukunft gehört nunmehr der „Charismatischen Erneuerungsbewegung“ und ihren „Gebetsgruppen“. Es ist dies die letzte Instruktion, die die Jungfrau von Medjugorje denen gibt, die sie fragen, was sie tun sollen: „Sie sollen Gebetsgruppen organisieren!“ „In allen Pfarreien“, denn „eine geistliche Erneuerung ist in der gan­zen Kirche notwendig“ (S.K., Seite 86). Bald wird sich die Vision der Schwester Mc Kenna realisieren: „Alle werden Ströme lebendigen Wassers sehen, die vom Sitz des charismatischen Leiters Tomislav Vlasic hervorsprudeln (R.F., Seite 38). „Durch euer Hierherkommen, erklärt man den Pilgern, seid ihr Teilhaber am ‚lebendi­gen Wasser‘, das von der Muttergottes in jeden ausgetrockneten Teil der Erde ausströmt“ (S.K., Seite 88). „Ich bin über­zeugt davon, schreibt Pater Ljubic, daß die Jungfrau in den ausgetrockneten Karst Herzegowinas herabgestiegen ist, um dort den Strom der Generalerneuerung ent­springen zu lassen“ (Lj., Seite 103). Kurz, da ist eine neue Kirche am Entstehen, so zielstrebig, daß Laurentin nicht zögert, ihre Glieder – die von Medjugorje und die vom „Lion de Juda“ Dr. Madres – mit dem hl. Franz von Assisi, mit Grignon von Montfort, mit dem hl. Pfarrer von Ars und mit Charles de Foucauld zu vergleichen. So ganz ein­fach! (Seite 126/127). Etwas Umwerfen­des! Schaut in die ganz neue und luxuriöse Zeitschift „Feu et Lumière“, herausgege­ben von der Gemeinschaft „Lion de Juda“, wo man gleichzeitig die jüdischen, katholi­schen und pfingstlerischen Riten prakti­ziert! Dank Medjugorje und Kibeho startet sie wie eine Rakete (Nos. 1+2, Okt./Nov. 83 und Mai 84)! Tatsächlich erscheint in Afrika in Rwanda „die Jungfrau“ ebenfalls etwa zwanzig „Sehern“. Die Botschaft ist derjenigen Medjugorjes sehr ähnlich, und man zeigt uns eine Seherin mit einem großen Kruzifix, das für den Bruder Eph­raim – dem Hauptanimator des „Lion de Juda“- reserviert ist. Kurz, neue charisma­tische Erscheinungen, in der gleichen suspekten und unheimlichen Atmosphäre bizarrer Phänomene, die mehr der Zaube­rei als der kathol. Übernatur gleichen.

WERDEN WIR VON GOTT BETROGEN?

Menschlicherweise kann man für die kommenden Monate einen wahren Mei­nungsumsturz zugunsten Medjugorjes, Kibeho und der Charismatiker erwarten; umsomehr, als ihre Gemeinschaften offi­ziell von mehreren Bischöfen anerkannt und vom Papst gesegnet worden sind (Feu et Lumière, suppl. 1984).

Und Gott schweigt? Er läßt es zu? Ist es möglich, daß nach den trügerischen Ver­handlungen eines Konzils, das es abge­lehnt hatte, von der Unfehlbarkeit Gebrauch zu machen, um sich „der Welt zu öffnen“, ist es möglich, daß nach Paul VI. und Joh.­Paul II. – „Experten in Humanität“ und „Verkünder des Menschenkults“ im Ge­gensatz zum Gotteskult – es nun die Auto­rität der Jungfrau Maria selbst ist, die durch trügersiche Erscheinungen die desorien­tierten Massen der Gläubigen auf dem Weg einer verfälschten, ganz vermen­schlichten und verdeckt satanischen My­stik führt? Würde Gott uns nicht betrügen, falls das einträfe? Eine entscheidende Frage, auf die wir antworten: Nein! Der dreimal heilige, gute und barmherzige Gott verführt noch betrügt niemand. Man ahnt bereits, durch welch geheimnisvolle Ab­sicht er all dieses Übel zuläßt, um daraus bald einmal das größte Gut zu ziehen und den versprochenen Triumph der heiligsten Herzen Jesu und Mariens zu verwirklichen. Denn in Medjugorje trägt der Teufel bereits die Steine dazu bei und sein scheinbarer Sieg wird bald einmal das Totengeläute seines endgültigen Sturzes einleiten …

Es ist im Namen der konziliaren Neue­rungen, daß unsere Theologen, Experten und Prälaten sich aufgeschlossen und vertrauensvoll zugunsten Medjugorjes engagieren: Wie kann eine Erscheinung nicht echt sein, wenn sie sich dermaßen für „Papst und Konzil“ engagiert! Da kann man sogar heimlicherweise jubeln: Die Jung­frau Maria erschien in einem Land des Ostens und sagte kein Wort gegen den Kommunismus; sie predigt den Oekume­nismus und die Religionsfreiheit … Welch ein Gewinn! Es ist nun der Himmel selbst, der über die kontroversen Punkte entschei­det, um die Richtigkeit der neuen und kühnen Lehren des Konzils zu bestätigen. In Medjugorje hat nunmehr der Himmel grünes Licht für das aggiornamento gege­ben, und die Jungfrau Maria – bis jetzt betreffs Religion traditionalistisch einge­stellt, denken wir nur an die Rue du Bac, an Lourdes, an Pontmain oder Fatima – wechselt endlich die Ebene. Auf einmal kann sich Laurentin als einer ihrer ergebensten Diener ausgeben. Gewiß, am Konzil hat er sich dafür verwendet, daß die Frage nach den neuen Mariendogmen „Maria Mittlerin und Miterlöserin“ nicht einmal gestellt wird.

(Man lese sein signifikantes Pamphlet: „La question mariale“ Seuil 1963). Jawohl, mit allen Mitteln hat er daran gearbeitet, daß man den Bitten der Jungfrau Maria von Fatima mit Verachtung begegne. Aber heute in Medjugorje schließt sich Maria schlußendlich seiner minimalistischen und ökumenischen Theologie an. Wenn das kein Sieg ist!

So ist es auch für Marcel Clément und seinesgleichen. Jubelnd stellen sie die Übereinstimmung der Worte „der Jung­frau“ mit den umstrittenen Konzilstexten fest. Anderseits welche Verachtung für diejenigen, die diese Texte in Frage ge­stellt haben! Um dieselben total zu erledi­gen fehlte es nur noch, daß Papst Joh.­Paul II. während seiner Jugoslawienreise 1985 – die kommunistische Regierung hat ihn eingeladen – mit einer Wallfahrt nach Medjugorje verbinden würde. Nach alldem, warum auch nicht? Man weiß, daß er infor­miert … und eher wohlwollend gesinnt ist.

Unsere Antwort? Gut, man triumphiere lautstark! Man bleibe bei diesem Starrsinn! Wir halten fest, daß man dabei ist, zwi­schen den Neuerungen des Vatikanums II und den jugoslawischen Erscheinungen ein untrennbares Band zu weben. Beides ist eins; die Übereinstimmung ist perfekt. Ihr habt es gemerkt. Gut so. Wir stellen ebenfalls euer Unvermögen fest, unsere Opposition gegen die Haeresien des Kon­zils und der Päpste Paul VI. und Joh.-Paul II. – die in den zwei „Liber accusationis“ von Abbé de Nantes klar gebrandmarkt wurden und ohne Antwort geblieben sind – wir­kungsvoll zu verurteilen. Deshalb scheint es, daß man nun den Himmel zu Hilfe ruft und die Autorität der Jungfrau Maria selbst! Und ihr haltet nunmehr Erscheinungen, Wunder und Prophezeiungen als Garan­tien für eure neuartige Lehre. Gut so! Wir akzeptieren himmlische Schiedssprüche. Nur halten wir uns dabei ausschließlich an die von der Kirche anerkannten Erschei­nungsorte, an Fatima, die sie alle zusam­menfaßt und wir warten ungetrübt und in aller Ruhe auf die Stunde, wo sich die Wahrheit über Medjugorje und über Fatima offenbaren wird.

Denn eines Tages wird der Donner der Wahrheit kommen. Vor aller Augen. Un­fehlbar. In den kommenden Wochen oder Monaten müssen die „Seher“ die fünfund­vierzig Geheimnisse bekanntgeben. Dann können wir die Prophezeiungen untersuchen. Es ist notwendig, daß man die Be­richte ihrer Offenbarungen publiziere. Man wird dann deren Orthodoxie und deren Wert feststellen können. Auch warten wir auf das angekündigte kosmische Zeichen, das den „Tanz der Sonne von Fatima“ zum Vergessen bringen soll. Notwendigerwei­se wird die Wahrheit an den Tag kommen. Sollte das zu lange dauern, könnte es gut möglich sein, daß der Hauptakteur der Ereignisse und seine Helfershelfer auf die Idee kommen, ihr ganzes Manöver selbst zu enthüllen, zum Skandal der großen Menge Leute und der weltweiten Aposta­sie.

Dieser Triumph aber wäre ihr Untergang. Denn würde sich Satan demaskieren, müß­ten die legitime Hierarchie der Kirche ein­greifen, um diesen außergewöhnlichen Betrug zu beurteilen und zu verurteilen. Dann wird sie uns wieder an ihrer Seite finden, so gut wie wir uns jetzt an den mutigen Bischof von Mostar halten, in sei­ner klugen Opposition den charismatischen Franziskanern gegenüber, die übrigens gegen seine Befehle rebellieren. Wir müs­sen jetzt ebenfalls anerkannen, daß Abbé de Nantes richtig gesehen hatte, als er seit Okt. 1981, allein im Namen der Erforder­nisse des Glaubens, den diabolischen Betrug von Medjugorje brandmarkte. Auch hatte er die chariasmatische Gefahr richtig erkannt; genau zur Stunde, wo in Rom Papst Paul Vl. die schreckliche Verantwor­tung auf sich nahm, diese Bewegung zu segnen (CRC No. 93, Juni 1975, „Le Renouveau charismatique, nouvelle pentecôte).

Nein, Gott betrügt uns nicht. Er ist die Wahrheit und die Treue. Und gemäß ihrer großen Aufgabe der Gnade und des Erbarmens ist es Maria, die unbefleckte Mittlerin, die am Ende den Kopf der alten Schlange zertreten wird. „Dann werden alle Formen des Sozialismus, der Kommunismus, die Haeresien, der Atheismus, die Freimaure­rei und alle ähnlichen Dummheiten die von der Sünde herstammen, fallen (hl. Maximi­lian Kolbe). Es wird der Vorabend der gro­ßen katholischen Wiedergeburt unter der Herrschaft der Heiligsten Herzen Jesu und Mariens sein, gemäß dem Versprechen von Fatima: „Am Ende wird mein Unbe­flecktes Herz triumphieren; der Heilige Vater wird mir Rußland weihen, das sich bekeh­ren wird, und dann wird der Welt eine Periode des Friedens gegeben werden.“

1) Sicher ist die Anzahl von 45 Geheimnissen übertrieben, aber sie sind ein gutes Mittel, um die Neugierde der Leute wachzuhalten. Sie bilden ein unerschöpfliches Gesprächsthema und sind geeignet, Medjugorje „en vogue“ zu halten.

2) Siehe Seite 22, wo berichtet wird, daß die Jungfrau auch in Afrika etwa zwanzig Sehern erscheint. Wahrscheinlich sind die Erscheinun­gen in Medjugorje die letzten auf dieser Erde und jene in Afrika die allerletzten oder umge­kehrt.

3) Es sind jetzt bereits sieben oder acht Jahre her, daß eine Erscheinung dem blinden Seher Clemente Dominguez von Palmar de Troya versprochen hatte, er werde seine durch einen Unfall verlorenen Augen „bald, sehr bald“ wie­der erhalten. Der arme Kerl wartet heute noch darauf. Damals war aber das Versprechen geeignet, die Anhänger „bei der Stange“ zu halten.

4) Es ist auch möglich, daß sie das nicht ganz freiwillig tun. Die Macht Satans dürfte ausrei­chen, um mit den Kommunisten spielend fertig zu werden, falls sie versuchen sollten, ihm sein „Geschäft“ zu verderben.

5) Hier stellt sich wirklich die Frage: Wie ist es möglich, daß Satan eine seiner erfolgreichsten Waffen angreift? Aber auch hier ist an das Prinzip zu denken, das die selige Acarie formu­liert hat: „Der Dämon versteht ein wenig zu verlieren, um viel zu gewinnen“ (siehe Seite 15). Tatsächlich gibt es viele traditionstreue Prie­ster, die das Fernsehen unerbittlich verurteilen und verlangen, daß die TV-Geräte aus den Familien entfernt werden, oft aber mit geringem Erfolg. Selbst „sattelfeste“ Traditionalisten, denen es nie im Traum einfallen würde, auf einen Schwindel wie z.B. die Erscheinungen von Medjugorje hineinzufallen, bringen es oft nicht fertig, sich vom Fernseher zu trennen. Es ist sehr wohl anzunehmen, daß die TV-Geräte, die wegen dieser Botschaft von Medjugorje in die Mülltonnen wandern, schnell gezählt sind. Hingegen muß man zugeben, daß diese Bot­schaft einen sehr guten Eindruck macht und das dürfte ihr wirklicher und einziger Zweck sein.

6) Solipsismus = philosophische Bezeichnung für die Anschauung, daß einzig das Ich das Seiende darstellt.

7) müßte ist gut gesagt, denn in bezug auf die „legitime Hierarchie“ sollte man seine Hoffnun­gen vorläufig besser nicht allzu hoch ansetzen. Eingreifen müßte sie eigentlich schon lange und bei wichtigeren Dingen als es Privatoffen­barungen sind.

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DAS URTEIL EINES GOTTESMANNES

Hans Urs von Balthasar richtet sich selbst

(Auszug aus einem Vortrag von Frère Michel de la Sainte Trinité, gehalten am 11. März 1985 an der Sorbonne in Paris. Übers.: A. Frey)

Im März 1984 antwortet Mgr. Zanic (der zuständige Bischof von Mostar) auf die Fragen P. Declos:

–    Sind Sie aus Prinzip gegen die Erscheinungen?

–    Im Gegenteil. Ich war achtmal in Lourdes und habe Wallfahrten organisiert. Ich habe viel getan für die Verehrung der Muttergottes. Ich war sogar in Banneux, in Beauraing und in Syrakus, drei Orte, wo die Erscheinungen Mariens für echt erklärt wurden.

–    Aber jene von Medjugorje haben Sie nicht überzeugt?

–    Ich würde mir sehr wünschen, ein Lourdes in meiner Diözese zu haben. Das wäre eine große Sache… Aber vor Gott, vor meinem Gewissen und im Hinblick auf die Kirchengeschichte kann ich diese Erscheinun­gen nicht für echt und übernatürlichen Ursprungs erklären.

–    Fürchten Sie noch Schwierigkeiten von seiten der Zivilregierung?

–    Im Moment ist alles ruhig… Aber was wird geschehen, wenn – wie ich glaube – die emotionale Begeisterung um Medjugorje sich legt, um der Enttäuschung Platz zu machen? Die Kommunisten werden daraus schließen, daß Lourdes, Fatima, Christus und der ganze katholische Glaube nicht mehr wert sind als Medjugorje. Das wäre die garantierte Diskreditierung für die Autorität der Kirche. Wir müssen sehr vorsichtig sein.

–    Eine letzte Schlußfolgerung?

–    Ich bin gewiß ein sündiger Mensch und nicht würdig, Bischof zu sein. Aber ich glaube, daß es eine der größten Sünden meines Lebens wäre, wenn ich es zuließe, daß man etwas Falsches sagt, obwohl ich weiß, daß es sich um Lügen handelt.

Unterdessen erhält Mgr. Zanic jeden Tag ganze Breitseiten von Beleidigungen, die ihm die Charismatiker der ganzen Welt in liebenswürdiger Weise und im Namen des Geistes verpassen: „Man erklärt mich für verrückt und für teuflisch. Man klagt mich an, alles zerstören zu wollen und gegen alles zu sein, was die Erscheinungen betrifft. Ich bin die Verkörperung Satans.“ („La Libre Belgique“, 11. April 1985)

So konnte man den beleidigenden Brief des Theologen Hans Urs von Bathasar lesen, der überall verbreitet wurde und den er öffentlich von der Höhe seiner Kanzel – er ist Empfänger des „Großen Preises Paul VI“ und wird von den Charismatikern der ganzen Welt wie ein Patriarch verehrt – im Herzen Roms an den armen Bischof gerichtet hat, weil derselbe es gewagt hat, sich mit dem heiligen Charismatiker von Medjugorje, Tomislav Vlasic zu beschäftigen. Balthasar schreibt darin:

„Monseigneur, welch traurige Dokumente haben Sie um die Welt geschickt! Ich war tief betrübt, die bischöfliche Würde dermaßen degradiert zu sehen (sic!). An Stelle von Geduld zu üben, wie man es Ihnen empfohlen hatte, donnern Sie und schleudern Sie Blitze Jupiters von der Höhe Ihres Sitzes auf respektable und unschuldige Personen herab, die Ihres Schutzes würdig wären. (Es handelt sich um Tomislav Vlasic, der ein Heiliger sei: H.U.B. hat es in einem Brief an Laurentin am 18. Dez. 1984 bestätigt und hat erlaubt, daß es urbi et orbi veröffentlicht wird. Ja, Tomislav Vlasic sei ein Heiliger aus verschiedenen Gründen. Unter anderem – und das ist nicht der geringste – weil er regelmäßig Hans Urs um Rat fragt. Ist das nicht eine genügende Garantie?!) Sie wiederholen immer wieder hundertfach widerlegte Anschuldigungen (…) (Die Auslassungspunkte stammen von Laurentin und sind bezeichnend. Eher ist es H.U.B., der – wegen seiner Passion mit Blindheit geschlagen – seinen charismatischen Freunden wie ein Papagei alles nachplappert) Ich hoffe, daß Sie den HERRN und seine Mutter inständig bitten (welch ein Ton!), dieses so wichtige und traurige Drama zu einem für die Gesamtheit der Kirche fruchtbaren Ausgang zu führen. Gesellen Sie sich all jenen zu, die so eifrig in Medjugorje beten (diesmal ist es ein Befehl!). Ihr und unser HERR. Hans Urs von Balthasar.“

So ein Text reicht seinem Autor für immer zur Unehre! Denn sicher wird die Kirche von morgen Mgr. Zanic recht geben. Was das verächtliche Urteil dieses angeblichen Mystikers und großen Geistes des 20. Jahrhunderts betrifft, wird es der Nachwelt von der Absenz des gesunden Menschenverstandes Zeugnis geben. Trauriges Ende eines renommierten Theologen, den der Charismatismus verblendet hat: „Tönendes Erz und klingende Schelle“ (1. Kor. 13,1).

Anmerkung des Übersetzers: Vor ein paar Jahren stand in einem Artikel im „Basler Volksblatt“ die Feststellung: „Dieser nicht sehr intelligente Mann“. Diese Bemerkung galt ebenfalls einem Bischof und stammte von eben demselben H.U.B. Der anvisierte Bischof war damals Mgr. Lefebvre. Wie man sieht, war dieser sog. renommierte Theologe schon überheblich, bevor er bei den „Pfingstlern“ gelandet ist und wie man ebenfalls sieht, befindet sich Mgr. Zanic in guter Gesellschaft.

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