Erscheinungen in Medjugorje? (Erster Teil)

Vorbemerkung der Redaktion: Es sei gleich am Anfang auf eine Eigenheit des Autors hingewiesen: An vielen Stellen schreibt er „unser Experte“ oder „unser Konzilsexperte“, „unsere Besucher“ oder „unser…“ Dieses „unser“ ist ein besonders in Frankreich übliches Stil-Element, um behandelte Personen und Gegenstände etwas ironischer zu bezeichnen, wobei dies dann eben nicht bedeutet, daß diese Personen zu dem vom Autor aus gesehenen eigenen „Kreis“ gehören!

EINIGE VERGESSENE PRINZIPIEN

Halten wir uns vor Augen: Wenn eine Erscheinung in allem wahr, gut und Gottes würdig sein muß, um echt zu sein, so ist hingegen eine eingebildete oder teuflische Erscheinung niemals vollständig schlecht. Die Täuschung geht bisweilen sehr weit, und die Fälschung kann erstaunliche Ähnlichkeiten mit echten oder göttlichen Offenbarungen aufweisen. Die Kirchengeschichte liefert uns dazu berühmte Beispiele:
So im 16. Jh., das der Madeleine de la Croix, Franziskanerin von Cordue, die seit ihrer Kindheit dem Dämon geweiht war und die während 38 Jahren die größten Theologen, Bischöfe und die Kardinäle täuschte, indem sie alle Kennzeichen einer mit außerordentlichen Gaben begnadeten Seele an den Tag legte.
Dies zeigt, daß die Macht des Dämons im Bereich der außerordentlichen übernatürlichen Erscheinungen ungeheur groß ist. Mit der Zulassung Gottes hat er die Macht, sich in einen „Engel des Lichtes“ zu verkleiden und er kann selbst die äußere Erscheinungsweise unseres Heilandes oder der Jungfrau Maria annehmen, wie er es in Lourdes bei etwa 15 Sehern tat, nach den Visionen von Bernadette. Er kann ebenso auch verschiedene Wunderzeichen und Täuschungen bewerkstelligen: Ekstasen, Erhebungen (Levitationen), leuchtende Phänomene, ungewöhnlichen Lärm, Voraussagungen, in Sprachen reden, fromme Reden halten, zu einer strengeren Aszese auffordern. Die Zugeständnisse an die Wahrheit und an das Gute kostet ihn nichts, sofern er auf lange Sicht einige schädliche und gefährliche Irrtümer für die Seelen und für die Kirche verbreiten kann.
Gleichwohl lehrt uns die Theologie, daß Gott dem Bösen niemals erlaubt, alle Kennzeichen des Guten anzunehmen. Während die göttliche Erscheinung — so bemerkt Mgr. Farges — immer der Würde und der Hoheit der himmlischen Dinge entspricht, so haben die teuflischen Erscheinungen mit Sicherheit etwas Gottes Unwürdiges, Lächerliches, Extravagantes, Ungeordnetes und Unvernünftiges an sich. („Die mystischen Phämonene im Gegensatz zu ihren menschlichen und teuflischen Nachahmungen“ in „Abhandlung über die mystische Theologie“, Lethielleux 1923)
Eingedenk dieser Ermahnung wenden wir uns nun den Ereignissen von Medjugorje zu.

Ein neues Lourdes, ein neues Fatima?

„Dieses Buch widme ich der hl. Bernadette von Lourdes, damit sie – in der Gemeinschaft der Heiligen – ihren kroatischen Brüdern und Schwestern geschwisterlich helfe, die wie sie keine andere Bestimmung haben, als vollumfänglich der Liebe zu entsprechen. Trotz dem Unterschied der Zeit, des Ortes, des Volkes, der Sprache, der Kultur, der Gesundheit, erinnern sie an Bernadette… Wie sie erhalten sie eine Botschaft des Gebetes und der Bekehrung an die Adresse einer sündigen Welt, die der Botschaft des Evangeliums gegenüber taub geworden ist.“

Diese Widmung des Werkes von Abbé Laurentin, „La Vierge apparaît-elle à Medjugorje?“ (Erscheint die Jungfrau in M.?) unterstreicht den auf den ersten Blick anziehendsten Aspekt der Ereignisse von Medjugorje. Zudem multipliziert der Historiker der Erscheinungen von Lourdes, Pontmain und der Rue du Bac die Parallelen zwischen diesen Erscheinungen von gestern und jenen von heute in Jugoslawien, die er seinen Lesern präsentiert, indem er ohne Hemmungen sein „überaus positives Urteil“ ausdrückt.

Dr. Philipp Madre seinerseits schreibt in seinem Vorwort zum Text von P. Svetozar Kraljevic, „Les apparitions à Medjugorje, récit, témoignages“ (Die Erscheinungen in Medjugorje, Bericht, Zeugnisse): „Wir erleben ein neues Fatima, das mit Nachdruck die Menschheit zu Gott führen will.“ Und „La Croix“ vom 25./26. März 85 überschreibt seinen Artikel: „Ein neues Fatima in Jugoslawien?“ Tatsächlich, mehr noch als Lourdes oder Rue du Bac, ist es Fatima, mit dem man Medjugorje auf den ersten Blick am ehesten vergleichen könnte.

Wie in Fatima ruft die Jungfrau — die seit dem 24. Juni 1981 in diesem kleinen Dorf der Herzegowina erscheint — die Menschheit zu Gebet und Buße auf. Wie in Fatima hat sie an die Seher prophetische Geheimnisse geoffenbart, deren Verbreitung sie ihnen nicht sofort erlaubt hat. Immerhin wissen wir, daß es sich um die Zukunft der Welt handelt. Und zwar um eine tragische Zukunft: „Das 9. und das 10. Geheimnis ist schlimm. Es ist eine Züchtigung für die Sünden der Welt. Die Strafe ist unabwendbar, weil man nicht auf die Bekehrung der ganzen Welt warten kann. Die Züchtigung kann durch Gebet und Buße gemildert, aber nicht aufgehalten werden. Ein Übel, das die Welt bedrohte — gemäß dem 7. Geheimnis — ist dank der Gebete und dem Fasten aufgehalten worden, sagt Mirjana (eine der Seherinnen). Deshalb lädt die Jungfrau weiterhin zu Gebet und Fasten ein …“ (Laurentin, Seite 160).

Wie in Lourdes und in Fatima, sogar noch mehr, stellt man in Medjugorje eine außerordentliche Häufung übernatürlicher Begebenheiten fest: „Bis Weihnachten 1982 hat man ungefähr 200 wunderbare Heilungen festgestellt.“ (Yougoslavie et la Sainte Reine de la Paix“, Seite 6, anonym, Téqui Feb. 84). Abbé Laurentin seinerseits berichtet von 30 Fällen von „Heilungen“ (Seite 169-175).

Wie in Fatima, soll es außerordentliche Zeichen in der Atmosphäre gegeben haben. Hören wir P. Tomislav Vlasic, Hauptverantwortlicher der Pfarrei von Medjugorje, mit dem wir uns noch viel zu beschäftigen haben werden: „Zu Beginn, als die Heilige Jungfrau die Botschaft des Friedens überbrachte, hat man am Himmel das Wort MIR (d.h. Friede) geschrieben gesehen … Am 2. Aug. 1981 haben wir das gleiche Wunder gesehen, wie es sich in Fatima ereignet hat. Die Sonne war am Untergehen und plötzlich fing sie sich an zu drehen und näherte sich dem Erscheinungsort, und man sah sie über den Köpfen der Beteiligten … Am 28. Okt. 1981 haben wir über dem Erscheinungsort eine große Flamme gesehen. Sie hat mehr als zehn Minuten gedauert, hat aber nichts verbrannt …“ (Ebenda, Seite 21-22).

Und endlich, wie bei allen marianischen Erscheinungen, stellt man in Medjugorje als begünstigendes Zeichen – eine große Bewegung von Bekehrungen fest. Hören wir wiederum P. Tomislav Vlasic, den Animator der eucharistischen Zelebration, die jeden Tag mehrere tausend Teilnehmer vereinigt: „Es ist eine Dynamik von tiefgehenden Bekehrungen, die sich hier ereignet. Davon einige Zeichen: Vor den Erscheinungen waren die Leute unzufrieden, wenn die Messe länger als drei Viertelstunden dauerte. Aber jetzt, seit den Erscheinungen, bleiben sie drei Stunden in der Kirche, und wenn sie nach Haus gehen, beten sie weiter, unterwegs zu Fuß oder im Auto. Im Durchschnitt beten alle Familien eine Stunde pro Tag. Die jungen Leute beten mehr, sie fasten und fühlen sich zur Kirche gezogen. Die Kirchen hier bei uns sind überall voll, voll von Leuten und vor allem von jungen Leuten“ (ebenda, Seite 27).

Über diesen Punkt scheint das Einverständnis einhellig zu sein: In Medjugorje gibt es „dermaßen positive Früchte, daß sie die besten Argumente liefern, um die Erscheinungen als echt anzunehmen“ (P. R. Faricy, SJ, Laurentin, Seite 153).

Das wäre nun ein erster, ganz traditioneller und überzeugender Eindruck über die Ereignisse von Medjugorje, der den Enthusiasmus von so vielen guten – die Muttergottes verehrenden Katholiken – erklärt, die zu recht über eine glaubensfeindliche Menschheit beunruhigt sind. Eine Menschheit, die je länger je mehr im Laster versinkt und offen gegen Gott rebelliert. Ist deshalb Medjugorje nicht eine letzte Intervention unserer himmlischen Mutter, die noch einmal – angesichts der drohenden Gefahr – ihre so dringenden Botschaften von Lourdes und Fatima wiederholt?

So scheint es zu sein. Aber nach einer Prüfung ist die Realität ganz anders. Gegenüber den von der Kirche anerkannten Erscheinungsorten präsentiert Medjugorje Aspekte, die diesen anderen absolut fremd sind.

MEDJUGORJE, EIN NEUES CHARISMATISCHES PFINGSTEN

Tatsächlich haben wir hier einen entscheidenden Punkt, den die Apostel von Medjugorje zu tarnen versuchen, um mit einer solch überraschenden Neuheit niemanden zu verscheuchen. Immerhin wird es so dargestellt, daß die Eingeweihten und Sympathisanten der „Bewegung“ folgende Tatsache als wirkungsvolle Hilfe in ihrer Propaganda benützen können: Die Erscheinungen in Medjugorje sind weltweit mit den Inspirationen und mit dem Geist der „Charismatischen Erneuerungsbewegung“ verbunden. Diese Feststellung ist leicht nachzuweisen. Zuallererst bei den Methoden der Verbreitung der Botschaft.

Die „Erneuerungsbewegung“ propagiert Medjugorje

Es ist tatsächlich bemerkenswert, daß alle, die mit einem begeisterten Eifer für die Bekanntmachung der Erscheinungen von Medjugorje sorgten, mehr oder weniger mit der „Erneuerungsbewegung“ verbunden sind. In Frankreich kommt dabei die führende Rolle Dr. Philipp Madre zu, Diakon und Mitglied der Gemeinschaft „Lion de Juda et de I’Agneau immolé“. Er hat einen Vortrag veröffentlicht, wo die Verbundenheit der zwei Bewegungen wirkungsvoll dargestellt wird. Ein Bruder Efraim, ebenfalls Mitglied der charismatischen Gemeinschaft, hat den kroatischen Text des Werkes übersetzt, das bei Fayard erschienen ist und den Titel trägt, „Les Apparitions de Medjugorje“. Der jugoslawische Autor Svetozar Kraljevic ist Franziskaner und wie uns Laurentin anvertraut (Seite 25), ebenfalls Charismatiker. Was den Letzteren anbetrifft, so ist uns seine überbordende Sympathie für die „Erneuerungsbewegung“ bestens bekannt und kommt auch von Anfang bis zum Ende in seinem Buch zum Ausdruck, sowie in seiner Radiosendung, die er in France Culture zusammen mit Dr. Madre über Medjugorje abhielt.

Auch die vielen „Experten“, die sich zugunsten der jugoslawischen Erscheinungen geäußert haben und die von Laurentin als Autoritäten zitiert werden, sind fast alle Charismatiker. Viele davon sind Franziskaner und in enger Beziehung mit der Gemeinschaft von Medjugorje, die ihrerseits von der „Erneuerungsbewegung“ sehr beeinflußt ist. Um sich davon zu überzeugen, genügt es, die Zeugnisse der Patres Tomislav Vlasic, Slavko Barbaric und Svetozar Kraljevic anzuhören, Zeugnisse, die von Christian Ravaz von der Gemeinschaft „Chêne du Membré“ festgehalten wurden (La Vierge Marie à Medjugorje“ reportage).

Pater Vlasic, ein „charismatischer Leiter“

Aber das Band, das die jugoslawischen Erscheinungen mit der „Charismatischen Bewegung“ verbindet, ist noch viel stärker und intensiver. In Medjugorje spielte ein Priester von Anfang an und bis heute eine außergewöhnliche Rolle. Als junger jugoslawischer Franziskaner nahm er im Mai 1981 am Leitertreffen der „Charismatischen Bewegung“ in Rom teil und wurde dort Gegenstand zweier Prophezeiungen: Schwester Briege Mc Kenna sah ihn prophetischerweise mitten in einer Menschenmenge sitzen und von seinem Sitz flossen Störme lebendigen Wassers. Pater Emilio Tardif wußte ihm als von Gott stammende Prophetie zu sagen: „Fürchte dich nicht, ich werde euch meine Mutter schicken“. (L. Seite 26). Zu präzisieren wäre noch, daß dieser Pater Tardif, großer Apostel der weltweiten „Erneuerungsbewegung“ behauptet, von einer Lungentuberkulose geheilt worden zu sein, nachdem ihm einige Charismatiker kurz die Hände aufgelegt hatten (Dr Madre).
Tatsache ist, daß sich die „Prophezeiungen“ bezüglich des jungen Franziskaners bald einmal in überraschender Weise erfüllten. Bereits am 29. Juni sprach man von Erscheinungen der Muttergottes in Medjugorje. Fünf Tage später war Pater Tomislav an Ort und Stelle und nahm an den Erscheinungen teil. Er traf gleich eine wichtige Entscheidung für die Zukunft, indem er dem Pfarrer – einer seiner Mitbrüder nahelegte, daß die Erscheinungen von dem felsigen Hügel von Podbrdo in die Dorfkirche zu verlegen seien. Und vom 18. August weg war unser Franziskaner Vikar in der Pfarrei. Seither „hat er Medjugorje nicht mehr verlassen. Er ist den Kindern immer nahe und ist beim Abendgottesdienst immer sehr engagiert“ (S. Kraljevic Seite 96). Als „geistlicher Leiter“ der Wallfahrten ist er das „Sprachrohr der Jungfrau und der Seherkinder von Medjugorje“ (S.K. Seite 93)

Die Jungfrau als Apostel und Prophetin der „Charismatischen Erneuerungsbewegung“

Abbé R. Laurentin spricht von einer „wirklich etablierten Harmonie zwischen den Erscheinungen von Medjugorje und der ‹Charismatischen Erneuerungsbewegung›“ (Seite 26). Und wenn man Dr. Madre glauben will, ist die Übereinstimmung in den Worten der Jungfrau selbst enthalten: „Und Maria hat sehr schnell, schon nach einigen Wochen, in den Erscheinungen verlangt, daß man für die Kranken bete: ‹Betet für die Kranken! Fastet für die Kranken! Legt ihnen die Hände auf! Salbt sie mit charismatischem Öl (nicht mit sakramentalem, ist übrigens noch präzisiert)! Ölungen mit gesegnetem Öl. Jeder Laie kann das machen, tut es!›“ So organisierte denn Pater Tomislav das Gebet für die Kranken am Ende der Eucharistiefeier, ein Gebet, während welchem die Seher den Gläubigen die Hände auflegen. Es gab Heilungen, wie man sagt.

Die Jungfrau empfahl auch ernstlich eine andere charismatische Praxis: „Sollen wir in Medjugorje eine Gebetsgruppe gründen?“ wurde sie gefragt, worauf sie antwortete: „Nicht nur in Medjugorje, sondern in ganz Jugoslawien“ (Dr. Madre). Übrigens erscheint die Jungfrau in Medjugorje nicht als Gnadenvermittlerin, in der Linie von Fatima oder Rue du Bac, sondern nur als jene, die mit den Sehern betet: „Dieselben bilden mit ihr eine Gebetsgruppe. Die Jungfrau wird auf ihre Art Mitglied der Gruppe und ihre Hirtin, sie betet und singt mit ihnen und unterrichtet sie“ (S.K. Seite 43).

Kurz, in Medjugorje — und dies ist der besondere Aspekt ihrer Botschaft — engagiert sich die Jungfrau selber im Dienst der charismatischen Bewegung. Es ist jetzt ein Jahr her, seit sie das bevorstehende Ausgießen des Geistes ankündigte. Pater Tomislav Vlasic versichert uns, daß sie am Ostertag 1983 kundtat: „Wenn ihr könnt, dann fastet noch einen Tag mehr pro Woche und betet jeden Tag mehr, denn während des Heiligen Jahres der Erlösung wird Gott den Heiligen Geist auf die Welt schicken“ (Téqui Seite 16). 50 Tage später war es soweit … in Medjugorje: „Die Ereignisse von Pfingsten, wie sie von den Aposteln überliefert wurden, haben sich hier am 22. Mai 1983, am Pfingsttag wiederholt“ (Téqui Seite 21).

Wahre Mystik oder gefährlicher Illuminismus?

Tatsächlich ist für alle Gläubigen von Medjugorje der HI. Geist greifbar und sinnlich wahrnehmbar geworden. Sie spüren es nach Wunsch in einer innerlichen, berauschenden und unaussprechlichen Erfahrung. Hören wir uns das Sprachrohr der Erscheinungen, 3 Monate nach diesem neuen Pfingsten, am 15. Aug. 83 einmal an: „Die Leute, die hierher kommen, fragen sich nicht mehr, ob die Erscheinungen echt sind oder nicht, sie sagen: ‚Wir glauben nicht mehr, wir wissen‘. Wir leben ein neues Leben, und wir wollen nicht mehr zurückkehren, wir sind jetzt glücklich, und wir wollen diesen Weg fortsetzen, weil wir sicher sind. Hier meine Erfahrung: Gott gibt das Leben und unbegrenzte Möglichkeiten. Wenn ihr heute beginnt, auf dem Weg Gottes zu marschieren, werdet ihr morgen glücklich — und nach einem Jahr noch glücklicher sein und ihr könnt solange auf dem Weg des Glücks gehen, solange ihr ihm treu folgt … Die Seher bestätigen es: ‚Man muß solange beten, bis man innerlich wiedererweckt ist, bis man die innere Freude spürt und die Wiedergeburt des Glaubens, die hl. Jungfrau verlangt das‘.“ (Téqui Seite 30)

Bei der Lektüre dieser paar Zeilen, die der HI. Schrift und den Maximen der Lehre der Mystik dermaßen widersprechen, wird jeder katholische Geistesmensch (spirituel catholique), wer es auch sei, ohne zu zögern den Schluß ziehen, daß die Seher von Medjugorje und ihr geistlicher Führer gefährliche Illuministen sind. Auch die lange Erklärung Pater Tomislavs an Christian Ravaz im vergangenen März ist nicht überzeugend. Es ist purer Immanentismus. Lesen Sie „II Santo“, den Roman von Fogazzaro. Tomislav Vlasic könnte ein Bruder unseres modernistischen „Heiligen“ sein, immer voll übler innerlicher Experimente und außergewöhnlicher charismatischer Phänomene. Wir sind noch nicht am Ende unserer Entdeckungen.

Eine charismatische Sitzung in Medjugorje

Zitieren wir noch einmal Dr. Madre: „Nach einigen Monaten kamen sie zum Schluß, daß sie sich erschöpfen (es handelt sich um den „geistlichen Leiter“ Tomislav und seine Mitbrüder), daß ihnen ein gewisser Wind fehle (sic) … Und deswegen sagen die Kinder eines Tages zu Maria: „Maria, schick uns einen Priester, der uns das wirkliche Beten lehrt, so ganz nach dem Herzen Gottes, für die Heilung unserer Kranken“. Und Maria antwortet: „Wenn ihr betet und fastet, wird das möglich sein“. Und es scheint sehr wohl, ohne daß ich das behaupten will, daß die Ankunft von Pater Tardif einer Erhörung der Bitte enspricht, die die Kinder an Maria gerichtet hatten…

Leichte Erhörung. Pater Tomislav brauchte den Pater Tardif lediglich einladen, nach Medjugorje zu kommen. Letzterer begab sich um den 23. bis 25. August 1983 dorthin, in Begleitung von Dr. Ph. Madre und Pater Rancourt. Die ganze Pfarrei von Medjugorje, Seher, Franziskaner und Gläubige gingen in die Schule des Charismatikers. Er lehrte ihnen voraussagen, in Sprachen zu reden oder singen, und die Menge empfing dabei den „Strom des Hl. Geistes“, die wunderbare „Taufe im Hl. Geist“ der Sekte der Baptisten, von welcher die ganze „Erneuerungsbewegung“ ausgegangen ist. Man sagt, daß es Heilungen gab. „Es war eine ungeheure Entdeckung und eine große Freude“. Man empfand einen „außergewöhnlichen Frieden“
in einer Intensität derjenigen in den Zusammenkünften der ersten Christen“.

Tags darauf hat am Erscheinungsort „der Geist wieder geweht, und es gab Heilungen. Die Leute fingen an zu reden, und Pater Tardif machte eine lange Prophezeiung über die zukünftigen Heilungen, die an diesem ersten Erscheinungsort stattfinden würden. Pater Tardif wußte nicht, daß die Jungfrau einige Monate vorher mit fast gleichen Worten das Gleiche sagte“.

Dann gab es eine lange Unterhaltung mit den Seherinnen. Am Abend nahmen unsere drei Besucher an der täglichen Erscheinung teil. Diese Erfahrung hat „in einigen Minuten unser persönliches Leben und unseren Dialog mit Gott umgestülpt“. Eine der Seherinnen überbrachte eine Spezialbotschaft der Jungfrau für jeden der Apostel der „Erneuerungsbewegung“.

„Und dann baten wir die vier Seherkinder, uns die Hände aufzulegen (wir haben selbst 24 Stunden lang die Hände aufgelegt), damit das, was wir in einigen Minuten erhalten haben, uns in der täglichen Gewohnheit nicht verlorengehe“.

Im Verlauf der eucharistischen Zelebration „hat der Herr die Zeichen vervielfacht“. „Das war ein ungeheures Ausströmen des Hl. Geistes mit vielen Früchten … Aber als wir in voller Szene waren, die Akte der Apostel zu vollziehen bei dieser Eucharistie, haben wir vorausgeahnt, daß es kein so festliches Morgen geben werde …“ Tatsächlich wurden sie von der Polizei festgenommen und während zwölf Stunden eingesperrt, dann des Landes verwiesen. Die Märtyrerkrone hat somit die Sammlung ihrer charismatischen Gaben vervollständigt und die Bande der „Erneuerungsbewegung“ mit dem jugoslawischen Erscheinungsort noch enger geknüpft.

Es war nötig, diese überraschenden Aspekte der Ereignisse von Medjugorje vorerst ins volle Licht zu setzen, bevor man die einzig wichtige Frage, nämlich die ihrer Authentizität, behandeln kann.

(Damit ist dieses Kapitel zu Ende. In den folgenden, recht umfangreichen Ausführungen, geht Frère Michel de la Sainte Trinité auf die Einzelheiten des Erscheinungsortes, der Erscheinungen und deren Umstände ein. Es ist uns nicht möglich, alles zu übersetzen, sondern wir müssen uns mit einigen Auszügen begnügen, die aber genügen sollten, den Eindruck des ersten Kapitels zu erhärten.)

EINE SCHADENSTIFTENDE BOTSCHAFT

Trotz der frappanten Ähnlichkeiten, allzu wörtlich sogar, aber oberflächlich in ihrer Gesamtheit — die aber leider unzählige eilfertige Leser getäuscht haben müssen, gibt es zwischen den Aussagen der Jungfrau von Medjugorje und den wahren Offenbarungen der Muttergottes eine grundsätzliche Ungewöhnlichkeit, einen dumpfen Gegensatz, der sich oft bis ins Polemische steigert.

Die herabgesetzte Jungfrau Maria

Unter den „Gründen, die für die Echtheit von Medjugorje sprechen“, nennt Laurentin „die lehrmäßige Authentizität“. Und als zwingenden Beweis führt er an: „In Medjugorje gab es keine lehrmäßigen Probleme … Das Verhalten Mariens entspricht genau dem, was sie nach dem Evangelium ist, und ihre Rolle ist so, wie sie in der Überlieferung steht … SIE wird nicht einseitig hervorgehoben. Die tägliche Eucharistiefeier zeigt, daß sie auf Christus und auf die Eucharistie hinführt (L. Seite 135). Und er wagt es, auf der folgenden Seite hinzuzufügen: „In Medjugorje führt Maria rascher und ausdrücklicher als in Lourdes zur Eucharistie hin“. „Diese Gebetsbewegung ist nicht durch eine besondere marianische Einseitigkeit gekennzeichnet, sondern sie ist vollkommen theozentrisch“. Und unser Experte gibt zu verstehen, daß nun gerade darin die gewaltige Erhabenheit von Medjugorje über alle früheren marianischen Erscheinungen liege, welche in peinlicher Weise die „Besonderheit“ der katholischen marianischen Theologie zu bestätigen scheinen. Hier zielt er deutlich auf die Erscheinungen in der Rue du Bac und in Fatima hin. Enthalten denn dieselben nicht unbestreitbar das Dogma „Maria Mittlerin aller Gnaden“ und zwar so sehr, daß eine überaus große Frömmigkeitsbewegung hier ihren Ursprung fand, die zweifellos im Konzil zum Ziele gelangt wäre, hätten nicht die „minimalistischen“ Theologen — gerade Laurentin an deren Spitze erfolgreich „Maria auf ihren Platz zurückzustellen“ vermocht, will sagen, … ihr nur jene Privilegien zu gewähren, die auch von den Protestanten anerkannt oder toleriert werden.

Nun, und darüber ist unser Konzilsexperte hochbegeistert: In Medjugorje entscheidet Maria die Debatte … zugunsten der „Minimalisten“. Sie stellt die Titel „Mittlerin“ und „Miterlöserin“ ausdrücklich in Abrede, obwohl diese ja schon in der katholischen vorkonziliaren Überlieferung so stark verwurzelt waren. Laurentin bemerkt: „Dieser Dialog zwischen Tomislav Vlasic und Vicka gibt uns den Beweis: ‚Empfindest du Maria als jene, die Gnaden vermittelt (dies wäre die Theologie des hl. Pius X., jene von Ludwig-Maria Grignon von Montfort, bis zum hl. Maximilian Kolbe, aber auch der Muttergottes selbst in der Rue du Bac und in Fatima, wo sie mit gegen die Seher geneigten Händen erschien, aus denen leuchtende Strahlen hervorgingen, die die Gnaden versinnbildlichten, die sie auf die Seelen ausbreitet), oder jene, die zu Gott betet?‘ (gemäß der protestantischen und der konziliaren Theologie) ‚Wie jene, die zu Gott betet‘, antwortet Vicka ohne Zögern (L. Seite
135,136,154)“.

Daß die Muttergottes für uns Fürsprache einlegt, das wissen wir natürlich gut, flehen wir sie doch fünfzig oder hundert Mal pro Tag an: „Bitte für uns arme Sünder“. Daß aber SIE, die ganz Heilige, Unbefleckte Muttergottes, unsere Mutter, unsere Mittlerin und Miterlöserin, beschränkt sein sollte, ausschließlich die Rolle als Beterin innezuhaben, auf gleicher Ebene wie alle Gläubigen, das ist nun etwas, das in der neuen Theologie von Medjugorje äußerst suspekt wirkt. Bedeutende Details: Die Jugoslawische Muttergottes erscheint mit einem gräulichen Mantel „einem Grau… wie Milchkaffee… mit einem Blaustich“ (sic) (L. Seite 45), mit offenen Händen, die Handflächen gegen den Himmel gewendet, in der von der charismatischen Bewegung wieder zur Ehre gebrachten Gebetshaltung. Und in der Pfarreikirche wurde ihre Statue in der Mitte des Schiffes, inmitten der Gläubigen, auf gleichem Fuß wie sie, aufgestellt. Sie ist nicht mehr jene, zu der man betet, sondern jene, die mit uns betet, die privilegierte Animatorin des charismatischen Volkes.

Vor allem mache man nicht aus ihr—wie das in der Kirche von gestern nur allzuoft geschah — eine „allmächtige Mittlerin“. Sie selbst warnt uns davor: „Ich, sagte sie, kann euch nicht heilen. Gott allein kann heilen. Betet! Ich werde mit euch beten. Vertieft euren Glauben! Fastet! Tut Buße! Ich werde euch helfen, soweit es in meiner Macht steht, dies zu tun. Gott kommt allen zu Hilfe. Ich bin nicht Gott (sic). Ich benötige eure Gebete und eure Opfer, um mir zu helfen“. (S.K. Seite 86) Arme Muttergottes, die wirklich nicht viel für uns zu tun vermag, gefangen zwischen der göttlichen Allmacht und der — im Grunde allein wirksamen „Kraft“ unseres eigenen charismatischen Gebetes“ (Lesen Sie S.K. Seite 87!).

Aber es kommt noch besser. Die Muttergottes von Medjugorje betet nicht nur mit den Sündern, sondern wie die Sünder, als wäre sie nicht die Unbefleckte. So erschien sie am 8. Dezember 81 den Sehern als „sehr in Sorgen“. „Sie kniete nieder, öffnete die Hände, drehte sie gegen den Himmel und begann zu beten: ‚Mein geliebter Sohn, bitte verzeihe diese schweren und zahlreichen Sünden, durch die Dich die Menschheit beleidigt‘ … Als sie ihr persönliches Gebet beendet hatte, betete sie das Vaterunser und das Ehre sei dem Vater mit den Kindern; darauf sagt sie ihnen, sie bete jeden Tag so (sic) am Fuße des Kreuzes …“ (S.K. Seite 85). Dieses Mal ist es nicht mehr ein Datail, und es kann sich auch nicht um eine Unachtsamkeit handeln, besitzen wir doch mindestens ein Dutzend Aussagen der Seher, die bestätigen, daß Maria so die „Gewohnheit hat, mit ihnen das Vaterunser zu beten“. Die Unbefleckte würde also demgemäß — wie wir alle — dem Vater sagen: „Verzeihe uns unsere Schulden… Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel“? Das ist zumindest überraschend. Und dies umsomehr, als sie in Lourdes offensichtlich während des Ave Maria und Pater Noster, die Bernadette allein betete, die Lippen geschlossen hielt. Maria sprach nur, sich verneigend, das Gloria Patri, das einzige Gebet des Rosenkranzes, das für sie wirklich passend ist. (Siehe Trochu, die hl. Bernadette, Seite 84).

Die Muttergottes so heimlich und hinterlistig in die Reihen der Sünder zu überführen, das kann den charismatischen Protestanten — den Mitbrüdern von Laurentin nur gefallen. Und tatsächlich war David Duplessis, Pfingstler ersten Ranges und von großer geistiger Qualität etc., von seinem Besuch in Medjugorje sehr positiv beeindruckt… ‚Ihre katholische Überlieferung in Bezug auf Maria hat mir lange Zeit Angst gemacht, denn bei uns nimmt sie nicht so viel Platz ein… Aber in Medjugorje habe ich gemerkt, daß Maria zu Christus führt. Ich werde darüber zum Papst sprechen, wenn ich ihn sehe‘. Und Laurentin jubiliert: ‚Es ist ein gutes Zeichen, daß sich die Erscheinungen in Medjugorje nicht auf die historischen Eigenheiten des Katholizismus beschränken und eine ökumenische Dimension von großer Leuchtkraft besitzen (L. Seite 154). Anders gesagt, die charismatische Jungfrau von Medjugorje ist nicht die katholische Jungfrau. Dies entspricht genau dem, was wir selbst denken. Aber in diesem Fall, wer ist sie dann? Wer ist Urheber dieser berühmten „Extasen“, deren Fotografien — überall verbreitet — plötzlich die Berühmtheit von Medjugorje bewirkt haben?

Und was ist schlußendlich zu den persönlichen Mitteilungen zu sagen, die Maria an jene richtet, die sie darum bitten, vermittelt durch die Seher und meistens durch Pater Vlasic, der sie an die Empfänger weiterleitet? Viele sind von einer erschreckenden Banalität (siehe Lj. Seite 51! oder S.K. Seite 54,60). Zitieren wir nur eine, jene, die Abbé Laurentin am 26. Dez. 1983 zugute kam. Hier die Schilderung: „Maria betet für diese Arbeit. Möge jener, der sie unternimmt, sie im Gebet ausführen, dort wird er seine Inspiration finden“ (L. Seite 111). Ja, Sie haben richtig gelesen, und es handelt sich um das Buch, das im März 84 im Verlag O.E.I.L. herausgegeben wurde. Wie könnte man also es wagen, einem Werk gegenüber den geringsten Vorbehalt zu machen, wenn es die Muttergottes gut fand, die Welt wissen zu lassen, daß sie dafür gebetet hat und daß der Autor ohne Zweifel inspiriert war.

Und dennoch, inspiriert oder nicht, es genügt, das Buch zu öffnen, um festzustellen, daß es sich um eine schlampige Arbeit handelt, die von Ungefährem, Ungenauigkeiten und Widersprüchen wimmelt. Vergleichen Sie zum Beispiel die Geburtsdaten der Seher auf Seite 36 und 79: Vier von sechs stimmen nicht überein. Schauen Sie auf Seite 57, 58 und 59, wie Ivan Ivancovic, der nur am ersten Tag Seher war, unerschütterlich auf alle Fragen hinsichtlich der folgenden Erscheinungen antwortet! Es ist am Leser zu erraten, daß es sich zweifellos um Ivanka handelt. Doch anderseits wird auf Seite 39 der gleiche Ivan Ivancovic mit Ivan Dragicevic verwechselt.

Vor allem aber entbindet die charismatische Inspiration unseren Experten nicht von der elementarsten Ehrlichkeit: Nun aber hat er in einer solch schwerwiegenden Angelegenheit, in Dutzenden von Fällen die Tatsachen oder die Worte der Erscheinungen verschwiegen, die der Sache des Echtheitsanspruchs abträglich sein könnten, den um jeden Preis zu erreichen er sich doch zur Aufgabe gemacht zu haben scheint. Und wozu dieses so totale und rasche Engagement? Weil in Medjugorje Maria persönlich kommt, um mit ihrer himmlischen Autorität alle wichtigen Themen der postkonziliaren Theologie und Pastoral zu bestätigen. Sie begünstigt die „Charismatische Erneuerung“, sie geht einig mit der ökumenischen marialen Theologie von Laurentin und des Konzils und schließlich nötigt sie mit Bestimmtheit zu jener Religionsfreiheit, die Abbé de Nantes und seine Gegenreform im Gegensatz zu Papst und Konzil noch als eine gefährliche, dem Ursprung nach freimaurerische … und satanische Häresie zurückzuweisen wagt. Nun, die Jungfrau von Medjugorje ist ausdrücklich dafür. Und sie drängt darauf …

Ein pluralistischer Glaube

Tatsächlich, so erklärt es die Erscheinung, sind für Gott alle Religionen gleich an Wert: „In Gott gibt es weder Trennungen, noch Religionen (die zählen); Ihr in der Welt habt diese Trennungen geschaffen“ (R.F. Seite 51). „Alle Seher, bezeugt Pater Kraljevic, sind sich darin einig, daß die Muttergottes bestätige, daß es in Gott keine Rücksicht auf die Person gibt (sicher! aber diese Bestätigung der Schrift bedeutet nur, daß Gott niemanden a priori von seiner einzigen und wahrhaften Kirche ausschließt, und nicht, daß in seinen Augen alle Religionen gleichwertig sind).

Die Religionen als Mittel, die Menschen zu entzweien, gibt es also nicht. Die Unterschiede bestehen, weil sich die Gläubigen voneinander getrennt haben. Anders gesagt: unsere religiösen Schranken erheben sich nicht bis zu Gott, der alle Religionen mit gleichem Wohlwollen betrachtet: „Gott leitet alle Religionen wie ein König seine Untertanen mittels ihrer geistlichen Führer“ (S.K. Seite 58). Und die Untertanen sind alle gleich, da er ihre Unterschiede nicht kennt.

Erstes Gebot: „Du sollst die Religion deines Nächsten ehren“

Die Folge davon ist, daß wir die gebieterische Aufgabe haben, die Gläubigen oder Ungläubigen — aller Überzeugungen zu achten. Die Jungfrau von Medjugorje „sagt, daß wir jeden Menschen in seinem Glauben achten müssen. Ein Mensch darf nie während seines Lebens wegen seiner Überzeugung verachtet werden“ (S. K. Seite 59). „Sie sagt auch sehr oft, berichtet Mirjana, daß sich die Gläubigen, insbesondere in den Dörfern, zu sehr von den Orthodoxen und den Moslems absondern. Das ist nicht gut“. Ja, und sie wagt es selbst zu behaupten, daß diese Achtung der Religionsfreiheit ein integraler Bestandteil unseres Glaubens sei: „Ihr glaubt nicht, wenn ihr die anderen Religionen, Moslems und Serben, nicht achtet. Ihr seid keine Christen, wenn ihr sie nicht achtet“ (R.F. Seite 68).

Immerhin stellt darauf Pater Tomislav der Seherin die Frage, die sich aufdrängt: „Welches ist die Rolle Jesu Christi, wenn die mohammedanische Religion gut ist?“ Mirjana versteht den Einwand nicht: „Ich habe darüber nicht mit Maria gesprochen. Sie hat mir nur erklärt, was ich ihnen eben gesagt habe. Sie hat gesagt: „Besonders in den Dörfern herrscht ein Fehlen der Einheit der Religionen. Man muß die Religion von jedem achten und die eure für euch und eure Kinder bewahren“ (S.F. Seite 68). Wir befinden uns ganz im konziliaren Indifferentismus.

Und wenn sie hinzufügt: „Jesus Christus ist der einzige Mittler des Heils“ (L. Seite 136), so hat dieser Satz in ihrem Mund gar nichts Exklusives. Sie will damit sagen, daß Christus in gleicher, unsichtbarer Weise in allen Religionen handelt. So von den Sehern schon am 28. Juni 1981 mitgeteilt wurde: „Es gibt nur einen Gott, nur einen Glauben. Habt Vertrauen“ (L. Seite 39). Eindringlicher Appell, den Maria an alle, Juden, Mohammedaner ebensogut wie an Christen richtet; denn, wie Marcel Clément es in seiner Beschreibung der Erscheinungen ausdrückt: „Die Religionsverschiedenheit ist kein Hindernis“ zur großen Umkehrbewegung, die Maria fordert. (Homme Nouveau, 15. April 1984)

Von neuem jubiliert Laurentin, er schreit Sieg: „Die Erscheinungen von Medjugorje sind nicht „retro“ … Sie folgen ganz der Linie der postkonziliaren Seelsorge. Maria ermutigt zur Öffnung, zum Oekumenismus“ (L. Seite 136).

Man muß den Frieden fördern

Fragt man die Seher, welches die wichtigste Botschaft der Jungfrau sei, so antworten sie einstimmig: „Man muß beten und fasten; man muß sich bekehren und den Frieden fördern. Sie hat dies besonders betont“ (L. Seite 68). Und sie ermutigt ausdrücklich Papst Joh. Paul II., in seinen Anstrengungen auf diesem Gebiet fortzufahren, seine Politik der größtmöglichen Öffnung weiterzuführen, ohne irgend jemanden unter irgendeinem religiösen oder ideologischen Vorwand auszuschließen. Kurz, Oekumenismus und Ostpolitik. Und so lautet denn ihre Botschaft an den Papst: „Er soll sich als Vater aller Völker betrachten, nicht nur der Christen. Er soll unermüdlich und mutig ‚die Botschaft des Friedens und der Liebe aller Menschen‘ verkünden … Er soll den Glauben auf alle Völker ausbreiten; ‚denn wir sind mehr oder weniger alle gleich‘ (?!), und er soll auf seinem Weg ausharren“. (L. Seite 69)

Er soll sich beeilen, Rußland dem Unbefleckten Herzen Mariens zu weihen, indem er den Bitten von Fatima genau entspricht (denn Sr. Luzia hört nicht auf — selbst nach dem letzten 25. März — vor jedermann zu wiederholen, daß dies immer noch nicht geschehen sei und daß dies die dringende Bedingung zur Bekehrung Rußlands sei, von dem die Bekehrung der Welt abhängt). Nein! Seltsam, im Laufe ihrer tausend Erscheinungen, in den wiederholten Botschaften, die sie an den Papst weiterleiten ließ, fand sie noch nicht die Zeit, dies zu sagen. Vielleicht hat sie es vergessen? Marcel Clément, seinerseits, neigt dazu zu glauben, daß sie das Blatt gewendet —, daß sie das Aggiornamento vollzogen hat, um sich in allen Punkten, als demütige Dienerin, „als Tochter, die der Kirche seines Sohnes untergeordnet ist“ (sic) den Direktiven des gegenwärtigen Papstes (H.N. 15. April 84) anzugleichen. Seltsame, verzweifelte, absurde Hypothese? Es ist auf jeden Fall jene, die diese postkonziliaren Erscheinungen aufzuzwingen versuchen.

Ein Liebeskuß für Papst Johannes Paul II.

Obwohl ihn Laurentin nicht übernommen hat, handelt es sich hier tatsächlich um einen authentischen Bericht von der Erscheinung vom 3. Sept. 1983. Es ist ein Auszug aus dem Tagebuch von Ivan. Somit ist es der Seher selbst, der erzählt: „Ich war im Studierzimmer in meine Arbeit vertieft. Plötzlich leuchtete ein Licht vor mir auf, und die Jungfrau ist mir erschienen. Wir haben viel miteinander gesprochen, dann haben wir uns still lächelnd angeschaut. Sie blieb 15 Minuten. Dann bewegte sie sich zum großen Bild Papst Joh. Paul II. hin, dem sie mit lächelndem Gesicht einen Kuß gab. Dann verrichtete sie vor dem Bild Gebete, bei denen ich antwortete. Bevor sie verschwand, hat sie gesagt: „Gehe im Frieden Gottes, mein Engel. Amen. Adieu.“ (Lj. Seite 59)

Eigenartig! eigentartig! dieser Kuß der Jungfrau für den Papst. Es ist dies etwas in der Geschichte der Offenbarungen und Erscheinungen noch nie Dagewesenes und ohne Beispiel! Die folgende Vision ist nicht weniger eigenartig und beunruhigend.

Eigenartige Wandlung einer Erscheinung

Nach dem Zeugnis der Seher sehen sie — bevor die Jungfrau erscheint — ein Licht, in dem sie dann sichtbar wird.

Nun, hören wir, was Pater Vlasic uns von Mirjana erzählt: „Eines Tages, wie sie auf die Heilige Jungfrau wartet, sieht sie das Licht, und aus dem Licht trat der Teufel hervor, mit den Zügen und den Kleidern Mariens verkleidet, aber er hatte ein schrecklich schwarzes Gesicht und sah sie mit stechenden Augen an …“ Er bot ihr alle Freuden der Welt an, was sie ablehnte. „Nach einer Weile ist die Jungfrau gekommen und hat ihr gesagt: ‚Entschuldige mich für das (sic); aber du mußtest ihn sehen, damit du weißt, daß es ihn gibt und auch um zu wissen, daß du in der Welt Versuchungen ausgesetzt sein wirst“ (Téqui, Seite 12). Göttliches Licht … Satan der daraus hervortritt, halb diabolisch, halb verkleidet mit den Zügen Mariens … Dann das Zurückkommen „der Jungfrau“, die die Sequenz programmiert hatte. Wer erscheint da schlußendlich?

Vorläufige Schlußfolgerung

Unser Dossier von Medjugorje ist umfangreich und nimmt jeden Tag zu. Nächstens werden wir die Darstellung der Tatsachen abschließen und die Schlußfolgerungen ziehen, provisorische wohlverstanden, in der Erwartung der Entscheide der zuständigen kirchlichen Autorität. Trotzdem können wir schon jetzt zwei wichtige Elemente feststellen.

An diesem 4. Mai (1984), wo ich diesen Artikel abschließe, veröffentlicht „La Croix“ einerseits folgenden Artikel: „Die Kommission, die vom Bischof von Mostar in Jugoslawien, Mgr. Pavao Zanic, eingesetzt wurde, um die Folgen der marianischen Erscheinungen von Medjugorje zu prüfen, hat eine gewisse Anzahl von Vorbehalten bezüglich gewisser Publikationen über die Ereignisse ausgedrückt. Warum sollen wir nicht anderseits die Klugheit und die Klarheit unseres Vaters (Abbé de Nantes) schätzen, der seit unserem Kongreß vom 3. – 5. Oktober 1981 die Authentizität dieser Erscheinungen aus zweierlei Gründen in Zweifel zog: weil die Jungfrau das Versprechen gab, den Menschen — egal welcher Religion sie angehören — den Frieden zu geben, und weil sie den Sehern „Geheimnisse“ offenbarte, die die übernatürlichen Gegebenheiten von Fatima noch überbieten könnten, dieses Fatima mit seinen dringlichen Botschaften, welche die ganze Feindschaft der heute so losgelassenen Mächte der Finsternis heraufbeschwören, so daß man zum Schluß kommen kann: „Das könnte wiederum ein Getue Satans sein, damit wir Fatima vergessen“. Das wäre eine Hypothese, die — weit davon entfernt, ein Hirngespinst zu sein — uns den Schlüssel zu diesen eigenartigen jugoslawischen Erscheinungen geben könnte. Dies wollen wir demnächst in einer Folge dieser Studie prüfen.

Frère Michel de la Sainte Trinité

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Aus dem Französischen übersetzt von Albert Frey

Ein Kommentar zu “Erscheinungen in Medjugorje? (Erster Teil)

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