LA SALETTE – DOKUMENTE

ZWEITER TEIL siehe: Bericht über die Erscheinungen Unserer Lieben Frau von La Salette von Maximin Giraud

DRITTER TEIL:

Grundsätzliche Einwände, die den Kindern von La Salette gegenüber gemacht wurden.

Im Verlauf unseres Lebens sind wir — die Kinder von La Salette — häufig befragt worden; dabei wurde uns oft widerspro­chen. Alle bis zum heutigen Tag gegen uns vorgebrachten Vermutungen lassen sich im Grunde auf drei hauptsächliche zurückführen.

1)          Man hat uns als verschlagene Gemüter hingestellt, fähig, eine Geschichte zu erfinden, in der die verschiedenen Partien zusammenhängen und sich in erstaunli­cher Weise gegenseitig stützten; man stell­te uns hin als mutig genug, ein solches Machwerk in Gegenwart beeindruckender Hörerschaften aufrechtzuerhalten und be­zeichnete es als glücklichen Umstand, daß unser Bericht hingenommen wurde.

2)          Man betrachtete uns als Wesen von einer an Idiotie grenzenden Unbefangen­heit; als dumm genug, um einem Betrüger als Marionetten zu dienen, aber auch als dickköpfig genug, um an solch verrückter Überzeugung festzuhalten.

3)          Letztlich haben mehrere, die uns weder die Genialität, noch die Dummheit zutrauten, in uns nur die überwältigten Zuschauer eines natürlichen Vorgangs ge­sehen, den sie anschließend als Wunder ausgaben.

Anderes vermochte man nicht vorzubrin­gen. Diese Einwände erschienen in den verschiedensten Ausgestaltungen, die hier ihrer Länge wegen nicht wiedergegeben werden können, und weil sie zudem nichts Wissenswertes darstellen.

Es sei bemerkt, daß solche Einwände immer auf widersprüchliche Erklärungen zurückgreifen müssen.

Bemerkenswert ist auch, daß die Mit­tel, die man angewandt hat, um einer Schwierigkeit zu entgehen, in jedem Fall eine noch beträchtlichere herbeiführten.

Welche Mittel, außer den einfachen Worten, konnte man unserem Bericht entgegenstellen, um ihn in seiner Natür­lichkeit nicht annehmen zu müssen, als: „Kinder ihr seid kleine Lügner.“ Seht doch, wie viele Fragen sie (die Erschei­nung) aufwirft. Aus welchem Grund wollen diese Kinder uns täuschen? Wel­chen Zweck verfolgen sie damit? Wie haben sie ihren Komplott geplant? Wel­chen Erfolg versprechen sie sich davon? Sind sie derart ehrgeizig, daß sie sich so einen Namen machen wollen, sind sie habgierig, daß sie dem Glück nachjagen, oder sind ihre Herzen derart abgestumpft, daß sie auf der Suche nach neuen Lustgefühlen sind? Denn der Mensch lügt doch nicht einfach um der Lüge willen, besonders nicht in Bezug auf eine solch ernste Sache, und schon gar nicht in einer solch unerschütterlichen Weise. Mit wel­cher Erkenntnis sind diese frühreifen Kinder nicht begabt, da sie das Geheimnis entdeckt haben, die öffentliche Neugierde mit der heißumstrittenen Frage der Epo­che bis zum äußersten zu reizen, mit der Frage nach dem Übernatürlichen. Mit einer erstaunlichen Klarsicht haben sie alle möglichen Einwände vorausgesehen. Die subtilsten Verhöre haben sie nicht abgeschreckt; die verfänglichsten Fragen haben sie nicht verwirrt. Allen ihnen gestellten Fallen entzogen sie sich mit klaren und entschiedenen Antworten. Gleichgültig, ob sie zusammen oder ein­zeln befragt wurden, ihre Aussagen stimmten überein, vervollständigten und bestätigten sich bis in die kleinsten Einzelheiten. Die Theologen bekannten sich geschlagen, die Rechtsvertreter und die Wissenschaftler, anfänglich außerge­wöhnlich kühn, fürchteten bald bezüglich ihrer eigenen Angelegenheit, zu klar sehen zu müssen. Das ist jedoch noch nicht alles. Diese kleinen Listlinge, einerseits von einer solch wunderbaren Begabung, sind dennoch so demütig, daß man sie in ihrer Heimat als ungebildet erachtet, als unfähig, etwas zu lernen, als faul und gleichgültig, unfähig, ihren Katechismus zu verstehen und als so vergesslich, daß sie auf dem Weg vergessen, was man ihnen zu tun aufgetragen hat. Diese Schelme sind einerseits so verdreht, daß sie das Universum zum Narren haben, zum ande­ren so heuchlerisch, daß jeder sie für treuherzig und unschuldig hält.

Wer immer mich als Betrüger hinstellt, höre was ich darauf erwidere:

Wenn man mich schon als so verschlagen hinstellt, eine solche Schurkerei zu erfin­den, wieso verlangt man von mir noch die Dummheit, daß ich gegen meine Interes­sen handle? Das hieße ja, daß ich mich großer Raffinesse bediente und dabei eine ebenso große Dummheit beginge. Diese beiden Dinge lassen sich nicht vereinba­ren. Wenn ich je nach Glück, Ruhm und Annehmlichkeit gestrebt habe, so muß ich zugeben, daß ich dabei vom Weg abgekommen bin. Ich bedaure nicht, von diesen Dingen nichts gefunden zu haben. Meine Zeugenschaft ist vielmehr der Grund meines Mißgeschicks gewesen. Wa­rum ließ man mich nicht in den Bergen? Dort hätte mein Leben einen unbeweg­teren, einen glücklicheren Verlauf genom­men. Solange ich unter meinen Landsleu­ten lebte, hatte ich keine Ahnung, was es heißt, unter Fremden zu leben. Und das Schwarzbrot meines Dorfes hätte mir nicht so oft gefehlt, wie die Nahrung in der Großstadt. Ich behaupte sogar, daß ich sofort hätte reich sein können, wäre ich nur feige und selbstgefällig genug gewesen, um mich zu verleugnen.

Was wäre daran schon so mühsam gewesen, die Wahrheit nachträglich wie­der zu behaupten, gesetzt den Fall, ich hätte sie verraten, wenn ich dabei den Gewinn eines unglaublichen Skandals hätte ernten können, indem ich meinen Namen allen öffentlichen Echos ausgelie­fert hätte? Die, welche mir solche Schlechtigkeit unterstellen, ahnen nicht, daß ich vor dem Skandal Furcht empfin­de.

Ich fasse zusammen: Wie sollte ich zugleich so erfinderisch und so dumm, so mutig und so halbherzig, so verschlagen und so bedächtig sein? Bin ich nun das unerklärliche Ungetüm, oder ist es viel­mehr die Annahme meiner Gegner, die so monströs ist? Im ersten Fall verlasse man die Hypothese, im zweiten erkenne man in der moralischen Ordnung ein Wunder, das wenigstens so groß ist, wie dasjenige, das ich verteidige.

Nachdem unsere Gegner in diesem Punkte geschlagen waren, griffen sie zur anderen Extremität und verwandelten uns auf der Stelle mit einer den Zauberern unbekannten magischen Kraft in kleine Idioten, Opfer einer Hinterlist, zu deren Verbreiter wir uns machten.

Hierauf antworte ich folgendes:

Falls unsere Einfachheit uns in die Gefahr bringt, der Falschheit zu glauben, so hat sie uns doch nicht gehindert, bei der Wahrheit zu bleiben; und wenn es so leicht war, uns irrezuführen, wieso war es dann so schwer, uns von unserer Über­zeugung abzubringen? Die Hartnäckigkeit, die man uns vorhält und die wir selbst gegenüber den hervorragendsten Männern unserer Epoche nicht aufgaben, zeigt, wie wenig anfällig wir gegenüber fremden Einflüssen sind; und wenn die Gründe derjenigen Personen, die geistig über uns stehen, auf uns keinen Eindruck machten, so deswegen, weil sie im Vergleich zu dem Ereignis, das wir bezeugen, äußerst schwach sind. Warum muß man uns je nach der Notwendigkeit einmal zu glaub­würdigen Kindern und einmal zu unüber­zeugbaren Gemütern machen? Befinden sich in uns zwei Wesen, die sich gegensei­tig zerstören? Ehe man das Wunder von La Salette leugne, erkläre man mir jenes andere Wunder in der geistigen Ordnung.

Nein, wird man sagen: hören wir auf, unschuldige Kinder zu beschuldigen. Sie glaubten zu sehen, was nicht existiert. Diese Dinge kann man optisch erklären. ­Aber wie! Sind Melanie und ich zur gleichen Zeit der selben Täuschung zum Opfer gefallen, da — merkwürdigerweise — unsere getäuschten Ohren die gleichen Worte vernommen haben und unsere Augen das gleiche sahen? Muß man (um der gegnerischen Erklärung willen) die ganze Natur umkehren, damit die Gesetze der Natur nicht (wie durch unsere Aussa­gen) verkehrt seien? Diese (unsere) plötzliche Krankheit, die sich durch nichts ankündigte und die keine Folgen hinterließ, ist so außergewöhnlich, wie die Tatsache, die (mit ihr) zurückgewiesen wird.

Man wähle nun die Seite, auf die man sich zu stellen wünscht. Nur sage ich, daß wer mein Zeugnis nicht annehmen will, immer in einer Sackgasse enden wird. Man erhebt sich entweder mit meiner Aussage zum Übernatürlichen, oder man stürzt in die Absurdität. Welcher Akt des Glaubens ist nicht nötig, um die Wahrheit des Wunders anzuerkennen in einem Jahrhundert, das den göttlichen Tatsa­chen gegenüber so feindlich eingestellt ist? Und doch, zu welcher Annahme von ungereimten Tatsachen ist man nicht gezwungen, um die Verneinung des Wun­ders zu stützen? Ich überlasse meinen Lesern diese einzigartige Alternative.

Denjenigen, die mir widersprechen, begegne ich nicht mit dem Einwand, den sie mir gegenüber gebrauchen. Ich hätte ihnen sagen können, daß erneute Wunder das erste stützen werden. War es nicht schon wunderbar zu sehen, wie die Kinder, die am Vortag noch kein Franzö­sisch sprechen konnten, sich nunmehr leicht in dieser Sprache verständlich ma­chen und aus dem Gedächtnis eine lange Rede hersagen konnten, — sie, die bis dahin kein Vaterunser behalten konnten? War es nicht wunderbar, das Fliessen der Quelle zu sehen, die seither nicht mehr versiegt ist, zudem die außergewöhnlichen Heilungen, die zahlreich und genauestens bezeugt sind? Ist es nicht wunderbar, jene Menge von Menschen zu sehen, die sich infolge unseres Berichtes bekehrten, obwohl sie uns mit den letzten Vorurtei­len begegneten, ja uns oft mit Verachtung empfingen? Es ist in der Tat Maria, die durch unseren Mund spricht, die uns plötzlich zu Theologen, zu Rechtskundi­gen, zu Wissenschaftlern, zu Dichtern und mehr noch, zu Propheten verwandelt.

Aber warum sollte ich mich über diese Dinge verbreiten, wo ich doch größere Autoritäten als mich anführen kann? Der Himmel und die Heilige Kirche haben unsere Zeugenschaft bekräftigt:

Der Himmel durch die kanonisch aner­kannten Wunder; die Heilige Kirche durch Reskripte, päpstliche Sendschreiben und Indulte, durch den die kirchliche Lehre betreffen­den Hirtenbrief von Mgr. de Bruillard, Bischof von Grenoble. Ich zähle sie hier auf für jene frommen Personen, die mit der Kirche glauben wollen und für diejeni­gen, die sich ernstlich und ohne Vorbe­halt über die Erscheinung Unserer Lieben Frau von La Salette informieren wollen. Diejenigen, die sich berufen fühlen, alles, sogar die Gewißheit, zu verneinen, müs­sen, ehe sie uns bekämpfen, die Akte des Himmels und der Kirche, die sich zu Gunsten unserer Aussagen entschieden haben, beiseite schaffen.

Maximin Giraud

(Fortsetzung folgt)

(Übersetzung aus dem Französischen von Günther Mevec, Gröbenzell)

(Aus: „DAS ZEICHEN MARIENS“, 1970, Dezember)

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