LA SALETTE – DOKUMENTE

(Übersetzung aus dem Französischen von Günther Mevec, Gröbenzell)

Bemerkung des Herausgebers

Die Zeugnisse, die in dieser Arbeit veröffent­licht werden, stellen eine erste Sammlung zur Darstellung einer wirklichen, vollständigen und objektiven Geschichte La Salette’s dar. Sie wurden uns übermittelt von der ‚Association des Enfants de N.-D. de La Salette‘ und von der ‚Association de Saint Grignion de Montfort‘, deren öffentlicher Sitz in Saint-Laurent-sur-Sèvre (Vendée) ist.

Die 1901 gegründete Vereinigung befasst sich mit der Untersuchung und gelegentlichen Ver­öffentlichung aller Zeugnisse, die sich auf die Erscheinung vom 19. September 1846 in La Salette (Diözese Grenoble) beziehen. Die Ver­einigung verfügt gegenwärtig über eine nahezu vollständige Bibliothek, welche die Schriften, die im vergangenen Jahrhundert zum Thema ‚La Salette‘ erschienen sind, enthält. Sie verfügt des weiteren über zahlreiche unveröffentlichte Stücke, insbesondere über mehr als 800 Briefe des Hirtenmädchens von La Salette.

Der Brief ist ein Hauptzeugnis. Alle Geschichts­schreiber erkennen an, daß der Autor, der Held oder der Heilige im Brief fortlebt, und daß der Geist dessen, der ihn geschrieben hat, im Brief lebendig greifbar ist.

Der Brief vermeidet die Verschweigung und den Umweg. Er bekundet hellste Freimütigkeit, und man steht mit ihm auf dem festen Boden der Tatsache, die die geschichtliche Gewißheit erzeugt.

Ausser dem Bericht über die Erscheinung durch die beiden Zeugen Maximin Giraud und Melanie Calvat, geben wir hier 32 Briefe der Letzteren an Abbé Le Baillif, einen französischen Priester wieder, die Grabrede des Domherrn Annibale Di Francia von Messina, sowie seine Ansprache zur Einweihung des zu Ehren der Hirtin von La Salette errichteten Denkmals.

EINLEITUNG

Diese erste Sammlung von Zeugnissen erlaubt dem Leser den direkten Kontakt mit den beiden Zeugen der Erscheinung vom 19. Sep­tember 1846: mit Mélanie Calvat und Maximin Giraud, von deren Korrespondenz ein Teil zusammengestellt wurde.

Mélanie Calvat hat viel geschrieben und zwar in Französisch so viel wie in Italienisch. Die Vereinigung verfügt über folgende der französi­schen Briefe:

32 Briefe an Abbé Le Baillif sind in der vorliegenden Arbeit im Original, d.h. (in der französischen Version) mit den orthographi­schen und den Interpunktionsfehlern wiederge­geben.

22 Briefe an Abbé Roubaud, Pfarrer von Vins, verfasst in der Zeit vom 20. Juli 1891 bis 6. Februar 1897;

39 Briefe an Mutter St-Jean, Nonne in Maran­ville (Haute-Marne), vom 20. Juni 1885 bis 31. Dezember 1900;

151 Briefe an Frl. Vernet und Herrn Schmid, Paris, i.d.Zt. vom 14. September 1894 bis 2. September 1897;

165 Briefe an Abbé Combe, Pfarrer von Diou (Allier), i.d.Zt. vom 30. Januar 1896 bis 13. Dezember 1904;

372 Briefe an den Domherrn Brandt, i.d.Zt. vom 23. März 1877 bis 16. März 1903.

Es ist von der Sache her logisch, daß vor der Wiedergabe der Briefe an Abbé Le Baillif die offiziellen Berichte der beiden Zeugen über die Erscheinung vom 19. September 1846 veröf­fentlicht werden.

Der Bericht Maximins ist unauffindbar, obwohl er dreimal veröffentlicht wurde. (1866, 1870, 1873) Wir geben hier den Text der ersten Ausgabe wieder. Maximin Giraud, der am Erscheinungstag — am 19. September 1846 —, zehn Jahre alt war, ist am 1. März 1875 in Corps, seinem Heimatort, wie ein Heiliger gestorben, ohne sein Geheimnis offenbart zu haben.

Mélanie Calvat, später Schwester Maria vom Kreuz, war vierzehn Jahre alt, als sie zu La Salette die Allerheiligste Jungfrau schaute. Während ihres siebzehnjährigen Aufenthaltes in Castellamare Di Stabia, nahe Neapel, hatte sie Msgr. Salvator Zola, Bischof von Lecce, zum geistlichen Führer. Seine bischöfliche Kurie untersuchte den vollständigen Bericht der Hir­tin von La Salette, dessen Veröffentlichung Msgr. Zola am 15. November 1879 genehmigte. Die Hirtin von La Salette veranstaltete 1904 eine endgültige Ausgabe ohne irgendeine Text­änderung. Der Bericht, den wir hier wiederge­ben, enthält die Prophezeiung von La Salette. Die Bevorzugte Mariens behielt während ihres ganzen Lebens jedes einzelne Wort der Prophe­zeiung in vollständig klarer Erinnerung. Dieses geistige Wunder war notwendig, damit die Botschaft in ihrer Vollständigkeit übermittelt würde. Die beiden Hirtenkinder waren ungebil­det und kannten nur den Dialekt von Corps. Und dennoch gaben sie die Botschaft, die sie gemeinsam von der „Schönen Frau“ erhalten hatten, sogleich bei der Erscheinung in Franzö­sisch wieder.

Im Gehorsam gegenüber dem Dekret des Hl. Offiziums vom 15. Dezember 1915 enthält sich die Vereinigung jeden Kommentars und jeder Interpretation. (Auskünfte zum Thema La Salette erteilt das Sekretariat der „Association des Enfants de N.-D. de La Salette“, boîte postale no 8, Beaupréau (M.-et-L.)

Zum Abschluß dieser ersten Serie von Zeugnis­sen geben wir die Übersetzung der beiden italienischen Reden des Domherrn Annibale di Francia wieder. 1897 lebte in Messina tatsäch­lich der Domherr Annibale-Maria di Francia, Nachkomme des Fürstenhauses von Anjou. Der Beginn seiner Gründung der antoninischen Schwestern erwies sich als schwierig. Daher griff der Domherr auf die guten Dienste des Bischofs von Lecce zurück, welcher ihm die Hirtin von La Salette sandte.

Am 15. Dezember 1905 hielt der Domherr Annibale di Francia selbst in der Kathedrale von Altamura die Begräbnisrede für Schwester Maria vom Kreuz. Am 19. September 1920 hielt er in der Klosterkapelle der antoninischen Schwestern anläßlich der Aufstellung des Grab­mals zu Ehren jener, die als Mitbegründerin gilt des Instituts der Töchter des Göttlichen Eifers des Herzens Jesu die Festrede.

Zum Abschluß der Ankündigung dieser Veröf­fentlichung sei bemerkt, daß die mit dem Thema La Salette zusammenhängende italieni­sche Dokumentation noch zu untersuchen ist. Folgende Sachgebiete fallen darunter:

Briefe an Mgr. Zola, Bischof von Lecce;

Briefe an Mgr. Petagna, Bischof von Castellama­re;

Briefe an Dona Consenti von Galatina;

Briefe an den hochw. Herrn Pater Fusco, Redemptorist und lange Zeit Kaplan Melanies in Castellamare;

Briefe an den Domherrn Annibale di Francia von Messina;

Briefe an Mgr. Cecchini, der die Hirtin von La Salette in seinem bischöflichen Ort Altamura empfing.

Möchten diese ersten, hiermit der Öffentlich­keit übergebenen Zeugnisse die glückliche For­schung anregen, damit die Wahrheit in der Liebe klar werde: faciens veritatem in caritate.

Mein Glaubensbekenntnis
zur Erscheinung
Unserer Lieben Frau
von
LA SALETTE

(Oder die Antwort Maximin Girauds, eines der Hirtenkinder (päpstlicher Zuave) auf die gegen den Glauben der Zeugen gerichteten Angriffe.

Nur wenige der Briefe Maximin Girauds sind uns erhalten. Über das Leben des Hirtenknaben von Ablandins (das Dorf, das die beiden Kinder am Morgen des 19. September 1846 verließen), ist wenig bekannt. Zu diesem Thema beabsich­tigen wir die Veröffentlichung eines besonderen Bandes. Das Zusammentreffen Maximins mit dem Pfarrer von Ars im Mai 1851 und sein Eintritt in die päpstliche Armee sind die bekanntesten Abschnitte seines Lebens.

„Kommt näher meine Kinder, fürchtet Euch nicht. Ich bin gekommen, um Euch eine wichtige Nachricht zu verkünden.“ „Wohlan meine Kinder, macht sie meinem ganzen Volke bekannt.“

VORWORT

Nachdem in den Spalten der ‚Vie parisienne‘ mehrere Monate hindurch Angriffe gegen mich abgedruckt wurden, hatte ich die Absicht, darauf sofort und in Form der vorliegenden Broschüre zu antworten. Der Wunsch, die Angelegenheit einfach zu vergessen, meine Abneigung gegen Publizität, und wenn ich es zu sagen wagen darf, die mir natürliche Zurückhal­tung, haben mich umgestimmt.

Indes haben sich die Gemüter beunruhigt, und ich bekam zahlreiche Briefe, die mich zur Stellungnahme aufforderten. Ich glaube, mit derselben nicht mehr länger warten zu sollen und veröffentliche meine bescheidene Arbeit.

Möge Gott sie segnen! Maximin GIRAUD

ALLERHEILIGSTE, UNBEFLECKTE JUNGFRAU MARIA,
UNSERE LIEBE FRAU VON LA SALETTE

Erlaube, daß ich Dir diese Schrift zu Füßen lege. Mögest Du — da ich inzwischen erwachsen bin —, es fügen, daß meine Stimme so wahr und rein sei, wie einst, da ich von Deinem heiligen Berg herunterstieg, um die große Nachricht, die Du mir gegeben hast, Deinem ganzen Volke zu verkünden.

Ich hätte — Allergütigste Mutter —, nie geschrieben, hätte man nicht mein Zeugnis bezweifelt und es wider Dich gewandt, und hätte man mir nicht Worte zugeschrieben, während ich tiefes Stillschweigen bewahrte.

Dich allerheiligste Jungfrau bitte ich, Dich rufe ich an unter Deinem Namen Unserer Lieben Frau von La Salette, Du wollest mir die Gnade schenken, daß ich Dein Erscheinen bis ans Ende meiner Tage bekenne, wie es alle Zeugen der Kirche für die Gottheit Unseres Herrn Jesus Christus getan haben.

Am 2. Februar 1866

An die Verteidiger
Unserer Lieben Frau von La Salette

Ich beginne, indem ich Ihnen, meine Herren, von ganzem Herzen danke für all Ihre Schriften zu Gunsten Unserer Lieben Frau von La Salette, wie auch für die Verteidigung der kleinen Zeugen.

Haben Sie die Güte, ihr Werk fortzusetzen; denn es unterstützt die in unserer Zeit so verleugnete Wahrheit.

 

ERSTER TEIL

Der Hirte von La Salette hat bis zum heutigen Tag nichts über die Erscheinung mit der er geehrt wurde, geschrieben. Der nachfolgende Artikel, veröffentlicht in ‚La Vie Parisienne‘ am 11. Nov. 1865, Nr. 43, bewog ihn, sein Glaubensbekenntnis abzulegen und das Zeugnis seiner Kindheit erneut zu bekräftigen:

„Es gibt eigentlich niemanden, der nicht an das Wunder von La Salette glaubt; denn nichts ist natürlicher. Übernatürlich ist jedoch, was sich seither zugetragen hat. Man versichert uns nämlich, daß der Junge (inzwischen erwachsen), der Zeuge der Erscheinung war, sich weigert, an diese zu glauben.

„Er wurde zuerst in einem Seminar untergebracht. Da er jedoch eine sehr wenig orthodoxe Einstellung zeigte, entließ man den widerspen­stigen Mortara wieder in die Öffentlichkeit. Trotzdem er mit dem Kirchenbann (Anathema) belegt wurde (Marathena) — Der Verfasser wollte gewiss, ich weiß nicht warum, den hl. Paulus zitieren; aber der große Apostel sagt Maran-Atha und nicht Marathena), entschloß sich eine Vereinigung religiöser Frauen, das Kind des Wunders aufzuneh­men: man erwärmt die kleine Schlange in der Familie.

„Man muß gesehen haben, wie er sich vor Lachen biegt, wenn er zufällig den berühmten Gipsabdruck sieht, auf dem er mit seiner Schwester dargestellt ist, in Ekstase versunken vor der Jungfrau in der auvernischen Tracht. Die Schwester, deren Charakter flexibler ist, läßt sich in einem Kloster einsperren, wo die Arme für das, was sich ereignet hat, betet.“

Einige Tage später konnte man in der selben Zeitung Folgendes lesen:

„In unserer Ausgabe vom 11. November haben wir einen kleinen Artikel über den Hirten von La Salette veröffentlicht. Herr Maximin Giraud sieht darin Äusserungen, die seinem Ansehen als ehrenhaftem Menschen und Katholiken schädlich sind. Daß dadurch die Aufrichtig­keit seines Zeugnisses berührt wurde, das er vor Verwaltungs-, Rechts- und den kirchlichen Behörden, sowie vor einer Anzahl von Personen ablegte, hat ihn besonders betroffen.“

„Wir erklären daher mit dem besten Gewissen, daß wir ihm gegenüber keinerlei böswillige Absichten hegten und gestehen ohne weiteres ein, daß die uns zugestellten Informationen unrichtig sind.“ (Journal la Vie parisienne, Nr. 1, Samstag, den 6. Januar 1866)

Es ist lange her, daß ich als Christ die persönlichen Beleidigungen zu Füßen des Kreuzes gelegt habe. Ich müßte mich jedoch als Apostat betrachten, der die ganze Verwünschung des Himmels auf sich herabzieht, wenn ich als Zeuge der Erscheinung nicht zu Gunsten meiner Aussagen und meines Glaubens an die Erscheinung Unserer Lieben Frau von La Salette protestierte.

Weil ich mich infolge der Erscheinung nicht für den geistlichen Stand entschieden habe, glaubten mehrere, in meinem Wandel die Verneinung meiner ersten Aussagen zu sehen und schrieben mir eine Unglaubwürdigkeit zu, die ich mit der ganzen Kraft meines Gewissens zurückweise.

Es ist sicher, daß die Person, die mich provozierte, für sich, wie auch für die anderen gleicher Gesinnung, ein Glaubensbekenntnis fordert. Sie will wissen, ob ich wirklich überzeugt bin von dem großartigen Privileg, das ich unverdientermaßen von der Allerheiligsten Jungfrau Maria, der Mutter Unseres Herrn Jesus Christus empfangen habe.

Vielleicht hätte ich Grund gehabt, von meinem Gegner eine gebildetere Sprache und eine höflichere Form zu erwarten. Ich mache ihm jedoch diesbezüglich keinen Vorwurf, da er sich von den Zeilen, die ihm keinerlei Ehre gemacht haben, distanziert hat. Mag sein, daß ich ­wie es ihm scheint —, ein Knirps bin, habe ich doch nie behauptet, eine Persönlichkeit zu sein. Dennoch respektiere ich die Anderen in meiner Sprache, und wäre glücklich, wenn sie mich in derselben Weise behandelten.

Damit man mich künftig bezüglich des Ereignisses von La Salette nicht mehr in Wendungen wie: „man versichert, man sagt, man berichtet“ — beschuldigt, so erkläre ich, der Zeuge der Erscheinung Unserer Lieben Frau von La Salette, der nunmehr erwachsen ist und das 30. Lebensjahr vollendet hat, der im vollen Besitz seiner Sinne ist, frei und unabhängig, daß ich weit davon entfernt bin, das, was ich auf dem heiligen Berg gesehen und gehört habe, nicht glauben zu wollen, sondern daß ich vollkommen bereit bin, mein Leben hinzugeben, um die Wahrheit dieses großen Ereignisses zu unterstützen und zu verteidigen.

Ich hoffe, daß ich mit der Gnade Gottes und der Hilfe der Allerheiligsten Jungfrau Maria, die wir unter dem Namen Unserer Lieben Frau von La Salette anflehen, nicht schwach werde, wenn sich die Gelegenheit zum Bekenntnis ergibt.

„Das Kind zeigte eine sehr wenig orthodoxe Einstellung.“

Wenn man ehrliches Interesse an der Wahrheit hat, hält man sich an Tatsachen, d.i. man erfindet sie nicht einfach. Was meine orthodoxe Haltung angeht, so würde eine große Anzahl von Pilgern, die sowohl durch ihren Geist, wie auch durch ihre Tugend ausgezeichnet sind, eine große Anzahl hervorragender geistlicher Personen aus allen Ständen der Hierarchie, sowie die Lehrer des Seminars, in dem man mich zuerst untergebracht hatte, meine Mitschüler, und wenn nötig viele andere Personen ernsthaft bestätigen, daß ich dem Heiligen Stuhl treu ergeben bin, und daß ich mich in allem was die Hl. Römisch-Katholische und Apostolische Kirche lehrt, vollkommen unterwerfe.

Auch verberge ich vor niemandem, daß ich durchaus glücklich wäre, mein Blut für den Glauben zu vergießen.

Solcher Art ist meine orthodoxe Einstellung.

„Trotzdem er mit dem Kirchenbann belegt wurde.“

Bei dem vom Verfasser des Artikels angesprochenen Bann handelt es sich zweifellos um den der Pietätlosigkeit. Wohlan! Über ihn bin ich so stolz, wie man es nur sein kann.

„Eine Vereinigung religiöser Frauen entschloß sich, das Kind des Wunders aufzunehmen. Man erwärmt die kleine Schlange in der Familie.“

Über die Sicherheit zu lächeln, mit welcher der Verfasser bezüglich meiner Aufnahme durch die Vereinigung religiöser Frauen spricht, konnte ich mich nicht enthalten; denn dieses Mißverständnis ist einzigartig. Er hat nämlich ein Bataillon Zuaven (päpstlicher Truppen) mit einer Frauenvereinigung verwechselt. Aber nicht, weil er es gesehen hätte, bringt er diese Tatsache vor.

„Man muß gesehen haben, wie er sich vor Lachen biegt, wenn er zufällig den berühmten Gipsabdruck sieht, auf dem er mit seiner Schwester dargestellt ist, in Ekstase versunken vor der Jungfrau in der auvernischen Tracht.“

Vor dem La Salette darstellenden Abdruck empfinde ich nicht die unanständige Lächerlichkeit, die man mir unterstellt. Ich verneige mich vielmehr mit Respekt und Ehrfurcht davor und verdemütige mich bei dem Gedanken der großen Gnade, welche die Allerheiligste Jungfrau einem armen Hirten wie mir zu schenken sich herabgelassen hat. Auch das Wort „zufällig“ passt nicht in diese Fiktion, denn ich habe einen solchen Abdruck in meinem Zimmer. Außerdem trage ich ein Medaillon bei mir, das die Erscheinung Unserer Lieben Frau von La Salette zeigt und in das ein Teilchen des Steins eingearbeitet ist, auf dem die „Schöne Frau“ saß. Ich verhehle auch nicht, daß ich in den Gefahren und Prüfungen dieses Lebens Zuflucht zu meiner kostbaren Reliquie nehme.

„Die Schwester, deren Charakter flexibler ist, ließ sich in ein Kloster einsperren, wo die Arme für das, was sich ereignet hat, betet.“

Es ist überraschend, daß die Schriftsteller, sei es in ihrer Gegnerschaft zur Erscheinung Unserer Lieben Frau von La Salette, oder gegenüber den Hirten, gewöhnlich schon mit der ersten Zeile beginnen, ihre Unwissenheit bezüglich einer Tatsache zu zeigen, deren Urheber sie sind.

Es ist sicher, daß sie sich nicht an die öffentlichen Register gehalten haben. Aber auch ohne den Gang zum Rathaus, hätten zwanzig oder dreißig Autoren unterschiedlicher Nationalität und verschiedenen Rangs sie darüber belehren können, daß die Kinder von La Salette in keiner Weise verwandt sind, daß sie sich erst am Tage vor dem Wunder kennenlernten, und sich seither aus den Augen verloren haben.

Die Gegner der Erscheinung wünschen, daß Melanie unter Zwang ins Kloster eingetreten sei. Auch das ist unrichtig. Alle Einwohner von Corps und sogar die Familie Melanies wollten sie von ihrem Plan abbringen. Eine große Zahl von Personen kann bestätigen, was ich hier behaupte: daß sie Karmeliterin geworden ist, um für die Bekehrung der Sünder und die Feinde der Tatsache (der Erscheinung) deren einer Zeuge sie ist, zu beten. „Das Arme kleine Mädchen“ wird in ihrem einfachen Gebet diejenigen nicht vergessen, von welchen sie zuletzt öffentlich angegriffen wurde.

Über sich zu reden ist immer eine schwierige Sache, besonders wenn es darum geht, sich zu verteidigen. Gestatten Sie mir daher, über mein privates Leben ganz zu schweigen und dem kleinen Hirten das Wort zu geben, damit er die Erscheinung vom 19. September 1846 schildere, wie er sie gesehen hat.

(Fortsetzung folgt)

Maximin Giraud

(Aus: „DAS ZEICHEN MARIENS“, 1970, August-September)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.