Pater Hermann Weinzierl: DIE MONSTERKIRCHE – Sankt-Josefs-Blatt September 2013

NACHDENKLICHES

Vor einigen Jahren, oder eher schon drei bis vier Jahrzehnten, fuhr ein Verwandter mit dem Zug von Italien zurück nach Hause. Während der Fahrt kam ein fremdländischer „Händler“ auf ihn zu und sagte: „Sehen Sie her, eine schöne Uhr. Eine Rolex!“ Mit strahlendem Lächeln hielt er ihm seinen Arm hin mit der Uhr. Für 100 DM könne er sie haben, die Rolex, sagte der Mann. Eine Rolex für 100 DM? Mein Verwandter besah sich kurz den Mann und dann die Uhr. Es war unschwer zu erkennen, daß es sich um eine äußerst minderwertige Kopie handelte, die sicher keine 100 DM wert war. Für eine echte Rolex wäre so ein Vergleichsstück direkt eine Beleidigung gewesen. Da der Verkäufer den Eindruck machte, als könne er durchaus etwas Geld gebrauchen, handelte mein Verwandter ihn auf 50 DM herunter und kaufte ihm die Uhr um diesen Preis gleichsam als Almosen ab, denn in dem Kaufpreis von 50 DM waren sicher immer noch 30 DM Almosen enthalten.

Während jeder von uns, der nur einigermaßen weiß, was eine Rolex ist, sofort die Uhr des Händlers als billigste Kopie erkannt hätte, lassen wir uns in anderen Bereichen unseres Lebens viel leichter täuschen – etwa mit den heute mehr und mehr sich verbreitenden Kirchenkopien. So meint man etwa, man könnte eigentlich nicht von einem Betrugsversuch sprechen, wenn einem jemand die Konzilskirche als katholische Kirche verkaufen möchte – das ist sicher genauso lächerlich wie die „Rolex“ im Zug – und dennoch gelingt dies beinahe mühelos bei den allermeisten sog. Traditionalisten. Die FSSPX hat das vergangene Jahr dafür den Beweis geliefert. Mit aller Gewalt versuchte sie ihren „Gläubigen“ einzureden, die Konzilskirche sei doch nichts anderes als die katholische Kirche.

Im letzten Sankt-Josefs-Blatt beschäftigten wir uns mit den geistigen Grundlagen der FSSPX und zeigten, daß die selbstgewählte Position der Mitte weitreichende Folgen für den Glauben dieser Gemeinschaft hat. Eine weitere, unausbleibliche Folge wollen wir in diesem Sankt-Josefs-Blatt betrachten.

DIE MONSTERKIRCHE

Eine grundlegende Unterscheidung

Damit man sich in der heutigen Situation nicht in die Irre führen läßt oder sich nicht selbst in die Irre führt, muß man sich vor allem eine in der Theologie gebräuchliche Unterscheidung in Erinnerung rufen: Es gibt die Kirche und die Glieder der Kirche. Während die Kirche ihrem Wesen nach heilig ist, können ihre Glieder durchaus auch Sünder sein. Die heilige Kirche besteht nicht aus lauter Heiligen, es gibt vielmehr zahlreiche Glieder in der Kirche, die Fehler machen, die ein schlechtes Beispiel geben, die sündigen. Diese Sünden darf man jedoch nicht der Kirche als solcher anrechnen, da diese vollkommen unsündlich, makellos und rein ist. Die Sünder gehören nicht mit ihrer Sünde zur Kirche, sondern durch den Glauben, durch das unauslöschliche Merkmal der Taufe und viele Akte, die in der Gnade gewirkt werden. Einerseits darf man den Sündern die Kirchengliedschaft nicht absprechen, anderseits darf man aber auch nicht die Sündigkeit der Glieder von der Kirche selbst aussagen, denn die Sünder gehören nicht mit, sondern trotz ihrer Sünden zur Kirche. Das sittlich Böse befleckt zwar den Sünder, bleibt aber außerhalb der Kirche.

In Seiner Enzyklika Mystici corporis erklärt Pius XII.:

„Ohne Fehl erstrahlt unsere verehrungswürdige Mutter in ihren Sakramenten, durch die sie ihre Kinder gebiert und nährt; im Glauben, den sie jederzeit unversehrt bewahrt; in ihren heiligen Gesetzen, durch die sie alle bindet, und in den evangelischen Räten, zu denen sie ermuntert; endlich in den himmlischen Gaben und Charismen, durch die sie in unerschöpflicher Fruchtbarkeit (Conc. Vat., Sess. III, Const. de fide cath., Kap. 3) unabsehbare Scharen von Märtyrern, Jungfrauen und Bekennern hervorbringt. Ihr kann man es nicht zum Vorwurf machen, wenn einige ihrer Glieder krank oder wund sind. Sie fleht ja in deren Namen selbst täglich Gott an: „Vergib uns unsere Schulden“, und widmet sich unablässig ihrer geistlichen Pflege mit mütterlich starkem Herzen.“

Die Heiligkeit ist der Kirche unverlierbar gegeben in ihren Sakramenten, im Glauben, in den Gesetzen und den evangelischen Räten. In den ihr von Gott geschenkten himmlischen Gaben und Charismen erfreut sie sich immerwährender Fruchtbarkeit, so daß sie unabsehbare Scharen von Märtyrern, Jungfrauen und Bekennern hervorbringt. Während die Kirche makellos und heilig ist, können doch einige ihrer Glieder krank oder wund sein, was man aber nicht der Kirche zum Vorwurf machen kann, denn würden diese all die Gnaden annehmen und in sich wirken lassen, welche ihnen die Kirche vermittelt, dann wären auch sie heilig. Nicht die Kirche ist schuld, wenn sie krank und wund sind, sondern sie selbst.

Es soll noch kurz erwähnt und in Erinnerung gerufen werden, daß es dennoch Sünden gibt, die den Gläubigen von der Kirche trennen. Wenn sich jemand hartnäckig weigert, eine von Gott geoffenbarte und von der katholischen Kirche als Glaubenssatz gelehrte Wahrheit zu glauben, z. B. die Arianer, die Nestorianer, die Protestanten, dann gehört er nicht mehr zur Kirche, er ist vielmehr ein Häretiker. Oder, wenn jemand zwar nicht ausdrücklich einen Glaubenssatz leugnet, aber sich freiwillig von der Kirche Jesu Christi, das heißt von ihren rechtmäßigen Hirten, trennt, dann gehört er ebenfalls nicht mehr zur Kirche, sondern ist ein Schismatiker.

Das ganze Ausmaß der Kirchenkrise

Die Feinde der Kirche haben sich schon immer bemüht, die Kirche in ihrem Mark zu treffen, um sie zu vernichten. Auch wenn wir als Katholiken wissen, daß dies nie gelingen wird, so wissen wir doch nicht so genau, wie wir uns das gemeinhin zurechtgelegt hatten, was Gott alles zulassen kann – zulassen kann, ohne daß dadurch die Kirche schon zerstört ist! Die allermeisten Katholiken sind sich heutzutage darüber im Unklaren oder werden von den Verantwortlichen im Unklaren gelassen, wodurch eine große Gefahr für ihren Glauben entsteht, denn der Katholik ist sodann angesichts der sog. Kirchenkrise immer in der Versuchung, seinen Glauben entsprechend den modernistischen Erscheinungsformen der Amtskirche zu „korrigieren“, bzw. Schritt für Schritt modernistisch „nachzubessern“.

Der Nachfolger Dom Prosper Guerangers, Dom Delatte, schreibt in seinem Kommentar zum 2. Thessalonicherbrief des hl. Paulus: „Ja, es gibt eine gesellschaftliche Kraft, die dem Bösen eine Schranke setzt und es daran hindert, sich zum Chaos und zum Nichts zu steigern, es existiert eine beständige Waffe, hierarchische Linien, die die Anstrengung des Bösen zurückhalten und mindern … Es ist für jedermann evident, daß an dem Tag, an dem diese Macht der Ordnung und des Friedens, die aus den Händen des heidnischen Rom auf das christliche Rom übergegangen ist, nach langer Bedrohung durch die Justiz und geschüttelt durch die Reformation und die Revolution, durch den Ansturm aller Elemente des entfesselten Bösen endgültig zerstört sein wird, dem Bösen Tür und Tor geöffnet sein werden. Nichts wird sie mehr aufhalten.“

Fügen wir dem noch ergänzend hinzu, was Kardinal Pie, einer der größten Apostel des Christkönigs, am 8. November 1859 bei einem Vortrag in Nantes über die Konsequenzen des Triumphs der Revolution gesagt hat: „Man wird den Glauben fast nicht mehr auf Erden finden, was heißt, daß er beinahe gänzlich aus sämtlichen irdischen Institutionen verschwunden sein wird…. Die Kirche, als Gemeinschaft zweifellos immer noch sichtbar, wird immer mehr auf rein individuelle und familiäre Dimensionen reduziert werden“ (Kardinal Pie, „Oeuvres“ („Werke“), Ed. Oudin, 1873, 4. Auflage, Band 3, S. 522). Bis auf den heutigen Tag wollen die wenigsten unter den Katholiken diese äußerste Möglichkeit der Kirchenkrise wahrhaben, eine Kirche, die immer mehr auf rein individuelle und familiäre Dimensionen reduziert worden ist. Nein, man möchte viel lieber weiterhin zur großen konziliaren Weltkirche gehören, selbst wenn der Einkaufspreis unbezahlbar hoch ist und den katholischen Glauben kostet, wie wir in der Folge anhand des Beispiels der FSSPX sehen werden.

Konziliares Lehramt?

Wir haben das schon anhand der FSSPX und ihrer Lehre bezüglich des Lehramtes und der Tradition im letzten Sankt-Josefs-Blatt gezeigt. Das dort Gesagte soll noch durch einen Text aus der aktuellen Verlautbarung der Gemeinschaft zum 25. Bischofsjubiläum ergänzt werden. Die drei noch verbliebenen Weihbischöfe der FSSPX schreiben darin:

„Wir sehen uns genötigt festzustellen, dass dieses atypische Konzil, das nur pastoral, nicht dogmatisch sein wollte, eine neue Art des Lehramtes eingeführt hat, die bis dahin in der Kirche unbekannt war und keine Wurzel in der Tradition kennt; ein Lehramt, das danach trachtet, die katholische Lehre mit den liberalen Ideen zu versöhnen; ein Lehramt, das durchdrungen ist von den modernistischen Grundsätzen des Subjektivismus, der Immanenz und der beständigen Entwicklung gemäß der falschen Auffassung der lebendigen Tradition. Diese verfälscht das Wesen, den Inhalt, die Rolle und die Ausübung des kirchlichen Lehramtes.“

Die Weihbischöfe der FSSPX sind also der Überzeugung, daß das Vatikanum 2 eine neue Art des Lehramtes eingeführt hat, die bis dahin in der Kirche unbekannt war und keine Wurzel in der Tradition kennt. Wenn das Gesagte einen Sinn haben soll – das muß man seit einiger Zeit immer dazusagen, sobald es sich um Texte aus dem Dunstkreis der FSSPX handelt – dann wurde die Amtskirche durch das Konzil so umgestaltet, daß ein Lehramt entstand, das seiner Art nach ganz neu ist – das danach trachtet, die katholische Lehre mit den liberalen Ideen zu versöhnen; ein Lehramt, das durchdrungen ist von den modernistischen Grundsätzen des Subjektivismus, der Immanenz und der beständigen Entwicklung gemäß der falschen Auffassung der lebendigen Tradition. Diese verfälscht das Wesen, den Inhalt, die Rolle und die Ausübung des kirchlichen Lehramtes.

In ihrer Beschreibung des konziliaren Lehramtes fügen die Weihbischöfe alle Elemente des Modernismus an, wie sie von dem hl. Pius X. in seiner Enzyklika gegen den Modernismus erwähnt werden. Da müßte man nun eigentlich erwarten, daß die Weihbischöfe aus dieser Einsicht schließen, dieses  modernistische Lehramt könne nur das Pseudolehramt der sog. Konzilskirche, dieser entarteten Afterkirche, sein, aber nicht mehr das wahre Lehramt der katholischen Kirche. Aber weit gefehlt, trotz dieser Einsicht sind die drei Weihbischöfe zugleich überzeugt, dieses von ihnen beschriebene, vom Modernismus ganz durchdrungene Lehramt, sei immer noch das Lehramt der wahren Kirche Jesu Christi. Alle drei Weihbischöfe halten, wenn es darauf ankommt, an der Behauptung fest, die Konzilskirche ist die Kirche Jesu Christi. Wenn wir ihre Worte ernst nehmen, sie geben schließlich den Sachverhalt treffend wieder, dann müssen wir feststellen: Das, was sie beschreiben, ist nicht das Lehramt der heiligen Kirche, sondern das, was Leo XIII. in seinem ursprünglichen Gebet zum Heiligen Erzengel Michael anspricht:

„Diese gerissensten Feinde haben die Kirche, die unbefleckte Braut des Lammes, mit Galle und Bitterkeit erfüllt und getränkt, und haben ihre frevlerischen Hände auf ihre heiligsten Schätze gelegt. Selbst am heiligen Ort, wo der Sitz des heiligen Petrus und der Thron der Wahrheit zur Erleuchtung der Welt, errichtet wurde, haben sie ihren Thron des grauenvollen Frevels aufgestellt, mit der heimtückischen Absicht, dass, wenn der Hirte einmal geschlagen ist, sich die Schafe in alle Richtungen zerstreuen werden.“

Das konziliare Lehramt verfälscht gemäß der Einsicht der drei Exzellenzen das Wesen, den Inhalt, die Rolle und die Ausübung des kirchlichen Lehramtes, mit anderen Worten, es macht das Lehramt zu einem Lehramt der geistigen Pestilenz. Dementsprechend sagt Weihbischof Fellay in einer Predigt in Paris bezüglich Vatikanum 2 ganz richtig, dass

„dieses Konzil der feste Entschluss ist, etwas Neues zu machen. Und es handelt sich nicht um eine oberflächliche Neuheit, sondern um eine tiefgehende Neuheit, die im Gegensatz, im Widerspruch zu der Predigt, ja, sogar zu den Verurteilungen der Kirche steht.“ Also nochmals ist es ganz deutlich gesagt: eine tiefgehende Neuheit, im Gegensatz, im Widerspruch zu der Predigt, ja, sogar zu den Verurteilungen der Kirche.

So viel Neues, Widersprüchliches, Gegensätzliches und dann doch wieder die alte Kirche? Verstehen Sie das? Nein? Nun, das kann man auch nicht mehr vernünftiger Weise verstehen. Daß es dennoch so sein muß, weil es so sein soll – das ist das Postulat der FSSPX. Und für dieses Postulat opfert diese Gemeinschaft inzwischen alles!

Stilblüten eines Generaloberen

Lassen wir uns von dem Generaloberen dieses Postulat noch etwas näher erklären. Hören wir dazu einige seiner Stilblüten mit den entsprechenden erklärenden Kommentaren:

„Die Tatsache, dass wir nach Rom gehen, bedeutet nicht, dass wir mit ihnen einverstanden sind. Sie sind aber die Kirche. Und sie sind die wahre Kirche.“

Die Herren wollen also nach Rom gehen zur wahren Kirche, mit der sie aber nicht einverstanden sind.

„…diese Kirche, die keine bloße Idee ist, die real ist, die vor uns steht, die man katholische römische Kirche nennt, die Kirche mit ihrem Papst, mit ihren Bischöfen, die auch im Zustand der Schwäche sein können.“

„Ist es uns bewusst, dass, wenn wir heute den Glauben haben, wenn wir diese Freude haben, den Glauben bekennen zu dürfen, es dank dieser konkreten Kirche ist…, die in einem erbärmlichen Zustande ist. […] Und es ist nicht die Bruderschaft, sondern die Kirche, welche diesen Glauben gibt … und die heutige Kirche! Es ist die heutige Kirche, welche heiligt!“

Die Kirche mit ihrem Papst, diese konkrete Kirche, die in einem erbärmlichen Zustande ist, gibt uns den Glauben und heiligt uns.

„Dennoch gibt es auch einen ganzen Organismus, und diesem Organismus müssen wir einerseits die Heiligkeit zuschreiben, und andererseits entrüstet er uns und skandalisiert uns so sehr, dass wir nur eines sagen möchten: Mit diesen Leuten haben wir nichts zu tun! Dies passt nicht zusammen, es geht nicht! Kirchenmänner, die die Christen, die Kinder der Kirche zum Glaubensabfall hinführen … Es passt nicht zusammen! Es ist offenkundig, dass diese Irrtümer mit Entsetzen zurückzuweisen sind!“

Dem ganzen Organismus, also der ganzen Kirche, müssen wir einerseits die Heiligkeit zuschreiben, anderseits entrüstet er uns, ja er skandalisiert uns so, daß wir nur eines sagen möchten: Mit diesen Leuten haben wir nichts zu tun! Dies passt freilich nicht zusammen, es geht nicht an, so etwas von der Kirche zu denken! Kirchenmänner, die die Christen, die Kinder der Kirche zum Glaubensabfall hinführen – das ist letztlich absurd, es passt mit dem Glauben nicht zusammen! Es ist offenkundig, dass diese Irrtümer mit Entsetzen zurückzuweisen sind! Es gibt also gemäß dem Generaloberen der FSSPX Kirchenmänner, die die Kinder der Kirche zum Glaubensabfall führen – was doch nicht zusammenpaßt. Leider klärt Mgr. Fellay seine Gläubigen nicht darüber auf, was da nun nicht genau zusammenpaßt. Vielleicht sind es ja seine Gedanken und Erklärungen, die mit dem Glauben der wahren Kirche nicht mehr zusammenpassen…

„Wenn man das ablehnt, was nicht passt, darf man nicht alles ablehnen. Sie bleibt die eine, heilige, katholische, apostolische Kirche. […] Wenn man das Übel ablehnt, das sich in der Kirche befindet, darf man nicht schließen, dass dies nicht mehr die Kirche ist. Es gibt zwar große Teile, die nicht mehr Kirche sind, ja, aber nicht alles!“

Diese Kirche, die uns skandalisiert, bleibt dennoch die eine, heilige, katholische, apostolische Kirche. Das Übel ist zwar in der Kirche, aber man darf deswegen nicht schließen, daß diese neue Kirche, mit ihrem neuen Lehramt und dem neuen Glauben, der die Kinder der Kirche zum Glaubensabfall führt, nicht mehr die wahre Kirche Jesu Christi ist. Der Generalobere führt diesen Gedanken noch weiter aus, wenn er erklärt:

„Die katholische Kirche ist unsere Kirche. Wir haben keine andere. Es gibt gar keine andere. Der liebe Gott lässt zu, dass sie krank ist. Daher versuchen wir, uns diese Krankheit selber nicht zuzuziehen. Aber ohne zu sagen, dass wir dadurch eine neue Kirche bilden. […] Die Krankheit ist die Krankheit, sie ist aber nicht die Kirche. Sie ist in der Kirche; diese bleibt aber, was sie ist. […] Selbstverständlich muss man gegen die Krankheit kämpfen. Diese kranke Kirche ist aber doch diese, die durch unseren Herrn gegründet wurde. Diese hat die Versprechen des ewigen Lebens. Dieses Versprechen, dass die Pforten der Hölle sie nie überwältigen werden, gilt für sie und für keine andere.“

Im Gegensatz zu Pius XII. und den katholischen Theologen spricht Mgr. Fellay nicht nur von kranken Gliedern der Kirche, sondern von der kranken Kirche. Er versteigt sich sogar zu der Aussage: Diese kranke Kirche ist aber doch diese, die durch unseren Herrn gegründet wurde. So als hätte unser Herr Jesus Christus eine kranke Kirche gegründet und nicht eine heilige makellose Kirche. Dagegen schreibt Pius XII. in seiner Enzyklika Mystici corporis:

„Wenn man aber in der Kirche einiges wahrnimmt, was die Schwäche unserer menschlichen Natur verrät, so fällt das nicht ihrer rechtlichen Verfassung zur Last, sondern vielmehr der beklagenswerten Neigung der Einzelnen zum Bösen.“

Offensichtlich verläßt der Generalobere der FSSPX mit seiner Behauptung, die Kirche sei krank, den Boden der katholischen Theologie. Beim Versuch, aus der ökumenischen, häretischen, synkretistischen, apostatischen Konzilskirche die katholische Kirche zu machen, ist aus der wahren Kirche Jesu Christi unbemerkt eine Monsterkirche geworden:

  • Eine Kirche, in der es unheilige, zweifelhafte Heilige gibt,
  • eine Kirche, die einen in sich schlechten Ritus hat und zweifelhafte Sakramente,
  • eine Kirche, die ihre Tradition verloren hat,
  • eine Kirche, die sich mit der Wahrscheinlichkeit der Gültigkeit der Weihen zufrieden geben muß, usw.

Es ließe sich eine fast endlose Reihe solch unsinniger, irriger Aussagen anführen, wenn man das Schrifttum dieser traditionellen Bewegung etwas eingehender durchforsten würde.

Wir wollen uns jedoch einen solch unfruchtbaren Aufwand ersparen – jedem aufmerksamen katholischen Leser sind sicher seit Jahren genügend solcher Aussagen aufgefallen – und nur auf einen Text jüngeren Datums zurückgreifen, der allein schon eine reiche Auswahl bietet.

Skizze einer neuen Kirche

In der schon erwähnten Erklärung aus Anlass des 25. Jahrestages der Bischofsweihen vom 30. Juni 1988 schreiben die drei Weihbischöfe der FSSPX über die Kirche:

„In der Folge (eines Lehramtes, das durchdrungen ist von den modernistischen Grundsätzen des Subjektivismus, der Immanenz und der beständigen Entwicklung gemäß der falschen Auffassung der lebendigen Tradition) ist die Herrschaft Christi nicht mehr wahre Sorge der kirchlichen Autoritäten, obwohl die Worte des Herrn: „Alle Gewalt ist mir gegeben im Himmel und auf Erden“ (Mt 28,18) eine absolute Wahrheit und Wirklichkeit bleiben. Sie in der Anwendung zu leugnen, läuft darauf hinaus, die Gottheit unseres Herrn nicht mehr anzuerkennen.

Die Kirche ist von diesem liberalen Geist erfasst, der besonders offen in der Religionsfreiheit, dem Ökumenismus, der Kollegialität und der neuen Messe zutage tritt.

Anstelle einer Haltung, die von einem kernigen Glauben an die wirkliche Macht unseres Herrn Jesus Christus getragen ist, sehen wir eine Kirche, die sich in schändlicher Weise von der menschlichen Klugheit leiten lässt.

Im Namen eines allgegenwärtigen Ökumenismus (Untitatis redintegratio) und eines nichtigen interreligiösen Dialogs (Nostra Aetate) wird die Wahrheit über die einzige Kirche verschwiegen. Ein großer Teil der Hirten und der Gläubigen sehen in unserem Herrn und in der katholischen Kirche nicht mehr den einzigen Weg des Heiles.

Die Schwächung des Glaubens an die Gottheit unseres Herrn begünstigt eine Auflösung der Autorität in der Kirche und führt in diese einen kollegialen, demokratischen und von der Gleichheitsideologie angehauchten Geist ein (vgl. Lumen gentium). Christus ist nicht mehr das Haupt, von dem alles ausgeht, in besonderer Weise die Ausübung der Autorität. Der Oberste Hirte, der nicht mehr die Fülle der Autorität wirksam ausübt, und die Bischöfe, die entgegen der Lehre des 1. Vatikanums glauben, gewohnheitsmäßig die Fülle der obersten Gewalt kollegial ausüben zu können, sind mit den Priestern ganz Ohr für das „Volk Gottes“, dem neuen Herrscher, und folgen ihm. Die neue Messe, die 1969 in Kraft gesetzt worden ist, mindert das Ins-Licht-Rücken der Herrschaft Christi durch das Kreuz („Regnavit a ligno Deus“). In der Tat verwischt und verdunkelt ihr Ritus den Opfer- und Sühnegedanken des eucharistischen Opfers. Dahinter verborgen steht in diesem Ritus die neue und falsche Theorie des Ostergeheimnisses (Mysterium pascalis). Beides zerstört die katholische Spiritualität, die auf dem Opfer unseres Herrn auf Kalvaria begründet ist. Diese Messe ist von einem ökumenischen und protestantischen, demokratischen und humanistischen Geist durchdrungen, der das Opfer des Kreuzes zum Verschwinden bringt. Sie stellt die neue Auffassung des „allgemeinen Priestertums aller Getauften“ dar, welches das sakramentale Priestertum des Priesters auflöst.“ (Hervorhebungen von uns)

Wohl bemerkt, all das sagen die drei Weihbischöfe über die Kirche, ihr Lehramt, ihre Autorität und ihren Ritus.

Dennoch Anerkennung der Konzilskirche als wahre Kirche Jesu Christi.

Zugleich anerkennt der Generalobere dieser Gemeinschaft in seiner berühmt gewordenen „Lehrmäßigen Erklärung“ vom 15. April 2012 das „Vatikanum 2“ als grundsätzlich in der Tradition stehend und im „Licht der Tradition“ interpretierbar: „Die gesamte Tradition des katholischen Glaubens muß das Kriterium und der Führer zum Verständnis der Unterweisungen des 2. Vatikanischen Konzils sein, das selbst wiederum gewisse Aspekte des Lebens und der Lehre der Kirche beleuchtet – d.h. nachträglich vertieft und verdeutlicht – die implizit in ihnen enthalten oder noch nicht begrifflich formuliert sind.“ Er anerkennt den „Novus Ordo“ und alle Neuen Sakramente als „von den Päpsten Paul VI. und Johannes Paul II. legitim promulgiert“ [Anm: Das Wörtchen „legitim“ fand sich im französischen Originaltext, wurde jedoch für die offizielle deutsche Übersetzung gestrichen; warum wohl?]. Außerdem verspricht er, „die allgemeine Disziplin der Kirche und die kirchlichen Gesetze zu beobachten, besonders jene, die in dem von Papst Johannes Paul II. promulgierten Codex Iuris Canonici (1983) und in dem vom selben Papst promulgierten Codex canonum ecclesiarum orientalium (1990) enthalten sind“. Und er behauptet in einem seiner Vorträge steif und fest, daß diese Monsterkirche die eine, heilige, katholische, apostolische Kirche bleibt.

An einer anderen Stelle scheint diese Sicherheit des Generaloberen der FSSPX doch wieder erschüttert, denn er fragt seine Gläubigen ganz richtig: „Aber schauen Sie, die bloße Erwähnung dieser Gedanken wirft große Fragen auf: Wie kann so was geschehen? Wie können diese Bischöfe, die uns allerlei Häresien verkünden, uns den Glauben geben?“

Um sodann wieder ganz überraschend fortzufahren:

„Es ist ein Glaubenssatz, und es ist absolut gewiss, dass wir den Glauben und die Gnade, dass wir jede einzelne Gnade, die wir durch die Sakramente empfangen, von der Kirche empfangen. Und noch einmal, diese Kirche ist eine sehr konkrete, machen wir nicht aus ihr eine reine Abstraktion, sie ist real! Und wir gehören dazu. Leben wir in dieser Kirche, so erhalten wir dieses Leben aus dem Haupt der Kirche, diesem Haupt, das zuerst und vor allem unser Herr Jesus Christus ist.“ Betrachtet man den Zusammenhang, erscheint einem das Gesagte irrational. Aber das gehört letztlich zu einem Postulat, es steht über jeder rationalen Begründung. Deswegen der dialektische Sprung von der Frage: „Wie kann so was geschehen? Wie können diese Bischöfe, die uns allerlei Häresien verkünden, uns den Glauben geben?“ zu der Behauptung: „Und noch einmal, diese Kirche ist eine sehr konkrete, machen wir nicht aus ihr eine reine Abstraktion, sie ist real! Und wir gehören dazu.“

Da also zweifelsohne für den Generaloberen der FSSPX die Kirche konkret zur Konzilskirche geworden ist, muß er eine neue Kirchenlehre erfinden, um mit dieser konkreten Kirche zurecht zu kommen. So sagt er in einem seiner berüchtigten Interviews:

„Einige behaupten, es sei vorausgehend notwendig, dass sie von jedem Irrtum gereinigt ist, damit man ‚in Sicherheit‘ in der Kirche arbeiten könne. …Es genügt, die Vergangenheit der Kirche sich näher anzusehen; oft und fast immer sieht man in der Kirche ausgestreute Irrtümer.“

Es heißt wirklich von jedem Irrtum gereinigt und in der Kirche ausgestreute Irrtümer. Der Herr Weihbischof bildet sich also allen Ernstes ein, daß in der Kirche Jesu Christi oft und fast immer Irrtümer ausgestreut sind und es immer Irrtümer in der Kirche gegeben hat. Zu dieser Kirche möchte ich nun wirklich nicht gehören, denn diese Kirche ist ganz sicher nicht mehr die katholische Kirche.

Korrektur anhand der wahren Lehre der Kirche über die Kirche

Papst Gregor XVI. war da ganz anderer Meinung als Mgr. Fellay. Er schreibt in seiner Enzyklika „Quo graviora” vom 4. Oktober 1833 an die Bischöfe der Rheinprovinz:

„…Könnte derart also die Kirche, die doch die Säule und Grundfeste der Wahrheit ist und die offenkundig ohne Unterlaß vom Hl. Geist die Unterweisung in der ganzen Wahrheit empfängt, etwas anordnen, genehmigen oder erlauben, was zum Schaden des Seelenheils und zur Verachtung oder zum Schaden eines von Christus eingesetzten Sakramentes ausschlüge? ‚Gibt es einen anmaßenderen Wahn, – sagte der hl. Augustin, – als, wenn die ganze Kirche in der ganzen Welt eine Praxis sich zu eigen macht, diese Handlungsweise anzufechten?‘… Es wäre zu langwierig,… die Aufzählung der irrigen Meinung dieser Neuerer weiterzuverfolgen… Es mag genügen, darauf hinzuweisen, daß Meinungen dieser Art aus keiner anderen vergifteten Quelle fließen und aus keinen anderen Prinzipien folgen als jenen, die durch das feierliche Urteil der Kirche schon vor langer Zeit in der mehrfach zitierten Konstitution Auctorem fidei, insbesondere in den Thesen 30, 33, 66 und 78, verurteilt wurden.“ (Enzyklika „Quo graviora” vom 4. Oktober 1833 an die Bischöfe der Rheinprovinz. EPS/L n. 135-136, S. 110.

Ergänzend und erklärend wollen wir dazu noch einige wahrhaft katholische Theologen zu Wort kommen lassen:

Johannes a Sancto Thoma OP (1589-1644):

“Was die Substanz und die Moralität eines Gesetzes angeht, das der Papst allgemein als eine zu befolgende Regel vorlegt, so wäre es eine Häresie zu behaupten, darin könne die Kirche irren, so daß sie irgendetwas Verderbliches oder gegen die guten Sitten oder das natürliche und göttliche Recht Verstoßendes erlaubte oder vorschriebe.“ (Tractatus de auctoritate summi pontificis, disp. III. art. 3)

Matthias Joseph Scheeben:

„Wenn die Kirche kraft ihrer göttlichen Sendung solche Vorschriften für die Gesamtheit der Gläubigen erläßt, sind dieselben, weil sie und soweit sie der concrete, praktische Ausdruck einer Glaubenswahrheit oder eines Sittengesetzes sind, unfehlbar, d.h. sie können nichts enthalten, was den Glauben oder die guten Sitten gefährdet, was gegen die Religion oder das Heil der Seelen ist.“ (Handbuch der Kath. Dogmatik, Buch I Theol. Erkenntnislehre nn. 133 ff)

Franz Hettinger (1819-1890):

„IV. Wie in allen Fragen der Moral ist das kirchliche Lehramt auch unfehlbar auf dem Gebiete der allgemeinen, alle Gläubigen verpflichtenden Disziplin; da diese eine Regel für die Gesamtkirche bildet, kann sie nichts enthalten, was den Glauben oder die Sitten gefährdet.“ (Lehrbuch der Fundamental-Theologie oder Apologetik. Freiburg/Br. 1888, 2. Aufl., S. 773 f)

P. Hermann OSB:

„Die Kirche ist in ihrer allgemeinen Disziplin unfehlbar. Unter allgemeiner Disziplin verstehen wir die Gesetze und Verhaltensweisen, die zur äußeren Ordnung der ganzen Kirche gehören. Das betrifft Elemente wie den äußeren Gottesdienst, z.B. die Liturgie und die Rubriken, oder die Verwaltung der Sakramente

Wenn sie (die Kirche) imstande wäre, in ihrer Disziplin etwas vorzuschreiben, anzuordnen oder zu dulden, was gegen den Glauben und die Sitten wäre oder was für die Kirche nachteilig oder für die Gläubigen schädlich wäre, dann würde sich von ihrer göttlichen Sendung abkehren; und das wäre unmöglich.“ (Institutiones Theologiae Dogmaticae, 3. Aufl., Rom 1904, Bd. I, S. 258.)

Vergleicht man das, was die katholischen Theologen sagen mit dem, was die drei Weihbischöfe und ganz besonders der Generalobere der FSSPX in seinen Predigen und Interviews verlauten lassen, und überdenkt diese widersprüchlichen, verwirrenden, unsinnigen Äußerungen nüchtern, dann kann man nur feststellen: Das Wissen um die wahre Kirche ist offensichtlich im Eifer des Gefechtes vollkommen verloren gegangen.

Der Vergleich mit der Uhr – zweiter Durchgang

Um auf den eingangs erwähnten Vergleich mit der Uhr zurückzukommen, muß ich gestehen: Ursprünglich dachte ich, der Vergleich würde auf die FSSPX und ihrem Umgang mit der Kirche passen. Im Laufe der Arbeit wurde mir aber klar, daß das gar nicht stimmt. Derjenige, der den Gläubigen die Kopie als Original verkaufen wollte, war Benedikt XVI. mit seiner Hermeneutik der Kontinuität. Benedikt wollte uns Katholiken weismachen, zwischen der Konzilskirche und der wahren Kirche gäbe es keine wesentlichen Unterschiede, es handle sich nicht um einen Bruch, sondern um eine kontinuierliche Entwicklung. Anfangs hat man sich in den Reihen der FSSPX noch gegen diese Bemühungen Benedikts, die Konzilskirche mit der Tradition dialektisch zu versöhnen, gewendet. Im Zuge des Rom-Anschlußwahns versuchte nun plötzlich auch die FSSPX, ihren Gläubigen einzureden, die wahre Kirche Jesu Christi sei nichts anderes als die Konzilskirche. Sie ging nur den entgegengesetzten Weg wie Benedikt und behauptete die Kontinuität der Kirche Jesu Christi mit der Konzilskirche. Das Ergebnis war aber dasselbe – was die Herren aber nicht im Geringsten bemerkten. Nein, die Pius-Theologen brachten und bringen es sogar fertig, die Hermeneutik der Kontinuität zu kritisieren und zugleich die Oberen zu verteidigen, die doch im Grunde nichts anderes machen als Josef Ratzinger – nur von der anderen Seite her. Während Ratzinger die billige Kopie als Original verkaufen wollte, verkauft die FSSPX ihren Gläubigen das Original als billige Kopie und kann nun in der Folge selbst Original und Kopie nicht mehr unterscheiden – man befindet sich also unversehens und zum eigenen Erstaunen inmitten der Ringparabel Lessings:

O so seid ihr alle drei Betrogene Betrüger! Eure Ringe Sind alle drei nicht echt. Der echte Ring Vermutlich ging verloren. Den Verlust Zu bergen, zu ersetzen, ließ der Vater Die drei für einen machen.

Vielen Katholiken ist es nach dem Konzil genau so gegangen, am Ende wußte fast keiner von ihnen mehr genau, was und wo denn die wahre Kirche nun eigentlich sei, weil sie sich nicht rechtzeitig vor dem dialektischen Spiel der Modernisten in Sicherheit gebracht haben. Und wenn selbst sog. Traditionalisten meinten, ohne schweren Schaden für den eigenen Glauben in diesem kirchenpolitischen Spiel mitmachen zu können, dann kann man nur erstaunt feststellen: diese Leute haben vom Wesen des Modernismus gar nichts verstanden. Darum wundert es einen  auch nicht, wenn während dieses teuflischen  Spiels die Unterscheidungsfähigkeit zwischen wahr und falsch, zwischen Original und Kopie vollkommen verloren gegangen ist, denn wer mit dem Feuer spielt, der verbrennt sich bekanntlich die Finger – und vielleicht nicht nur das…

Anna Katharina Emmerich

Lassen wir uns zum Schluß von unserer großen deutschen Visionärin, Anna Katharina Emmerich, zurück zur ungeschminkten Wirklichkeit führen. Wie schon öfter festgestellt, ist auch diesmal ihre fast 200 Jahre alte Beschreibung unserer Lage viel treffender, erhellender und ergreifender als die aktuellen Darlegungen der meisten geistlichen Herren: Sie sieht, „daß man die Religion so geschickt unterwandert und erstickt, daß es kaum noch hundert Priester gibt, die der Versuchung zu widerstehen vermögen. Ich kann nicht sagen, wie dies geschieht, doch ich sehe, wie sich Nebel und Finsternis immer mehr ausbreiten. Alle arbeiten auf die Zerstörung hin, selbst die Kleriker. Eine große Verwüstung steht bevor.“

„Als ich die Peterskirche in ihrem abgebrochenen Zustande sah und wie so viele Geistliche auch an dem Werk der Zerstörung arbeiteten, ohne daß es einer vor dem anderen öffentlich wollte gethan haben, da empfand ich solche Betrübnis darüber, daß ich heftig zu Jesus schrie, Er solle sich erbarmen. Und ich sah meinen himmlischen Bräutigam vor mir, wie einen Jüngling, und Er sprach lange zu mir. Er sagte auch, dieses Wegtragen der Kirche bedeute, daß sie scheinbar ganz sinken werde; daß sie aber auf diesen Trägern ruhe und aus ihnen wieder hervorgehen werde; wenn auch nur ein katholischer Christ noch übrig sei, könne die Kirche wieder siegen, denn sie sei nicht im Verstande und Rathe der Menschen gegründet. Er zeigte mir nun, wie es nie an Betern und Leidenden für die Kirche gefehlt. … Es war dieses ein ungemein großes, trauriges Bild, das nicht auszusprechen ist. Es wurde mir gezeigt, daß schier keine Christen im alten Sinne mehr da sind.“