Kurze Analyse des Kurswechsels der Bruderschaft St. Pius X. (Textversion)

Ist diese Schrift berechtigt?

Sie ist nicht nur berechtigt, sondern notwendig, da der hl. Thomas von Aquin sagt: „Man muss wissen, dass, wenn es eine Gefahr für den Glauben gäbe, die Untergebenen gehalten wären, ihre Prälaten zu rügen, sogar öffentlich“ (S.th. II-II, q.33, a.4, ad 2)[1].

Diese Schrift, die überall verbreitet werden soll, möchte zur Ehre Gottes und zum Heil der Seelen öffentlich auf den grundlegenden Kurswechsel, den die Priesterbruderschaft St. Pius X. vollzogen hat, aufmerksam machen, da er viel zu schwerwiegend ist, als dass noch stille Zurückhaltung und geduldiges Abwarten geboten wäre.

Worin besteht der Kurswechsel?

Während die Bruderschaft früher eine kanonische Normalisierung ohne vorhergehende lehrmäßige Einigung mit dem konziliaren Rom ablehnte, begehrt sie nun einen kanonischen Status trotz der bestehenden lehrmäßigen Streitpunkte.

Noch das Generalkapitel von 2006 legte in seiner Erklärung dar, dass „die Kontakte“, die die Bruderschaft „mit den römischen Autoritäten sporadisch unterhält, allein zum Ziel“ haben sollen, „ihnen zu helfen, sich die Tradition wieder zu eigen zu machen, die die Kirche nicht verleugnen kann, ohne ihre Identität zu verlieren, und nicht das Suchen eines Vorteils für die Bruderschaft selbst, oder ein unmögliches, rein praktisches ‚Abkommen‘ zu erreichen. An dem Tag, an dem die Tradition ihre Rechte wiedererlangt, ‚ist das Problem der Wiederversöhnung gegenstandslos und die Kirche wird eine neue Jugend finden‘ [Brief von Mgr. Lefebvre vom 2. Juni 1988 an Papst Johannes Paul II.].“[2]

Dagegen erklärte Pater Pfluger, der 1. Assistent von Bischof Fellay, in seinem Vortrag beim Spes-Unica-Sonntag in Hattersheim am 29. April 2012: „‚Kein praktisches Abkommen ohne eine lehrmäßige Einigung‘ – so lautete das Prinzip, mit dem die Piusbruderschaft in die Gespräche mit dem Heiligen Stuhl gegangen war. Doch die Verhandlungen der vergangenen beiden Jahre haben offenkundig werden lassen, dass die unterschiedlichen Standpunkte in zentralen Fragen der Kirchenlehre nicht überbrückt werden können. In den vergangenen Wochen wurde nun deutlich, dass Papst Benedikt XVI. so sehr an einer kanonischen Lösung für die Bruderschaft interessiert ist, dass er bereit ist, mit ihr ein Abkommen zu schließen, auch wenn diese die strittigen Texte des II. Vatikanischen Konzils und die Neue Messe nicht anerkennt. […] Unter diesen Umständen hält es der Generalobere, Bischof Bernard Fellay, nicht für möglich, das Angebot des Papstes zurückzuweisen.“[3]

Das Generalkapitel vom Juli 2012 hat bereits „Bedingungen für eine eventuelle kanonische Normalisierung“[4] festgelegt. Diese Bedingungen, die u.a. von Pater Schmidberger in einem Interview mit der Kirchlichen Umschau (Sep. 2012) dargelegt wurden, zeigen einmal mehr, dass eine kanonische Normalisierung der Bruderschaft durch ein praktisches Abkommen verwirklicht werden soll, da die frühere Bedingung einer vorausgehenden lehrmäßigen Übereinkunft fallengelassen wurde.

Warum ist ein Abkommen mit dem konziliaren Rom abzulehnen?

Weil ein derartiges Abkommen, ganz nach dem Prinzip der falschen Ökumene, eine Einheit unter Missachtung der Wahrheit sucht. „Die Glaubenslehre zu übergehen, […] bedeutet Gott selber zu übergehen bzw. ihn auszuklammern“, erklärt Bischof Williamson in seinem Eleison Kommentar vom 17. September 2010. „Wie könnte ein Diener Gottes jedoch Gott dienen, wenn er ihn übergeht bzw. ausklammert? Wer das näher betrachtet, sieht ein, dass es bereits der erste kleine Schritt in Richtung eines großen Glaubensabfalls ist!“[5]

Es besteht auch kein Zweifel daran, dass Rom, solange es vom Konzil überzeugt ist, letztlich nur beabsichtigt, die Bruderschaft zum Konzil zu führen. In einem Interview für Fideliter (Sep.-Okt. 1988) erläuterte Erzbischof Lefebvre die Lage zu seiner Zeit, die sich bis heute nicht geändert hat: „Wir haben nicht die gleiche Auffassung von der Wiederversöhnung. Kardinal Ratzinger sieht sie in dem Sinne, dass er uns unterwerfen und zur Anerkennung des II. Vatikanums bringen will. Wir sehen sie als eine Rückkehr Roms zur Tradition. Wir verstehen uns nicht; wir reden aneinander vorbei.“[6]

Auch Bischof Fellay erklärte deshalb noch im Mai 2010 in einem Interview für die Zeitschrift The Remnant: „Es ist vollkommen klar, dass jede praktische Lösung ohne eine gesunde, doktrinäre Grundlage direkt in eine Katastrophe führen würde […] Wir haben alle diese abschreckenden Beispiele vor uns: Die Priesterbruderschaft St. Petrus, das Institut Christus König, und all die anderen Gemeinschaften sind lehrmäßig vollständig blockiert, weil sie zuerst die praktische Übereinkunft annahmen.“[7]

Aber hat nicht Erzbischof Lefebvre ein Abkommen befürwortet?

In der Tat hat sich der Erzbischof, auch wenn er sich von Anfang an stets klar von der konziliar durchdrungenen Amtskirche abgegrenzt hat, über viele Jahre hinweg um eine Verständigung mit dem konziliaren Rom bemüht und am 5. Mai 1988 sogar ein Protokoll über ein Einvernehmen mit Rom unterzeichnet, das einem praktischen Abkommen vorausgehen sollte.

Der Erzbischof hat allerdings bereits am Tag nach der Unterzeichnung des besagten Protokolls seine Unterschrift wieder zurückgezogen und diesen Schritt in seiner Predigt bei den Bischofsweihen vom 30. Juni 1988 folgendermaßen erklärt: „Wenn ich dieses Unternehmen gemeinsam mit Rom durchgeführt und die Absprachen, die wir unterschrieben haben, weitergeführt und in die Tat umgesetzt hätte, würde ich eine ‚Operation Selbstmord‘ durchführen. Das kann ich nicht. Es gibt keine Wahl. Es ist meine Pflicht, alles zu tun, damit wir überleben! Ich bin davon überzeugt, dass ich durch die heutige Konsekration dieser Bischöfe die Tradition fortsetze und ihr helfe zu überleben, das heißt, der katholischen Kirche!“[8]

Der Erzbischof äußerte sich über das Protokoll und die Verhandlungen mit Rom, die im Vorfeld stattgefunden haben, auch in Interviews mit der Zeitschrift Fideliter: Ich bin „zu diesen Verhandlungen nach Rom gefahren, jedoch ohne jegliches Vertrauen. […] Ich wollte tatsächlich so weit wie möglich gehen, um unseren guten Willen zu zeigen“ (Ecône, 30.6.1989)[9]. „Manche Personen sagen zu mir: ‚Sie müssen sich mit Rom verständigen‘. Ich glaube, ich kann diesen Personen jetzt sagen, dass ich sogar weiter gegangen bin, als ich hätte gehen dürfen“ (Suresnes, 9.8.1990)[10].

In einer Pressekonferenz äußerte er sich wie folgt: „Man kann somit denken: Ihr hattet [Anm.: durch das Protokoll zugesichert] einen Bischof. Das ist gut. Ihr könntet ein wenig mehr Mitglieder in der römischen Kommission haben. Aber es ist nicht dies, was uns interessiert. Es ist das Grundproblem, das immer dahinter steht und das uns Angst macht. Wir wollen keine Mitarbeiter an der Zerstörung der Kirche sein“ (La conférence de presse de Mgr. Lefebvre, in: Fideliter. Mgr. Lefebvre et Rome. Le dossier complet, Sonderausgabe zum 29.-30. Juni, [1988], S. 19)[11].

Bereits am 14. Juli 1987 gab er Kardinal Ratzinger in einer Privataudienz zu verstehen: „Eminenz, selbst wenn Sie uns alles zugestehen: einen Bischof, eine gewisse Unabhängigkeit in Bezug auf die Ortsbischöfe, die Liturgie von 1962, die Weiterführung unserer Seminare… so können wir doch nicht zusammenarbeiten, weil wir nach zwei verschiedenen Richtungen hin wirken: Sie arbeiten auf die Entchristlichung der Gesellschaft, der Kirche hin, wir dagegen arbeiten an ihrer Verchristlichung.“[12]

War also Erzbischof Lefebvre letztlich strikt gegen ein Abkommen?

In einem Interview für Fideliter (Nov.-Dez. 1988) legte der Erzbischof dar, dass er Gespräche, die auf den Abschluss eines rein praktisches Abkommen abzielen, ablehnt: „Ich würde auf der lehrmäßigen Ebene die Frage stellen: ‚Sind sie einverstanden mit den großen Enzykliken aller Ihrer päpstlichen Vorgänger? […] Stimmen Sie mit diesen Päpsten und ihren Aussagen vollkommen überein? Billigen Sie den Antimodernisteneid noch? Treten Sie für das soziale Königtum Unseres Herrn Jesus Christus ein? Wenn Sie die Lehre Ihrer Vorgänger nicht annehmen, hat es keinen Sinn, miteinander zu reden. Solange Sie nicht bereit sind, das Konzil unter Bezug auf die Lehre Ihrer päpstlichen Vorgänger zu reformieren, ist ein Dialog weder möglich noch nützlich.‘“[13]

Am 8. Dezember 1988 sagte er in einem Vortrag in Flavigny: „Es wird uns oft die Frage gestellt, wann eine Einigung mit Rom möglich sein wird. Meine Antwort darauf ist einfach. Wenn Rom Unseren Herrn Jesus Christus wieder auf den Thron erhebt. Wir können mit den Personen, die Unseren Herrn entthronen, nicht eines Sinnes sein. Wenn sie Unseren Herrn eines Tages als König der Völker und der Nationen anerkennen, kehren nicht wir zu ihnen zurück, sondern die katholische Kirche, in der wir bleiben.“[14]

In seiner Ansprache an Priester in Ecône vom 6. September 1990 sagte er: „Einige Leute werden stets das Gras in des Nachbars Wiese bewundern… sie schauen auf unsere Gegner auf der anderen Seite. ‚Schließlich müssen wir lieb sein, müssen wir freundlich sein, dürfen wir nicht trennend sein, schließlich feiern sie die tridentinische Messe, sie sind nicht so schlecht, wie alle sagen‘ – aber sie verraten uns – verraten uns! Sie schütteln die Hände mit den Zerstörern der Kirche. Sie schütteln die Hände mit den Leuten, die modernistische und liberale Ideen vertreten, die von der Kirche verurteilt sind. Und so tun sie des Teufels Arbeit. Sie werden jetzt sagen: ‚Solange sie uns die alte Messe gewähren, können wir mit Rom Hände schütteln, kein Problem.‘ Aber wir werden sehen, wie es funktioniert. Sie sind in einer unmöglichen Situation. Unmöglich. Man kann nicht beides: Hände schütteln mit Modernisten und weiter die Tradition halten. Unmöglich. Unmöglich.“[15]

Wie begründet man den Kurswechsel?

Der Kurswechsel stützt sich auf drei irrtümliche Behauptungen.

I.) Rom habe sich geändert

Die erste dieser Behauptungen besteht darin, von einem Wandel in Rom zu sprechen, der auch eine neue Haltung der Bruderschaft erfordere. Dieser Wandel zeigt sich angeblich insbesondere (1.) durch das Motu proprio Summorum pontificum von 2007, das, so Pater Schmidberger, dem katholischen Messritus „wenigstens in gewissem Umfang“[16] wieder Heimatrecht zugestanden habe, (2.) durch die Aufhebung der Exkommunikation der vier Bruderschafts-Bischöfe von 2009 und (3.) darin, dass Rom in den Jahren 2009 bis 2011 Lehrgespräche mit der Bruderschaft führte.

zu 1.) Durch das besagte Motu proprio wurde in Wahrheit der katholische Messritus nur einmal mehr gedemütigt, da es feststellte, dass der katholische Messritus zwar als außerordentliche Form niemals abgeschafft wurde, wohl aber als ordentliche Form vom konziliaren Messritus ersetzt wurde und zudem den katholischen Messritus, der Gott ehrt und die Seelen heiligt, mit dem konziliaren Messritus, der Gott beleidigt und die Seelen verdirbt, auf äußerst entwürdigende Weise auf eine Stufe stellt.

zu 2.) Durch die Aufhebung der Exkommunikation wurden in Wahrheit die vier Bruderschafts-Bischöfe nur einmal mehr gedemütigt und – was noch weit schlimmer ist – mit ihnen der Katholizismus selbst, um dessen Bewahrung willen sie sich zum Anschein exkommunizieren ließen, denn es handelte sich dabei, wie Rom ausdrücklich darlegte, um eine Aufhebung der gerechten und gültigen Exkommunikation aus Barmherzigkeit (Barmherzigkeit gibt mehr, als man verdient), anstatt um eine Zurücknahme der ungerechten und ungültigen Exkommunikation aus Gerechtigkeit (Gerechtigkeit gibt, was man verdient).

zu 3.) Durch die Lehrgespräche wurde in Wahrheit einmal mehr deutlich, dass Rom fest von der Richtigkeit der Konzilsirrtümer überzeugt ist.

Erzbischof Lefebvre stellte am 28. August 1987 in einem Brief an die vier von ihm ausersehenen Kandidaten für die Bischofsweihen fest, dass „dieses modernistische und liberale Rom sein Werk der Zerstörung der Herrschaft Unseres Herrn weiterverfolgt, wie Assisi und die Bekräftigung der liberalen Thesen des Zweiten Vatikanischen Konzils über die Religionsfreiheit beweisen“[17].

Dass nun die Bruderschafts-Führung eine kanonische Normalisierung durch ein praktisches Abkommen plötzlich so heiß begehrt, obwohl sich Rom stets unermüdlich zum ganzen II. Vatikanum bekannte, obwohl 2011 der Assisi-Papst Johannes Paul II. seliggesprochen und obwohl im selben Jahr das 25jährige Jubiläum des ersten interreligiösen Gebetstreffens in Assisi feierlich begangen wurde, gibt sehr zu denken.

II.) Bruderschaft leide ohne kanonischen Status unter einem Mangel

Ein weiterer Irrtum, wodurch der Kurswechsel der Bruderschaft gerechtfertigt werden soll, besteht in der Behauptung, dass die Bruderschaft in der gegenwärtigen Situation ohne kanonischen Status an einem Mangel leide.

Pater Pfluger, der 1. Assistent von Bischof Fellay, vertrat in einem Interview für die Kirchliche Umschau (Nov. 2012) diese Ansicht: „Der Glaubensverlust in den kirchlichen Strukturen, von dem wir Gott sei Dank verschont sind, ist ja nur eine Seite der Krise. Die andere ist, dass auch wir unter einem Mangel leiden, nämlich dem der kanonischen Irregularität. Nicht nur der Zustand der nachkonziliaren Kirche ist unvollkommen, unserer auch. […] Aber die Verpflichtung, aktiv für die Überwindung der Krise zu arbeiten, kann man nicht bestreiten. Und diese Arbeit beginnt bei uns selbst: Überwinden des anormalen kanonischen Zustandes.“[18]

Dagegen warnte Erzbischof Lefebvre am 9. September 1988 in Ecône davor, die sichtbare Kirche mit der konziliar durchdrungenen Amtskirche gleichzusetzen: „Die sichtbare Kirche erkennt man an den Zeichen, die sie von jeher als Merkmale ihrer Sichtbarkeit festgelegt hat: Sie ist einig, heilig, katholisch und apostolisch. Ich frage Sie: Wo finden sich die wahren Merkmale der Kirche? Eher in der Amtskirche (es handelt sich nicht um die sichtbare Kirche, es handelt sich um die Amtskirche) oder bei uns, in dem, was wir verkörpern, was wir sind? […] Nicht wir verlassen die Kirche, sondern die Modernisten. Wer sagt ‚die sichtbare Kirche verlassen‘, der irrt, indem er Amtskirche und sichtbare Kirche gleichsetzt. Wir gehören sehr wohl zur sichtbaren Kirche, zur Gemeinschaft der Gläubigen unter der Autorität des Papstes, denn wir lehnen nicht die Autorität des Papstes ab, sondern das, was er tut […] Verlassen wir demnach die Amtskirche? In gewisser Weise ja, ganz offensichtlich.“[19]

In einem Interview für Fideliter (Jul.-Aug. 1989) sagte der Erzbischof: „Es ist unfassbar, dass man bezüglich der konziliaren Kirche, im Gegensatz zur katholischen Kirche, von einer sichtbaren Kirche sprechen kann. Wir versuchen die katholische Kirche zu repräsentieren und fortzusetzen. Ich sage nicht, dass wir die katholische Kirche sind. Das habe ich nie gesagt. […] Aber wir repräsentieren die katholische Kirche wirklich so, wie sie früher war. Wir setzen das fort, was die katholische Kirche allezeit vollbracht hat. Gerade dadurch haben wir die Kennzeichen der sichtbaren Kirche – die Einheit, die Katholizität, die Apostolizität, die Heiligkeit. Das macht die sichtbare Kirche aus.“[20]

Tatsächlich wäre ein fehlender kanonischer Status im Normalfall ein schwerwiegender Mangel. Doch es besteht nun einmal ein außerordentlicher Notstand, da die gesamte Amtskirche von einem anti-katholischen Konzil gänzlich beherrscht wird. Aus diesem Grund ist die Ablehnung einer kanonischen Regelung eine unerlässliche Schutzmaßnahme, um die Bruderschaft als letzte weltweite katholische Bastion zu erhalten.

Im September 1988 sagte Erzbischof Lefebvre in einem Interview für Fideliter: „Wenn wir von diesen Leuten Abstand nehmen, es ist genauso wie mit Aids-Kranken. Man will sich nicht von dieser Krankheit anstecken lassen. Diese aber haben ein geistiges Aids, eine ansteckende Krankheit. Will man gesund bleiben, so soll man nicht mit ihnen verkehren.“[21]

Bischof Williamson drückt sich in seinem Eleison Kommentar vom 19. Mai 2012 ähnlich aus, insofern er davon schreibt, dass es „die Bruderschaft tunlichst vermeiden“ sollte, „zu einem Teil des kranken konziliaren Ganzen zu werden. Denn der gesunde Zweig, der auf das kranke konziliare Gewächs aufgepfropft wird, würde sich unbedingt die konziliare Erkrankung holen.“[22]

III.) Die Bruderschaft könne Rom bekehren, indem sie sich Rom unterstellt

Der dritte Irrtum, durch den man den Kurswechsel der Bruderschaft zu begründen versucht, liegt in der Meinung, „das, was man die Konzilskirche nennt, das heißt, diese Sekte, die die katholische Kirche besetzt hält“ (Bischof Tissier de Mallerais, Predigt in Villepreux, 19.5.2013)[23] bekehren zu können, indem man in sie eintritt.

André Cagnon führte am 30. Juni 1989 ein Gespräch mit Erzbischof Lefebvre für die Zeitschrift Fideliter: „Manche behaupten: Der Erzbischof hätte das Abkommen mit Rom annehmen sollen. Wäre die Bruderschaft eines Tages anerkannt und die Suspendierungen aufgehoben worden, hätte er im Inneren der Kirche wirksamer tätig werden können. Jetzt steht er außerhalb der Kirche.“

Der Erzbischof antwortete darauf: „Solche Worte können leicht beiläufig gesagt werden. Was soll das bedeuten, sich ins Innere der Kirche stellen? Vor allem, von welcher Kirche wird gesprochen? Sollte es sich um die konziliare Kirche handeln, müssten wir also in diese konziliare Kirche eintreten, obwohl wir zwanzig Jahre lang mit ihr gerungen haben, weil wir die katholische Kirche wollen. Wir müssten sie sozusagen wieder katholisch machen. Das ist eine vollkommene Illusion. Nicht die Untergebenen formen die Oberen, sondern die Oberen die Untergebenen. In der gesamten heutigen römischen Kurie und inmitten aller Bischöfe dieser Welt, die progressistisch sind, wäre ich vollkommen untergegangen.“[24]

Aber warum soll man sich sorgen, da bisher kein Abkommen zustande gekommen ist?

Weil nicht erst das Gelingen, sondern bereits der Versuch, ein derart schädliches Abkommen zu schließen, beunruhigen sollte. „Das Problem ist weniger das Abkommen als das Verlangen nach irgendeinem Abkommen, das der Bruderschaft offizielle Anerkennung bringen würde“, erläutert Bischof Williamson in seinem Offenen Brief an die Bruderschafts-Priester vom 28. März 2013, „und dieser Wunsch ist immer noch sehr stark vorhanden.“[25]

Zudem bestünde wohl schon längst ein Abkommen, hätte Rom nicht die Doktrinelle Erklärung vom 15. April 2012, die Bischof Fellay als Grundlage für ein praktisches Abkommen vorgesehen hatte, überraschend abgelehnt. Diese Doktrinelle Erklärung, die eigentlich geheim bleiben sollte, obwohl sie naturgemäß öffentlich ist, weil sie alle unsterblichen Seelen betrifft, ist noch verwerflicher als ein rein praktisches Abkommen, insofern sie bereits inhaltlich die Hermeneutik der Kontinuität annimmt, die vorgibt, dass das gesamte Konzil mit der vorkonziliaren Lehre in Einklang gebracht werden kann.

Tendiert diese Schrift zum Sedisvakantismus?

Die meisten Abkommens-Gegner lehnen, wie Erzbischof Lefebvre, den Modernismus ab, ohne dabei den Sedisvakantismus zu vertreten. So schreibt auch Bischof Williamson bezüglich der konziliaren Autoritäten: „Selig sind jene Katholiken, welche die Irrtümer dieser Kirchenautoritäten verabscheuen und trotzdem deren Amt in Ehren halten.“[26]

Pater Zaby stellt an seine Mitbrüder in einem Brief die Frage: „Nun sollte es nicht mehr möglich sein, dem konziliaren Rom im Ungehorsam zu widerstehen außer als Sedisvakantist? Sind damit die Oberen der Bruderschaft nicht von ihrer bisherigen Linie abgewichen, nämlich dass man dem Papst ungehorsam sein kann oder sogar muss, ohne zugleich notwendig sein Papstsein zu leugnen? Sind sie damit nicht ihrerseits ganz auf die sedisvakantistische Argumentation eingeschwenkt: entweder anerkennt man den Papst, dann muss man ihm auch gehorchen, oder man anerkennt ihn eben nicht? Somit würde man den Sedisvakantisten ja sogar letztlich recht geben und zugestehen, dass man all die Jahre über im Irrtum war und einer falschen Ideologie angehängt ist.“[27]

Soll diese Schrift den Frieden stören?

Diese Schrift soll den falschen Frieden der Welt stören, gemäß den Worten Unseres Herrn: „Denket nicht, ich sei gekommen, Frieden auf Erden zu bringen; ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, einen Menschen ‚zu entzweien mit seinem Vater, die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter, und des Menschen Feinde werden seine Hausgenossen sein‘ [Mich 7,6].“ (Mt 10,34-36)

Diese Schrift soll aber zum wahren Frieden in Gott führen, gemäß den Worten Unseres Herrn: „Frieden lasse ich euch zurück, meinen Frieden gebe ich euch; nicht wie die Welt gibt, gebe ich euch. Euer Herz erschrecke und verzage nicht!“ (Joh 14,27)

„Wer also ein Freund der Welt sein will, macht sich zum Feinde Gottes“ (Jak 4,4). Der weltliche und der göttliche Friede sind unvereinbar, sie schließen einander aus.

Wie können wir weiter vorgehen?

Für die Erhaltung unseres hl. katholischen Glaubens wird jeder wahre Katholik das tun, was ihm möglich ist.

Wir können öffentlich unsere Stimme gegen den neuen Kurs der Bruderschaft erheben, wobei wir freilich auch in Kauf nehmen müssen, dass man uns in den Kapellen Hausverbot erteilt und u.U. sogar den Empfang der Sakramente verweigert. Bedenken wir, dass wir durchaus ohne die hl. Sakramente, aber nicht ohne den alleinseligmachenden katholischen Glauben gerettet werden können. Die Katholiken in Japan mussten über Jahrhunderte hinweg auf die Sakramente verzichten, bewahrten den Glauben jedoch durch das Rosenkranzgebet. Es ist zudem eine Auszeichnung für uns, wenn wir wegen unseres Treuebekenntnisses zu Unserem Herrn ausgeschlossen werden sollten.

Wir können Bischof Williamson sowie jene Priester und Orden durch unsere Gaben unterstützen, die den neuen Kurs der Bruderschaft bereits eindeutig in aller Öffentlichkeit ablehnen, da sie von der Bruderschaft nichts mehr erhalten und wir uns sicher sein können, dass diese Geistlichen dem Weg treubleiben, den uns Erzbischof Lefebvre gewiesen hat.

Wir können mit unseren Priestern sprechen und ihnen zu verstehen geben, dass wir den neuen Kurs der Bruderschaft gänzlich ablehnen und sie ermutigen, ihre Stimme zu erheben und ihnen in diesem Fall unsere Unterstützung zusichern. Die Geistlichen haben es besonders schwer, da sie, wenn sie nicht schweigen wollen, mit entsprechenden Konsequenzen bis hin zum Ausschluss aus der Bruderschaft rechnen müssen.

Auch die Gläubigen müssen wir über die verhängnisvolle Neuausrichtung der Bruderschaft informieren.

Wir können Unserem Herrn Gebet und Opfer darbringen, damit er sich unser erbarmt und uns vor allem auch an die allerseligste Jungfrau Maria wenden, die uns niemals im Stich lassen wird.

Haben wir Mut, denn wir können wahrhaftig aus ganzem Herzen jene Worte wiederholen, die Erzbischof Lefebvre in seinem Vortrag am 22. August 1976 in Ecône sprach: „Wir sind mit zweitausend Jahren Kirche und nicht mit [ein paar Jahrzehnten] einer neuen Kirche, einer Konzilskirche.“[28]

Kontaktmöglichkeiten:

Gerne kann auch Kontakt aufgenommen werden mit Christian Schenk, dem Verfasser dieser Schrift (E-Mail: schenkchristian1@gmail.com; Mobil-Telefon: 0176 75066415) und mit seiner Mitarbeiterin Simone Mai (E-Mail: Mai-Simone@t-online.de).

Weitere Informationsquellen:

Im Internet findet man weitere Informationen auf der Seite des Widerstands gegen den neuen Kurs (http://mitderimmaculata.blogspot.de/) sowie in den wöchentlichen Eleison Kommentaren von Bischof Williamson, die man kostenlos abonnieren kann, um sie dann per E-Mail zu erhalten (http://www.dinoscopus.org/deutsch/deutschwichtigsten.html)

Spendenmöglichkeiten:

Bischof Williamson hat die St. Marcel Initiative (http://www.stmarcelinitiative.com/) gegründet, die jene unterstützt, die öffentlich gegen den Kurswechsel protestieren. Die Karmelitinnen von Brilon-Wald freuen sich auch über jede direkte Unterstützung: Sparkasse HSL Brilon; BLZ 416 517 70; Kto. 56 267; IBAN: DE58 4165 1770 0000 0562 67; BIC: WELADED1HSL

Quellennachweis

Die Zitate wurden in der neuen Rechtschreibung und der äußeren Form vereinheitlicht. Fehler (z.B. in der Grammatik) wurden nicht übernommen.

[1] Zitiert nach: Rechtmäßiger Ungehorsam gegen die Autorität; http://pius.info/lehramt/7858-rechtmaessiger-ungehorsam-gegen-die-autoritaet

[2] Brief an Gläubige und Erklärung des Generalkapitels; http://www.fsspx.org/en/a_fraternite/aa_Documents/aa_From-the-SSPX/Brief-an-Glaubige-und-Erklarung-des-Generalkapittels-automaticaly-imported/

[3] Abkommen mit Rom auch ohne lehrmäßige Einigung; http://www.spes-unica.de/aktuell/nachrichten/2012/120501_abkommen/

[4] Grundsatzerklärung des Generalkapitels; http://pius.info/generalhaus/stellungnahmen/6988-grundsatzerklaerung-des-generalkapitels-

[5] Eleison Kommentare CLXVI. ― Samstag, den 17. September 2010: Doktrin – warum? II.; http://eleisonkommentar.blogspot.de/2010/09/ec-166-doktrin-warum-ii.html

[6] Zitiert nach: Katechismus der Krise der Bruderschaft; http://mitderimmaculata.blogspot.de/2013/03/katechismus-der-krise-der-bruderschaft.html

[7] Zitiert nach: Eleison Kommentare CLXV. ― Samstag, den 11. September 2010: Doktrin – warum?; http://eleisonkommentar.blogspot.de/2010/09/ec-165-doktrin-warum.html

[8] Predigt von S. E. Erzbischof Marcel Lefebvre am 30. Juni 1988 in Ecône (Bischofskonsekration von 4 Priestern); http://pius.info/erzbischof/predigten/174-bischofskonsekration_von_4_priestern_econe_1988

[9] Interview von S. E. Erzbischof Marcel Lefebvre am 30. Juni 1989 in Ecône. Für die Zeitschrift „Fideliter“. Redakteur André Cagnon. Ein Jahr nach den Bischofskonsekrationen; http://pius.info/erzbischof/dokumente/240-interview_(ein_jahr_n_d__bischofskonsekration)__1989

[10] Interview von S. E. Erzbischof Marcel Lefebvre am 9. Dezember 1990 in Suresnes (Paris). Für die Zeitschrift „Fideliter“. Redakteur André Cagnon. Zwanzigjähriges Bestehen der Priesterbruderschaft St. Pius X.; http://pius.info/erzbischof/dokumente/241-interview_(20-jähriges_bestehen_der_priesterbruderschaft)__1990

[11] Zitiert nach: P. Gérard Mura, Bischofsweihen durch Erzbischof Lefebvre. Theologische Untersuchung der Rechtmäßigkeit, Zaitzkofen 1992, S. 46 f.

[12] Zitiert nach: Mitteilungsblatt für den deutschen Sprachraum, August 2008

[13] Zitiert nach: P. Juan Carlos Ortiz, Die neue „Hermeneutik“ Mgr Fellays. Hat die Bruderschaft ihren Standpunkt geändert?; https://poschenker.wordpress.com/2013/05/07/die-neue-hermeneutik-mgr-fellays-pater-juan-carlos-ortiz/

[14] Vortrag von S. E. Erzbischof Marcel Lefebvre im Seminar Saint Curé d’Ars am 8. Dezember 1988 in Flavigny-sur-Ozérain (Die Lage vor und nach den Bischofskonsekrationen); http://pius.info/erzbischof/vortraege/115-die_lage_vor_und_nach_den_bischofskonsekrationen_flavigny_1988

[15] Zitiert nach: Stephen Fox, Ist diese Operation Selbstmord?; https://www.box.com/s/cg15ck7wupbq7fqincdq

[16] P. Franz Schmidberger, Vorwort zum Mitteilungsblatt der Priesterbruderschaft St. Pius X., Juni 2013, S. 2

[17] Brief von S. E. Erzbischof Marcel Lefebvre an seine zukünftigen Bischöfe vom 28. August 1987, Adveniat regnum tuum; http://www.fsspx.at/index.php?option=com_content&view=article&id=13&Itemid=14&show=191

[18] Interview mit Pater Niklaus Pfluger (1. Assistent); http://pius.info/archiv-news/734-beziehungen_zu_rom/7277-interview-mit-pater-niklaus-pfluger-1-assistent

[19] Zitiert nach: Katechismus der Krise der Bruderschaft; ebd.

[20] Interview von S. E. Erzbischof Marcel Lefebvre am 30. Juni 1989 in Ecône; ebd.

[21] Zitiert nach: Vortrag von Pater Gleize (FSSPX) zur Kirchenkrise; http://pius.info/archiv-news/892-kirchenkrise/7875-vortrag-von-pater-gleize-fsspx-zur-kirchenkrise#_ftn3

[22] Eleison Kommentare CCLIII. ― Samstag, den 19. Mai 2012: Benedikts Ökumenismus V.; http://eleisonkommentar.blogspot.de/2012/05/ec-253-benedikts-okumenismus-v.html

[23] Predigt von Mgr. Tissier de Mallerais am 19. Mai 2013, am Hochfest von Pfingsten in Villepreux während der Chartres-Wallfahrt; https://poschenker.wordpress.com/2013/05/28/predigt-von-mgr-tissier-de-mallerais-am-19-mai-2013-am-hochfest-von-pfingsten-in-villepreux-wahrend-der-chartres-wallfahrt/

[24] Interview von S. E. Erzbischof Marcel Lefebvre am 30. Juni 1989 in Ecône; ebd.

[25] Der Offene Brief vom 28.3.2013 an die Priester der FSSPX von Bischof Richard Williamson; https://poschenker.wordpress.com/2013/03/30/der-offene-brief-vom-28-3-2013-an-die-priester-der-fsspx-von-bischof-richard-williamson/

[26] Eleison Kommentare CCLXXIX. ― Samstag, den 17. November 2012: Schwerwiegendes Problem; http://eleisonkommentar.blogspot.de/2012/11/ec-279-schwerwiegendes-problem.html

[27] Brief von Pater Bernhard Zaby, Spiritual des Karmels von Brilon-Wald, an seine Mitbrüder; https://poschenker.wordpress.com/2013/04/16/fsspx-brief-von-pater-bernhard-zaby-spiritual-des-karmels-von-brilon-wald-an-seine-mitbruder/

[28] Zitiert nach: Vortrag von Pater Gleize (FSSPX) zur Kirchenkrise; ebd.

Quelle: Gloria.tv: CSc 3.7.2013 11:17:19

6 Kommentare zu “Kurze Analyse des Kurswechsels der Bruderschaft St. Pius X. (Textversion)

  1. Der Analyse stimme ich zu. Ich brauche sie auch inhaltlich nicht mehr zu ergänzen, sie muss nur gründlich gelesen werden.
    Sie ist nicht nur vollumfänglich bestätigt, sie zeigt, dass der Kurs der Bruderschaftsleitung GEGENWÄRTIG nicht mehr von dem der Ecclesia-Dei-Gemeinschaften zu unterscheiden ist. Obwohl KEIN Abkommen abgeschlossen worden ist.
    Der Kurs der Bruderschaftsleitung jetzt ist überhaupt nicht nachzuvollziehen. Sie verhält sich, als hätte sie ein Stillhalte-Abkommen mit Franziskus abgeschlossen. Das noch über die „doktrinelle Erklärung“ Fellays hinausgeht. Mit jenem Papst, der alle Konzils- und Nachkonzilspäpste an Zerstörungswillen übertrifft. Schon jetzt.
    Mit anderen Worten: Wenn man zu der gründlichen Analyse von Texten zusätzlich den gegenwärtigen Schweigekurs Rom gegenüber mit bewertet, dann sehe ich keine andere Wortwahl, als von einem VERRAT an dem Erbe von Erzbischof Lefebvre, einem Verrat am katholischen Glauben, einem Verrat an unsterblichen Seelen zu sprechen.
    Mit Menzingen – Stuttgart lässt sich ein Wort verbinden: VERRAT!
    Die Frage, wie es dazu kommen konnte, wird leider nicht gestellt. Ich versuche, sie zu formulieren: Wird die Bruderschaftsleitung vielleicht unter Druck gesetzt? Hat nicht der Rechtsanwalt aus Dresden, Maximilian Krah, der eigentlich Bischof Williamson vertreten sollte, mit dafür gesorgt, den Bischof zur UNPERSON zu erklären? Den Bischof, der der entschiedenste Gegner einer Kapitulation vor Rom ist…
    Dieser Maximilian Krah ist Geschäftsleiter von Dello Sarto AG, einer Vermögensverwaltungs- und beratungsfirma, mit Vollmachten, die außer ihm nur Bischof Fellay besitzt, die über die Vollmachten vom ersten Assistenten und dem Schatzmeister der FSSPX hinausgehen.
    Ich weiß es nicht, aber mir drängt sich immer mehr der Eindruck auf, dass die Kapitulation vor Rom, der vollständige Verrat aller Prinzipien der FSSPX, noch andere Gründe hat außer einer verdorbenen Theologie.

  2. Große Fleißarbeit! Präzise zusammengefaßt! Es gibt aber weiterhin inkonsistente Punkte, die weiterhin näher beleuchtet werden müssen…

    „So schreibt auch Bischof Williamson bezüglich der konziliaren Autoritäten: „Selig sind jene Katholiken, welche die Irrtümer dieser Kirchenautoritäten verabscheuen und trotzdem deren Amt in Ehren halten.““

    Die „seligen Auswirkungen“ dieser Haltung zeigen sich (schon seit längerem) u.a. in einem allgemeinen Schlingerkurs, in einer Gefallsucht gegenüber Apostasie-Rom, in einer Unterwürfigkeit unter den „bürgerlichen Konsens“, in einer Verkürzung der Problematik auf einen bloßen Ritenstreit, in einer wachsenden Akzeptanz von V2, in einer sich steigernden Verdrehung der gottgewollten Ordnung, in einer allgemeinen Abneigung gegen rechtmäßige Autorität einerseits und einem schwächer werdenden Willen zum Widerstand gegen das antichristliche System andererseits…

    Eigentlich lehren alle Heiligen, daß die Seligkeit insbesondere in der Verachtung der Welt und ihres Geistes und ihrer Maßstäbe besteht. Doch inwiefern zeigt sich das (noch) in und im Umfeld der „größten Tradi-Gruppierung“?

  3. @ Pia T.: „Die Frage, wie es dazu kommen konnte, wird leider nicht gestellt.“

    Um eine Antwort darauf zu geben ist es unerlässlich, der Sache auf den Grund zu gehen. Es muß eine tiefere Ursache vorliegen. Eine unheimliche!

    Langsam, ganz unmerklich bildete sich innerhalb der Bruderschaft eine Gruppe für sich. Und weil es sich in erster Linie um Vorgesetzte handelte, haben diese gezielt ihre Mannschaft ausgewählt, sei es durch Geheimgespräche, sei es durch bewußte Versetzungen und Beförderungen. Man kann annehmen, daß dies bis zum Jahr der Bischofsweihen zurückgeht. Es gibt bestimmte Indizien, die das vermuten lassen. Es war ein Programm, von langer Hand vorbereitet.
    Was ist das für eine Gruppe? Es ist diese Schicht von Katholiken, die man die LIBERALEN Katholiken zu nennen pflegt. Was ist nun die Geisteshaltung dieser liberalen Katholiken? Wir glaubten allzugern, der Liberalismus, der Modernismus ist allein in der Konzilskirche zu finden. Nein! Er hat langsam langsam Einzug gehalten in die FSSPX. Die Einwirkungen in unseren Kreisen geschah oft ganz unbewußt. Und weil dieser Liberalismus nicht als Sünde gesehen werden will, wird sie auch nicht gebeichtet. So kann das Übel immer weiterschreiten.

    Liberale Katholiken sitzen zwischen zwei Stühlen. Ihre Haltung steht nicht vollständig konsequent auf der katholischen Seite. Es ist ein teilweises Liebäugeln mit der Faszination des modernen Menschen. Der Liberalismus ist tatsächlich der Gegenpol des Katholizismus und ist SÜNDE.
    Die Ursache für dieses Schwanken und Kompromissemachen zwischen dem Katholizismus und dem Liberalismus ist Glaubensschwäche. Der Liberale ist beeindruckt von der modernen Welt, der Wissenschaft und Kultur, gleichzeitig verbunden mit der tiefsitzenden Angst, ins Abseits zu geraten, nicht mehr mitreden zu können, wenn man sich nicht mehr für die moderne Welt öffnet, mit ihr in Dialog tritt und so einen Anschluß an die heutige Zeit verpaßt. Man sucht ständig einen Ausgleich zwischen beiden Polen. Der springende Punkt aber ist die Glaubensschwäche; man hat kein rechtes Vertrauen auf die Macht der übernatürlichen Gnade Gottes. Man ist nicht einverstanden mit den Absichten Gottes und will seinen Plänen vorgreifen. Unbewußt vertraut man im Grunde eher auf menschliche Überlegung, auf Diplomatie. Diese Haltung lassen den liberalen Katholiken schräge Kompromisse machen, die dann sehr bald in VERRAT und Kapitulation münden.
    Das nun haben wir seit diesen unseligen Verhandlungen mit Rom gut beobachten können. Die Diplomatie, das menschliche Tun standen im Vordergrund. Ein liberaler Mensch pflegt die Nachgiebigkeit gegen die Feinde der Kirche und feige Anpassung an die bestehenden Verhältnisse. Er steht nicht fest und siegessicher im Glauben. Stärke, Kühnheit und Kraft in Gott sind ihm fremd. Also das Nachgeben und Kompromissemachen ist dem Liberalen eigen. Nur so ist es zu erklären, warum die Leitenden der Priesterbruderschaft so versagten und vor den Feinden in die Knie sanken, während sie die Priester in den eigenen Reihen harsch, herzlos, und feindselig behandeln. Wie sehr haben wir diese Sympathie und dieses herzliche Einvernehmen mit Rom erleben müssen?
    Und fahren nicht auch genug Laien auf dieser Schiene? Diese drängende Angst, daß alles den Bach hintergehe, wenn man sich nicht baldmöglichst mit der konziliaren Kirchenleitung arrangiere?
    Der liberale Katholik ist ein Mensch, der für den Frieden um jeden Preis ist, dann aber vor allem einen FALSCHEN Frieden zwischen Kirche und Welt sucht. Der nicht zur Kenntnis nehmen will, daß jeder, der zu Christus steht, Verachtung und Nachstellungen auf sich nehmen muß. So sprach die FSSPX von einer Schmach, die die „Exkommunikation“ verursacht haben soll und die man beseitigen will. Der Liberale führt ständig das Wort »Liebe« im Munde, doch diese Liebe ist etwas ganz anderes als jene, die allein auf die Wahrheit gerichtet ist und dem Irrtum eine vollständige Absage erteilt.
    Pius IX. nannte sie „die schlimmsten Feinde der Kirche“. So muß das auch jetzt bei der Priesterbruderschaft St. Pius X. gesehen werden. Warum Feinde? Weil sie die Bruderschaft von innen heraus blockieren, abbauen und lahmlegen.

    Sicher wird man die Gründe auch noch in einer anderen Richtung suchen müssen, die uns jedoch (noch) verborgen sind.

  4. Alexius, wenn ich Ihren Kommentar lese und auf mich wirken lasse, dann kann ich nur zu dem Schluss kommen, die Bruderschaft wird von innen heraus blockiert, abgebaut, lahmgelegt. Der Prozess der Selbstzerstörung ist in vollem Gange. Ich mache es fest am Generaloberen, seinen Assistenten und vor allem an P. Schmidberger.
    Während der Widerstand redlich Texte analysiert, schaffen diese Herren Oberen längst Tatsachen, und zwar ohne jedes Generalkapitel. Sie bilden sich ein, sie dürfen mit dem Erbe von Erzbischof Lefebvre machen, was sie wollen. Sie sind an nichts gebunden als an ihre Macht. Die sie kaltblütig ausnutzen.
    Es gibt keine Kritik an Rom mehr. Nicht weil sie hinfällig geworden wäre, sie wäre nötiger denn je. Es reicht ihnen auch nicht, selbst keine Kritik mehr zu üben, sie haben es auch den Patres in der praktischen Seelsorge verboten.
    Ein so tiefgreifendes Verbot, das das Erbe des Erzbischofs zerstört, darf weder diskutiert werden innerhalb der FSSPX, noch wird es öffentlich den Gläubigen mitgeteilt.
    Schmidberger zeigt sein wahres Gesicht. „Wir haben ihm nie getraut, der Erzbischof war zu gütig, Schmidberger hat ihn schon zu seinen Lebzeiten hintergangen“, sagte mir vor kurzem eine Greisin.
    Ich kann nicht beurteilen, ob Schmidberger den Gründer schon früher hintergangen hat. Dass er jetzt Verrat übt, dessen bin ich sicher.
    „Dann gehen wir eben in den Untergrund, wenn es zum Anschluss an das unbekehrte Rom kommt“, meinte die alte Frau weiter. Ein paar FSSPX-Priester werden uns nicht im Stich lassen, Pater XY bestimmt nicht“.
    Ich werde mich hüten, seinen Namen auszuschreiben, weil ich kein Interesse habe, dass der nächste aufrechte Priester unter Druck gerät.

  5. In Frankreich sind sehr viele Priester auf der Seite des Widerstandes. Bischof Fellay weiß dies und wird sich gut überlegen wie er weiter vorgehen wird.

  6. Ich fürchte zur Zeit kein reales Abkommen mit Rom. Herr Bergoglio zeigt kein Interesse. Doch die Priester und Gläubigen sollen weichgeklopft werden. In Deutschland ist es Patres nicht mehr erlaubt, berechtigte Kritik am Bischof von Rom zu üben. Die Wahrheitsfrage spielt keine Rolle, die Kritik mag sachlich noch so richtig sein, sie ist nicht mehr erlaubt. Schmidberger wacht darüber, bzw. sein Nachfolger, den er in der Hand hat, wird das tun.
    Ohne jedes Abkommen mit Rom ist das von Stuttgart befohlen. Jeder Priester der konziliaren Kirche ist jetzt freier, den Papst zu kritisieren, wenn sein Gewissen ihm das vorschreibt. Eine absurde Situation für Priester der Priesterbruderschaft St. Pius X. Und für Gläubige, die sich jetzt ohne Gewissensbisse auch anderen traditionellen Priesterbruderschaften zuwenden können. Die Sakramente werden dort genauso gültig gespendet.
    Ich muss es so hart ausdrücken: Die FSSPX-Priester dürfen kein eigenes Gewissen mehr haben, was „Rom“ anbetrifft, sie sind wie Marionetten. Es wird ihnen von Menzingen und Stuttgart befohlen, was sie über Rom zu sagen haben. Es trifft für Deutschland zu, muss ich einschränken. Ob im französischen Distrikt die gleichen skandalösen Zustände herrschen, weiß ich nicht.
    Ich spreche für Deutschland: Wer keine langen Bindungen hat an die FSSPX kann jetzt ohne weiteres zu jeder Ecclesia-Dei-Gemeinschaft wechseln. Denn die FSSPX hat ohne jedes Abkommen den Glaubenskampf aufgegeben – im deutschsprachigen Distrikt. Das – für mich – wichtigste Kriterium, mich für dieFSSPX zu entscheiden, ist weggefallen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s