DIE WUNDER DES HEILIGEN FRANZISKUS XAVERIUS

Der zweite Elias

Bei seiner Ankunft auf der Molukkeninsel Ulate fand Pater Franz alles unter Waffen, und der König, in der Hauptstadt eingeschlossen, stand im Begriff, sich zu ergeben. Nicht gebrochene Kraft, sondern Wassermangel drängte zu diesem Schritt, denn der Feind hatte alle Wasserleitungen abgegraben, und der Himmel war so heiter, daß man die Hoffnung auf baldigen Regen sinken ließ. Die Qual des Durstes wurde noch fühlbarer durch eine unerträgliche Hitze. Der Heilige fand hier eine günstige Gelegenheit, einen Sieg für Christus zu erringen. Er ließ sich dem König vorstellen und erbot sich, diesen aus der Not zu befreien. „Erlaube mir“, sprach er, „hier ein Kreuz zu errichten, und vertraue dem Gott, den zu verkündigen ich gekommen bin; er ist der Herr aller Dinge; die ganze Natur gehorcht ihm. Er ist es, der die Schleusen des Himmels öffnet und regnen läßt, wann es ihm gefällt. Wenn er nun unser Flehen erhört, so versprich mir, daß du seine Allmacht anerkennen, und dich samt deinen Untertanen seinem heiligen Gesetz unterwerfen willst.“ Der König in seiner Not gelobte feierlich, falls ihm Hilfe werde, das Begehren des Paters zu erfüllen. Hierauf ließ Xaver auf der Höhe der Stadt ein Kreuz errichten, und Soldaten, Frauen und Kinder drängten sich voll Neugier heran und verharrten in gespannter Erwartung. Im Beisein aller ließ der Heilige sich auf die Kniee nieder und bat den König des Himmels um des bitteren Leidens und Sterbens seines Sohnes willen zum Heile dieser in Finsternis schmachtenden Menschen einen erquickenden Regen zu senden. Während des Gebetes überzog sich der Himmel allmählich mit Gewölk, und nach Beendigung desselben fiel ein Regen in solcher Menge hernieder, daß man Wasservorräte sammeln konnte auf lange Zeit. Die Feinde, jetzt entmutigt, sich der Stadt bemächtigen zu können, hoben die Belagerung auf. Der König floß über von Dankbarkeit. Mit dem versammelten Volk empfing er die Taufe und bat den Heiligen, auch den Völkern der übrigen Inseln den wahren Gott und das rechte Gesetz zu verkünden.

Ein denkwürdiger Sieg

Heiliger Franziskus XaveriusSeit der Eroberung Malakkas durch die Portugiesen war die Eifersucht der benachbarten Könige geweckt, und diese machten einige Versuche, die Europäer aus Indien zu vertreiben. Der Beherrscher des Königreichs Achen auf Sumatra war besonders feindselig, wie gegen die Christen überhaupt, so besonders gegen die Portugiesen gestimmt. Mißglückte Versuche hatten ihn nicht abgeschreckt, sondern ihn noch erbitterter gemacht, und er bedrohte unablässig die Küste, störte die Handelsverbindungen und suchte jede etwaige Verstärkung der Portugiesen aus Europa abzuschneiden. Die Festung Malakka beabsichtigte er erst dann anzugreifen, wenn dieselbe hinlänglich von Lebensmitteln und Mannschaft entblößt sei. Zur Sicherheit seines Unternehmens bedurfte er des nördlich von Malakka gelegenen Hafens. Er bemächtigte sich desselben und ließ eine Zitadelle dortselbst bauen. Die Kriegsvorbereitungen wußte er so im geheimen zu bewerkstelligen, daß die Portugiesen nicht den mindesten Verdacht schöpften. 5000 im Seekrieg erprobte Soldaten wurden für das Unternehmen erkoren, dazu noch 500 Edelleute, welche sich Arobalons nannten und zum Zeichen ihrer hohen Abkunft goldene Armbänder trugen. Außerdem stand noch eine große Anzahl von Janitscharen zur Verfügung, und der Abenteurer brannte vor Begierde, an den verhaßten Christen seine Tapferkeit zu erproben. Außer den Booten, Fregatten und Brandern zählte die Flotte sechzig größere, wohl ausgerüstete Schiffe. Den Oberbefehl bekam ein als Held berühmter Sarazene: Bajaja Soora, dem der König schon im voraus für die glückliche Eroberung Malakkas den Titel „König von Pedia“ beilegte. Am 9. Oktober morgens 2 Uhr erschien die Flotte in aller Stille vor der Stadt und wagte auch sofort, von der Nacht begünstigt, einen Sturm. Die nichtsahnenden Einwohner wurden plötzlich durch Geschützdonner erschreckt. Die Schiffe im Hafen wurden überwunden, und in bunter Unordnung drängte sich der Feind an das Land, setzte an den schwächsten Stellen der Stadtmauer die Sturmleitern an und bemächtigten sich an verschiedenen Stellen der Gräben. Die plötzliche Not hatte alle Gemüter verwirrt, aber bald waren Soldaten und Bewohner zu gemeinsamer Verteidigung gerüstet, eilten an die gefährlichsten Stellen und stießen die Eindringlinge in die Gräben zurück. Kein einziger kam in die Stadt. Über das Mißlingen des Sturmes tröstete sich Soora mit dem besseren Erfolg des Kunstfeuers und der Geschütze. Eine mächtige Feuersbrunst verzehrte fast sämtliche Schiffe der Portugiesen, jubelnd über den durch das Feuer angerichteten Schaden zeigten sich die Achener des andern Morgens auf ihren festlich bewimpelten Schiffen und gebärdeten sich als Sieger, aber das grobe Geschütz aus der Stadt setzte ihnen derart zu, daß sie abzogen und bei der Insel Upe Stellung nahmen. Arme Fischer aus Malakka, welche die Nacht über mit Fischfang zugebracht hatten, stießen auf einen Hinterhalt der Feinde und wurden gefangen zu Soora geführt. Dieser ließ jedem von ihnen Nase und Ohren abschneiden und schickte sie so zurück mit einem Brief an den Statthalter von Malakka, Don Francesco de Melo. Der Brief lautete: „Ich, Bajaja Soora, der die Ehre hat, den Reis des großen Sultans Alradin, des Königs von Achen und aller der Länder, welche beide Meere bespülen, in goldenen Gefäßen zu tragen, tue dir kund, daß du deinem König anzeigen sollst, daß ich mich gegen seinen Willen hier befinde und seine Festung durch mein wildes Gebrüll in Schrecken setze und so lange hier bleiben werde, als es mir gefällt. Ich nehme zu Zeugen dessen, was ich sage, nicht nur die Erde und ihre Völker, sondern auch alle Elemente bis zum hohen Himmel des Mondes hinauf und durch diese Worte meines Mundes erkläre ich ihnen, daß dein König weder Tapferkeit noch Ruhm hat, daß seine niedergeschlagenen Standarten sich immer erheben können ohne Bewilligung desjenigen, der ihn soeben besiegt hat, daß ferner durch diesen erkämpften Sieg mein König den deinigen vollständig überwunden hat. Von diesem Tage an ist dein König Alradins Untertan und Sklave. Endlich, damit du dich recht von dieser Wahrheit überzeugen mögest, fordere ich dich auf, an dem Ort, wo ich mich jetzt befinde, dich im Kampf mit mir zu messen; wenn du Mut fühlst, so komme.“ Diese lächerliche Aufgeblasenheit charakterisierte den Barbaren vollständig. Der Statthalter und seine Räte gerieten in nicht geringe Verlegenheit, was zu tun, ob die Herausforderung anzunehmen oder zu ignorieren sei; wie dieselbe annehmen in Ermangelung aller Schiffe; wie sie ausschlagen, ohne sich zu entehren! Mittlerweile trat Pater Franz, welchen der Statthalter in dieser Angelegenheit hatte zu sich bitten lassen, in die Versammlung und man gab ihm den Brief des Soora zu lesen. Der Heilige, wohl wissend, daß es sich weniger darum handelte, die Portugiesen aus Malakka zu vertreiben, als die Christen im ganzen Morgenland zu vertilgen, erklärte, daß die Herausforderung angenommen werden müsse, denn die Ehre der christlichen Religion sei hier mehr im Spiel als die Interessen der Krone Portugals; wenn hier nicht entgegnet werde, so gehe der Übermut dieser Barbaren ins Schrankenlose und andere mohammedanische Fürsten fänden Ermutigung. Ihnen müsse gezeigt werden, daß der Schöpfer Himmels und der Erde mächtiger sei, als der König Alradin von Achen. Der Statthalter entgegnete: „Woher sollen wir aber die Schiffe nehmen, um uns in eine Seeschlacht einlassen zu können? Von den acht Fahrzeugen im Hafen sind nur noch vier zerbrochene Rümpfe übrig. Aber selbst wenn diese noch seetüchtig wären, was könnten wir mit ihnen ausrichten gegen die stolze Flotte des Feindes?“ Xaver entgegnete: „Wie groß und alle Vorstellungen übertreffend die Zahl der feindlichen Schiffe sein mag, so dürfen wir uns doch für den Stärkeren halten, da wir den Himmel auf unserer Seite haben. Wer würde uns den Sieg streitig machen wollen, wenn wir im Namen des Herrn kämpfen!“ Keiner wagte es, gegen die Worte des Heiligen Widerspruch zu erheben, und man begab sich ins Arsenal. Hier befand sich noch eines jener Schiffe, welche man Kadur nennt, in brauchbarem Zustand, außerdem sieben zerfallene, zum Verbrennen taugliche Fusten, d.i. kleine Fahrzeuge mit Rudern und Segeln. Man wandte sich behufs Ausbesserung an den Oberaufseher des Arsenals, Eduard Barreto, doch dieser weigerte sich, den Auftrag anzunehmen, unter dem Vorwand, das Magazin sei nicht mit dem hierzu nötigen Ausbesserungsmaterial versehen und die Arsenalkasse sei erschöpft. Dem Statthalter entsank der Mut. Xaver jedoch, von heiliger Begeisterung erfaßt, umarmte jeden der sieben Schiffskapitäne, welche an der Beratung teilgenommen hatten, und bat jeden, eines der schadhaften Fahrzeuge zu übernehmen und für Ausbesserung desselben Sorge zu tragen. Keiner mochte dem Willen des Heiligen entgegen sein, und jeder der Kapitäne übernahm ein Schiff. Mehr als 100 Handwerksleute begannen ihre Tätigkeit, und nach fünf Tagen waren die Fahrzeuge hergestellt und mit allem ausgerüstet, was zur Seeschlacht notwendig war. Den Kadur übergab nun Melo dem im Seekrieg tüchtigen Andreas Toskan. Unter die übrigen Kapitäne verteilte er 180 auserlesene Krieger, und als Admiral der kleinen Flotte bestimmte er Franz Deza. Xaver hätte die Flotte gerne geleitet, aber die Bewohner waren seinetwegen bekümmert und brachen in laute Klagen aus und bewegten ihn dadurch, von seinem Vorhaben abzustehen. Am Abend vor der Abfahrt versammelte er Kapitäne und Soldaten, sagte ihnen, daß er sie wenigstens im Geiste begleiten werde und daß sie in der Hitze des Gefechtes öfters einen Blick auf den Heiland werfen möchten, Furcht bliebe ihnen dann fern und sie würden sich glücklich schätzen, ihrem Erlöser Leben für Leben geben zu können. Die Soldaten waren durch die Worte Xavers so begeistert, daß sie feierlich gelobten, ihr Blut bis auf den letzten Tropfen für Christus zu lassen, worauf der Heilige ihr Sündenbekenntnis hörte und ihnen die heilige Kommunion reichte. Am folgenden Tag schifften sie sich ein und waren so fröhlich und wohlgemut, als ginge es zu einem Fest. Doch nur zu bald wurde ihre Freude getrübt. Das Admiralsschiff bracht, als kaum die Anker gelichtet waren, mitten entzwei, und nur mit Not konnte die Mannschaft gerettet werden. Das am Ufer versammelte Volk sah in dem Versinken des Schiffes ein Zeichen schlimmer Vorbedeutung, begann zu murren und verlangte mit großem Geschrei die Rückkehr der übrigen Schiffe. Der Statthalter, einen Aufstand befürchtend, sandte zu Pater Franz, welcher eben in der Kirche zu Unserer Lieben Frau vom Berge die heilige Messe feierte. Der Bote nahte dem Heiligen und wollte leise mit ihm reden. Dieser aber wies ihn sanft zurück und las die heilige Messe zu Ende. Hierauf sprach er zum Abgesandten: „Gehe hin und sag deinem Statthalter: Der Verlust eines Schiffes darf unsern Mut nicht niederschlagen.“ Darauf kniete er vor dem Bild der heiligen Jungfrau nieder, also betend: „O mein Jesus, Du Liebe meines Herzens, siehe mich an mit Deinem gnädigen Blick. Auch du, heilige Jungfau, habe Mitleid mit mir. Herr Jesus, siehe an Deine heiligen Wundmale und sei eingedenk, daß wir dadurch berechtigt sind, Dich um alles zu bitten, was zu Deiner Ehre und zu unserm Heile gereicht.“ Der Statthalter, den das Murren des Volkes außer Fassung gebracht hatte, machte dem Pater bei dessen Rückkehr Vorwürfe und maß ihm alle Schuld bei. Franz tadelte mit sanften Worten den herrschenden Wankelmut: „Wie mögt ihr doch eines Unfalles wegen, der nicht von großer Bedeutung ist, allen Mut sinken lassen!“ Hierauf gingen sie miteinander an das Ufer des Meeres, wo die Bemannung des Admiralsschiffes in tiefer Entmutigung stand. Xaver suchte die Soldaten aufs neue anzufeuern und erinnerte sie an den dem Herrn geleisteten Schwur. Er sagte ihnen, der Himmel habe diese Prüfung als Probe ihrer Treue zugelassen, dabei aber die schützende Hand über sie gehalten, damit sie ihr Gelöbnis erfüllen könnten. Der Statthalter berief aufs neue den Kriegsrat, und allgemein wurde das Unternehmen als tollkühn verworfen. Nur die Soldaten und Anführer der Flotte erhoben Widerspruch: die Mannschaften seien ja nicht gemindert, und mit sechs Fusten könne man ebenso tapfer schlagen wie mit sieben. Hierauf nahm der Heilige das Wort: „Die verlorene Fuste wird bald ersetzt sein, noch ehe die Sonne untergeht, werden Schiffe ankommen, die besser zu unserm Zwecke taugen, als das untergegangene. Dies sei euch im Namen des Herrn verkündigt.“ Die ganze Versammlung, erstaunt über die so bestimmt ausgesprochene Versicherung, fand es jetzt für gut, den Beschluß der Beratung auf den morgigen Tag zu verschieben. Mit Ungeduld harrte man der Erfüllung des Versprechens und spähte bis zum Sonnenuntergang nach allen Richtungen am Meer umher. Schon wollte der Zweifel triumphieren, da erblickte man vom Turme der Kirche zu Unserer Lieben Frau vom Berge die Flaggen von Norden kommender portugiesischer Schiffe. Der Statthalter sandte sofort ein Boot ab, welches kurz darauf die Nachricht brachte, daß es protugiesische Handelsschiffe seien, welche, aus dem Königreich Patana kommend, geradewegs auf Peku zusteuern wollten, den Hafen von Malakka wollten sie links liegen lassen, weil sie keine Lust hätten, die üblichen Gebühren zu entrichten. Der Statthalter begab sich mit dieser Kunde sofort zu Pater Franz, den er in der Kirche zu Unserer Lieben Frau vom Berge in andächtigem Gebet fand und sagte ihm, seine Prophezeiung gehe zwar in Erfüllung, aber in einer Art, woraus für ihr Vorhaben doch kein Nutzen erwachse. Xaver übernahm es, die Schiffe anzuhalten. Ungesäumt bestieg er das Boot, welches vorhin auf Kundschaft ausgesandt war, und eilte den Kauffahrern nach. Als die beiden Schiffsherren den ehrwürdigen Missionär kommen sahen, wandten sie um und empfingen ihn mit Ehrerbietung. Dieser brachte sein Anliegen vor, gab zu bedenken, daß sie weiter segelnd den Barbaren zur Beute würden, daß sie für die Ehre des Namens Christi und das Ansehen der portugiesischen Krone dieses Opfer nicht scheuen möchten. Die Schiffsherren prüften den Stand der Sache, fügten sich den Gründen des Paters und liefen wirklich unter dem Jubel der Volksmenge in den Hafen von Malakka ein. Nach diesem Ereignis war niemand mehr im Zweifel, daß das Unternehmen ausgeführt werden müsse. Nachdem alles segelfertig stand, übergab Xaver dem Admiral Deza die Fahne, welche vorher feierlichst eingeweiht war. Die Zahl der Schiffe betrug nunmehr neun, und die Besatzung belief sich auf 230 Mann. Am 25. Oktober lief die Flotte aus. Dieselbe hatte vom Statthalter den Befehl bekommen, sich nicht über Pulo Cambilan, den äußersten Punkt der portugiesischen Besitzungen hinauszuwagen, den Feind aus dem Lande zu vertreiben, sei der Zweck des Unternehmens, aber nicht, denselben im Übermut in anderer Herren Länder zu verfolgen. Schon nach vier Tagen kamen die mutbeseelten Krieger an dem soeben bezeichneten Grenzpunkt an, ohne vom Feind die geringste Spur entdeckt zu haben. Der Admiral machte Anstalten, den Rückweg anzutreten, aber Streitlust der Untergebenen und die Hoffnung auf eine vollständige Niederlage der Sarazenen waren so stark, daß er dem Drängen nachgab. Der kriegerische Mut wurde jedoch bald in etwas gekühlt, indem ein so ungünstiger Wind zu wehen begann, daß sie volle 23 Tage vor Anker bleiben mußten. Als der Lebensmittelvorrat aufgezehrt war und der Wind noch immer keine Rückkehr nach Malakka ermöglichte, beschloß man, in dem in der Nähe des Königreiches Siam gelegenen Tenasserim sich mit dem Notwendigsten zu versehen. Malakka befand sich während dieser Zeit in großer Unruhe. Anfangs war es dem Pater gelungen die aufgeregten Gemüter zu beschwichtigen, als aber nach Verlauf eines Monates nicht die geringste Nachricht über den Zustand der Flotte eingelaufen war, da hielt man einen unglücklichen Ausgang des Kampfes für gewiß. Zauberer und Wahrsager, welche von heidnischen Frauen über das Schicksal der Krieger befragt wurden, trugen viel zur Befestigung der falschen Annahme bei, und das Volk lehnte sich entschieden gegen den Heiligen auf. Selbst der Statthalter fing an, schwankend zu werden. Der Heilige aber bewahrte allen Anfeindungen gegenüber die vollkommenste Ruhe und äußerte immer mit heiterer Zuversicht: „Über ein kurzes wird man die Flotte siegreich zurückkehren sehen.“ Nach jeder Predigt, nach jedem Gottesdienst forderte er die Gläubigen auf, ihre Gebete zum Himmel zu senden, um des dauernden Beistandes von oben sicher zu sein. Die Mehrzahl aber spottete seiner und sagte, das Gebet könne wohl den Seelen der in der Schlacht Gefallenen zugute kommen, aber nimmer vermöge es eine Niederlage in einen Sieg zu verwandeln. In dieser allgemeinen Bestürzung zeigte sich eine neue Gefahr. Der König von Bintan auf Sumatra hatte schon lange Gelegenheit gesucht, das unter der Herrschaft seines Vaters verlorene Malakka wiederzuerobern und jetzt, da er die Stadt aller Truppen ziemlich entblößt erachtete, hielt er die Gelegenheit für günstig, sich des ehemaligen Besitztumes wieder zu bemächtigen, schiffte sich mit 600 Segeln ein und lagerte 6 Meilen westlich von Malakka an der Mündung des Flusses Muar. Um mit List zum Ziel zu gelangen, wandte er sich friedlich an Melo, ihm Unterstützung antragend, er habe eine Flotte gegen den König von Patana gerüstet, sei aber, da er vernommen habe, daß die Portugiesen eine Niederlage im Kampf mit den Achenern erlitten hätten, gesonnen, als Freund Portugals die gefährdete und von Truppen entblößte Stadt zu schützen, man möge ihn daher einziehen lassen und ihm die Verteidigung der Stadt anvertrauen. Melo, durch die beharrliche Gemütsruhe des Paters auch beruhigt, durchschaute das Truggewebe und setzte List gegen List. Er antwortete, die Stadt bedürfe fremder Hilfe nicht, da sie vollständig mit Mannschaften und Kriegsvorräten versehen sei. Ein Held wie er dürfe den einmal beschlossenen Feldzug weder aufgeben, noch auf dem Weg sich aufhalten lassen. Das Opfer, welches er zu bringen gedenke, sei noch umso mehr überflüsssig, da ja die portugiesische Flotte nicht als besiegt, sondern als Siegerin mit reicher Beute beladen zurückerwartet werde. Das Schreiben des Statthalters hielt den König von Bintan in Schach. Er betrachtete es als das Klügste, nichts zu unternehmen, bevor sichere Nachricht über das Schicksal der beiden Flotten eingetroffen sei. Jetzt zum Schauplatz des malakkischen Seegeschwaders zurück. Sein Vorhaben, gegen Tenasserim zu segeln, hatte Deza des Wassermangels wegen ändern müssen. Um zu einer Quelle zu kommen, segelte man im Flusse Parlez eine Strecke stromaufwärts. Zur Nachtzeit begegnete man einem Fischernachen. Derselbe wurde angehalten und man erfuhr durch die Schiffer, daß die Achener ringsum alles verwüstet und geplündert hätten und im Begriffe ständen, eine Festung zu erbauen. Diese Nachricht erregte die freudigste Stimmung unter den Portugiesen. Deza, im Übermaß seiner Freude, beging die Unvorsichtigkeit, zum Zeichen, daß der Feind entdeckt sei, alles Geschütz losbrennen zu lassen. Klüger war die Aussendung von drei Fusten auf Kundschaft. Diesen kamen vier feindliche Brigantinen oder Rennschiffe entgegen, um zu erforschen, was der vernommene Kanonendonner zu bedeuten habe. Drei Brigantinen wurden sofort von den Fusten geentert, die vierte entkam durch die Flucht. Die Bemannung wurde bis auf sechs getötet, und diese setzte man, da sie nicht freiwillige Geständnisse über Stellung und Zahl der Feinde machen wollten, auf die Tortur. Zwei starben auf der Folter, zwei wurden wegen beharrlicher Auskunftsverweigerung ins Meer geworfen, die beiden andern ließen sich endlich zu Geständnissen bewegen, sagten aus, daß die Zahl der Achener sich, die Matrosen mitgerechnet, auf 10000 belaufe, daß der König, dessen Land sie erobert, sich nur durch die Flucht habe retten können, daß über 2000 Bewohner des eroberten Landes ermordet und ungefähr ebenso viele zu Sklaven gemacht seien; die Achener ständen jetzt im Begriffe, eine Zitadelle zu bauen, nicht nur, um den Schiffen die Vorüberfahrt zu wehren, sondern auch alle Christen, die ihnen in die Hand fallen würden, umzubringen. Durch diese Nachricht wurde der Mut der Soldaten aufs neue entflammt. Deza warf sich in ein Boot, musterte die Flotte und legte allen Soldaten ans Herz, den Worten Xavers gemäß während des Kampfes Jesus, den Gekreuzigten, vor Augen zu haben und des Gelübdes zu gedenken, das sie getan. Der Führer suchte nun, damit er mit den wenigen Schiffen nicht eingeschlossen werden könne, eine günstige Stelle im Fluß und harrte dort der Achener. Diese, durch die geflüchtete Brigantine benachrichtigt, begaben sich alsbald zu Schiff, und nur 200 Mann zur Bewachung der 2000 Gefangenen zurücklassend, segelten sie eiligst dem Feind entgegen. Sie kamen, von günstigen Winden unterstützt, mit solcher Geschwindigkeit den Fluß herunter, daß man, als Deza sich kaum wieder an Bord begeben hatte, schon ihren wilden Trommelschlag und ihr Geheul vernahm. Sie waren in zehn Glieder geteilt, von denen das erste aus den vier stärksten, die übrigen aus je sechs Schiffen bestanden. Die Wut der Barbaren war so groß, daß sie beim Anblick der portugiesischen Flotte alsbald das gesamte Geschütz losbrannten, verfehlten aber derartig ihr Ziel, daß nicht der geringste Schaden angerichtet wurde. Bald stießen die beiden Admiralschiffe aufeinander. Es kam zum Handgemenge, welches mit außerordentlicher Erbitterung eine Zeitlang währte. Da traf ein Kanonenschuß, auf dem Schiff des Ferdinand Skaretz abgebrannt, so gut, daß das Schiff des Soora in den Grund gebohrt wurde. Die drei das Admiralschiff begleitenden Gallionen, mit Rettung des Admirals und der vornehmsten Hauptleute beschäftigt, wandten sich seitwärts und nahmen keinen weiteren Anteil an dem Gefecht. Durch ihre Stellung wurden aber die folgenden Schiffe derart eingeengt, daß Glied auf Glied stieß und so der Feind sich selbst einschloß. Als die Portugiesen dies gewahrten, gaben sie jedem ihrer Schiffe eine möglichst vorteilhafte Stellung und feuerten dreimal aus allen Geschützen. Dies hatte den Untergang neun großer Schiffe zur Folge. Vier portugiesische Fusten enterten sodann sechs mohammedanische, die von Kanonenfeuer wenig gelitten hatten. Doch nun begann ein schreckliches Blutbad; mit dem Schwert in der Hand stürzten die Portugiesen in die feindlichen Schiffe und töteten binnen einer halben Stunde an 2000 Mann. Die Verwirrung der Feinde wuchs mehr und mehr, und viele zogen es vor, über Bord springend, lieber mit den Wellen als mit den Portugiesen zu kämpfen. Der feindliche Admiral, welcher, schon dem Ertrinken nahe, aus dem Wasser gezogen wurde, erholte sich jedoch wieder, versuchte die Reste seines Heeres noch einmal zu vereinigen, aber von einer Musketenkugel verwundet, entsank ihm aufs neue der Mut, und er entfloh mit zwei Schiffen. Die 500 adeligen Arobalons sowie die Janitscharen hatten gleiches Schicksal, entweder wurden sie erschlagen oder sie ertranken. Von der ganzen stolzen Flotte der Achener kamen nur jene mit dem Leben davon, die mit Soora die Flucht ergriffen hatten. Der Verlust der Portugiesen belief sich auf 26 Tote. Die Beute war groß. Zwei Schiffe, welche mit dem Raub der Barbaren beladen waren, kamen unbeschädigt in den Besitz der Sieger, außerdem noch 45 andere diensttaugliche Fahrzeuge und 300 Kanonen, darunter 62 mit dem Wappen Portugals versehene, die in verschiedenen Kämpfen zu verschiedenen Zeiten in die Hände der Besiegten gefallen waren. Der König des verwüsteten Landes brach jetzt aus dem Hinterhalt hervor, fiel über die Achener her, welche noch an der Zitadelle beschäftigt waren, tötete sie und befreite auch die 2000 Gefangenen. Alsdann begab er sich zum Admiral Deza, belobte diesen wegen der bewiesenen Tapferkeit und erbot sich freiwillig aus Dankbarkeit zur Entrichtung eines jährlichen Tributes an die Krone von Portugal. Deza säumte nicht, eine Fregatte mit der Siegesbotschaft nach Malakka zu senden; dort war man aber bereits unterrichtet. Am vierten Sonntag des Dezember predigte der heilige Xaver in der großen Kirche. Gerade in dem Augenblick, als die beiden Flotten im Parlez aufeinander-stießen, hielt er plötzlich inne, und von einer höheren Begeisterung ergriffen, schien er sich mit einer ganz andern Sache zu beschäftigen. Statt den Faden seiner Predigt wieder aufzunehmen, kündigte er den in höchster Spannung verharrenden Zuhörern den begonnenen Kampf in dunklen Worten an. Er schien denselben mitzuerleben, denn er geriet in immer höheres Feuer der Begeisterung. Sein Angesicht begann zu glühen, seine Blicke loderten, endlich sprach er tief aufseufzend mit erhobenen Augen folgendes Gebet: „Ach, Jesus, Gott meines Herzens, Vater der Barmherzigkeit, ich bitte Dich demütig durch die Verdienste Deines bitteren Leidens, Du wollest Deine Soldaten nicht verlassen!“ Nach diesen Worten ließ er, wie in großer Erschöpfung, das Haupt sinken und, dasselbe in die Hände stützend, verharrte er so eine Zeitlang. Plötzlich erhob er sich und mit lauter Stimme freudigen Entzückens rief er: „Jesus Christus, meine Brüder, hat für und mit uns gekämpft und gesiegt. In eben dieser Stunde haben die Soldaten seines heiligsten Namens das Werk vollendet, die feindliche Flotte in Unordnung gebracht und ein Blutbad angerichtet, wobei nicht mehr als vier der Unsrigen umgekommen sind. Am nächsten Freitag werdet ihr die Siegesbotschaft offiziell erfahren und bald die nachrückende Flotte erblicken.“ So unglaublich die Tatsache auch erscheinen mochte, wagte niemand, auch der in der Kirche anwesende Statthalter de Melo nicht, die Worte des Paters in Zweifel zu ziehen. Am Nachmittag wiederholte er diese Aussage abermals in der Kirche Unserer Lieben Frau vom Berge, und zwar vorzugsweise vor den versammelten Frauen und Müttern der auf der Flotte dienenden Soldaten. Gleich in den ersten Tagen der Woche verließ der arglistige König von Bintan seine Stellung und ging in sein Land zurück. Er hatte nämlich bestimmte Nachricht von der Niederlage seines Bundesgenossen Soora erhalten und zog es jetzt vor, seine feindlichen Pläne aufzugeben. Am Freitag traf die Fregatte, und bald nachher auch die Flotte unter unbeschreiblichem Jubel des Volkes ein. Den Mittelpunkt der Verherrlichung bildete Pater Franz. Dieser aber begrüßte die Heimkehrenden mit dem Kruzifix in der Hand, um anzudeuten, wem dieser Sieg zu verdanken sei.

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