DER GROSSE SIEG VON WIEN

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Auch mit der Schlacht von Lepanto war die Gefahr der Türken noch keineswegs beseitigt. Hundert Jahre später bereitete sich ein neuer Ansturm auf die Kultur des Abendlandes vor, der ganz Europa in Schrecken versetzte. Aber wiederum errettete Maria das Abendland. Die drohende Machtentfaltung des Islams, die sich über Asien und den ganzen Norden Afrikas erstreckte, wurde – wie wir bereits sahen – zu allererst von den Päpsten erkannt. Jetzt war es wieder die Gestalt eines Papstes, Innozenz‘ XI., der die europäischen Mächte aufrief, dem drohenden Sturm zu trotzen. Maria sollte in diesem Kampf wiederum die entscheidende Rolle spielen.

Der damalige Sultan rüstete ein Heer von erstaunlicher Macht. Es zählte nicht weniger als 180.000 Mann. Mit ihm rückte er, von Ungarn kommend, 1683 vor Wien und schloß in kürzester Frist die Kaiserstadt ein. Mit knapper Not entging der Kaiser selbst der Belagerung. Noch am 7. Juli konnte er mit seiner Familie aus der Stadt flüchten. Aber schon vorher hatte er alles darangesetzt, ein neues Bündnis der europäischen Mächte gegen den Islam zustandezubringen. Seine mächtige Hilfe in höchster Gefahr war der Kapuziner P. Markus von Aviano, ein glühender Verehrer der Gottesmutter, dem der Ruf der Heiligkeit vorauseilte. Einem zweiten Antonius von Padua gleich und von ähnlicher Beredsamkeit, dazu mit der Gabe der Wunder begnadet, hatte er bereits viele Staaten und Städte Europas besucht, wobei er durch seine Bußpredigten und die durch ihn bewirkten Heilungen die Herzen der Gläubigen erschütterte. Jetzt wurde er die Seele des Kampfes gegen die Türken. In starkmütigem Gottvertrauen überantwortete er dieses Anliegen der mächtigen Fürbitte der allerseligsten Jungfrau. Und wunderbar, wie seine zum Himmel stürmenden Gebete, vereinigt mit denen der ganzen Christenheit, erhört wurden. Am Vigiltage von Mariä Himmelfahrt, am 14. August 1683, erhielt er alle Vollmachten eines Päpstlichen Legaten beim christlichen Heer. Durch die Großzügigkeit Papst Innozenz‘ XI. war es gelungen, den König der Polen für die Sache der christlichen Nationen zu gewinnen. Am Tag nach dem Hochfest der Muttergottes wurde das Bündnis der Heiligen Liga unterzeichnet, der sich durch P. Markus‘ Vermittlung auch Venedig als größte christliche Seemacht der damaligen Zeit anschloß. Während der Kaiser 60.000 Mann stellte, schickte Sobiesky, der polnische König, 40.000 Mann und der Kurfürst von Bayern 10.000 Mann, dazu kamen noch zahllose Kontingente deutscher und anderer Fürsten. Auf des Paters Wunsch wurde die gesamte Armee unter das Kriegsbanner der allerseligsten Jungfrau gestellt, wie auch P. Markus dem Kaiser riet, zur Erlangung ihrer mächtigen Fürbitte das Fest der Unbefleckten Empfängnis feierlich zu begehen. Auch den Truppen der Kurfürsten flatterten die Fahnen der Muttergottes voran. Die Zeit drängte; schon waren erhebliche Breschen in die Mauern Wiens geschossen. Ein Wunder, daß der Feind nicht längst zum Generalsturm angetreten war. Da vereinigten sich endlich die christlichen Heere westwärts der Hauptstadt.

Der Festtag der Geburt Mariens, der 8. September, war von P. Markus in tiefem Vertrauen auf die Macht der seligsten Jungfrau ausersehen worden, um die letzten Vorbereitungen für den entscheidenden Angriff zu treffen. Es war der Tag einer gewaltigen Heerschau der christlichen Armeen vor den Bilde der Muttergottes, das vor dem Zelt des König Sobiesky auf festlich geschmücktem Altar aufgestellt war, um hier beim heiligen Opfer dem Allermächtigsten noch einmal die Sache der Christenheit anzuvertrauen. Das reich mit Edelsteinen besetzte Bild der Muttergottes war eine Kopie des Gnadenbildes von Tschenstochau, das der König auf allen Kriegszügen mit sich führte. P. Markus selbst aber hatte Tag und Ort bestimmt, um vor dem Bild der himmlischen Siegerin den Truppen feierlich den päpstlichen Segen zu erteilen. Durch dessen Empfang wurde allen Teilnehmern an diesem Kampf ein vollkommener Ablaß gewährt. König Sobiesky selbst diente bei der heiligen Messe und empfing mit seinen Söhnen und allen anderen Heerführern die heilige Kommunion. Es war ein herrlicher Anblick, wie sich in sieben weißen Zelten, die gegenüber dem königlichen Zelt aufgerichtet waren, die übrigen Heerführer drängten, „alles was nur immer groß war in Deutschland und in Polen“, so die Kurfürsten Max Emanuel von Bayern und Johann Georg von Sachsen, die Herzöge von Sachsen-Lauenburg, Eisenach und Weißenfels, von Braunschweig-Lüneburg, Württemberg, Holstein und Pfalz-Neuburg, dazu die Brüder der regierenden Kaiserin und viele andere mehr. Hinter den Zelten der Fürsten aber lag das ganze buntgewürfelte Heer der christlichen Streiter, nach Regimentern gereiht, auf den Knien und folgte mit Inbrunst der heiligen Handlung. Als das heilige Opfer beendet war, hielt P. Markus eine zündende Ansprache an das versammelte Heer und an seine Führer und bereitete sie auf die Erweckung eines vollkommenen Reueaktes vor, wie er dies stets bei seinen großen Bußfahrten zu tun pflegte. Als er den Reueakt vorbetete, war er selbst tief ergriffen, ein Strom von Tränen entstürzte seinen Augen. Darauf erteilte er den Päpstlichen Segen. „Er fragte uns“, so berichtet Sobiesky selbst in einem Brief, „ob wir Vertrauen auf Gott hätten, und auf unsere einstimmige Antwort, daß wir ein vollkommenes und gänzliches Vertrauen auf ihn hätten, ließ er uns mit sich mehrere Male nacheinander wiederholen: ‚Jesus Maria, Jesus Maria!‘ Doch damit nicht zufrieden, durchschritt P. Markus das Heer, drängte sich durch die Reihen der Krieger, suchte mit einem Kreuze alle zur tiefen Reue über ihre Sünden zu bewegen und gab den einzelnen Schwadronen und Bataillonen noch gesondert seinen priesterlichen Segen. Dabei mühte er sich weit über seine Kräfte, aber diese Bemühungen waren von großem Erfolg gekrönt. An jenem denkwürdigen Fest der Geburt der seligsten Jungfrau widerhallte weithin im Heere immer wieder der Ruf: ‚Ich habe gesündigt, ich habe gesündigt, Barmherzigkeit, o Herr!‘ Ja selbst die Irrgläubigen, Protestanten und andere, erweckten mit tiefer Inbrunst den Akt der Reue und wurden nicht müde, Gott um Verzeihung der Sünden zu bitten!“ So bereitete ein wahrhaft heiliger Priester die christliche Armee in unvergleichlicher Weise auf die Schlacht vor, die mit dem größten Sieg enden sollte, den das christliche Abendland in den letzten Jahrhunderten errungen hat.

Die Feierlichkeiten werden von manchen Historikern fälschlicherweise auf den 12. September verlegt. In Wahrheit aber hatten die Truppen erst in der Nacht zum 12. den Kahlenberg besetzt, von dem die Schlacht ihren Namen erhielt, und es war an diesem Morgen vor der Schlacht nur noch Zeit zu einer stillen heiligen Messe in der zerstörten Josefskirche. Und dann begann der denkwürdige Kampf unter dem Schutz der allerseligsten Jungfrau, der mit einem beispiellosen Sieg endete. Mit dem Kruzifix in der Hand, an dessen unterem Balken ein Bild der Schmerzhaften Mutter befestigt war, eiferte P. Markus die Kämpfenden wieder und wieder an, wobei er die Worte rief: „Sehet das Kreuz des Herrn, fliehet ihr feindlichen Mächte!“ Über seinem Haupte will man eine weiße Taube gesehen haben, die südwärts Wien entgegenflog. Und türkische Augenzeugen behaupteten, daß sie über dem christlichen Heer eine Riesengestalt erblickt hätten, die, mit einem Kreuz in der Hand, von der Erde bis in den Himmel ragte. Sie habe mit dem Kreuz Bewegungen und Gegenbewegungen gemacht, die die Türken in Schrecken versetzten und ihre militärischen Aktionen in Verwirrung brachten, so daß sie sich wie von übernatürlicher Gewalt gezwungen sahen, die Flucht zu ergreifen. Die Flucht des Feindes kam den christlichen Heerführern wie ein Wunder vor, hielten sie dieselbe doch zunächst für eine Kriegslist. Und erst nach einer in Waffen durchwachten Nacht glaubten sie an den Sieg. Er war ein vollständiger. Nicht nur wurde das schwerleidende Wien nach 62tägiger Belagerung aus furchtbarer Bedrängnis befreit, nein, der überstürzt flüchtende Feind ließ sein ganzes kostbares Lager mit unübersehbaren Schätzen und der gesamten Artillerie zurück. Die Kostbarkeiten der Türken waren kaum auf 1000 Wagen fortzuschaffen.

Beim Einzug in Wien aber begaben sich Sobiesky, der Kaiser, und die Führer der christlichen Armeen sogleich zum Gnadenbild der allerseligsten Jungfrau, um derjenigen zu gedenken, die in Wahrheit durch ihre mächtige Fürbitte den Sieg errungen – zum Bildnis des Lorettoheiligtums in St. Augustinus. Hier auch fand das feierliche Dankamt für die beispiellose Hilfe Gottes statt.

Mit Recht sagte P. Markus in einer seiner Predigten: „Es ist allgemeine Meinung, auch unter den Religionswidrigen, daß der Entsatz der belagerten Stadt Wien ein wahres Wunder des göttlichen Beistandes gewesen sei, ein Wunder infolge der stürmischen Gebete der Christenheit!“ (Heyret 314.)

Papst Innozenz XI. aber setzte zum Dank für die mächtige Hilfe Mariens auf den Tag des 12. September das Fest „Mariä Namen“ ein, das er fortan zum Gedächtnis des großen Sieges von Wien, der in ihrem Namen erfochten wurde, in der gesamten Kirche zu feiern befahl. Maria hatte seit Lepanto den wohl gewaltigsten Sieg der christlichen Geschichte errungen!

(Zuerst veröffentlicht in „DAS ZEICHEN MARIENS„, Oktober A.D. 1988, Seiten 6959-6962)

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Siehe dazu auch:

Ein Kommentar zu “DER GROSSE SIEG VON WIEN

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